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Mittwoch, 30. September 2020

Was ist an der Konzernverantwortungsinitiative (KVI) neokolonialistisch?

Ein Gedanke

Swissta-Wasser an einer Tagung in der DR Kongo
Foto © Jörg Niederer
"Ich unterstütze die Konzernverantwortungsinitiative, weil Schweizer Konzerne internationale Standards weltweit einhalten sollen." Bischof Patrick Streiff

Ein Bibelvers - Micha 6,8
"Er hat dir kundgetan, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Einsicht mit deinem Gott zu gehen."

Eine Anregung
Paul W. Gilgen, Mitglied in der Ethikkommission gegen die KVI (Konzernverantwortungsinitiative) äussert sich im aktuellen PFARREIforum (Pfarrblatt Bistum St. Gallen, 10. Ausgabe 2020 - https://www.pfarreiforum.ch/) so: "Es kann nicht sein, dass Schweizer Gesetz und Gerichte weltweit zur Anwendung kommen sollen. Das ist reiner Neokolonialismus, eine Anmassung sondergleichen. In vielen Ländern im globalen Süden ist die Umweltgesetzgebung durchaus vergleichbar mit jener der Schweiz."
Zweifellos ist die Gesetzgebung in vielen Ländern der Schweizerischen ebenbürtig. Bei Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen sind die Gerichte in den jeweiligen Ländern denn auch erste Anlaufstellen. Dass die Konzernverantwortungsinitiative die Klage auch vor Schweizer Gerichten vorsieht, hat gar nichts mit Neokolonialismus zu tun. Im Gegenteil. Es geht um Konzerne mit Sitz in der Schweiz. Wenn diese in anderen Ländern die internationalen Standards der ILO oder andere internationale Übereinkommen nicht einhalten, Arbeitskräfte Gefahren aussetzen oder deren Abhängigkeit ausnützen, so wie sie das in der Schweiz nie tun dürften oder könnten, oder die Umwelt belasten und zu illegalen Mitteln greifen, dann ist genau das Neokolonialismus. Der gute Ruf der Schweiz wird von solchen Firmen ungestraft in den Schmutz gezogen. Hier ist es nicht mehr als recht, dass gegen Konzerne mit Sitz in der Schweiz auch in der Schweiz geklagt werden kann. Kein internationaler Schweizer Konzern, der korrekt und sorgsam geschäftet und dabei die Würde der Menschen und die Bewahrung der Schöpfung beachtet, hat etwas durch die Konzernverantwortungsinitiative zu befürchten. Es geht lediglich um ein paar wenige, bisher meist unverbesserliche, "schwarze Schafe".
Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) ist selbst eine internationale Organisation. Berührungen mit Schweizer Konzernen gibt es in vielen Ländern der Welt. Die lokalen Verantwortlichen kennen die fehlbaren Konzerne. Es sind auch ihre Stimmen, die uns dazu bewegen, die Konzernverantwortungsinitiative zu unterstützen. Wir sehen darin ein Werkzeug, das bei der Umsetzung der Menschenrechte und Umweltstandards hilft, gerade auch für Menschen aus unserer Kirche.
Darum unterstützt die EMK diese Konzernverantwortungsinitiative. Unsere Stellungnahme findet man unter https://emk-schweiz.ch/2020/09/28/anstaendig-mit-mensch-und-umwelt-umgehen-eine-stellungnahme/.
Wenn du etwas tun willst, um der Initiative an der Urne zum Durchbruch zu verhelfen, mache doch mit bei der Postkartenaktion. Es geht darum, dass so viele Menschen wie möglich aus unserem Bekanntenkreis am 29. November für Menschenrechte und Umweltschutz an die Urne zu gehen. Hier kann man die Postkarten bestellen: https://konzern-initiative.ch/postkarten/?a8bit=so.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Dienstag, 15. September 2020

Von der eigenen und der fremden Haut

Ein Gedanke

Ledergürtel
Foto © Jörg Niederer
Leder ist Pelz ohne Haare.

Ein Bibelvers - Hesekiel 37,5+6

"So spricht Gott der Herr, zu diesen Gebeinen: Seht, ich lasse Geist in euch kommen, und ihr werdet leben. Und ich gebe euch Sehnen und lasse Fleisch wachsen an euch, und ich überziehe euch mit Haut und lege Geist in euch, und ihr werdet leben, und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin."

Eine Anregung

Gestern las ich im St. Galler Tagblatt von der Lederverarbeitung. Kein wirklich erbauliches Thema.

Bisher dachte ich, dass Leder ein Zusatzprodukt der Fleischverarbeitung ist. Aber nur 8% der Häute aus Schlachthäusern gehen in die Lederproduktion. Und die andern 92% sind wohl Schlachtabfälle. Zu hektisch wird dort gearbeitet, als dass der Haut viel Beachtung geschenkt werden kann.

Auf der andern Seite ist dann wohl bei der Lederproduktion das meiste Fleisch Abfall, von Tieren, welche in Europa sowieso nicht gegessen werden.

Was für das Pelztragen gilt, muss wohl auch für die Lederhosen am Oktoberfest gelten. Das Leid tausender Tiere wird mit dem Leder mitgetragen. Hinzu kommt, dass die Umwelt beim Gerbprozess massivst belastet wird und dabei Menschen grossen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind.

Es gibt wenige hochwertige Alternativen, Lederimitate. Sie sind teuer, da in kleinen Mengen produziert: Vegane Schuhe, Kleider, Taschen, Gürtel.

Ich habe nachgeschaut, was es bei uns zu Hause aus Leder gibt. Schuhe, Gürtel, Uhrbändchen, das Übliche. Ich werde mich vermehrt nach Ersatzprodukten umsehen. Ideal wäre ein Naturprodukt ohne Tierleid, ohne Verschwendung und mit den Eigenschaften von Leder. Ob es das gibt? Gefunden habe ich bisher nichts.


Und hier noch ein Nachtrag: Eine hochwertige Alternative zum Leder wurde unlängst in einer SRF-Sendung vorgestellt. Leder aus Kaktus. Aber auch da braucht es einen Anteil Kunststoff. Siehe https://www.srf.ch/sendungen/10vor10/die-idee-kaktusleder-aus-mexiko


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 3. Juni 2020

Von Füchsen, Frieden und unterschiedlichen Hautfarben

Ein Gedanke
Junger Fuchs auf der Frauenfelder Allmend
In meiner Kindheit gab es in der Schweiz die Tollwut. Füchse als Übertrager wurden rigoros dezimiert. Füchse in der Stadt waren undenkbar. Heute sehe ich so viele Füchse wie nie zuvor. Sie ziehen ihre Jungen in Wohnsiedlungen auf, direkt neben Kinderspielplätzen. Erstaunlich, wie die Welt sich verändert.

Ein Bibelvers - Jesaja 65,25
"Wolf und Lamm werden einträchtig weiden, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, und die Schlange - ihre Nahrung ist der Staub. Nirgendwo auf meinem heiligen Berg wird man Böses tun oder Zerstörendes, spricht der HERR."

Eine Anregung
Erstaunlich, wie die Welt sich verändert. So gelingt es dem Fuchs, in Frieden mit den Menschen zu leben. Aber oft gelingt es den Menschen nicht, mit andern Menschen in Frieden zu leben. Beten wir doch für den Frieden, unter allen Geschöpfen, und ganz besonders unter Menschen verschiedener Herkunft und Hautfarbe.

Unter dem Label "Unglaublichi Sache" werden durch Jugendliche aus der Evangelisch-methodistischen Kirche Aarau Podcasts produziert zu verschiedenen Glaubens- und Lebensthemen. Eine gute, anregende Sache. Da geht es um Glauben und Unglauben, um Pfingsten, das Pilgern, den Umweltschutz und um noch viel mehr. Reinhören lohnt sich: https://emk-aarau.ch/podcast/


Sonntag, 1. September 2019

Grüntonnen

Festival
«He, gots no!» riefen die beiden Jugendlichen am Bahnhof aus, als ich versuchte, meine leere Flasche im zwischen ihnen stehenden PET-Container zu entsorgen. Ich konnte ja nicht wissen, dass es ihr Transportgefäss ans Open-Air Frauenfeld war. Normalerweise werden Grüncontainer, dafür zweckentfremdet. Unzählige enthalten in der Festival-Zeit keinen Bioabfall, sondern Kleider, alkoholische Getränke, Zelte, Verstärker, und was man halt so für einen gediegenen Aufenthalt unter freiem Himmel braucht.
Wenn die Musikbegeisterten wieder abreisen, sind manche Grüncontainer deutlich leichter und leerer. Zurück auf dem Gelände bleiben von den 180'000 Hip-Hopern 297 Tonnen Abfall. In diesem Jahr sei weniger liegengelassen worden, meinte der Sprecher Joachim Bodmer vom Open Air Frauenfeld. Aber: «… man hat nicht den Eindruck, dass die Klimaschutz-Debatte einen grossen Einfluss gehabt habe».
Dabei ist das gar nicht so viel Abfall: Nur 560 Gramm pro Kopf und Tag. Zu Hause – in den eigenen vier Wänden – sind es nämlich fast 2 kg. Vielleicht sollten wir mehr an Open Airs und mehr «in uns» gehen.
Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2019

Samstag, 1. September 2018

«Wo warst du, als ich die Erde gründete?»

Aussicht vom Brisen, SchweizDer Monolog Gottes in Ijob 38-41 ist eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Gott zählt Ijob gegenüber auf, was er alles an dieser Erde getan hat, und antwortet somit auf all die Anschuldigungen, die Ijob ihm entgegengeworfen hat. Oder besser gesagt, er antwortet nicht auf die Anschuldigungen, sondern er setzt diese in Perspektive.

Warum aber gibt Gott Ijob diese Antwort und nicht eine andere? Gott könnte auch antworten mit: «Schau, ich habe alles in der Hand. Ich weiss schon, was ich tue. Du musst mir einfach vertrauen». Ich glaube, dass Gottes Antwort viel einleuchtender und nachhaltiger ist für Ijob, als wenn er ihm einfach sagen würde, dass er vertrauen soll. Gott gibt Ijob in dieser Antwort die Chance, sich selbst zu demütigen. Sich selbst in Demut zu üben gegenüber einem Gott, der diese Welt geschaffen hat. Es geht darum, dass er Gott wieder als Gott erkennen und anerkennen darf.

Vielleicht dürfen auch wir durch die Natur, die Gott geschaffen hat, wieder neu demütig werden. Wir kommen nicht umhin zu erkennen, dass wir Menschen in der heutigen Zeit immer mehr Macht haben, in die Natur einzugreifen – wie können wir also demütig mit dieser Macht umgehen?


Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 9/2018