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Sonntag, 1. September 2019

Grüntonnen

Festival
«He, gots no!» riefen die beiden Jugendlichen am Bahnhof aus, als ich versuchte, meine leere Flasche im zwischen ihnen stehenden PET-Container zu entsorgen. Ich konnte ja nicht wissen, dass es ihr Transportgefäss ans Open-Air Frauenfeld war. Normalerweise werden Grüncontainer, dafür zweckentfremdet. Unzählige enthalten in der Festival-Zeit keinen Bioabfall, sondern Kleider, alkoholische Getränke, Zelte, Verstärker, und was man halt so für einen gediegenen Aufenthalt unter freiem Himmel braucht.
Wenn die Musikbegeisterten wieder abreisen, sind manche Grüncontainer deutlich leichter und leerer. Zurück auf dem Gelände bleiben von den 180'000 Hip-Hopern 297 Tonnen Abfall. In diesem Jahr sei weniger liegengelassen worden, meinte der Sprecher Joachim Bodmer vom Open Air Frauenfeld. Aber: «… man hat nicht den Eindruck, dass die Klimaschutz-Debatte einen grossen Einfluss gehabt habe».
Dabei ist das gar nicht so viel Abfall: Nur 560 Gramm pro Kopf und Tag. Zu Hause – in den eigenen vier Wänden – sind es nämlich fast 2 kg. Vielleicht sollten wir mehr an Open Airs und mehr «in uns» gehen.
Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2019

Dienstag, 7. August 2018

Wir sind ein Teil des Gewebes (Teil 4)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Community of all Ceation» (Die Gemeinschaft alles Erschaffenen).


Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
In seiner berühmten Rede des Häuptlings Seattle an den amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce erklärt er, wie die Indianer die Welt verstehen:
«Der Mensch kann kein Gewebe erschaffen, sondern er ist nur wie eine Faser im Gewebe. Jegliche Störung an der Erde wird eine Störung an Euch selbst sein.»

Was hat ein Indianerspruch auf einem christlichen Blog zu suchen? Sehr viel, wenn man die überarbeiteten Sozialen Grundsätze liest. Im Kapitel «C) Wisdom, Science and Technology» aus dem Hauptbereich «The Community of all Creation» steht: «Mensch sind nicht der Mittelpunkt; vielmehr sind wir alle Teile am Netzes des Lebens.»

Die Sozialen Grundsätze, Richtschnur des methodistischen Glaubens, sind einem dynamischen Prozess unterworfen. Immer wieder werden sie der Zeit angepasst und biedern sich trotzdem nicht irgendwelchem Zeitgeist an. Da wird um jedes einzelne Wort gerungen. Die kulturelle und politische Vielfalt, die unsere Kirche prägt, macht es nicht immer einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden. 

Am Anfang der Sozialen Grundsätze steht die Schöpfung, auf Englisch «Creation». Diese beiden Begriffe bringen den Kerngehalt der Urgeschichte recht deutlich zum Ausdruck: Gott schafft mit seinem schöpferischen, kreativen Geist aus dem Chaos eine lebendige Welt.

Die Erde ist bedroht: Waren es früher Naturgewalten wie Dürre und Überschwemmungen, so steht der Mensch immer mehr im Fokus. Zu nennen sind grausamen Kriegen, die bis heute viele Millionen Opfer fordern. Spätestens seit der Aufklärung wird die Natur ausgebeutet. Der Mensch macht sich die Erde untertan – ob das Gott so gewollt hätte – wohl kaum.

In den sozialen Grundsätzen steht: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn, und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen.

Dieser Hitzesommer mit den vielen verheerenden Waldbränden in ganz Europa zeigt deutlich, dass die Welt aus dem Lot geraten ist. Riesige Urwälder werden abgeholzt, damit wir im reichen Westen billiges Holz, Palmöl, Kaffee und Schokolade kaufen können. Wir schaffen so nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge. Immer mehr Menschen müssen ihr Zuhause verlassen; weil es wegen Umweltgefahren unwirtlich geworden ist.
   
Erstmals tauchen in den Sozialen Grundsätzen die indigenen Völker als gleichwertige Partner auf. Es sind nicht mehr die Völker, die man mit aller Gewalt bekehren muss, um in den christlichen Himmel zu kommen. Es heisst: Wir respektieren die Weisheit und die Art und Weise des Wissens, die von indigenen Völkern praktiziert wird…. In einem weiteren Abschnitt wird indigenes Wissen in Bezug auf die Natur anerkennt und indigene Rituale, Traditionen und Lebensweisen respektiert. 

Mit Sorge werden in diesen Grundsätzen die indigenen Völker als erste Opfer unseres Klimawandels betrachtet. Gefordert wird ein Schutz aller Ureinwohner vor einer zu aggressiven Entwicklung.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Papier nicht zum Papiertiger verkommt. Gerade die obersten Gremien der weltweiten United Methodist Church sollten sich diese Sozialen Grundsätze vermehrt zu Herzen nehmen. Immer wieder laden sie weltweit zu einem zwei- oder dreitägigen Meeting nach Amerika ein. Meetings, die man oft auch über Skype abwickeln könnte. Unsere Zentralkonferenz versucht wenigstens mit einem Beitrag an den Klimarappen das Ganze etwas abzufedern. Im letzten Jahr wurde dadurch eine Heizung in Serbien saniert, ein kleiner aber wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Lassen wir zum Schluss noch einmal Häuptling Seattle zu Wort kommen: 

«Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys – und des Menschen – sie alle gehören zur gleichen Familie.»

The Natural World in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-natural-world

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch


Montag, 9. Februar 2015

Als weltweite Kirche sich Fragen zum Klimawandel und zur ökologischen Verantwortung stellen

Pat Watkins
Pat Watkins
Von Marietjie Odendaal:
Vom 2. bis 11. Dezember, 2014 durfte ich als Mitglied des neugegründeten Creation Care Teams der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Peru sein. Creation Care bedeutet: Verantwortung für die Schöpfung tragen.
Diese Tage beinhalteten für mich Begegnungen auf drei Ebenen: mit den anderen Mitgliedern des Teams, mit Methodisten und Methodistinnen in Peru und mit der Kultur und Landschaft von Peru.

Obwohl das dritte natürlich seinen Reiz hatte, sehr eindrücklich war und auch den Rahmen für die anderen intensiven Begegnungen schaffte, werde ich mich auf die ersten zwei Arten von Begegnungen konzentrieren.

Das General Board of Global Ministries (GBGM) hat 2014 Pat Watkins als Missionar für die Schöpfung berufen. Pat Watkins war einige Jahre Missionar in Nigeria. Danach war er Pfarrer in Virginia, USA. Dort hat er in der Konferenz ein Creation Care Team gegründet. Nun soll er seine Erkenntnisse und Erfahrung auf die Gesamtkirche anwenden. Weil er dies nicht alleine schaffen kann, hat er ein Team mit Gliedern aus verschiedenen Erdteilen zusammengerufen.
In Peru trafen wir uns zum ersten Mal zu fünft.

Susan Mullin ist Pfarrerin in Minnesota und ausgebildete Geologin. Sie setzt sich in der Kirche dafür ein, keine Erdölgeschäfte mehr zu unterstützen. In ihrer Gegend ist die Erdölindustrie sehr präsent, gerade mit dem Schürfen nach Öl, und verursacht soziale Belastungen und Umweltbelastungen, auf welche die Kirche reagieren muss.

Sotico Pagulayan, gebürtiger Filipino und studierter Pflanzen-Pathologe, arbeitet für eine Nicht-Regierungs-Organisation in Kambodscha. Diese Organisation unterstützt Menschen beim Lebensunterhalt.

Anahí Alberti d'Amato ist Bio-Chemikerin. In der argentinischen methodistischen Kirche nimmt sie Teil an Versuchen, die Umweltzerstörung und die Effekte des Klimawandels, vor allem in der Chaqa-Region in Argentinien, kennenzulernen und anzusprechen.

Zwei Mitglieder konnten nicht dabei sein, Cliff Bird aus Fiji und Jefferson Knight aus Liberia, der wegen Ebola nicht ausreisen durfte. 

In Peru haben wir zusammen geträumt. Wir wollen dazu beitragen, dass es in der Kirche für selbstverständlich gehalten wird, dass unser Auftrag als Christen und Christinnen die Sorge und die Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung einschliesst. Wie unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu der Nachfolge Jesu Christi einfach dazugehört, gehört auch unsere Beziehung zu der Erde und allen Geschöpfen „einfach dazu“. Die methodistische Tradition weiss sehr gut, dass die zuerst genannte Selbstverständlichkeit in der Christenheit oft nicht selbstverständlich war und ist. Unsere Tradition hält aber daran fest. Nun können wir diese Selbstverständlichkeit erweitern.

Wer diese Aufgabe auf sich nimmt, muss sich zuerst das Wissen aneignen, was falsch gelaufen ist und was gelingt. Weil wir Kirche sind, wollen wir dies vor Gott bringen im Schuldbekenntnis, in der Fürbitte und in Lob und Danksagung. 
Wir hatten eindrückliche Begegnungen mit Methodisten und Methodistinnen in Peru. Wir fuhren auf der Anden-Hochebene zu zwei kleinen Ortschaften, in denen wir uns mit Mitgliedern methodistischen Gemeinden trafen. Die Begegnungen waren ganz verschieden und hinterliessen auch sehr vielfältige Eindrücke bei uns. Gemeinsam stehen die Gemeinschaften vor den Herausforderungen, den Klimawandel zu bewältigen, der für sie vor allem Wassermangel bedeutet. Ausserdem müssen sie sich in der globalen Wirtschaft zurechtfinden und ihr kulturelles Erbe verwalten.

Wir konnten uns auch mit dem Bischof der Iglesia Metodistika del Perú, Samuel Aguilar, und Mitgliedern einer von ihm gegründeten Gruppe, die sich verpflichten, die Schöpfung zu bewahren, treffen. Der Bischof erzählte, wie er in seinem neuen Amt die Gemeinden in Peru besuchte. Ihm ist klar geworden, dass die Kirche ihre Mitglieder nicht unterstützen und dienen kann, ohne die existenziellen Nöte anzusprechen, die aus dem Klimawandel und dem ungerechten Umgang mit dem Boden und Bodenrechten fliessen. Denn aus diesen Gründen verlieren sie ihren Lebensunterhalt, und ihre Rechte werden verletzt.

Wir wurden die ganze Zeit liebevoll und umsichtig begleitet und geführt von Anni Solis, die auch ein Mitglied in der vom peruanischen Bischof gegründeten Gruppe ist und bis vor kurzem als missionarische Praktikantin der GBGM in Genf tätig war.

Von dieser Begegnung und als Mitglied des Creation Care Teams komme ich mit dem Auftrag, das Thema in der EMK-Gemeinde und in unserem kirchlichen Kontext (Jährliche Konferenz) zu traktandieren. Ich sehe meine ersten Schritte als eine Entdeckungsreise, um Verbündete in der EMK Schweiz, Frankreich und Nordafrika zu finden. Als EMK sind wir in der Schweiz und auch in Europa nicht alleine unterwegs. Wir haben eindrückliche Vorbilder in unseren Nachbarländern und in ökumenischen Strukturen, die schon Erfahrung in dieser Richtung gesammelt haben, die uns inspirieren können.

Siehe auch Blog vom 12. Dezember 2014

Montag, 9. September 2013

Ein-Wurf von Heiner Studer

Heckenlandschaft im Rheintal bei Sargans/Schweiz
Als Christen sind wir mitverantwortlich für den Schutz von Gottes Schöpfung. Die Erde ist eine Leihgabe, die wir in Verantwortung vor unseren Schöpfer und zum Nutzen der Menschen zu verwalten haben.
Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Christen schon lange vor der grünen politischen Bewegung immer wieder ein besonderes Gespür für Umweltfragen entwickelten. Bereits 1944 zeigte Nationalrat Paul Zigerli mit seinem Postulat «Rettet die Gewässer» auf, dass sich da ein ernsthaftes Problem anbahnte. Ende der 50er Jahre mahnte Theologieprofessor Fritz Blanke, damals Mitglied des Zürcher Kantonsrates, vor der Problematik des Atommülls und vor den Gefahren des Blei-Benzins. Dieses frühe Gespür wirkt erstaunlich.
Der Schutz von Gottes Schöpfung gehört mit zu den vorrangigen Aufgaben für uns Christen. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen, so notwendig sie sind. Wir alle haben im Alltag unzählige Möglichkeiten, uns konkret einzusetzen.

Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2013 - Heiner Studer ist Mitglied im 

Montag, 3. September 2012

Ein-Wurf von Andre Töngi


Als Kind war für mich die Natur ein grosses Märchen. Ich staunte über den Falter und über die leuchtenden Mohnblüten. Später, während meiner Gärtnerlehre, verblasste dieser Glanz. Alles konnte mit einer naturwissenschaftlichen Erklärung abgetan werden. Doch mit dem Wissen tauchte wieder eine tiefe Ehrfurcht vor der Schöpfung auf. Das alles kann kein Zufall sein! Wunderbar ist die Blüte des Veilchens. Ich weiss ja, dass die Farben dazu da sind, Insekten anzulocken. Aber hätte nicht einfach ein Farbklecks genügt? Doch die Natur zeichnet ein filigranes Meisterwerk in die Blüten. Man spürt den Schöpfer, der voll Liebe am Werk ist.
Unter einem Baum sitzen und beten, hat nichts mit obskurer Esoterik zu tun. Der südamerikanische Theologe Ernesto Cardenal meint, in der Natur fänden wir die Initialen Gottes, und alle erschaffenen Wesen seien Liebesbriefe Gottes an uns.
Der Ökumenische Rat der Kirchen, zu dem auch die EMK gehört, hat dazu aufgerufen, vom 1. September bis zum 4. Oktober eine Zeit der Schöpfung abzuhalten. Eine gute Gelegenheit, Gott von seiner kreativen Seite kennenzulernen.


Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2012 Andre Töngi ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich