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Sonntag, 25. April 2021

Humanismus in der Vogelwelt

Ein Gedanke

Ein Gartenbaumläufer turn an einem alten Baumer herum.
Foto © Jörg Niederer
"Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen." Ernst R. Hauschka (1926-2012)

Ein Bibelvers - Prediger 4,11+12

"Wenn zwei dicht beieinanderliegen, wird ihnen warm. Wenn aber einer allein ist, wie kann dem warm werden? Einer allein kann überwältigt werden. Zwei miteinander können dem Angriff standhalten, und die dreifache Schnur reißt nicht so schnell!"

Eine Anregung

Das Vögelchen ist klein, es misst gerade einmal 13 Zentimeter, doch in sozialer Hinsicht ist es ein Riese, von dem auch wir Menschen lernen können.

Den gut getarnten Gartenbaumläufer konnte ich heute aus einiger Entfernung am Greifensee in einem alten schönen Baum beobachten, wie er in allen möglichen Positionen an ihm herum turnte. So richtig aufrecht habe ich das Tierchen die ganze Zeit kaum gesehen. Kopf unter dagegen gleich mehrfach. Doch nicht seine Kletterkünste allein imponieren mir, auch sein Sozialverhalten ist top. Die Vogelwarte Sempach beschreibt es in ihrem Text zum Vogel so: "Bei Frost sucht er [der Gartenbaumläufer] Schlafplätze in geschützten Schlupfwinkeln auf, beispielsweise unter einem Dachvorsprung. Hier verbringen mehrere eng aneinander gekuschelte Vögel die Nacht. Sie wechseln oft ihren Platz, so dass im Verlauf der Nacht jedes Tier einige Zeit zuinnerst in der Schlafgemeinschaft verbringen kann."

Siehe dazu: https://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/gartenbaumlaeufer

Die Sorge um die Andere, den Andern, und die Bereitschaft, Wärme zu teilen, das ist doch ein Verhalten, bei dem wir Menschen von Humanismus und Altruismus sprechen. Nun, manche Vögel können das schon lange.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Fonduegast Corona

Ein Gedanke

Schweizer Käse
Foto © Jörg Niederer
"Es ist schwer, ein Volk zu regieren, das 246 Sorten Käse hat."  Das Zitat von Charles de Gaulle lässt sich sinngemäss auch auf die Schweiz anwenden.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,46+47a

"Einträchtig hielten sie (die ersten Christinnen und Christen) sich Tag für Tag im Tempel auf und brachen das Brot in ihren Häusern; sie assen und tranken in ungetrübter Freude und mit lauterem Herzen, priesen Gott und standen in der Gunst des ganzen Volkes."

Eine Anregung

Soll man in Corona-Zeiten Fondue essen? Wer sich dies fragt, kann beruhigt werden. Selbst wenn alle ihr Brot in den selben Topf tauchen, kommt es nicht zu einer Ansteckung. Denn Viren mögen die Hitze nicht. Lediglich das Distanzhalten ist in der Tischrunde um das Caquelon ein Problem.

Mir ist in diesem Zusammenhang eine russisch-jüdische Geschichte in den Sinn gekommen. Darin werden Himmel und Hölle dargestellt in Form scheinbar identischer Räume, in denen Menschen um einen gemeinsamen Topf mit feinem Essen sitzen. Doch in der Hölle sind die Menschen vor Hunger ausgezehrt, während sie im Himmel wohlgenährt dasitzen. An beiden Orten hantieren die Beteiligten mit Löffeln. Deren Stiele sind so lang, dass der gefüllte Löffel nicht zum eigenen Mund geführt werden kann. Genau das ist in der Hölle das Problem. Allein auf sich selbst bezogen neidet jeder dem andern das Essen, ohne sich dabei selbst nähren zu können. Im Himmel dagegen schöpfen die Menschen das Essen, und führen es zum Mund einer anderen Person in der Runde. Unter https://youtu.be/PPJ7RuR1bkM gibt es zu diesem Gleichnis ein Video.

Zurück zum Fondue. Tatsächlich sollen einige Restaurantbetriebe den Gästen überlange Gabeln abgeben, um das Distanzhalten beim gemeinsamen Fondueschmaus möglich zu machen. Da liegt es wohl an den Gästen, ob diese sich vor der gemeinsamen Käsesuppe im Himmel oder in der Hölle wähnen. Ich wünsche auf jeden Fall einen guten Appetit.

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 3. Juni 2020

Solidarität in Zeiten von Corona und auch sonst

Connexio-Grafik
Von Connexio, dem Hilfswerk der EMK Schweiz-Frankreich
gibt es diese Grafik, welche eindrücklich Solidarität darstellt.
Ich höre immer wieder, wir sollen jetzt solidarisch sein. Ich darf also nicht nur an mich denken, sondern ich muss vor allem an meine Mitmenschen denken. Das würde bedeuten, dass ich mich füge und nicht nur die Verordnungen und Empfehlungen befolge, sondern noch mehr: Ich mache nichts, was jemand anderes vielleicht nicht machen könnte: mich frei bewegen, weil ich gesund bin, einkaufen oder in den Ferien gehen, weil ich Geld habe, zusammen musizieren, weil mein Geist danach dürstet.

Ich höre es und stimme zu, denn ich will mitmenschlich sein. Das hat einen grossen Wert. Und doch frage ich mich, was es bedeutet, solidarisch zu sein? Was bedeutet es jetzt, während des Lockdowns, aber auch an jedem Tag, an dem kein Lockdown ausgerufen ist, z. B. wegen der weltweiten Armut (Ist das keine Pandemie?) oder dem Flüchtlingssterben am Mittelmeer und in Zentralamerika? Was bedeutet Solidarität, wenn ich lebe, mich bewege und gesund bin, während andere Menschen am Sterbebett die Wache halten, wenn ich esse und trinke, während Millionen von Kindern ständig der Hunger und Durst quälen. Was bedeutet Solidarität, wenn ich Gottesdienst feiere und eine andere Person lieber joggen geht oder bettlägerig zu Hause bleibt?

Im Duden finde ich diese Synonyme zum Wort «Solidarität»:

  • Affinität, Bindung, Einigkeit, Einmütigkeit, Geistesverwandtschaft, geistiges Band, Gemeinsamkeit, Gemeinschaft, Gemeinschaftsgefühl, Geschlossenheit, Gleichgesinntheit, Miteinander, Partnerschaft, Sympathie, Teamgedanke, Übereinstimmung, Verbundenheit, [Wesens]verwandtschaft, Wirgefühl, Zusammengehörigkeit, Zusammenhalt; (gehoben) Einklang; (bildungssprachlich) Konsens
  • Gerechtigkeit, Kameradschaftlichkeit, Kollegialität

Ich bin nicht überzeugt, dass Solidarität bedeutet, dass ich nur das mache und machen darf, was mein Nachbar auch macht und machen darf. Ich bin nicht überzeugt, dass es solidarisch ist, keinen Gottesdienst zu feiern, weil andere Personen dem Gottesdienst fern bleiben (aus Bequemlichkeit, aus Schwäche oder, wie in diesen Wochen, aus Angst).

Bestünde Solidarität mit denen, die nicht kommen können oder wollen, nicht gerade darin, das Beten und den Lobpreis aufrechtzuhalten? Sind wir nicht gerade als Menschen, die von der Auferstehung Christi her und auf unsere Auferstehung hin leben, dazu berufen, wirklich so lebendig zu sein, wie wir es nur können? Müssen wir nicht im Namen des Auferstandenen, der zur Rechten Gottes sitzt, das Leben beanspruchen – umso mehr, wenn andere Menschen selber nicht dazu imstande sind?

Wäre es nicht vielleicht solidarisch, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Handlungsmöglichkeiten zu entdecken und zu erweitern, zu erkennen, was sie brauchen und Möglichkeiten zu finden, dies zu erreichen? Auch wenn sie nicht in den Gottesdienst kommen. Auch wenn sie sich nicht zu anderen Menschen getrauen.

Ich bin nicht solidarisch mit den Flüchtlingen am Mittelmeer, wenn ich mich auch auf die Flucht mache. Bin ich es vielleicht, wenn ich mich für mehr Gerechtigkeit einsetze: wenn ich Menschen vor Ort, die helfen und versuchen Leben zu retten, unterstütze oder wenn ich protestiere, weil diese Helfenden und Rettenden rechtlich verfolgt werden?

Ich bin nicht solidarisch mit denen, die nicht gehen und leben wie ich, wenn ich aufhöre zu gehen und zu leben, wie ich kann. Aber vielleicht wohl, wenn ich meinen Gang und meine Lebensmöglichkeiten so einrichte, dass ich Menschen einlade, mitzukommen und dadurch wieder ihre Lebendigkeit spüren?

Ich will nicht nur solidarisch sein mit denen, die, ob berechtigt oder nur eingeschüchtert, Angst haben, sondern auch mit denen, die leiden, weil ihre Grundrechte wieder und weiter eingeschränkt und verletzt werden. Ich will nicht nur solidarisch sein mit der Nachbarschaft vor Ort, sondern auch mit unseren globalen Nachbarn in anderen Ländern und Kontinenten.

Ich will mit denen solidarisch sein, die ihr Wissen kundtun, auch wenn sie dafür missachtet und verleumdet werden, indem ich ihnen zuhöre. Ich will mit denen solidarisch sein, die andere Ansichten wagen und mit ihnen entdecke, was aus ihrer Perspektive zu sehen ist.

Ich will so handeln, weil ich dazu berufen bin, hinter dem her, der sich mit allen Menschen solidarisch gemacht hat, der lebt und regiert.


Donnerstag, 14. August 2014

Die weltweite Armut halbieren – Fortschritte, Rückschritte, Hoffnung, Motivation


von Elisabeth Roser

Die UNO schreibt, dass weltweit die Armut zurückgegangen sei. Ich bin dankbar für alle Regionen, in denen diese gute Nachricht zutreffend ist. 
Gleichzeitig ist allgemein bekannt: An manchen Orten wächst die Armut immer noch, und das Erreichen des Millenniumsziels liegt fern, die Armut bis 2015 zu halbieren.
Da kann man sich schon hilflos fühlen und denken: Was können einzelne denn schon bewirken, verändern?

Dürfen wir unseren Wohlstand geniessen? Sollten wir asketisch leben?
Nein; ich denke, das wäre keine nachhaltige Antwort auf die Herausforderungen von Armut und Umweltbedrohung. 
Aber wir haben eine Chance, positiv verändernd mitzuwirken! Denn als Menschen, die die Liebe von Jesus erleben, wollen wir diese weitergeben. Wir sehen an uns selber und an anderen, dass durch das Evangelium veränderte Menschen hoffnungsvoll werden. Solche Veränderung wird sich in Barmherzigkeit und dem Engagement für mehr Gerechtigkeit äussern. Mit Gottes Hilfe.

Letztes Jahr besuchte ich die StopArmut-Konferenz. Ich wurde motiviert. Dieses Jahr findet am 18. Oktober 2014 eine weitere StopArmut-Konferenz statt. Wenn Sie auch zu denen gehören, die Armut nicht hinnehmen als etwas, das es halt einfach gibt oder das wir nicht ändern können, dann sind Sie an der StopArmut-Konferenz genau richtig.

Informationen erhalten Sie unter http://www.stoparmut2015.ch

An der StopArmut-Umweltkonferenz…
… werden Sie informiert: Kompetent und engagiert.
… werden Sie ermutigt: Viele Christen arbeiten zusammen und kommen gemeinsam dem Auftrag nach, der sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht.
… werden Sie inspiriert, was Sie in Ihrem Umfeld, im Büro, beim Einkaufen, als Arbeitgebende und Arbeitnehmende konkret gegen die Armut beisteuern können.


Übrigens: Die Anliegen von StopArmut bewegen auch uns vom Ausschuss „Kirche und Gesellschaft“. Die Evangelisch-methodistische Kirche setzt sich schon lange für die Beseitigung von Armut ein, wie man etwa in den „Sozialen Grundsätzen der EMK“ nachlesen kann.

StopArmut bringt einen dynamischen Prozess auf zwei Ebenen in Gang:

1. Christen werden bezüglich des integralen und weltweiten Auftrages der Kirche gegenüber bedürftigen und unterdrückten Menschen informiert und sensibilisiert. Sie werden gefördert, sich in einem Geist des Dienstes und des Gebetes für eine gerechte, menschenwürdige und sichere Welt zu engagieren. 
2. Nationale und internationale Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft werden beeinflusst, damit sie ihre Verpflichtung gegenüber der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele wahrnehmen und so dazu beitragen, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren. 

Verpassen Sie nicht, sich anzumelden! Letztes Jahr war die Tagung frühzeitig ausverkauft.