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Freitag, 12. Dezember 2014

Ein Missionar für die Schöpfung – mit einem Team in Peru den Opfern des Klimawandels begegnet

Ein Reisebericht von Marietjie Odendaal

Anahi Alberti D'Amato, Bischof Aguilar und Annie Solis
Das General Board of Global Ministries (GBGM) – das Missionsorgan der weltweit tätigen United Methodist Church – hat einen Missionar mit dem Auftrag berufen, sich für die Schöpfungsgerechtigkeit einzusetzen. Denn Christen stehen wir nicht nur in Beziehung zu Gott und zueinander, sondern zu allen Geschöpfen und zur ganzen Schöpfung. GBGM hat erkannt, dass es der christliche Auftrag ist, sich als Zeugen von Gottes Liebe mit leidenden Menschen überall auf der Welt zu verbünden, aber auch mit der Erde, die das Leben von allen bestimmt. In diesem Sinne ist Pat Watkins nun Missionar für die Schöpfung. Er hat ein sechsköpfiges Team aus verschiedenen Regionen und Kontinenten.

Dieses Team (ich bin die Delegierte aus Europa) trifft sich in diesen Tagen zum ersten Mal in Peru, zur selben Zeit in der der 20. UNO-Klimagipfel in Lima stattfindet. Das Programm besteht darin, einander kennenzulernen und unser Projekt miteinander abzusprechen. Wir treffen uns auch mit Mitgliedern der Methodistischen Kirche in Peru. Von diesen Besuchen möchte ich gerne einige Eindrücke teilen.

Zwei Drittel der Mitglieder der Methodistischen Kirche in Peru sind indigen und leben im Anden-Hochland. Wir haben zwei Gemeinschaften besucht und von ihnen gehört, wie sie klimatischen Veränderungen sich bei ihnen auswirken. Beide Gemeinschaften leiden unter Wassermangel. Ihre Ernte ist gefährdet, die Zukunft scheint sehr unsicher. Sind sie schuld daran? Das ist teilweise ihre Sorge. Eine dieser Gemeinschaften lebt unter dem Schatten eines globalen Konzerns, der Interesse hat an ihrem gemeinsames Land, um dort vorhandenen Bodenschätze abzubauen. Es ist nicht sicher, dass sie sich gegen  das Lobbying des Konzerns behaupten können.

Wir haben uns mit dem Bischof von Peru, Samuel Aguilar, getroffen. Auch er versteht den Auftrag der Kirche, Zeugen Jesu Christi zu sein und einander zu dienen, als unmittelbar verknüpft mit dem Auftrag, die Erde als Gottes Schöpfung zu schätzen und zu schützen. Deswegen leitet er eine Arbeitsgruppe, die sich der Bewahrung der Schöpfung widmet. Der Bischof reagiert damit auf die Nöte von Kirchenglieder, die ihren Lebensunterhalt verlieren und deren Rechte verletzt werden. Wie kann die Kirche helfen, und nicht jeder für sich alleine ums Überleben kämpfen muss? Wie kann die Kirche die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen? 

Ich frage mich, wie wir in Europa uns mit diesen Geschwistern in Peru, in Lima und auf der Hochebene, zusammenschliessen können. Ich frage mich, wie unser Leben in der Schweiz und in Frankreich die Not unserer Geschwister lindert oder vermehrt. Ich frage mich, welche Möglichkeiten wir haben, in unserem Alltag unserer „Verbundenheit über Kontinente hinweg“ gerecht zu werden. Ich frage mich, ob wir uns von der interreligiösen Kommission in Peru mit ihrem Spruch, „Die Zukunft des Planeten ist in unseren Händen“ ansprechen lassen. Ich frage mich, wie wir dazu beitragen, dass unsere Nachfolge Jesu Christi gerecht wird, dass das Wort Fleisch geworden ist, also Erde von unserer Erde.

Siehe auch:
Botschaft des GBGM-Generalsekretärs Thomas Kemper an die Beteiligten des Climate Summit in Lima/Peru 


Montag, 1. Dezember 2014

Vom Werden der Menschen

In der Adventszeit geht es auch um die Menschwerdung.
Heute leben über 7 Milliarden Menschen. Diese Menschen verbrauchen Ressourcen von eineinhalb Erden. Wir leben über unsere Verhältnisse. 2050 werden es 9 Milliarden Menschen sein.
Menschwerdung in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo
Menschwerdung in Kinshasa,
Demokratische Republik Kongo
Angesichts dieser Entwicklung, sollte man da nicht dankbar sein für jeden Menschen, der nicht geboren wird? 
Die Regulierung der Menschwerdung wurde verschiedentlich versucht, etwa in China mit der Einkind-Politik. Oft aber wollte man damit auch gleich den Lebenswert von Menschen definieren. Sterilisationen bei psychisch Kranken und Minderheiten (ent-)werteten deren Menschsein. Sätze wie „Diese Frau, dieser Mann dürfte eigentlich gar keine Kinder haben!“ höre ich gar nicht so selten. Welche Kriterien sollen das Recht auf Menschwerdung definieren?
Stichworte dazu: Vermeidung von behindertem Leben durch pränatale Diagnostik oder Präimplantantionsdiagnostik. Kondome für die Armen. Knaben statt Mädchen (Indien).
Ein Kriterium könnte auch der Resourcenverbrauch sein. Dann dürfte nur noch jeder 6. Kuwaiti Mensch werden (Verbrauch: 6 Erden); aber auch nur jeder 3. Schweizer (Verbrauch: 3 Erden). Dann hätte ich nur einen Sohn statt drei Söhne – aber welchen?


Erschienen in "Kirche und Welt", 12/2014

Mittwoch, 12. November 2014

Die Armut bekämpfen bedeutet auch die Umwelt schützen - Rückblick auf die StopArmut-Umweltkonferenz

(Elisabeth Roser) Die Armut bekämpfen bedeutet auch die Umwelt schützen - dies wurde sachlich und gleichzeitig  eindrücklich dargelegt an der StopArmut Umweltkonferenz in Biel vom 18.Oktober 2014. 
Im Hauptreferat erläuterte der Klimaethiker Dominic Roser in einfacher Weise die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Armut, und zeigte auf, dass es Lösungsansätze gibt. Unter http://www.stoparmut2015.ch/konferenz/videos-und-berichte/ findet sich nebst diesem Beitrag drei weiteren Referate des Konferenzvormittags aufgeschaltet. 
Dominic Roser an der StopArmut Umweltkonferenz

Es war ein Tag, der neue Einsichten vermittelte, Mut machte, sich den Herausforderungen zu stellen und mehr auf Lebensqualität als auf Lebensquantität bedacht zu sein. Etwas, das Christen nicht abschrecken sollte, denn in der Bibel entdeckt man, was das Leben wirklich „reich“ macht. 
Und doch: Haben wir nicht auch einen blinden Fleck, was unser Mitwirken und unsere Mitverantwortung an der globalen Ungerechtigkeit betrifft?

Aus persönlicher Sicht will ich nachfolgend zu ein paar Aussagen Stellung nehmen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer wieder erwähnt werden:

Man sagt: Klimawandel ist etwas ganz Natürliches. Die Klimaschwankungen gab es schon immer. 
Dagegen: Stimmt. Doch der Klimawandel, der jetzt unsere Welt ernsthaft bedroht, ist Menschengemacht. Darin sind  sich weltweit die Wissenschaftler einig (überdeutlich: 97% stimmen darin überein). Die natürlichen Schwankungen können „verdaut“ werden, aber wenn wir den vom Mensch verursachten Klimawandel jetzt nicht bremsen/stoppen, wird es schon für die nächste Generation zu einem Riesenproblem.

Man sagt: Klimawandel ist ein globales Problem. Ich als einzelner/einzelne kann nichts dagegen tun. 
Dagegen: Auch wenn uns diese Aussage einleuchtet, ist sie eine Illusion. Normalerweise reagieren wir, wenn wir die Folgen unserer Handlungen spüren. Doch beim Klimawandel verhält es sich so, dass wir an einem Punkt der Erde etwas tun, die Auswirkungen (z.B. Überschwemmungen, Dürren, vermehrte Wirbelstürme) zeigen sich jedoch oft an einem ganz anderen Ort auf der Welt. Die Herausforderungen, die jetzt auf uns zukommen, haben für uns weitgehend ungewohnte, neue Dimensionen.
Klimawandel ist ein globales Problem; wir haben nur diese eine Welt. Deshalb stehen wir auch alle miteinander in der Verantwortung für die ganze Welt. Weniger allgemein ausgedrückt: Unsere Generation ist für das verantwortlich, was die kommenden Generationen vorfinden. Darum gilt: Ich bin die Frau, die heute mit meinem Lebensstil den Klimawandel beeinflusst. Ich habe es in der Hand. Es ist in meiner Entscheidung, etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Man sagt: Zugegeben, unsere Industrialisierung hat als negative „Nebenwirkung“ Klimawandel zur Folge. Nun sollen aber die aufstrebenden Länder nicht den gleichen Fehler machen. Wir sind geneigt, mit dem Finger z.B. auf China zu zeigen, das so viel CO2 produziert, und wir sagen: Wenn wir reduzieren müssen, müssen sie das auch und sich ebenso beteiligen an den Kosten, die der Klimawandel verursacht. Aber diese Länder entgegnen: Ihr habt mit eurer Industrialisierung und mit eurer Energieverschwendung Wohlstand erarbeitet. Wir wollen das auch.  
Dagegen: Die Industrialisierung hat die westlichen Länder aus der Armut hinausgeführt (eindrücklich dargelegt im erwähnten Referat von Dominic Roser). Wir haben nicht das Recht, den von Armut betroffenen Ländern diese Entwicklung vorzuenthalten, die uns selber geholfen hat. Aber wir stehen in der Verpflichtung, mit grossem Engagement umweltverträgliche Technologien zu finden und zu entwickeln und diese den Entwicklungsländern zu fairen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Sie sollen den Fortschritt haben dürfen, aber mit sauberen Technologien. 
Dies ist möglich!

Noch ein letzter Gedanke:
Klimawandel/Klimaschutz ist global und hält sich nicht an Grenzen von Nationen oder Kontinente. Politiker, die immer nur auf das regionale oder nationale Wohl bedacht sind, sind kurzsichtig, oder noch deutlicher ausgedrückt, egoistisch. Ich werde nur noch Politiker unterstützen, die auch die grossen Dimensionen im Blick haben und sich deshalb auch für das weltweite, eben globale Wohl der Menschheit und für Gerechtigkeit für alle Menschen einsetzen. 
Dass dies sich vordergründig und kurzfristig ev. zu unserem „Nachteil“ auswirkt, soll mich nicht schrecken. Denn ohne Teilen gibt es keine Gerechtigkeit. Dies würde zu weiteren Überlegungen führen, wie „Wovon hängt meine Lebensqualität ab?“, „Brauchen wir immer noch mehr Wachstum?“

Die Konferenz hat mich zum Nach- und Weiterdenken angeregt. Mehr dazu unter http://www.stoparmut2015.ch/konferenz/videos-und-berichte/.

Elisabeth Roser war bis vor kurzem Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 1. November 2014

Bestechung und Korruption

Die Sozialen Grundsätze über Korruption
Korruption kann man als Machtmissbrauch aus Eigennutz verstehen. Diese Definition ist einfach, und die Bibel verurteilt sie. Jesaja beschreibt eine gerechte Person als eine, deren Leben durch Wahrhaftigkeit geprägt ist und die nicht nur Korruption ablehnt, sondern sich auch weigert, in Vorhaben involviert zu werden, welche andere Menschen missbrauchen könnten (Jesaja 33,15). Jedoch in bestimmten Fällen wird es schwieriger. Wann wird aus einem Geschenk ein Bestechungsmittel? Wo wird aus der Unterstützung der Familie Nepotismus? Wann wird aus einer Spende an eine politische Kampagne ein illegitimer Einfluss auf das politische System? Wann wird aus dem Schutz der rechtmässigen Vertraulichkeit eines Bankkunden die Teilhabe an Betrug? John Wesley brauchte eine einfache Formel um solche Praktiken zu beurteilen: "Entsprechen sie der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und der Wahrheit? Wenn wir unsere Macht gebrauchen, gebrauchen wir sie, um Gerechtigkeit zu erwirken - besonders für die, die machtlos und ausgeschlossen sind? Gebrauchen wir unsere Macht im Dienst der Barmherzigkeit, welche das Gute jener befördern möchte, die leiden, und nicht zum Nutzen der Wohlhabenden? Stimmt unser Machtausübung mit der Wahrheit überein oder dient sie dem Betrug?"


Erschienen in "Kirche und Welt", 11/2014

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Wir tragen die Armut der Näherinnen Osteuropas auf unserem Leib

„Keiner ist gerecht, nicht einer“ (Römer 3,10). Paulus könnte diese Worte auch an die Modefirmen richten.

Existenzlohn-Kampagne Fair Fashion?Die entwicklungspolitische Organisation „Erklärung von Bern“ und „Clean Clothes Campaign“ haben die Situation von Arbeiterinnen in Kleiderfabriken Osteuropas untersucht und sind zu einem vernichtenden Urteil gekommen. Nicht einmal die nachhaltigsten Modelabels setzen sich genügend für den Existenzlohn von Näherinnen in den Produktionsländern ein.

Näherinnen in Osteuropa sind gar schlechter gestellt als Näherinnen in Asien. Ihr Mindestlohn beträgt in Bulgarien oder Mazedonien 14% eines Existenzlohns. In der Slowakei sind es 21% und in Rumänien 19%. Am besten verdienen Näherinnen in Kroatien, (36% des Existenzlohns). Lohndiebstal und Arbeitsrechtsverletzungen sind in Europa an der Tagesordnung.

KonsumentInnen können zurzeit keine zu fairen Löhnen produzierte Kleider kaufen. Aber beim nächsten Kleiderkauf können wir „die ganze Rechnung“ verlangen.  Die Anleitung dazu finden Sie auf http://emk-kircheundgesellschaft.ch.

Oder laden sie sich das App (iPhone und Android) „Fair Fashion?“ herunter und erfahren sie mehr.

Erschienen in "Kirche und Welt", 10/2014

Montag, 1. September 2014

Schöpfungsgebet

von André Töngi

Sonnenblume - Foto Jörg NiedererDa antwortete Gott dem  Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“ (Ex 3.14 nach der Einheitsübersetzung)

Du Jahwe
Bist das Samenkorn, das Hoffnung trägt,
Bist der Regen, der wachsen lässt,
bist die Sonne, die Wärme schenkt.

Du Jahwe 
Bist der Bauer, der erschafft,
bist die helfende Hand, die pflegt,
bist die Nacht, die ruhen lässt.

Du Jahwe
Bist der Windhauch, der die Ähren streichelt,
bist die Kraft, die  wachsen lässt,
bist das Reifen, das zur Vollendung drängt.

Du Jahwe 
Schenkst uns neues Leben,
schenkst uns Zuversicht und Geborgenheit.
Du bist das Brot des Lebens.



Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2014

Dienstag, 19. August 2014

Zwei Mitarbeitende mit Apartheidserfahrungen im Ausschuss Kirche und Gesellschaft

Seit diesem Jahr arbeiten zwei Personen mit südafrikanischen Wurzeln im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika mit. Die besonderen Erfahrungen von David Field und Marietjie Odendaal in der Zeit der Apartheid sind eine Bereicherung in den Bemühungen des Ausschusses, sich zu sozialen und ethischen Fragen aus christlicher und biblisch-theologischer Sicht zu äussern.


David Field
David Field
David Field, Koordinator von Methodist e-Academy, Hausmann und Theologe, schreibt denn auch: "...ich habe ein besonderes Interesse an politischer Ethik und an Fragen zu Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung..."


Marietjie Odendaal
Marietjie Odendaal
Marietjie Odendaal, Pfarrerin in der EMK, schreibt ihrerseits in ihrer Kurzvorstellung auf der Webseite: "Mit der Aufarbeitung der Apartheid wurde mir klar, wie viel ich nicht gewusst habe, trotz meiner Bereitschaft zu wissen. Ich will nie wieder so unwissend sein. Das bedeutet, dass ich mich informieren soll, und dass ich eine Gemeinschaft brauche, die sich dabei gegenseitig unterstützt."

Die weiteren Mitarbeitenden sind die Sozialarbeiterin und Familienfrau Ursula Brunner, die Hausfrau und Lehrerin Elisabeth Roser, der Vizeammann und Altnationalrat Heiner Studer, der Gärtner und Kompostberater André Töngi sowie der Pfarrer Jörg Niederer.
Letzterer leitet den Ausschuss Kirche und Gesellschaft.

Die Mitarbeit im Ausschuss Kirche und Gesellschaft erfolgt ehrenamtlich und ist mit viel Idealismus verbunden.

Lernen Sie das Team anhand einiger persönlichen Informationen auf der Webseite des Ausschusses Kirche und Gesellschaft kennen.


Donnerstag, 14. August 2014

Die weltweite Armut halbieren – Fortschritte, Rückschritte, Hoffnung, Motivation


von Elisabeth Roser

Die UNO schreibt, dass weltweit die Armut zurückgegangen sei. Ich bin dankbar für alle Regionen, in denen diese gute Nachricht zutreffend ist. 
Gleichzeitig ist allgemein bekannt: An manchen Orten wächst die Armut immer noch, und das Erreichen des Millenniumsziels liegt fern, die Armut bis 2015 zu halbieren.
Da kann man sich schon hilflos fühlen und denken: Was können einzelne denn schon bewirken, verändern?

Dürfen wir unseren Wohlstand geniessen? Sollten wir asketisch leben?
Nein; ich denke, das wäre keine nachhaltige Antwort auf die Herausforderungen von Armut und Umweltbedrohung. 
Aber wir haben eine Chance, positiv verändernd mitzuwirken! Denn als Menschen, die die Liebe von Jesus erleben, wollen wir diese weitergeben. Wir sehen an uns selber und an anderen, dass durch das Evangelium veränderte Menschen hoffnungsvoll werden. Solche Veränderung wird sich in Barmherzigkeit und dem Engagement für mehr Gerechtigkeit äussern. Mit Gottes Hilfe.

Letztes Jahr besuchte ich die StopArmut-Konferenz. Ich wurde motiviert. Dieses Jahr findet am 18. Oktober 2014 eine weitere StopArmut-Konferenz statt. Wenn Sie auch zu denen gehören, die Armut nicht hinnehmen als etwas, das es halt einfach gibt oder das wir nicht ändern können, dann sind Sie an der StopArmut-Konferenz genau richtig.

Informationen erhalten Sie unter http://www.stoparmut2015.ch

An der StopArmut-Umweltkonferenz…
… werden Sie informiert: Kompetent und engagiert.
… werden Sie ermutigt: Viele Christen arbeiten zusammen und kommen gemeinsam dem Auftrag nach, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht.
… werden Sie inspiriert, was Sie in Ihrem Umfeld, im Büro, beim Einkaufen, als Arbeitgebende und Arbeitnehmende konkret gegen die Armut beisteuern können.


Übrigens: Die Anliegen von StopArmut bewegen auch uns vom Ausschuss „Kirche und Gesellschaft“. Die Evangelisch-methodistische Kirche setzt sich schon lange für die Beseitigung von Armut ein, wie man etwa in den „Sozialen Grundsätzen der EMK“ nachlesen kann.

StopArmut bringt einen dynamischen Prozess auf zwei Ebenen in Gang:

1. Christen werden bezüglich des integralen und weltweiten Auftrages der Kirche gegenüber bedürftigen und unterdrückten Menschen informiert und sensibilisiert. Sie werden gefördert, sich in einem Geist des Dienstes und des Gebetes für eine gerechte, menschenwürdige und sichere Welt zu engagieren. 
2. Nationale und internationale Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft werden beeinflusst, damit sie ihre Verpflichtung gegenüber der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele wahrnehmen und so dazu beitragen, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren. 

Verpassen Sie nicht, sich anzumelden! Letztes Jahr war die Tagung frühzeitig ausverkauft.

Donnerstag, 31. Juli 2014

"Auge um Auge, Zahn um Zahn" - das wäre geradezu fortschrittlich

Die Bibel erzählt vom Brudermörder Kain, dass Gott ihn mit folgenden Worten unter besonderen Schutz stellte. "Fürwahr, wer immer Kain erschlägt, soll siebenfach der Rache verfallen." (Genesis 4,15). Abschreckung nennt man das. Fünf Generationen nach Kain nahm Lamech, der Vater Noahs, diese Worte wieder auf und steigerte die Drohung um das Elffache: "Siebenfach wird Kain gerächt, Lamech aber siebenundsiebzigfach."

77-fache Vergeltung, grafisch dargestelltIrgendwo zwischen Kain und Lamech stehen wir heute, im 21. Jahrhundert, angesichts der Opferzahlen von Kriegen.
Im Irakkrieg starben (konservativ gezählt) auf der einen Seite 110'000 Zivilisten und 10'000 irakische Soldaten, auf der Seite der USA und ihren Verbündeten ungefähr 5000 Soldaten. Das Opferverhältnis zugunsten der USA und ihrer Verbündeten beträgt 1:24.

Im aktuellen Nahostkonflikt kommen auf einen toten Israeli 23 tote Palästinenser (Stand am 29.07.2014).

Die Tragik an dieser Situation ist, dass bereits vor 4200 Jahren eine Regel bekannt war, welche die Eskalation von Rache und Gewalt hätten eindämmen können. Ich spreche vom "ius talionis". Im Codex "Ur-Nammu" heisst es: „Wenn ein Mann einen Mord begangen hat, soll besagter Mann getötet werden.“ Gleiches wird mit Gleichem vergolten. Die Bibel greift dieses Prinzip mit den Worten auf: "Entsteht aber weiterer Schaden, sollst du Leben für Leben geben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuss für Fuss, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme." (Exodus 21,23-25).

Zwischen Tätern und Opfern wird ein Ausgleich geschaffen, bei dem das Opfer in gleichem Mass Täter wird wie der Täter. Im Idealfall wird damit ein Gleichgewicht geschaffen, das zu keiner weiteren Gewalt führt.

Die oben erwähnten einseitigen Kriege hinterlassen nach ihrem Ende aber nicht ein Gefühl von Gerechtigkeit, sondern viele offenen Wunden, viel Hass und Wut, und unglaubliche Energien auf der Basis erfahrener Demütigungen und Unrechtserfahrungen bei einzelnen Menschen Familien und Völkern.

Wahrscheinlich wäre die Welt besser, würden die Kriege anders, eben im Sinne des ius talionis geführt. Doch so ist die Welt nicht. 

Das wusste auch Jesus, als er das Talionsgebot aufnahm und diesem eine Deeskalations-Anweisung gegenüber stellte: "Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der Böses tut, keinen Widerstand! Nein! Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die andere hin." (Matthäus 5,38+39).
Den Rachegedanken bei Kain und Lamech nahm Jesus im Zusammenhang mit der Frage des Petrus auf: "Herr, wie oft kann mein Bruder an mir schuldig werden, und ich muss ihm vergeben? Bis zu siebenmal? Jesus sagt zu ihm: Ich sage dir, nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebenundsiebzigmal." (Matthäus 18,21+22).

Es geht um die Eindämmung von Gewalt und Unrecht. Und das ist nur möglich dadurch, dass Gewalt und Unrecht ertragen wird. Starke Persönlichkeiten und starke Nationen können das. Sie können in ausufernder Weise nicht vergelten und mit Nachdruck immer wieder vergeben.
Schwache Persönlichkeiten und schwache Nationen werden sich weiterhin rächen. Es wäre geradezu fortschrittlich, wenn sie es lediglich im Sinne des Talionsgebots tun.

Dienstag, 29. Juli 2014

Fair Fashion – Wir tragen die Armut der Näherinnen Osteuropas auf unserem Leib

„Keiner ist gerecht, nicht einer“ (Römer 3,10). Paulus könnte diese Worte auch an die heutigen Modefirmen richten.

Die entwicklungspolitische Organisation „Erklärung von Bern“ und „Clean Clothes Campaign“ haben die Situation von Arbeiterinnen in Kleiderfabriken Osteuropas untersucht und sind zu einem vernichtenden Urteil gekommen. Nicht einmal die nachhaltigsten Modelabels setzen sich genügend für den Existenzlohn von Näherinnen in den Produktionsländern ein.

Näherinnen in Osteuropa sind gar schlechter gestellt als Näherinnen in Asien. Ihr Mindestlohn beträgt in Bulgarien oder Mazedonien 14% eines Existenzlohns. In der Slowakei sind es 21% und in Rumänien 19%. Am besten verdienen Näherinnen in Kroatien, (36% des Existenzlohns). Hinzu kommt: Lohndiebstal und Arbeitsrechtsverletzungen sind in vielen Betrieben Osteuropas an der Tagesordnung.

Aus methodistischer Sicht besonders interessant an der Existenzlohn-Kampagne der Erklärung von Bern ist, dass die Evangelisch-methodistische Kirche in 5 der 10 untersuchten osteuropäischen Länder aktiv ist.

Die von der Erklärung von Bern bereitgestellten Länderberichte zeichnen eindrückliche Bilder aus dem Tiefstlohnsegment der jeweiligen Wirtschaft.
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So waren 2012 in Mazedonien 37‘217 Menschen in der Bekleidungsindustrie tätig, das sind 7,75% der Beschäftigten. Verdienen kann eine Textilarbeiterin mit dem dort erwirtschafteten Lohn aber nur gerade 25% von dem, was sie für das Leben einer kleinen Familie braucht. Zwei Zitate zeigen das Dilemma zwischen prekärer Arbeit, und der Realität, davon nicht leben zu können, eindrücklich auf: „Ich bete, dass ich am Leben und gesund bleibe, um immer arbeiten zu können. Wie soll ich sonst meinen Lohn bekommen?“ sagte eine Näherin. Und eine andere: „Ihr wundert euch, wie wir überleben, aber sagt mir, was ich sonst tun soll. Ohne diesen Job wird es noch schlimmer. Wenigstens werden wir jeden Monat bezahlt.“
Mehr zu diesen Länder-Factsheets unter http://www.evb.ch/themen-hintergruende/konsum/mode/existenzlohn/fair-fashion-2014-hintergrund-materialien/.

Ziel der Existenzlohn-Kampagne ist es, dass in einem ersten Schritt die Löhne der Textilarbeiterinnen auf 60% des nationalen Durchschnittslohns angehoben werden. Dafür sollen sich die Auftragsfirmen einsetzen, also die Kleiderlabels. Doch wirklich viel geschehen ist bisher nicht. Das zeigt der „Fair Fashion?“-Guide (http://www.evb.ch/shop/product/firmencheck_2014_fair_fashion) der Erklärung von Bern. Auch als App für iPhone und Android ist er erhältlich.

KonsumentInnen können zurzeit keine zu fairen Löhnen produzierte Kleider kaufen. Aber KonsumentInnen können mehr tun, als einfach abwarten. Die Erklärung von Bern gibt einige Tipps. Und sie schlägt vor, dass die Kunden von ihren Kleiderläden „die ganze Rechnung“ verlangen sollen.  Das ist keine grosse Sache. Gebraucht wird dazu nur der Kassenzettel des letzten Einkaufs und eine kleine Vorlage, die man unter http://emk-kircheundgesellschaft.ch herunter laden kann.

Als Methodisten setzen wir uns schon seit über 100 Jahren für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt ein. In den Sozialen Grundsätzen heisst es unter „Paragraph 163 C: Arbeit und Freizeit“: „Jede Person hat das Recht auf Arbeit zu einem existenzsichernden Lohn.“ Genau darum geht es. Und unter "Paragraph 163 E: Armut" steht: „Da niedrige Löhne oft eine Ursache der Armut sind, sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Arbeitskräften einen Lohn zahlen, der diese nicht von staatlicher Unterstützung wie zum Beispiel Vergünstigungen für Lebensmittel oder Sozialhilfe zur Sicherung ihres Lebensunterhalts abhängig macht.“

Es ist Zeit, dass wir nicht mehr die Armut der Näherinnen Osteuropas auf unserem Leib tragen, sondern zu fairen Löhnen produzierte Kleider.





Sonntag, 27. Juli 2014

Bekräftigung der Menschenrechte für jeden Menschen

RegenbogenfahneBereits am 1. März 2014 hat das General Board Church and Society der weltweit tätigen Evangelisch-methodistische Kirche (EMK)eine Resolution veröffentlicht, in der der Vorstand aufruft, gegen jegliche Gesetzgebung aufzustehen, die Diskriminierung unter dem Deckmantel von religiöser Freiheit propagiert. Im Blick ist besonders die Verfolgung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und transgender Menschen.

Der Text ist stark US-lastig und führt neuere diskriminierende Gesetzgebungen in afrikanischen Ländern und Russland nicht konket auf. Das ändert aber nichts an Wert und der Aktualität des Inhalts. Wikipedia listet 78 Länder, in welchen die Homosexualität ganz oder teilweise verboten ist. In sieben Ländern droht gar die Todesstrafe.

Ausgehend von den Menschenrechten formulieren die Sozialen Grundsätze der EMK: "Wir missbilligen Handlungen des Hasses oder der Gewalt gegen Gruppen oder Einzelpersonen aufgrund ihrer Rasse, Hautfarbe, nationalen Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, ihres Alters, Geschlechts, ihrer Behinderung, sozialen und wirtschaftlichen Stellung, sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität oder Religionszugehörigkeit." (Die Sozialen Grundsätze 162, III. Die soziale Gemeinschaft).

Leider gelingt es der Evangelisch-methodistischen Kirche selbst nicht, die in der Resolution angemahnte Haltung innerhalb der Kirche ganz umzusetzen. So sind selbstbekennende oder praktizierende Homosexuelle in der EMK immer noch vom Pfarrberuf ausgeschlossen. Gerade eine Gemeinschaft, die auf die unverdiente Zuwendung Gottes zu den Menschen setzt, tut gut daran, nicht nur mit Fingern auf die anderen zu zeigen, sondern eine nichtdiskriminierende Haltung allen Menschen gegenüber selbst zu leben und innerhalb und ausserhalb der Kirche einzufordern.

Der Text der Resolution "Bekräftigung der Menschenrechte für jeden Menschen" kann in englischer und deutscher Sprache auf der Webseite des Ausschusses Kirche und Gesellschaft heruntergeladen werden.


Samstag, 26. Juli 2014

Im israelisch-palästinensischen Konflikt den Frieden stärken

Palästinensische Taglöhner am Checkpoint Bethlehem
Palästinensische Taglöhner warten um 5 Uhr
Morgens am Checkpoint Bethlehem, um an
ihre Arbeit in Jerusalem zu gehen.
Photo by Melissa Hinnen
Angesicht der Gewalteskalation rund um die Westbank sei daran erinnert, dass sich die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) an Generalkonferenzen immer wieder, unter anderem in drei Resolutionen, für eine friedliche Beilegung des Nahostkonflikts ausgesprochen hat. Resolutionen der Generalkonferenz sind die offiziellen Stellungnahmen der Evangelisch-methodistischen Kirche.

In der Resolution 6013 etwa erinnert die EMK daran, dass sie sich sowohl für den jüdisch-christlichen wie islamisch-christlichen Dialog und für freundschaftliche Beziehungen zu diesen Religionen ausgesprochen hat. Weiter hat sich die EMK für das Existenzrecht des Staates Israel in den Grenzen vor 1967 ausgesprochen, aber auch gegen die israelische Siedlungspolitik in den annektierten Gebieten. 

Dies bildet die Basis für die methodistischen Bemühungen um eine Beilegung des Nahostkonflikts durch Verhandlungen und Diplomatie.

Doch es bleibt nicht nur bei Worten. 2012 entstand das „Liaison Office“ im Heiligen Land als eine gemeinsame Initiative der Britischen Methodistenkirche und der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche, vertreten durch den General Board of Global Ministries. Diese Initiative wird durch den Weltrat Methodistischer Kirchen mitunterstützt.

Das „Liaison Office“ fördert Initiativen der Versöhnung und des Friedens. Ferner ermöglicht es Nahost-Reisegruppen, in direkten Kontakt mit Menschen zu kommen, die sich vor Ort mit gewaltfreien Mitteln für Gerechtigkeit und Versöhnung einsetzen.

Als Christen beten wir für Frieden. Möge das gegenseitige Töten enden und das Heilige Land von drei Religionen endlich zur Ruhe kommen.

Die angesprochenen Resolutionen können auf der Webseite des Ausschusses Kirche und Gesellschaft heruntergeladen werden.

Freitag, 25. Juli 2014

Präimplantationsdiagnostik: Menschliches Leben nicht als lebensunwert beurteilen

Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika hat sich an der Tagung der Jährlichen Konferenz (Synode) vom 18.-22. Juni 2014 in Frauenfeld mit grosser Mehrheit gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen.

PräimplantationsdiagnostikVorbereitet und beantragt wurde die Resolution durch den Ausschusses "Kirche und Gesellschaft". Für die ethische Beurteilung wird in der Resolution auf biblische Texte verwiesen, aber auch auf die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistische Kirche.
So halten die Sozialen Grundsätze unter III. Die soziale Gemeinschaft, O) Gentechnologie fest: "Die Verantwortung der Menschen für Gottes Schöpfung fordert von uns, sorgfältig mit den Möglichkeiten genetischer Forschung und Technik umzugehen und diese gewissenhaft und verantwortungsvoll zu prüfen…
Wir lehnen gentechnologische Maßnahmen mit eugenischer Ausrichtung ab, und solche, die zur Produktion überzähliger Embryonen führen."

Zusammenfassend heisst es in der Resolution: "Auch wenn wir den Wunsch von Eltern nach gesunden Kindern verstehen, halten wir es für sehr bedenklich, dass es durch eine Einführung der PID zwingend wird, über Wert bzw. Unwert menschlichen Lebens entscheiden zu müssen. Aus diesem und weiteren, oben angefügten Gründen lehnt die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ab."

2015 werden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik abstimmen. Diese Verfassungsänderung würde es erlauben, dass bei einer künstlichen Befruchtung Embryonen genetisch untersucht werden, bevor sie in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Der ganze Wortlaut der Resolution: "Keine Urteile über lebensunwertes menschliches Leben zulassen" ist auf der Webseite des Ausschusses "Kirche und Gesellschaft" zu finden.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Methodism and Social Engagement - Methodismus und Soziales Engagement

John Wesley, Gründer des Methodismus(Deutschsprachige Übersetzung unten) From the time of the Wesley’s Methodists have been active in addressing social and political issues. John Wesley provided education for the illiterate, healthcare for the sick, and employment for the poor; he opposed slavery, criticised colonial exploitation and supported prison reform and made concrete political proposals to end poverty in England. This social engagement flows out of the heart of Wesley’s understanding of what it meant to be a Christian and why God had called Methodism into being.

For Wesley to be a Christian is to be forgiven by God so that we can become holy, that is to be transformed by God so that we love God and our neighbours. He believed that God had given Methodism the mission of spreading holiness across the land.

Holiness has two dimensions – an inner dimension and an outer dimension. The inner dimension is a change in our fundamental attitudes towards God and our neighbours. The outer is that we express these attitudes in all our relationships with others. Wesley often summarised this with three words – justice, mercy and truth. These three relate to all aspects of our life, personal, communal and political. The inner and the outer dimensions are inseparably related to each other. Inner holiness is expressed in outer holiness, at the same time concrete acts of love lead to the development of loving attitudes. Outer holiness leads to growth in inner holiness and if there is no outer holiness then there is no inner holiness.

In a Wesleyan perspective social engagement is thus an inseparable part of what it means to be holy, to be a Methodist, and more fundamentally to be a Christian.




Seit den Tagen John Wesleys waren Methodisten bei der Bewältigung sozialer und politischer Fragen aktiv. Wesley förderte die Bildung für Analphabeten, das Gesundheitswesen für die Kranken, Arbeit für die Armen; er setzte sich gegen die Sklaverei ein, kritisierte die koloniale Ausbeutung, unterstützte die Gefängnisreform und machte konkrete Vorschläge zur Überwindung der Armut in England. Dieses soziale Engagement entsprang dem Herzensanliegen von Wesley; dem christlichen Selbstverständnis, und warum Gott den Methodismus ins Leben gerufen hat.
Für Wesley bedeutete Christsein, ein Mensch zu sein, dem von Gott vergeben wurde, und der darum voranschreiten kann in der Heiligung, was wiederum bedeutet durch Gott verändert Gott und unsere Mitmenschen immer mehr zu lieben. Er war überzeugt davon, dass Gott den Methodisten den Auftrag gegeben hat, Heiligung über das Land zu verbreiten.
Heiligung hat zwei Dimensionen – eine innere und eine äussere. Die innere Dimension ist eine Änderung unserer Grundhaltungen gegenüber Gott und unseren Mitmenschen. Die äussere Dimension bedeutet, dass wir diese innere Grundhaltung in allen Beziehungen zum Ausdruck bringen. Wesley fasste dies oft mit drei Worten zusammen – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit. Diese drei beziehen sich auf alle Aspekte unseres Lebens, sowohl in persönlicher, gemeinschaftlicher und politischer Hinsicht. Die innere und die äussere Dimension sind untrennbar auf einander bezogen. Innere Heiligung drückt sich in äusserer Heiligung aus. Konkret Taten der Liebe führen zugleich zur Entwicklung eines liebevollen Verhaltens. Äussere Heiligung führt zu einem Wachstum in innerer Heiligung. Wenn es nicht sichtbare äussere Heiligung gibt, dann ist da auch keine innere Heiligung vorhanden.
Nach wesleyanischem Verständnis ist das soziale Engagement ein untrennbarer Teil von dem, was mit „heilig sein“, Methodist sein und – noch fundamentaler – Christ sein gemeint ist.


Freitag, 2. Mai 2014

Waffen geben keine Sicherheit

Nein zum Kampfflugzeug GripenIn diesen Tagen wird das Schweizer Stimmvolk über die Beschaffung von 22 neuen Kampfflugzeugen Gripen entscheiden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 10 Milliarden Dollar.
Im Jahr 2005 gab es weltweit 1,4 Milliarden extrem arme Menschen, die weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hatten. Eines der UN-Milleniumsziele sieht bis 2015 vor, diese Zahl zu halbieren. Im Moment geht der Trend in die andere Richtung.
Darf sich eine Schweiz angesichts dieser weltweiten Not 22 Kampfflugzeuge leisten? Ich meine Nein!

In den Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche unter „165 C Krieg und Frieden“ steht:
„Wir glauben, dass für die Regierungen bei der Festlegung ihrer Prioritäten menschliche Werte schwerer wiegen müssen als militärische Forderungen: die Militarisierung der Gesellschaft muss hinterfragt und beendet werden; Herstellung, Verkauf und Verteilung von Waffen müssen eingeschränkt und kontrolliert werden…“
Quelle: www.soziale-grundsaetze.ch

Waffen erhöhen nicht die Sicherheit. Sie erhöhen die Unsicherheit. 22 neue Kampfflugzeuge können eine Schweiz nicht sichern. Aber sie werden die Schweiz viel Geld kosten.

Weitere Gründe sprechen gegen neuen Kampfflugzeuge:

  • Angesichts der begrenzten Mittel des Bundes sind auch bei der Armee Prioritäten zu setzen. Die Beschaffungen sind auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen auszurichten.
  • Die heutige Luftwaffe reicht für die Erfüllung der notwendigen Aufgaben. Wir benötigen keine neuen Kampffähigkeiten.
  • Die Weiterentwicklung der Armee ist ein Reformprojekt, welches wesentliche Auswirkungen haben wird. In diesem Zusammenhang sind Strategie und Aufgaben der Luftwaffe neu zu definieren.
  • Auf allen Ebenen sind finanzpolitische Prioritäten zu setzen. Mit dem Kauf würden Milliarden von Steuerfranken gebunden. Darunter würden Bereiche wie Bildung, öffentlicher Verkehr, Sozialwerke, Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit leiden. Umfangreiche Sparpakete wären die wahrscheinliche Folge.
Siehe dazu auch unter http://stop-gripen.ch/


Ich bin schon bereit zu sparen. Aber nicht für 22 neue Kampfflugzeuge. Sparen möchte ich, damit die Mittel dazu verwendet werden können, um die UN-Milleniumsziele umzusetzen. Denn weniger Armut in der Welt führt effizient zu grösserer Sicherheit.

Letztlich geht es um die alte Frage: Will ich Waffen vertrauen? Als Christ setze ich mein Vertrauen in den Gott der Liebe.


Donnerstag, 1. Mai 2014

Eine reiche Schweiz ohne Working Poor anstreben

Ja zum Lohnschutz - Ja zum MindestlohnHeute, am 1. Mai 2014, erinnert mich eine E-Mail aus den USA daran, dass auch in den Vereinigten Staaten der Mindestlohn ein Thema ist, etwa bei den Staatsangestellten, die oft weniger als 10 Dollar die Stunde verdienen.

Methodisten setzen sich auf der ganzen Welt schon sehr lange für existenzsichernde Löhne ein.

Bereits im allerersten methodistischen Sozialen Bekenntnis von 1908 steht:
„Die Bischöfliche Methodistenkirche tritt ein…
- für einen zum Lebensunterhalt ausreichenden Lohn in allen Industriezweigen.
- für einen dem jeweiligen Industriezweig höchstmöglichen Lohn…“

In den Sozialen Grundsätzen (www.soziale-grundsaetze.ch) der Evangelisch-methodistischen Kirche unter „163 C Arbeit und Freizeit“ kann man weiter lesen: „Jede Person hat das Recht auf Arbeit zu einem existenzsichernden Lohn.“
Unter „163 E Armut“ steht weiter: „Da niedrige Löhne oft eine Ursache der Armut sind, sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Arbeitskräften einen Lohn zahlen, der diese nicht von staatlicher Unterstützung wie zum Beispiel Vergünstigungen für Lebensmittel oder Sozialhilfe zur Sicherung ihres Lebensunterhalts abhängig macht.“

Nun gehört die Schweiz nicht zu den armen Ländern. Und einen Mindestlohn von CHF 4000.-/Monat mag astronomisch hoch erscheinen angesichts von vielen Millionen Menschen, die nicht einmal einen Dollar pro Tag verdienen.

Ich selbst habe immer mehr verdient als der gesetzliche Mindestlohn. Das ist auch jetzt so. Und doch erhalte ich bis heute staatliche Unterstützung in Form von Krankenkassenrückerstattung. Zeitweise überstieg diese Rückerstattung sogar die jährlich zu entrichtenden Steuern.
Ich kann mir daher nicht vorstellen, wie eine Verdienende oder ein Verdienender mit unter CHF 4000.- Lohn pro Monat davon im Hochpreisland Schweiz eine mehr als drei Personen umfassende Familie ernähren kann. Alleinstehende mögen wohl mit weniger zurechtkommen. Paare ohne Kinder sind als Doppelverdiener meist auch nicht betroffen. Familienväter oder Familienmütter aber brauchen mindestens CHF 4000.- im Monat.

Ich glaube, die Schweiz ist insgesamt zu reich, als dass sie sich Working Poor leisten darf und kann. Da ist nicht nur der Staat gefordert, sondern auch die Privatwirtschaft. Und darum empfehle ich, bei der Mindeslohninitiative (http://www.mindestlohn-initiative.ch/) ein Ja einzulegen.


Mittwoch, 16. April 2014

Ostermarsch 2014 in Bern

"Mit Bildung und Gesundheit statt Waffen" lautet das Thema des diesjährigen Ostermarsches in Bern.
Aufgabe des Staates sei es, für die Sicherheit seiner Bevölkerung zu sorgen. Eine sichere Gesellschaft baue dabei auf Bildung und Gesundheit für alle. Stattdessen wolle die Schweiz neue Kampfjets anschaffen und mehr Waffen exportieren. So wird argumentiert auf der Webseite des Ostermarsches unter http://ostermarschbern.ch/. Und weiter steht da:
"Waffen schaffen aber keine Sicherheit. Sie verbreiten Angst, zerstören und töten. Und sie dienen vor allem der militärischen Geschäftemacherei.
Deshalb sagen wir:
  • Ja zur Förderung von Aufgaben, die wahre Sicherheit bringen: Bildung, Gesundheit, Arbeit im Dienst des Gemeinwohls
  • Nein zur Anschaffung neuer Kampfjets
  • Nein zu Kriegsmaterialexporten"
Der Berner Ostermarsch findet am 21.04.2014 statt, beginnt um 13:00 Uhr beim Eicholz an der Aare und führt entlang der Aare. Um 14:30 Uhr findet die Schlusskundgebung auf der Münsterplattform mit Claudia Haydt.


 

Montag, 14. April 2014

Die Sozialen Grundsätze liegen neu in einer autorisierten Übersetzung vor.

Alle vier Jahre werden die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche durch die Generalkonferenz überarbeitet. 2012 war es wieder so weit. Nun ist auch die offizielle deutschsprachige Übersetzung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa aktualisiert und verfügbar. Ganz neu dazu gekommen sind die Themen Nahrungsmittelgerechtigkeit, Sexuelle Übergriffe, Psychische Gesundheit, Finanzwesen, Bestechung und Korruption sowie Staatsverschuldung.
Sie können diesen kirchlich wichtigen Text lesen und herunterladen unter soziale-grundsaetze.ch.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika und war mit im Übersetzerteam der Sozialen Grundsätzen

Dienstag, 18. Februar 2014

Was prägt meine Entscheidungen bei Wahlen?

WahlcouvertWas prägt meine Entscheidungen im gesellschaftlichen Leben?
Wie äussert sich das bei Abstimmungen?
Worauf achte ich, wenn ich Volksvertreter wählen kann?

Geht es mir als Christin in erster Linie um mich und um meine Nation - meine liebe Schweiz?
Ist mein oberstes Ziel Wohlstandssicherung?
Bin ich beeinflusst von „rechts“ oder von „links“?
Ja, wo liegt meine Priorität?

Was hilft mir, in der Vielfalt widersprüchlicher Meinungen und Überzeugungen die Grundaussagen der Bibel zu übersetzen auf die aktuellen Fragen unserer Gesellschaft?
Mit diesen Fragen im Kopf und im Zusammenhang meiner Mitarbeit in der Arbeitsgruppe „Kirche und Gesellschaft“ beachtete ich kürzlich wieder mal die „Sozialen Grundsätzen“ der EMK (http://soziale-grundsaetze.ch).
Die klaren und motivierenden Aussagen haben mich beinahe ein bisschen begeistert! Warum? Schon im Vorwort wird deutlich: Da haben Menschen intensiv gebetet und in der Bibel nachgeforscht mit dem Anliegen: Wie kann das neue Leben, das Jesus Christus uns geschenkt hat, unser gesellschaftliches Leben prägen?
Im Hören auf Gottes Wort haben sie Grundsätze formuliert, die uns unterstützen, Salz und Licht zu sein in unserem Umfeld: Nicht Angst ums Eigene oder nationaler Egoismus sollen prägend sein, sondern Christus soll im konkreten Leben sichtbar werden!
Ein Beispiel: Bereits die ersten Methodistinnen und Methodisten haben ihrer Ablehnung des Sklavenhandels, des Schmuggels und der grausamen Behandlung von Gefangenen Ausdruck verliehen.
Das taten sie in einer Zeit, da all dies noch als „ganz normal“ empfunden wurde. Gegen massiven Widerstand haben sie mit Offenheit und Mut auf diese Ungerechtigkeiten hingewiesen und mit ihren Möglichkeiten dagegen gewirkt.

Ich frage mich: Hätte ich dies damals auch als Ungerechtigkeit erkannt? Hätte ich den Mut gehabt, Stellung zu beziehen? Oder hätte ich mich vornehm zurückgehalten, um keinen Ärger auszulösen?

Und die noch wichtigere Frage: Bin ich sensibel hörend und offen, damit mir Gott im Gebet, beim Bibellesen und in der Predigt Missstände meiner Zeit aufdecken und mich zum Handeln bewegen kann?
Ich bin dankbar für alle, die mich ermutigen, mich von Jesus Christus und seinen radikal anderen Massstäben leiten zu lassen.