Der Monolog Gottes in Ijob 38-41 ist eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Gott zählt Ijob gegenüber auf, was er alles an dieser Erde getan hat, und antwortet somit auf all die Anschuldigungen, die Ijob ihm entgegengeworfen hat. Oder besser gesagt, er antwortet nicht auf die Anschuldigungen, sondern er setzt diese in Perspektive.
Warum aber gibt Gott Ijob diese Antwort und nicht eine andere? Gott könnte auch antworten mit: «Schau, ich habe alles in der Hand. Ich weiss schon, was ich tue. Du musst mir einfach vertrauen». Ich glaube, dass Gottes Antwort viel einleuchtender und nachhaltiger ist für Ijob, als wenn er ihm einfach sagen würde, dass er vertrauen soll. Gott gibt Ijob in dieser Antwort die Chance, sich selbst zu demütigen. Sich selbst in Demut zu üben gegenüber einem Gott, der diese Welt geschaffen hat. Es geht darum, dass er Gott wieder als Gott erkennen und anerkennen darf.
Vielleicht dürfen auch wir durch die Natur, die Gott geschaffen hat, wieder neu demütig werden. Wir kommen nicht umhin zu erkennen, dass wir Menschen in der heutigen Zeit immer mehr Macht haben, in die Natur einzugreifen – wie können wir also demütig mit dieser Macht umgehen?
Die ökumenische Schöpfungszeit geht zu Ende. Dieses Jahr wurden wir eingeladen, unser Ohr für die Schöpfung zu öffnen, uns für den Klang der Schöpfung bereitzuhalten.
Ich habe mich gefragt, was solch ein geöffnetes Ohr denn bewirkt. Meine Antwort lautet: Staunen. Ich weiss nicht schon alles, sondern bin Neuem begegnet und habe Neues wahrgenommen.
Ich erinnere mich, wie ich im Sommer an einem Teich einen Glockenton hörte, der über das Wasser herüber klang. Woher stammte er? Was für ein Wesen, welches Instrument, brachte dieses klingende, bassige bum-bum hervor?
Meine Frage veranlasste mich, die Bäume und Sträucher um den Teich herum abzusuchen, bis ich die Quelle des Klangs entdeckte: im Wasser, an einem Stückchen Zweig hängend, ein knallgelbes Fröschlein, dessen Backen zu kleinen Luftballons aufgeblasen waren, um sein Revier anzukündigen.
Wie schön überraschend! Wie herrlich unpassend! Ein Ohr für das, was ich nicht kannte und nicht gleich einordnen konnte, hat mir diese Entdeckung und dieses Staunen gebracht.
Vor kurzem war ich an einem nassen, nebeligen Herbsttag unterwegs. Und meine Schritte wurden aufgehalten, als ich die einsame Stimme einer Meise hörte. Wo war sie? Ich bin stehen geblieben, bis ich sie sah. Noch ein paar Mal habe ich die hellen Töne durch das Grau um mich herum gehört. Ich bin weiter gegangen, heiterer, aufgehellt und beschenkt.
Diese Momente stärken in mir das Dankbarwerden, das Anerkennen und eine Offenheit für das, was ich noch nicht kenne und vielleicht nie erwartet habe. Sie stupsen mich immer wieder Richtung Staunen, das zuletzt auch ein Staunen über Gott den Schöpfer wird.
von André Töngi
Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“ (Ex 3.14 nach der Einheitsübersetzung)
Du Jahwe
Bist das Samenkorn, das Hoffnung trägt,
Bist der Regen, der wachsen lässt,
bist die Sonne, die Wärme schenkt.
Du Jahwe
Bist der Bauer, der erschafft,
bist die helfende Hand, die pflegt,
bist die Nacht, die ruhen lässt.
Du Jahwe
Bist der Windhauch, der die Ähren streichelt,
bist die Kraft, die wachsen lässt,
bist das Reifen, das zur Vollendung drängt.
Du Jahwe
Schenkst uns neues Leben,
schenkst uns Zuversicht und Geborgenheit.
Du bist das Brot des Lebens.