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Montag, 17. Juni 2019

«Aber wo isch de itz dis Dihei?» (Aber wo ist denn nun dein Zuhause?)

Zuhause, das sind Familie und FreundeIn den letzten acht Jahren habe ich an sieben verschiedenen Orten gewohnt. Da kommt es öfters vor, dass ich gefragt werde: «Aber wo isch de itz dis Dihei?» Diese Frage fand ich immer irgendwie seltsam, denn mein «Dihei», also mein Zuhause, hat sich bei mir sehr selten auf einen Ort bezogen.* Mein Zuhause ist dort, wo meine Familie ist - die, in die ich hineingeboren wurde, und jene, die ich mir in meinem Leben gewählt habe. «Zuhause sein» hat bei mir mit Beziehungen und nicht mit Orten zu tun.

Auch an dieser Jährlichen Konferenz beschäftigen wir uns mit unserem Zuhause: unserer Kirche, unseren Gemeinden, unserem Ort. Und mit der Fremde: mit dem, was uns fremd erscheint und dem, was uns zu Fremden macht. Über allem jedoch steht und bleibt die Beziehung zu Christus, der dann bei uns ist, wenn uns unser Zuhause fremd vorkommt und uns auch in der Fremde unverhofft ein «Dihei» oder eine Familie finden lassen kann.

*Meiner Schwester und anderen Pfarrkindern geht das übrigens ähnlich. Vielleicht ist es also ein Pfarrfamilien-Syndrom? Diese Analyse überlasse ich aber gerne den Psycholog/innen...


Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 6/2019

Donnerstag, 1. März 2018

Weil du mir Vertrauen schenkst - ein Gebet

Migrant in CalaisSei willkommen, Fremder! Erhole dich von deiner langen Flucht. Lege ab deine schwere Last, dein Trauma, heile deine Wunden. 
Ich sage JA zur dir, du bist eine Bereicherung mit deiner Kultur, deinem Glauben und deiner Lebenserfahrung. Und manchmal sage ich NEIN, wenn ich an meine Grenzen stosse. 
Ich übe mich in Gastfreundschaft. 
Denn du, Gott, öffnest mein Herz, himmelweit, und bietest mir Raum in deinem Gebet.

Ein Spaziergang in der Natur bringt mich zum Staunen. Die versponnenen Blüten, die mächtigen Bäume und das reife Korn sind Zeichen deiner grossen, unendlichen Liebe. Selbst der Regen macht mir nichts aus, auch wenn ich mich leise ärgere, weil ich den Schirm zuhause vergessen habe. Es ist lebendiges Wasser, das Leben bringt. 
Denn du, Heiliger Geist, bist der kreative Schöpfer, schenkst uns Atem und Lebenskraft.

Ich trete ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Du Nazarener gehst voran, deinen Fussspuren folge ich gerne. Einige Wege führen mich an den Rand der Gesellschaft. Und manchmal bin ich verzweifelt über diese vielen Ungerechtigkeiten, doch nie resigniert. 
Denn du, Jesus, wirfst geduldig immer wieder dein Netz nach mir. Ich darf fallen und werde von dir getragen.

Amen

Erschienen in "Kirche und Welt" 03/2018