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Dienstag, 1. September 2020

Es ist Schöpfungszeit

Gemaltes Auge auf Kiesel an einem Baum
Foto © Jörg Niederer
Dieses Jahr macht oeku: Kirche und Umwelt auf unsere Augen aufmerksam. Wie wunderbar unsere Augen sind, merke ich jedes Mal, wenn ich fotografiere: die Mischung aus Weite, Fokus, Schärfe, Tiefe, Kontrast und Farbe übersteigt das, was meine Kamera schafft, bei Weitem.
Was wir mit dem Auge sehen, beeinflusst unser inneres Auge, die Bilder die in uns leben und wirken. Was wir sehen, bestimmt also, was wir denken und wie wir handeln. 
Es gibt Dinge, die wir immer wieder sehen, wie geliebte Gesichter oder den Frühling. Dann schärft die Wiederholung unser Sehen. Bei anderen Bildern, zum Beispiel von überfüllten Flüchtlingsbooten oder sterbenden Wäldern, werden wir allmählich "blind". Das hat damit zu tun, dass wir nicht nur mit dem Auge sehen, sondern auch mit dem Herzen und dem Verstand. Sie bestimmen den Rahmen, durch den wir sehen.
Eine Kamera zeigt auch schön, wie ein Rahmen das, was wir sehen, beeinflusst. Der Rahmen verändert sich durch die Einstellung der Grösse oder mit einem neuen Winkel. So steht etwas neu im Zentrum oder der Hintergrund wird deutlicher.
Alltäglich bieten Nachrichtensendungen, politische Kampagnen, und der Dorftratsch uns Bilder in bestimmten Rahmen. Wir haben wenig Einfluss auf diese Bildern, die vor unsere Augen auftauchen. Wir können jedoch Einfluss nehmen auf den Rahmen, durch den wir schauen, und damit auf das, was wir sehen und was unser Handeln bestimmt. 
Wenn Jesus von der kommenden Gottesregierung spricht, wenn er diese mit Bildern von Lilien und Vögeln beschreibt, bietet er uns einen Rahmen fürs Sehen. Den Rahmen, durch den er sieht, stellt Menschen neu ins Zentrum und stellt auch unerwartete Menschen ins Zentrum. Mit seinem Rahmen würdigt er die Erde, auf der er unterwegs ist. Das, was er so wahrnimmt, bestimmt sein Handeln. Es könnte auch unser Handeln bestimmen, mit ihm hinzuschauen.
Marietjie Odendaal, Kirche und Gesellschaft

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 9/2020

Montag, 1. Juni 2020

Lärmende Grillen

Feldgrille
Um mein Zuhause im schönen Bettswil zirpen seit Anfang April hunderte, oder vielleicht gar tausende Feldgrillen. Doch ehe nun romantische Gedanken auftauchen, nein, idyllisch ist das nicht: Sie können nerven, diese Grillen. Ich bin zwischenzeitlich verwirrt, ob es mein kleiner Tinnitus ist, oder ob es die Grillen sind, die einen Ton in ähnlichen Höhenlagen absondern.

Neulich waren Freunde auf einen Corona-Abstandskaffee vorbeigekommen. Wir sassen im Garten. Irgendwann meinte jemand von uns zur Wiese gewandt: «So, jetzt ist aber Schluss!» Das bringt natürlich nichts. Die Feldgrillen verstehen uns wohl nicht. Sie lassen sich nicht stören und lärmen weiter, naja, für sie muss es der himmlischste Klang auf Erden sein.

Die Grillen wohnen in Schlupflöchern in den angrenzenden Öko-Wiesen. Diese dürfen nie gedüngt und vor dem 1. Juli nicht geschnitten werden. Damit tragen Bäuerinnen und Bauern der Region einen wichtigen Teil zur Biodiversität in unserem Land bei. Und bei längerem darüber nachdenken, fällt mir ein Zitat des bekannten Arztes und Theologen, Albert Schweitzer ein. Dieser sagte in Zusammenhang mit seiner «Ehrfurcht vor dem Leben» folgenden Satz: «Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.»

Und ich erkenne: Es geht nicht um meine, oder unsere menschliche Ruhe. Die Corona Zeit hat vielerorts zu einem Aufatmen der Schöpfung geführt. Die Neue Zürcher Zeitung titelte kürzlich: «Kein Smog dank Corona – der Lockdown verschafft Indiens verschmutzten Städten eine Atempause», und weiter, «Die Corona-Krise führt in Indien zu verbesserter Luftqualität: blauer Himmel und Vogelgezwitscher auch in Grossstädten.» Solche und ähnlich Schlagzeilen zeigen mir: Die Schöpfung bringt ihre Stimme in diesen für die Menschheit unfreiwillig heruntergefahrenen Wochen und Monaten wieder deutlicher zum Klingen. Viel menschgemachter Lärm ist leiser geworden. Vom Vogelgezwitscher in New Delhi bis zur Feldgrille in Bettswil gilt wahrscheinlich: Für Gott ist darin kein Lärm, sondern Klang seiner Schöpfungs-Symphonie. Ich dagegen, muss mich wieder dran gewöhnen und auch fragen: «Wo reduziere ich meinen Lärm, damit die Schöpfung zum Wohlklang des Miteinanders vor Gott und keinem möglichst lauten Ausruf der menschlichen Spezies inmitten von allem anderen Leben verkommt?»

Vielleicht ist das eine generelle Frage für die «Nach-Lockdown-Zeit»?

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 6/2020

Mittwoch, 20. Mai 2020

Lebenshöhepunkt Kunstfliegen

Ein Gedanke
Blauflügel-Prachtlibelle
Eine Blauflügel-Prachtlibelle lebt die meiste Zeit (1-2 Jahre) als Larve unter Wasser, und nur gerade die letzten 40-50 Tage verbringt sie virtuos schwebend in der Luft. Sie muss nicht fliegen lernen, kann es einfach, und übertrifft die Flugeigenschaften eines Helikopters bei weitem. Was für eine Verschwendung an biologischer Genialität steckt doch in so einem schillernden Geschöpf mit so kurzer Lebensdauer.

Ein Bibelvers - 1. Könige 10,1
"Und die Königin von Saba vernahm die Kunde von Salomo, die dem HERRN zum Ruhm gereichte, und kam, um ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen."

Eine Anregung
Heute stellt sich mein ältester Sohn den abschliessenden Prüfungen seiner Ausbildung. Er ist wohl nicht der einzige, der gerade durch solche, das Leben entscheidende Tests geht. Wie wäre es, wenn du heute gerade für die Auszubildenden betest und für die, welche auf der Suche nach einer Lehrstelle sind?

Freitag, 24. April 2020

Online-Klimastreik

Ein Gedanke
ChurfirstenZum ersten Mal überhaupt ist in den USA eine Mehrheit der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern der Überzeugung, das die Erderwärmung eine Realität und von Menschen gemacht ist. Das geht aus einer Umfrage von LifeWay Research hervor. 53% der Pfarrerinnen und Pfarrer und 80% der Methodistinnen und Methodisten stimmen der Aussage zu: "Ich glaube die Erderwärmung geschieht und ist von Menschen verursacht".

Ein Bibelvers - 1. Mose 1,1-4
"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und öde, und Finsternis lag auf der Urflut, und der Geist Gottes bewegte sich über dem Wasser. Da sprach Gott: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war."

Eine Anregung
Heute findet wieder ein Klimastreik statt. Die Veranstalter schreiben dazu: "Auch wir als Fridays for Future wollen dem gerecht werden. Wir wissen, dass insbesondere ältere Menschen durch das Coronavirus gefährdet sind und möchten auch diese explizit schützen. Daher werden wir vor allem digital Streiken." 
Das ist die Gelegenheit, unabhängig vom Alter ein Zeichen zu setzten und sich am Online-Streik zu beteiligen. Vorgesehen sind ein Livestream und eine Bilderwand der Streikenden mit den Plakaten: https://fridaysforfuture.de/netzstreikfursklima/?pk_campaign=menue

Montag, 21. Oktober 2019

Klimademo und Klimawahl

Klimademo in BernAm 28. September konnte ich an der grossen Demonstration «Klima des Wandels» in Bern mit dabei sein. Es war ein Vergnügen, Teil zu sein der fröhlich-bunten Menge. Selten habe ich mich so sehr «in der ganzen Schweiz» gefühlt, inmitten von Französisch, Deutsch, allen Generationen, Jazz, Folk und Rock, die oft unerwartet ertönten, Lustigem, Skurrilem und Ernstem. Alles beisammen, wie ein grosses Fest. Es war sehr ermutigend in einer so grossen Gruppe zu sein, die sich für dieses Thema einsetzt.
Neben den heiteren, lustigen und ermutigenden Eindrücken sind in mir der Wunsch und die Hoffnung geblieben, dass die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger das Thema des verantwortlichen Umgangs mit der Schöpfung nicht nur als individuelle Tugend und persönliches Streben sehen, sondern die politischen Konsequenzen ziehen und dementsprechend ihre Stimme bei den Wahlen am 20. Oktober eingelegt haben. 
Die aktuellen Ergebnisse der Wahlen stimmen hoffnungsvoll.


Samstag, 1. September 2018

«Wo warst du, als ich die Erde gründete?»

Aussicht vom Brisen, SchweizDer Monolog Gottes in Ijob 38-41 ist eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Gott zählt Ijob gegenüber auf, was er alles an dieser Erde getan hat, und antwortet somit auf all die Anschuldigungen, die Ijob ihm entgegengeworfen hat. Oder besser gesagt, er antwortet nicht auf die Anschuldigungen, sondern er setzt diese in Perspektive.

Warum aber gibt Gott Ijob diese Antwort und nicht eine andere? Gott könnte auch antworten mit: «Schau, ich habe alles in der Hand. Ich weiss schon, was ich tue. Du musst mir einfach vertrauen». Ich glaube, dass Gottes Antwort viel einleuchtender und nachhaltiger ist für Ijob, als wenn er ihm einfach sagen würde, dass er vertrauen soll. Gott gibt Ijob in dieser Antwort die Chance, sich selbst zu demütigen. Sich selbst in Demut zu üben gegenüber einem Gott, der diese Welt geschaffen hat. Es geht darum, dass er Gott wieder als Gott erkennen und anerkennen darf.

Vielleicht dürfen auch wir durch die Natur, die Gott geschaffen hat, wieder neu demütig werden. Wir kommen nicht umhin zu erkennen, dass wir Menschen in der heutigen Zeit immer mehr Macht haben, in die Natur einzugreifen – wie können wir also demütig mit dieser Macht umgehen?


Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 9/2018

Dienstag, 7. August 2018

Wir sind ein Teil des Gewebes (Teil 4)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Community of all Ceation» (Die Gemeinschaft alles Erschaffenen).


Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
In seiner berühmten Rede des Häuptlings Seattle an den amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce erklärt er, wie die Indianer die Welt verstehen:
«Der Mensch kann kein Gewebe erschaffen, sondern er ist nur wie eine Faser im Gewebe. Jegliche Störung an der Erde wird eine Störung an Euch selbst sein.»

Was hat ein Indianerspruch auf einem christlichen Blog zu suchen? Sehr viel, wenn man die überarbeiteten Sozialen Grundsätze liest. Im Kapitel «C) Wisdom, Science and Technology» aus dem Hauptbereich «The Community of all Creation» steht: «Mensch sind nicht der Mittelpunkt; vielmehr sind wir alle Teile am Netzes des Lebens.»

Die Sozialen Grundsätze, Richtschnur des methodistischen Glaubens, sind einem dynamischen Prozess unterworfen. Immer wieder werden sie der Zeit angepasst und biedern sich trotzdem nicht irgendwelchem Zeitgeist an. Da wird um jedes einzelne Wort gerungen. Die kulturelle und politische Vielfalt, die unsere Kirche prägt, macht es nicht immer einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden. 

Am Anfang der Sozialen Grundsätze steht die Schöpfung, auf Englisch «Creation». Diese beiden Begriffe bringen den Kerngehalt der Urgeschichte recht deutlich zum Ausdruck: Gott schafft mit seinem schöpferischen, kreativen Geist aus dem Chaos eine lebendige Welt.

Die Erde ist bedroht: Waren es früher Naturgewalten wie Dürre und Überschwemmungen, so steht der Mensch immer mehr im Fokus. Zu nennen sind grausamen Kriegen, die bis heute viele Millionen Opfer fordern. Spätestens seit der Aufklärung wird die Natur ausgebeutet. Der Mensch macht sich die Erde untertan – ob das Gott so gewollt hätte – wohl kaum.

In den sozialen Grundsätzen steht: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn, und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen.

Dieser Hitzesommer mit den vielen verheerenden Waldbränden in ganz Europa zeigt deutlich, dass die Welt aus dem Lot geraten ist. Riesige Urwälder werden abgeholzt, damit wir im reichen Westen billiges Holz, Palmöl, Kaffee und Schokolade kaufen können. Wir schaffen so nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge. Immer mehr Menschen müssen ihr Zuhause verlassen; weil es wegen Umweltgefahren unwirtlich geworden ist.
   
Erstmals tauchen in den Sozialen Grundsätzen die indigenen Völker als gleichwertige Partner auf. Es sind nicht mehr die Völker, die man mit aller Gewalt bekehren muss, um in den christlichen Himmel zu kommen. Es heisst: Wir respektieren die Weisheit und die Art und Weise des Wissens, die von indigenen Völkern praktiziert wird…. In einem weiteren Abschnitt wird indigenes Wissen in Bezug auf die Natur anerkennt und indigene Rituale, Traditionen und Lebensweisen respektiert. 

Mit Sorge werden in diesen Grundsätzen die indigenen Völker als erste Opfer unseres Klimawandels betrachtet. Gefordert wird ein Schutz aller Ureinwohner vor einer zu aggressiven Entwicklung.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Papier nicht zum Papiertiger verkommt. Gerade die obersten Gremien der weltweiten United Methodist Church sollten sich diese Sozialen Grundsätze vermehrt zu Herzen nehmen. Immer wieder laden sie weltweit zu einem zwei- oder dreitägigen Meeting nach Amerika ein. Meetings, die man oft auch über Skype abwickeln könnte. Unsere Zentralkonferenz versucht wenigstens mit einem Beitrag an den Klimarappen das Ganze etwas abzufedern. Im letzten Jahr wurde dadurch eine Heizung in Serbien saniert, ein kleiner aber wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Lassen wir zum Schluss noch einmal Häuptling Seattle zu Wort kommen: 

«Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys – und des Menschen – sie alle gehören zur gleichen Familie.»

The Natural World in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-natural-world

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch


Donnerstag, 1. März 2018

Weil du mir Vertrauen schenkst - ein Gebet

Migrant in CalaisSei willkommen, Fremder! Erhole dich von deiner langen Flucht. Lege ab deine schwere Last, dein Trauma, heile deine Wunden. 
Ich sage JA zur dir, du bist eine Bereicherung mit deiner Kultur, deinem Glauben und deiner Lebenserfahrung. Und manchmal sage ich NEIN, wenn ich an meine Grenzen stosse. 
Ich übe mich in Gastfreundschaft. 
Denn du, Gott, öffnest mein Herz, himmelweit, und bietest mir Raum in deinem Gebet.

Ein Spaziergang in der Natur bringt mich zum Staunen. Die versponnenen Blüten, die mächtigen Bäume und das reife Korn sind Zeichen deiner grossen, unendlichen Liebe. Selbst der Regen macht mir nichts aus, auch wenn ich mich leise ärgere, weil ich den Schirm zuhause vergessen habe. Es ist lebendiges Wasser, das Leben bringt. 
Denn du, Heiliger Geist, bist der kreative Schöpfer, schenkst uns Atem und Lebenskraft.

Ich trete ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Du Nazarener gehst voran, deinen Fussspuren folge ich gerne. Einige Wege führen mich an den Rand der Gesellschaft. Und manchmal bin ich verzweifelt über diese vielen Ungerechtigkeiten, doch nie resigniert. 
Denn du, Jesus, wirfst geduldig immer wieder dein Netz nach mir. Ich darf fallen und werde von dir getragen.

Amen

Erschienen in "Kirche und Welt" 03/2018

Dienstag, 12. September 2017

Gott, der Kreative

Raupe auf dem Weg.
Welch ein gewaltiges Bild zeigt uns bereits der erste Abschnitt in der Bibel: Gott schafft aus dem Chaos mit seinem kreativen Geist eine fruchtbare Welt; in die Nacht hängt er funkelnde Sterne, Gott lässt es wachsen und gedeihen, er bietet Gastfreundschaft uns Menschen, seinem Ebenbild.

Es ist diese Erzählung unserer Urväter, die mich immer wieder motiviert, einzutreten für die Bewahrung der Schöpfung. Diese Liebe, die uns von Anfang begleitet, soll nicht mit Füssen getreten werden und dem Mammon geopfert werden. Es darf uns nicht gleichgültig sein, wie wir mit seinem Werk umgehen.

Nein, wir müssen uns nicht mit Askese geisseln, es reicht schon, wenn wir bewusster leben. Es braucht manchmal gar nicht so viel, vielleicht einmal das Velo statt das Auto nehmen oder auf die Erdbeeren verzichten, wenn noch nicht Saison ist.

Warum sind die Bananen aus Südamerika billiger als unser Obst aus der Region? Beschäftigt Sie als Christ diese Frage nicht? Mich schon!


Erschienen in "Kirche und Welt" 9/2017

Samstag, 1. April 2017

Glauben und Weltgeschehen: ein Wider-Spruch?

Glaube und Weltgeschichte
Was in der Welt geschieht ist oft so schrecklich, was an Nachrichten auf uns einstürmt so widersprüchlich. Wie kann man da noch glauben? Viele Zeitgenossen resignieren, geben ihre Hoffnungen auf. 
Doch ich finde, es macht Sinn zu glauben. Trotzdem! Ich will den Glauben unverfroren buchstabieren, immer wieder neu, wie ein Kind.  Erst recht: achtsam sein, wo Himmel und Erde sich berühren, wo die Spur des Ewigen meinen Alltag kreuzt.  Da verrät schon unsere Sprache, was viele andere vor uns gesucht und auch erlebt haben.  Unser Wort ‚glauben‘ kommt vom althochdeutschen ‚gilouben‘ und bedeutete: für lieb halten, gutheissen.  Es steht für ein freundschaftliches Verhältnis eines Menschen. 
Das Geheimnis des Glaubens besteht auch heute darin, ein freundschaftliches Verhältnis  zu finden – zur Schöpfung und unseren Mit-Geschöpfen. Alles mit Augen der Liebe betrachten. So stelle ich mir auch Gott vor: Der Schöpfer betrachtet seine geliebte Welt und spricht begeistert aus „es ist (sehr) gut“! Da ist ein Gegenüber, das sieht, ja die ganze Welt mit Liebe sieht. Das ist der Beginn von allem; damit verändert sich alles.

Erschienen in "Kirche und Welt", 4/2017

Mittwoch, 15. März 2017

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft empfiehlt ein JA zur Energiestrategie 2050

Albigna-Stausee
Selten klingen kirchliche Dokumente in politischen Gesetzesvorschlägen nach. Doch genau das ist in diesem Jahr der Fall. Das Schweizer Parlament hat vor, das Erzeugen und Nutzen von Energie in Wirtschaft und Gesellschaft in vernünftige und zukunftsorientierte Bahnen zu lenken. Endlich soll nicht länger Atomwirtschaft übermässig subventioniert und Energieverschwendung geduldet werden. Dazu dürfen Schweizer Stimmberechtigte im Mai 2017 ihre Zustimmung zeigen. 
oeku Kirche und Umwelt (http://www.oeku.ch/) beschreibt die wichtigsten Aspekte, die für ein JA sprechen. Methodisten haben es leicht. Denn das Gesetz zeigt sich in grösstem Einklang mit den Sozialen Grundsätzen. Nach dem einleitenden Paragraphen („Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn, und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen“), lesen wir dort zur Verwendung von Energieressourcen:

"Wir anerkennen, dass die nichtmenschliche Schöpfung einen ihr innewohnenden Wert besitzt. Wir unterstützen und fördern deshalb soziale Maßnahmen, die auf eine vernünftige und zurückhaltende Umwandlung von Rohstoffen in Energie zum Nutzen des Menschen ausgerichtet sind. Weiter unterstützen wir Maßnahmen, die solche Technologien der Energieerzeugung unwichtig oder überflüssig machen, welche die Gesundheit, die Sicherheit oder gar die Existenz der menschlichen und nichtmenschlichen Schöpfung in Gegenwart und Zukunft gefährden. Darüber hinaus drängen wir auf eine kompromisslose Unterstützung des Energiesparens und der verantwortlichen Entwicklung aller Energieressourcen – mit einem besonderen Anliegen für die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen – sodass die Erde als gute Schöpfung bewahrt bleibt."

Auch wer eher meint, die Energiestrategie 2050 sei noch zu zaghaft, soll wenigsten das darin Geforderte unterstützen, und am 31. Mai 2017 mit Ja stimmen.

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Ohr für die Schöpfung

Frosch im Teich
Die ökumenische Schöpfungszeit geht zu Ende. Dieses Jahr wurden wir eingeladen, unser Ohr für die Schöpfung zu öffnen, uns für den Klang der Schöpfung bereitzuhalten.
Ich habe mich gefragt, was solch ein geöffnetes Ohr denn bewirkt. Meine Antwort lautet: Staunen. Ich weiss nicht schon alles, sondern bin Neuem begegnet und habe Neues wahrgenommen.

Ich erinnere mich, wie ich im Sommer an einem Teich einen Glockenton hörte, der über das Wasser herüber klang. Woher stammte er? Was für ein Wesen, welches Instrument, brachte dieses klingende, bassige bum-bum hervor? 
Meine Frage veranlasste mich, die Bäume und Sträucher um den Teich herum abzusuchen, bis ich die Quelle des Klangs entdeckte: im Wasser, an einem Stückchen Zweig hängend, ein knallgelbes Fröschlein, dessen Backen zu kleinen Luftballons aufgeblasen waren, um sein Revier anzukündigen.
Wie schön überraschend! Wie herrlich unpassend! Ein Ohr für das, was ich nicht kannte und nicht gleich einordnen konnte, hat mir diese Entdeckung und dieses Staunen gebracht.

Vor kurzem war ich an einem nassen, nebeligen Herbsttag unterwegs. Und meine Schritte wurden aufgehalten, als ich die einsame Stimme einer Meise hörte. Wo war sie? Ich bin stehen geblieben, bis ich sie sah. Noch ein paar Mal habe ich die hellen Töne durch das Grau um mich herum gehört. Ich bin weiter gegangen, heiterer, aufgehellt und beschenkt.

Diese Momente stärken in mir das Dankbarwerden, das Anerkennen und eine Offenheit für das, was ich noch nicht kenne und vielleicht nie erwartet habe. Sie stupsen mich immer wieder Richtung Staunen, das zuletzt auch ein Staunen über Gott den Schöpfer wird.

Mittwoch, 10. August 2016

"Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben" - Eine Stellungnahme zur Initiative "Grüne Wirtschaft"

(c) 2016 - Jörg Niederer - Durch Unwetter unterspühlte Strasse bei Schindellegi
Ausschuss "Kirche und Gesellschaft", André Töngi

Eindrücklich zeigt die Schöpfungsgeschichte im ersten Kapitel der Bibel die Liebe Gottes zu uns Menschen, aber auch zu unserer Mitwelt. Immer wieder wird der Text unterbrochen durch ein "und Gott sah, dass es gut war". Als Gott sein Werk vollendet hat, findet er das Ganze sogar sehr gut.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns die Verantwortung über die Schöpfung übertragen hat. Leider hat der Mensch dieses "macht euch die Erde untertan" völlig missverstanden. Vor allem der Westen lebt über seine Verhältnisse auf Kosten anderer. Wenn alle Menschen auf der Welt den gleichen Lebensstil wie die Schweizer Bevölkerung hätten, bräuchte es drei Planeten, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Die  vielen Naturkatastrophen  in den letzten Jahren sind ein Zeichen, dass die Welt  aus den Fugen gerät. Wir sind aufgefordert, sie wieder ins Lot zu bringen. 

Am 25. September stimmt das Schweizer Volk über die Initiative für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft) ab. Verlangt wird, dass der ökologische Fussabdruck bis zum Jahre 2050 auf eine Erde reduziert wird. Erreicht werden soll dieses ehrgeizige Ziel über eine Förderung der Forschung, Innovation und Vermarktung von wirtschaftlich nachhaltigen Projekten und Aktivitäten. Daneben sollen mit finanziellen Anreizen und Steuerungsmassnahmen nachhaltige Projekte gefördert werden. 

Der Ausschuss "Kirche und Gesellschaft" unterstützt diese Volksinitiative. In den Sozialen Grundsätzen bekennt sich die EMK zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen. (Soziale Grundsätze 160. I. Die natürliche Welt)
Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige, grüne Wirtschaft neue Arbeitsplätze schafft. Es braucht Fabriken, die Solarpanels fabrizieren; Baufirmen erhalten für die Isolierung von alten Gebäuden viele neue Aufträge. Eine biologische Landwirtschaft schont die Natur. Bauern erhalten dafür ein existenzsicherndes Einkommen. Der Erfinderreichtum, der die Schweiz in den letzten Jahrhunderten auszeichnete, erhält neuen Auftrieb.

Nicht diese Initiative schränkt unseren Alltag ein, wie von den Gegnern behauptet wird. Es sind die durch Menschen verursachten Naturkatastrophen, die ganze Dörfer verwüsten und unermessliches Leid verursachen und immense wirtschaftliche Schäden verursachen.


Mittwoch, 2. September 2015

Schöpferische Schöpfung

Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri)
Neulich war ich an einem Vortrag zum Thema „Pflanzenkommunikation“. Mit ihren Blütenfarben locken Pflanzen potentielle Bestäuber an. Und wenn sie verletzt werden, wissen sie sich ebenfalls zu wehren. Die Tomate zum Beispiel sendet einen Lockstoff aus, der Nützlinge anzieht. Diese wiederum fressen die Schädlinge, welche in die Wunden eindringen wollen.
Nicht minder fantasievoll geht es bei der Bestäubung zu und her. Da wird gelockt und vorgegaukelt, wird gebettelt und meistens wird das bestäubende Insekt schamlos ausgenützt.
Mir blieb nach diesem Vortrag nur das grosse Staunen. Dieses Zusammenspiel, diese raffinierten Möglichkeiten, wie die Natur untereinander kommuniziert, das lässt den schöpferischen Geist mehr als nur erahnen. Und doch, entstanden ist das nicht von heute auf morgen. Die ganze Evolutionstheorie findet hier genauso Platz. Wenn man sie bis an den Anfang zurückverfolgt, kommt man wieder zu Gott, der aus dem Chaos Himmel und Erde erschaffen hat.
Die Natur ist nicht immer nur perfekt. Arten sterben aus. Der Mensch trägt eine grosse Mitschuld. Seitdem er immer mehr in dieses Gefüge eingreift, bringt er es aus dem Gleichgewicht. Noch nie sind so viele Arten verschwunden, wie in den letzten Jahrzehnten.
Als Methodisten sind wir aufgerufen, engagiert dagegen aufzutreten. Die Sozialen Grundsätze fordern uns auf, Gottes Schöpfung zu achten und zu bewahren.


Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2015

Montag, 9. Februar 2015

Als weltweite Kirche sich Fragen zum Klimawandel und zur ökologischen Verantwortung stellen

Pat Watkins
Pat Watkins
Von Marietjie Odendaal:
Vom 2. bis 11. Dezember, 2014 durfte ich als Mitglied des neugegründeten Creation Care Teams der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Peru sein. Creation Care bedeutet: Verantwortung für die Schöpfung tragen.
Diese Tage beinhalteten für mich Begegnungen auf drei Ebenen: mit den anderen Mitgliedern des Teams, mit Methodisten und Methodistinnen in Peru und mit der Kultur und Landschaft von Peru.

Obwohl das dritte natürlich seinen Reiz hatte, sehr eindrücklich war und auch den Rahmen für die anderen intensiven Begegnungen schaffte, werde ich mich auf die ersten zwei Arten von Begegnungen konzentrieren.

Das General Board of Global Ministries (GBGM) hat 2014 Pat Watkins als Missionar für die Schöpfung berufen. Pat Watkins war einige Jahre Missionar in Nigeria. Danach war er Pfarrer in Virginia, USA. Dort hat er in der Konferenz ein Creation Care Team gegründet. Nun soll er seine Erkenntnisse und Erfahrung auf die Gesamtkirche anwenden. Weil er dies nicht alleine schaffen kann, hat er ein Team mit Gliedern aus verschiedenen Erdteilen zusammengerufen.
In Peru trafen wir uns zum ersten Mal zu fünft.

Susan Mullin ist Pfarrerin in Minnesota und ausgebildete Geologin. Sie setzt sich in der Kirche dafür ein, keine Erdölgeschäfte mehr zu unterstützen. In ihrer Gegend ist die Erdölindustrie sehr präsent, gerade mit dem Schürfen nach Öl, und verursacht soziale Belastungen und Umweltbelastungen, auf welche die Kirche reagieren muss.

Sotico Pagulayan, gebürtiger Filipino und studierter Pflanzen-Pathologe, arbeitet für eine Nicht-Regierungs-Organisation in Kambodscha. Diese Organisation unterstützt Menschen beim Lebensunterhalt.

Anahí Alberti d'Amato ist Bio-Chemikerin. In der argentinischen methodistischen Kirche nimmt sie Teil an Versuchen, die Umweltzerstörung und die Effekte des Klimawandels, vor allem in der Chaqa-Region in Argentinien, kennenzulernen und anzusprechen.

Zwei Mitglieder konnten nicht dabei sein, Cliff Bird aus Fiji und Jefferson Knight aus Liberia, der wegen Ebola nicht ausreisen durfte. 

In Peru haben wir zusammen geträumt. Wir wollen dazu beitragen, dass es in der Kirche für selbstverständlich gehalten wird, dass unser Auftrag als Christen und Christinnen die Sorge und die Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung einschliesst. Wie unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu der Nachfolge Jesu Christi einfach dazugehört, gehört auch unsere Beziehung zu der Erde und allen Geschöpfen „einfach dazu“. Die methodistische Tradition weiss sehr gut, dass die zuerst genannte Selbstverständlichkeit in der Christenheit oft nicht selbstverständlich war und ist. Unsere Tradition hält aber daran fest. Nun können wir diese Selbstverständlichkeit erweitern.

Wer diese Aufgabe auf sich nimmt, muss sich zuerst das Wissen aneignen, was falsch gelaufen ist und was gelingt. Weil wir Kirche sind, wollen wir dies vor Gott bringen im Schuldbekenntnis, in der Fürbitte und in Lob und Danksagung. 
Wir hatten eindrückliche Begegnungen mit Methodisten und Methodistinnen in Peru. Wir fuhren auf der Anden-Hochebene zu zwei kleinen Ortschaften, in denen wir uns mit Mitgliedern methodistischen Gemeinden trafen. Die Begegnungen waren ganz verschieden und hinterliessen auch sehr vielfältige Eindrücke bei uns. Gemeinsam stehen die Gemeinschaften vor den Herausforderungen, den Klimawandel zu bewältigen, der für sie vor allem Wassermangel bedeutet. Ausserdem müssen sie sich in der globalen Wirtschaft zurechtfinden und ihr kulturelles Erbe verwalten.

Wir konnten uns auch mit dem Bischof der Iglesia Metodistika del Perú, Samuel Aguilar, und Mitgliedern einer von ihm gegründeten Gruppe, die sich verpflichten, die Schöpfung zu bewahren, treffen. Der Bischof erzählte, wie er in seinem neuen Amt die Gemeinden in Peru besuchte. Ihm ist klar geworden, dass die Kirche ihre Mitglieder nicht unterstützen und dienen kann, ohne die existenziellen Nöte anzusprechen, die aus dem Klimawandel und dem ungerechten Umgang mit dem Boden und Bodenrechten fliessen. Denn aus diesen Gründen verlieren sie ihren Lebensunterhalt, und ihre Rechte werden verletzt.

Wir wurden die ganze Zeit liebevoll und umsichtig begleitet und geführt von Anni Solis, die auch ein Mitglied in der vom peruanischen Bischof gegründeten Gruppe ist und bis vor kurzem als missionarische Praktikantin der GBGM in Genf tätig war.

Von dieser Begegnung und als Mitglied des Creation Care Teams komme ich mit dem Auftrag, das Thema in der EMK-Gemeinde und in unserem kirchlichen Kontext (Jährliche Konferenz) zu traktandieren. Ich sehe meine ersten Schritte als eine Entdeckungsreise, um Verbündete in der EMK Schweiz, Frankreich und Nordafrika zu finden. Als EMK sind wir in der Schweiz und auch in Europa nicht alleine unterwegs. Wir haben eindrückliche Vorbilder in unseren Nachbarländern und in ökumenischen Strukturen, die schon Erfahrung in dieser Richtung gesammelt haben, die uns inspirieren können.

Siehe auch Blog vom 12. Dezember 2014

Freitag, 12. Dezember 2014

Ein Missionar für die Schöpfung – mit einem Team in Peru den Opfern des Klimawandels begegnet

Ein Reisebericht von Marietjie Odendaal

Anahi Alberti D'Amato, Bischof Aguilar und Annie Solis
Das General Board of Global Ministries (GBGM) – das Missionsorgan der weltweit tätigen United Methodist Church – hat einen Missionar mit dem Auftrag berufen, sich für die Schöpfungsgerechtigkeit einzusetzen. Denn Christen stehen wir nicht nur in Beziehung zu Gott und zueinander, sondern zu allen Geschöpfen und zur ganzen Schöpfung. GBGM hat erkannt, dass es der christliche Auftrag ist, sich als Zeugen von Gottes Liebe mit leidenden Menschen überall auf der Welt zu verbünden, aber auch mit der Erde, die das Leben von allen bestimmt. In diesem Sinne ist Pat Watkins nun Missionar für die Schöpfung. Er hat ein sechsköpfiges Team aus verschiedenen Regionen und Kontinenten.

Dieses Team (ich bin die Delegierte aus Europa) trifft sich in diesen Tagen zum ersten Mal in Peru, zur selben Zeit in der der 20. UNO-Klimagipfel in Lima stattfindet. Das Programm besteht darin, einander kennenzulernen und unser Projekt miteinander abzusprechen. Wir treffen uns auch mit Mitgliedern der Methodistischen Kirche in Peru. Von diesen Besuchen möchte ich gerne einige Eindrücke teilen.

Zwei Drittel der Mitglieder der Methodistischen Kirche in Peru sind indigen und leben im Anden-Hochland. Wir haben zwei Gemeinschaften besucht und von ihnen gehört, wie sie klimatischen Veränderungen sich bei ihnen auswirken. Beide Gemeinschaften leiden unter Wassermangel. Ihre Ernte ist gefährdet, die Zukunft scheint sehr unsicher. Sind sie schuld daran? Das ist teilweise ihre Sorge. Eine dieser Gemeinschaften lebt unter dem Schatten eines globalen Konzerns, der Interesse hat an ihrem gemeinsames Land, um dort vorhandenen Bodenschätze abzubauen. Es ist nicht sicher, dass sie sich gegen  das Lobbying des Konzerns behaupten können.

Wir haben uns mit dem Bischof von Peru, Samuel Aguilar, getroffen. Auch er versteht den Auftrag der Kirche, Zeugen Jesu Christi zu sein und einander zu dienen, als unmittelbar verknüpft mit dem Auftrag, die Erde als Gottes Schöpfung zu schätzen und zu schützen. Deswegen leitet er eine Arbeitsgruppe, die sich der Bewahrung der Schöpfung widmet. Der Bischof reagiert damit auf die Nöte von Kirchenglieder, die ihren Lebensunterhalt verlieren und deren Rechte verletzt werden. Wie kann die Kirche helfen, und nicht jeder für sich alleine ums Überleben kämpfen muss? Wie kann die Kirche die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen? 

Ich frage mich, wie wir in Europa uns mit diesen Geschwistern in Peru, in Lima und auf der Hochebene, zusammenschliessen können. Ich frage mich, wie unser Leben in der Schweiz und in Frankreich die Not unserer Geschwister lindert oder vermehrt. Ich frage mich, welche Möglichkeiten wir haben, in unserem Alltag unserer „Verbundenheit über Kontinente hinweg“ gerecht zu werden. Ich frage mich, ob wir uns von der interreligiösen Kommission in Peru mit ihrem Spruch, „Die Zukunft des Planeten ist in unseren Händen“ ansprechen lassen. Ich frage mich, wie wir dazu beitragen, dass unsere Nachfolge Jesu Christi gerecht wird, dass das Wort Fleisch geworden ist, also Erde von unserer Erde.

Siehe auch:
Botschaft des GBGM-Generalsekretärs Thomas Kemper an die Beteiligten des Climate Summit in Lima/Peru 


Montag, 1. September 2014

Schöpfungsgebet

von André Töngi

Sonnenblume - Foto Jörg NiedererDa antwortete Gott dem  Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“ (Ex 3.14 nach der Einheitsübersetzung)

Du Jahwe
Bist das Samenkorn, das Hoffnung trägt,
Bist der Regen, der wachsen lässt,
bist die Sonne, die Wärme schenkt.

Du Jahwe 
Bist der Bauer, der erschafft,
bist die helfende Hand, die pflegt,
bist die Nacht, die ruhen lässt.

Du Jahwe
Bist der Windhauch, der die Ähren streichelt,
bist die Kraft, die  wachsen lässt,
bist das Reifen, das zur Vollendung drängt.

Du Jahwe 
Schenkst uns neues Leben,
schenkst uns Zuversicht und Geborgenheit.
Du bist das Brot des Lebens.



Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2014

Montag, 9. September 2013

Ein-Wurf von Heiner Studer

Heckenlandschaft im Rheintal bei Sargans/Schweiz
Als Christen sind wir mitverantwortlich für den Schutz von Gottes Schöpfung. Die Erde ist eine Leihgabe, die wir in Verantwortung vor unseren Schöpfer und zum Nutzen der Menschen zu verwalten haben.
Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Christen schon lange vor der grünen politischen Bewegung immer wieder ein besonderes Gespür für Umweltfragen entwickelten. Bereits 1944 zeigte Nationalrat Paul Zigerli mit seinem Postulat «Rettet die Gewässer» auf, dass sich da ein ernsthaftes Problem anbahnte. Ende der 50er Jahre mahnte Theologieprofessor Fritz Blanke, damals Mitglied des Zürcher Kantonsrates, vor der Problematik des Atommülls und vor den Gefahren des Blei-Benzins. Dieses frühe Gespür wirkt erstaunlich.
Der Schutz von Gottes Schöpfung gehört mit zu den vorrangigen Aufgaben für uns Christen. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen, so notwendig sie sind. Wir alle haben im Alltag unzählige Möglichkeiten, uns konkret einzusetzen.

Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2013 - Heiner Studer ist Mitglied im 

Montag, 3. September 2012

Ein-Wurf von Andre Töngi


Als Kind war für mich die Natur ein grosses Märchen. Ich staunte über den Falter und über die leuchtenden Mohnblüten. Später, während meiner Gärtnerlehre, verblasste dieser Glanz. Alles konnte mit einer naturwissenschaftlichen Erklärung abgetan werden. Doch mit dem Wissen tauchte wieder eine tiefe Ehrfurcht vor der Schöpfung auf. Das alles kann kein Zufall sein! Wunderbar ist die Blüte des Veilchens. Ich weiss ja, dass die Farben dazu da sind, Insekten anzulocken. Aber hätte nicht einfach ein Farbklecks genügt? Doch die Natur zeichnet ein filigranes Meisterwerk in die Blüten. Man spürt den Schöpfer, der voll Liebe am Werk ist.
Unter einem Baum sitzen und beten, hat nichts mit obskurer Esoterik zu tun. Der südamerikanische Theologe Ernesto Cardenal meint, in der Natur fänden wir die Initialen Gottes, und alle erschaffenen Wesen seien Liebesbriefe Gottes an uns.
Der Ökumenische Rat der Kirchen, zu dem auch die EMK gehört, hat dazu aufgerufen, vom 1. September bis zum 4. Oktober eine Zeit der Schöpfung abzuhalten. Eine gute Gelegenheit, Gott von seiner kreativen Seite kennenzulernen.


Erschienen in "Kirche und Welt", 9/2012 Andre Töngi ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich