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Sonntag, 30. August 2020

In die Kirche, der Wärme wegen

Ein Gedanke
Armut in der reichen Stadt Zürich
Foto © Jörg Niederer
"Der Regen trieb uns in die Kirche - unsere Zuflucht, unsere Kraft, unser einziges trockenes Haus. ... Limerick war für seine Frömmigkeit berühmt, aber wir wussten, es war nur der Regen." 
Aus Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter

Ein Bibelvers - Sprüche 14,31
"Wer einen Geringen unterdrückt, schmäht seinen Schöpfer, aber wer Erbarmen hat mit einem Armen, ehrt ihn."

Eine Anregung
"Mr. Quinlivan (ein Mitarbeiter vom katholischen Hilfswerk "Gesellschaft des Hl. Vincent de Paul") tritt auf Nora zu und zeigt mit dem Finger auf sie. Wisst ihr, was wir hier haben? Wir haben eine Suppenseele in unserer Mitte, Die Suppenseelen hatten wir schon während der Grossen Kartoffelhungersnot. Die Protestanten sind herumgegangen und haben guten Katholiken erzählt, wenn sie ihren Glauben aufgeben und Protestanten werden, bekommen sie mehr Suppe als in ihre Mägen passt, und, Gott helfe uns, einige wenige Katholiken nahmen die Suppe an, verloren ihre unsterbliche Seele und sind seitdem und immerdar als Suppenseelen bekannt. Und Sie, wenn Sie zu den Quäkern gehen, werden Sie Ihre unsterbliche Seele verlieren und die Seelen Ihrer Kinder gleich noch obendrein.
Dann Mr. Quinlivan, werden Sie uns retten müssen, stimmt's?" 
Aus Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter

Mit welcher Motivation ein Mensch in die Kirche geht, kann sehr unterschiedlich sein. In Frank McCourts autobiographischem Roman sind es die von Armut geprägten Lebensumstände. Den feuchten, dunklen Wohnräumen entflieht man für ein, zwei Stunden in die trockene, warme Kirche. Auch für Suppe und Seife ist man bereit, der Kirche die Aufwartung zu machen. Nora, eine der Bedürftigen, spielt dabei geschickt die Konfessionen gegeneinander aus, um mehr Unterstützung von  katholischer Seite zu erhalten. Überleben ist halt manchmal wichtiger als "Ewigleben".
Heutzutage lohnt es sich auch, über vorgeschobene Gründe nachzudenken, mit denen man der Kirche den Rücken gesichtswahrend zuwenden kann. Ist es die antiquierte Sprache? Sind es die traurigen alten Lieder? Ist es der Papst? Missbrauchsfälle? Langweilige Predigen? Sexualmoral?
Also ich gehe trotzdem weiter in die Kirche. Und das nicht nur, weil ich als Pfarrer "muss". Und ja, bei uns ist es auch warm und trocken im Kirchenraum. Sogar im Winter.

Heute Sonntag um 10.30 Uhr wird die Predigt aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen per Youtube übertragen. Darin geht es um den Glauben: 
Vorbildlicher Glaube zeigt sich gelegentlich auf unerwartete Weise. Aber Vorurteile können hinderlich sein, um das Gute zu erkennen. Es gilt, Grenzen zu überwinden. Mehr unter  https://youtu.be/1Z4Z1CvkkTk


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