Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Posts mit dem Label Gott werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gott werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 20. April 2021

Ergründlich unergründlich

Ein Gedanke

Wohnüberbauung Laubwiesen in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Im täglichen Vergeben an uns begangenen Unrechts vermögen wir einen Blick in den unergründlichen Abgrund des göttlichen Erbarmens zu tun und zu ahnen, dass Gott größer ist als unser Herz." Jochen Klepper

Ein Bibelvers - Jesaja 55,8a+9

"So lautet der Ausspruch des Herrn: ...Wie weit entfernt ist doch der Himmel von der Erde! So fern sind meine Wege von euren Wegen und meine Pläne von euren Plänen."

Eine Anregung

Als ich nach Frauenfeld zog, war da eine Industriebrache, der Zutritt für Unbefugte verboten, was eine alte Frau nicht davon abhielt, dort ihre Katzen zu füttern. Dann wurde eine Überbauung erstellt mit mehr als 100 Wohnungen. Nun führen Fusswege zu den Hauseingängen und durch die Siedlung hindurch. Auf meinem Arbeitsweg durchstreife ich regelmässig das weitläufige Gebiet. Längst schon werden mich Bewohnerinnen und Bewohner beobachten. Die einen im vorderen Teil werden sagen: "Er muss da weiter hinten wohnen!". Die andern, die weiter hinten wohnen, denken wohl: "Ah, der, der irgendwo da vorn wohnen muss, geht wieder zur Arbeit!". Würde mich einer den ganzen Weg verfolgen, währe ihm schnell klar: "Der ist nur auf der 'Durchreise', er gehört gar nicht zu uns."

Wer sieht schon das Ganze, den ganzen Weg, das ganze Leben? Nicht einmal die Vorhaben der Menschen liegen klar und übersichtlich vor uns. Wie viel mehr sind die Wege Gottes in dieser Welt unergründlich und geheimnisvoll. Bruchstückhaft bleibt die Erkenntnis. Es gibt noch viel zu entdecken - auf dem Arbeitsweg und im Glauben.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 10. März 2021

Glaube oder Naturwissenschaft, wie es dir gerade gefällt

Ein Gedanke

Wegkreuz mit Fuck-you-Schmiererei
Foto © Jörg Niederer
"Die Leute sagen, über das Wasser zu gehen sei ein Wunder. Aber für mich ist es ein wahres Wunder, voller Frieden über die Erde zu wandeln."  Thich Nhat Hanh

Ein Bibelvers - Psalm 67,2

"Der Herr schaut vom Himmel herab und prüft die Menschenkinder. Er möchte sehen, ob jemand da ist, der Verstand hat und nach Gott fragt."

Eine Anregung

Es ist ein Kreuz mit Glauben und Wissenschaft. Menschen misstrauen der Religion, weil sie keine naturwissenschaftliche Basis hat. Und Menschen misstrauen der Wissenschaft, weil die Konsequenzen aus deren Erkenntnis Anfragen an einen ausufernden Lebensstil stellen. Einmal sind Menschen aus Glaubensgründen gegen Schutzmasken, dann wieder rational begründet gegen die religiöse Verhüllung. Die Empirie wird gegen Urvertrauen ins Feld geführt und der Gottglauben gegen eine sich selbst erklärende Welt. Opportunistisch tendierten wir einmal zum einen, dann wieder zum andern, wie es gerade den eigenen Zielen entspricht.

Beide, Naturwissenschaft und Religion haben ein Legitimationsproblem. Umso erfrischender, wenn einer, der gut reden und erklären kann, ein Naturwissenschaftler, ohne die Widersprüche der Systeme zu beheben, der Wissenschaft und dem Glauben das Wort redet. Harald Lesch nimmt sich in einem kurzen Beitrag der Frage an, ob es Gott aus wissenschaftlicher Sicht geben kann. Und landet ganz überraschend beim Papst und der Wirkung von Religion und Wissenschaft. Man könnte fast meinen, dass beides, Glaube und Naturwissenschaft, das Potential von Hoffnung in sich tragen. Ob da wohl Gott die Hand im Spiel hat?

Hier geht es zum Youtube-Video: https://youtu.be/6fziMlDCjRE

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 12. Februar 2021

Gott im Geschwür

Ein Gedanke

Fresko aus dem Jahr 1937 von Guido und Aurelio Gonzato mit Christus, dem Heiligen Karl und Gotthard in der Kirche St Gottardo in Nivo
Foto © Jörg Niederer
"Ob, wer weiss, unsere inneren Gottesbilder ebenfalls auf eine Frühlingsputzete (Frühjahrsreinigung) warten, die sie zum Beispiel von den jahrtausendealten Ablagerungen patriarchaler Ideologie freischrubbt?" Kurt Marti, Tagebuch mit Bäumen, Darmstadt 1985, S.10 

Ein Bibelvers - Hosea 11,4

Gott zu Israel: "Ich war zu ihnen wie jemand, der sein Tier schonend am Strick zieht und es leitet. Ich führte sie liebevoll an einem Seil. Ich war zu ihnen wie eine Mutter, die ihren Säugling an die Wangen hebt. Ich beugte mich zu ihm, um ihn zu füttern."

Eine Anregung

Mit Gottesbildern werden Lebensentwürfe gerechtfertigt. Mit Gottesbildern wird Angst verbreitet. Gottesbilder beruhigen. Gottesbilder sind einmal süss, und dann sie sind wieder modrig. Die einen brauchen Gott um besser weg zu kommen und andere brauchen Gott, um ihre Gegner fertig zu machen.

Gottesbilder sind unumgänglich. Gottesbilder sind unmöglich. Gottesbilder sind unvollkommen. Gottesbilder verbergen Gott hinter tausend Vorstellungen. Die einen sagen, was Gott ist, und die andern, was er nicht ist. Ist Gott überhaupt "er"? Auch so eine Vorstellung! Gott als Eiter, Gott als Geschwür (Micha 5,12). Vielleicht müsste es auch heissen: Gott als Made. Dagegen schöne Gottesbilder: Gott als Mutter, als Vater, als Sonne, als Morgenstern.

Von Gottesbildern handeln auch die Gedanken von Ernst Hug in seiner 3. Unterbrechung. Zwei Minuten, die zum Denken und Umdenken anregen: https://youtu.be/9bWn-j6WJ1A

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 31. Januar 2021

Schnaufen, Schnaufen, immer nur Schnaufen

Ein Gedanke

Auf dem Olympos Thatali, Türkei im heftigen Wind
Foto © Jörg Niederer
"Schnufe, schnufe, du muesch schnufe, einmal ine, denn wieder use" Müslüm in Song "La Bambele"

Ein Bibelvers - Psalm 39,6 (BasisBibel)

"Sieh doch, nur eine Handvoll Tage hast du mir auf der Erde gegeben. Die Zeit, die mir zum Leben bleibt, ist vor dir so gut wie nichts. Nur ein Hauch ist der Mensch. Er steht mit leeren Händen da. Sela." (Sela ist ein Zeichen, um beim Singen der Psalmworte Atem zu holen!)

Eine Anregung

Auf Intensivstationen läuft wahrscheinlich keine Musik. Das ist gut so. Ich möchte dort nicht "Atemlos durch die Nacht" hören, während ich jeden Atemzug erkämpfen muss.

Atmen ist fundamental. Das Leben beginnt mit einem tiefen Schnauf, und es endet mit dem letzten Atemzug. Ohne Einatmen und Ausatmen gibt es kein menschliches Leben. Und wenn es ums Leben geht, dann immer auch um Gott und um Alles oder Nichts.

Sina singt in einem Lied: "Ich bi nummu Luft, nummu Luft fer dich. Ich bi nummu Luft, zum läbu brüchsch du mich". Hier kann man den Song anhören: https://youtu.be/F5bQwx7OKYI 

Wenn Gott für dich nur Luft ist, dann denke daran: Nichts brauchst du mehr, als diese Luft.

Davon handelt die Predigt vom heutigen Sonntag in der Methodistenkirche St. Gallen. Um 10.30 Uhr wird sie per Youtube übertragen auf https://youtu.be/GRhipE8-RnM

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Donnerstag, 21. Januar 2021

Gott in Amerika

Ein Gedanke

Washinton D.C. mit Capitol und United Methodist Building (das kleine V-Gebäude rechts unten)
Foto © Jörg Niederer
"An diesem Tag liegt es mir besonders auf der Seele, Amerika, das Land und die Menschen zu vereinen. Ich bitte alle Amerikaner, mir dabei zur Seite zu stehen." Joe Biden in seiner Rede zur Amtseinführung. Siehe: https://www.myzitate.de/joe-biden/

Ein Bibelvers - Micha 4,2+4

"Denn vom Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem... Und ein jeder wird unter seinem Weinstock sitzen und unter seinem Feigenbaum, und da wird keiner sein, der sie aufschreckt, denn der Mund des Herrn der Heerscharen hat gesprochen!"

Eine Anregung

Es ist schon auffällig, wie die Amtseinführung eines Präsidenten in den USA christlich religiös durchdrungen ist. Da sind gleich drei Bibeln im Einsatz, zwei offizielle Gebete werden gesprochen, Texte aus der Bibel werden zitiert; auch diejenigen Worte, die in Micha 4,4 steht. Leute bekreuzen sich während der Rede des Präsidenten. "Amazing Grace" wird gesungen. Zuvor besuchte Biden den Gottesdienst in der Kirche.

All das wäre in Frankreich oder der Schweiz wohl undenkbar.

Aber ist es wirklich so gut, wenn die Anrufung "Gott" so leicht von den Lippen geht? Wenn sich ein Staatswesen legitimiert durch die Religion?

Ich bin froh, wenn Kirchen eine kritische Distanz wahren zur Politik. Dabei ist mir bewusst, dass weder Kirche noch Staat die Wahrheit, ja Gott selbst, für sich gepachtet haben.

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Montag, 18. Januar 2021

Was glaubt die Katze?

Ein Gedanke

Katze auf Stalltür
Foto © Jörg Niederer
"Katzen liegen nicht faul rum. Sie verschönern den Raum." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Markus 10,35-38a

"Da kommen Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, auf ihn (Jesus) zu und sagen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, worum wir dich bitten. Er sagte zu ihnen: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Gewähre uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen werden in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sagte zu ihnen: Ihr wisst nicht, worum ihr bittet."

Eine Anregung

Zum Wochenstart eines der beliebten Katzenbildchen, dazu etwas zum Schmunzeln.

Ein deutscher Schäferhund, ein Dobermann und eine Hauskatze sind gestorben. Nun stehen sie vor Gott, der von ihnen wissen will, was sie glauben. 
Der Deutsche Schäferhund sagt: "Ich glaube an Disziplin, Training und absoluten Gehorsam." "Gut", sagt Gott. "Dann setz dich zu meiner Rechten."
"Dobermann, woran glaubst du?" fragt Gott weiter. Der Dobermann antwortet: "Ich glaube an die Liebe, die Führsorge und den Schutz meines Meisters." "Aha", sagt Gott. "Dann setz dich zu meiner Linken."
Dann schaut Gott die Katze an und fragt auch sie: "Und woran glaubst du?" Diese antwortet: "Ich glaube, du sitzt auf meinem Stuhl."

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 9. Januar 2021

Im Zweifelsfall glaubt Gott an uns

Ein Gedanke

Degersheim im Nebel
Foto © Jörg Niederer
"Gott ist ein Wirkwort: Die Nennung seines Namens will uns nicht informieren, sondern erschüttern, beglücken, bekehren." Andreas Knapp

Ein Bibelvers - Genesis 3,8

"Und sie hörten die Schritte des Herrn, Gottes, wie er beim Abendwind im Garten wandelte. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Herrn, Gott, unter den Bäumen des Gartens."

Eine Anregung

Im Podcast unter https://youtu.be/r74gFhb1gA4 lernen wir Andreas Knapp kennen. Er ist Ordensbruder, Priester, Packer am Fliessband und christlicher Dichter. Mit einer Anfrage wurde mir ein faszinierendes Gedicht von ihm zugesandt. Genau das, was Andreas Knapp so dicht formuliert, entspricht meinem aktuellen Glauben.

"Von gott aus gesehen
ist unser suchen nach gott
vielleicht die weise wie er uns auf der spur bleibt
und unser hunger nach ihm das mittel
mit dem er unser leben nährt
ist unser irrender pilger
das zelt in dem gott zu gast ist
und unser warten auf ihn
sein geduldiges anklopfen
ist unsere sehnsucht nach gott
die flamme seiner gegenwart
und unser zweifel der raum
in dem gott an uns glaubt"

aus: Andreas Knapp, Höher als der Himmel, Würzburg 2011

Am Sonntag wird der Allianzgottesdienst aus der Stami St. Gallen in die Evangelisch-methodistische Kirche St. Gallen übertragen. Dieser kann ab 10.00 Uhr auch von Zuhause aus angeschaut werden unter: https://www.youtube.com/channel/UCXvT2CsvG7wOVl9uQH9ITrA

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 1. Januar 2021

Werdet barmherzig - aber wie?

"Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." (Lukas 6,36)

Christus, die Barmherzigkeit Gottes in der Kirche Gähwil
Foto © Jörg Niederer
Wir bekommen im neuen Jahr sicher viele Einladungen, barmherzig zu werden, wie Gott es ist, wie ein Vater und wie eine Mutter. Barmherzigkeit, die mehr beinhaltet als Verbundenheit und das emotionale Einlassen auf Menschen. Das zeigt uns der Kontext im Lukas-Evangelium. Unsere Barmherzigkeit soll sich auch darin zeigen, wie wir urteilen.

Welch eine Herausforderung! Uns einzulassen auf Menschen und ihre Schicksale, aber auch unseren Sinn für das, was stimmt, in Frage stellen zu lassen. Unseren Rahmen, der unseren Blick auf die Welt bestimmt, verändern zu lassen.

Wie werde ich barmherzig im Hinblick auf

• Geflüchtete, die im Mittelmeer sterben oder in Lagern auf europäischem Boden gefangen bleiben?
• Palästinenser, die unaufhaltsam und völkerrechtswidrig von ihrem Grund und Boden vertrieben werden?
 Journalisten, die zensiert und bedroht werden, ohne dass es Kolleginnen stört?
 Meere, die mit Plastik zugemüllt, und Lebewesen, die ausgelöscht werden?
 kritische Fragen und angebotene Alternativen, die ignoriert in der Schublade "Verschwörungstheorie" verschwinden?

Ich weiss nicht, ob ich mich freue oder davor fürchte, dass Gott mich weiterhin zur Barmherzigkeit einlädt.

Donnerstag, 24. September 2020

Skandalöser Schuldenerlass

Ein Gedanke

Abendmahl in der Wesley Chapel in London
Foto © Jörg Niederer
"Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken." Mahatma Gandhi

Ein Bibelvers - Matthäus 18,23-27

"Darum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er abzurechnen begann, wurde einer vor ihn gebracht, der ihm zehntausend Talent (34'000 kg Gold) schuldig war. Weil er sie nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kind und seiner ganzen Habe zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da warf sich der Knecht vor ihm auf die Knie und flehte: Hab Geduld mit mir, und ich werde dir alles zurückzahlen! Da hatte der Herr Mitleid mit jenem Knecht und liess ihn gehen, und die Schuld erliess er ihm."

Eine Anregung

Mein Pfarrkollege Christian Hagen stellt in seinem Blog die Frage: "Kann Gott alles vergeben?" Unter anderem beantwortet er diese Frage mit der Feststellung, dass "Gottes Vergebungsbereitschaft skandalös" sei. Am Beispiel des nationalsozialistischen Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank, unter dessen Herrschaft Millionen von Juden starben, und der sich später zu Christus bekehrt haben soll, fragt er, ob es nicht auch für Gott ein Zuviel an Schuld gäbe, so dass er sie nicht mehr vergeben könne. Hier seine persönliche und gut durchdachte Antwort: https://daskoenigreichgottes.com/2020/09/22/kann-gott-alles-vergeben/

Am kommenden Sonntag wird die Predigt zum Erntedankfest in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wieder auf Youtube direktübertragen. Ab 10.30 Uhr beginnt es unter https://youtu.be/KLfggdkdH3A


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 13. September 2020

Der mitfühlende König und Herr über alle Herren

Ein Gedanke

Königin und Bettler in der Schweizer Stadt Freiburg
Foto © Jörg Niederer
Als Kind stellte ich mir unter Königen und Prinzen Menschen vor, die in Saus und Braus lebten, alles durften und alles konnten.

Ein Bibelvers - Daniel 2,47

Nebukadnezar zu Daniel: "Wahrhaftig, euer Gott ist ein Gott über alle Götter und ein Herr über alle Könige…"

Eine Anregung

Jesus Christus will, dass wir uns freuen. Wenn der König der Könige kommt, dann will er uns keine Angst einjagen, sondern er möchte, dass wir jubeln und ihm zusingen. Es soll Freude herrschen, im Himmel und auf der Erde, wenn wir an den Herrn über alle Herren denken, und mit ihm rechnen.

Das zeigt er uns auch deutlich. Statt auf einem Streitross zieht er auf einem Esel in Jerusalem ein. Das wäre etwa so, wie wenn er statt im gefährlichsten Panzer der Welt, dem russischen T-14, in einem Topolino (Mäuschen) vorfahren würde. Der König der Könige will nicht mit seiner Macht protzen. Er ist nicht hochmütig. Wer wirklich Macht hat, kann bescheiden und ungeschützt auftreten.

In der heutigen Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen geht es genau darum. Um die royale Bildsprache in der Anbetung Gottes. Was bedeutet es, wenn Gott und Jesus als König der Könige und Herr der Herren bezeichnet wird? Die Predigt kann ab 10.30 Uhr via Youtube verfolgt werden: https://youtu.be/ejk0bqMowXY


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 6. September 2020

Vom eigentlichen Wesen Gottes

Ein Gedanke
Auf dem Vorplatz zur Wallfahrtskirche Mariastein
Foto © Jörg Niederer
Wenn ich in einem Wettkampf der Erste und der Letzte bin, dann kann das nur eines bedeuten. Ich hatte keine Konkurrenz. Ich war der einzige Läufer.

Ein Bibelvers - Jesaja 44,6
"So spricht der Herr, der König Israels und sein Erlöser, der Herr der Heerscharen: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und es gibt keinen Gott ausser mir."

Eine Anregung
Rabbi Lewi erinnerte daran, dass der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets "Aleph" der mittlere "Mem" und der letzte "Taw" zusammen das hebräische Wort "Amat" (Treue) ergeben. Wenn Gott, der Schöpfer aller Sprachen aber seine Buchstaben so überraschend offensichtlich ordnet, dann doch, um damit etwas von sich zu sagen. Rabbi Lewi war sich sicher: Gottes eigentliches Wesen ist die Treue. 

Heute Sonntag wird die Predigt aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen per Youtube ab 10.30 Uhr übertragen. Hier geht es zum Livestream: https://youtu.be/OnM_0ME6aeU
In den Gedanken über Offenbarung 1,8 geht es um die Frage, wie Gott den Raum und die Zeit eines Lebens bestimmt. Geschieht dies von A bis Z, oder eben mit dem griechischen Alphabet gesprochen, von Alpha bis Omega?

Freitag, 4. September 2020

Hinhören, hinschauen, hindenken

Ein Gedanke
Blick über das Laufental bei Aesch
Foto © Jörg Niederer
"Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort, dort treffen wir uns." Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, Persischer Mystiker und Dichter (1207-1273)

Ein Bibelvers - Daniel 6,11
"Das obere Stockwerk hatte Fenster in Richtung Jerusalem, die offen standen. Hier kniete Daniel nieder, betete zu seinem Gott und dankte ihm, wie er es auch sonst dreimal am Tag tat."

Eine Anregung
Während ich auf dem Blauengipfel still auf dem dortigen Bänklein bei den Feuerstellen sitze und über das Laufental schaue, höre ich ein leises Knacken direkt vor mir bei der Feuerstelle. Einmal ist es näher, dann wieder weiter weg. Ich brauche mehrere Minuten, bis ich zu den Geräuschen auch Bewegungen erkenne. Da und dort hebt sich das Erdreich leicht an, die Gräser darüber vibrieren. An einer Stelle verschwindet ein Grashalm im Boden, als hätte dieser in verschluckt.
Nun sehe ich auch die Mauslöcher, die sorgfältig präparierten Mäusepfade, aber die Ursache der Scharrgeräusche, die Mäuse selbst, sehe ich nicht.
Verräterische Geräusche und Spuren. Ich will heute nach Geräuschen und Spuren von Gottes Gegenwart in meinem Leben suchen. Auch dazu muss ich mitunter still werden und aufmerksam hinhören und hinschauen und hindenken. Zu Gott hindenken.


Sonntag, 12. Juli 2020

Wie fromm ist die Schweiz

Ein Gedanke
Nationalfeiertag auf dem Gotthard
Foto © Jörg Niederer
"Da, wo der Alpenkreis nicht dich zu schützen weiss, wall dir von Gott, stehn wir den Felsen gleich, nie vor Gefahren bleich, froh noch im Todesstreich, schmerz uns ein Spott." 
(2. Strophe der alten Schweizer Nationalhymne "Rufst du mein Vaterland...". Der kriegerisch-blutige Text war bis 1961 in Gebrauch und wurde nach der britischen Königshymne gesungen: https://youtu.be/Fgk9nlqH-A0
Hymnentext: https://de.wikipedia.org/wiki/Rufst_du,_mein_Vaterland)

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 5,29
"Petrus aber und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Eine Anregung
Die Nationalhymne der Schweiz wurde vom Zisterziensermönch Alberich Zwyssig komponiert. Er verwendete einen leicht abgeänderten Text vom Dichter Leonhard Widmer aus dem Jahr 1840. Widmer war ein Liberaler, der sich unter anderem auch für die Auflösung der Klöster stark gemacht hatte. Und trotzdem ist sein Schweizerpsalm aus heutiger Sicht sehr religiös und beschwört Gott und Frömmigkeit.
Hier findet man den Schweizerpsalm in allen vier Landessprachen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerpsalm
Und hier findet sich eine neue Strophe, die den Wettbewerb der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft gewonnen hat. Sie stammt von Werner Widmer und baut auf der Präambel der Bundesverfassung auf: https://www.sgg-ssup.ch/de/der-hymne-text.html
Kannst du die Nationalhymne auswendig singen?

Heuten Sonntag ab 10.30 Uhr wir die Predigt aus dem Gottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen ins Internet übertragen. Ausgangpunkt ist der Schweizerpsalm. Zur Verabschiedung von Pfarrer Jeongsoo Lee denken wir nach über das Christliche in der Gesellschaft. Wie stark prägt es ein Land? Befindet sich der christliche Glauben an die Liebe Gottes in einem Rückzugsgefecht? Hier erfährst du es: https://youtu.be/3jRBF-6dJJo

Sonntag, 21. Juni 2020

Gottes Schönheit

Ein Gedanke
Geflecktes Knabenkraut
"Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme." Was Charlie Chaplin einst sagte, habe ich mir auch schon gedacht. Ideal wäre es, wenn man jung und lebenserfahren wäre.

Ein Bibelvers - Psalm 104,1+31
"Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt...
Die Schönheit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke! Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!"

Eine Anregung
Christian Morgenstern sagte einst: "Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden."
Was an deiner Vorstellung von Gott ist schön? Hat Gott auch eine hässliche Seite? Mach dich doch einmal mit den Augen der Liebe auf die Suche nach Gottes Schönheit!
Im Lied "Schönster Herr Jesus" wird die Schönheit von Jesus Christus besungen. Hier findest du den Text: https://www.liederindex.de/songs/3633. Wenn du ein EMK-Gesangbuch hast, ist es die Nummer 118. 

In der Live-Videomeditation von heute Sonntag ab 11 Uhr denken wir nach über Distanz, Pflichterfüllung und Glauben. Siehe https://youtu.be/HOwWpAqRme0

Dienstag, 16. Juni 2020

Geier zwischen Sturzflug und Aufwind

Ein Gedanke
Geier über Kreta
Auf dem Foto geht es um den kleinen Fleck am Himmel über den Bergen von Kreta. Ein Geier. Ob es ein Bartgeier ist, weiss ich nicht. In Obwalden wurden gerade wieder zwei davon ausgewildert. Sie stammen ursprünglich aus Spanien, und sollen zur Blutauffrischung unter den rund 100 in der Schweiz schon lebenden Tieren beitragen. Im St. Galler Tagblatt steht: "Es bleibt zu hoffen, dass sich die eingesessenen Zentralschweizer Bergvögel offen für die ausländischen Neuankömmlinge zeigen."

Ein Bibelvers - 2. Mose 19,3+4
"Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berg her zu: So sollst du zum Haus Jakob sprechen und den Israeliten verkünden: Ihr habt selbst gesehen, was ich Ägypten getan und wie ich euch auf Geiersflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe." 
(Anmerkung: Da wo in den deutschsprachigen Bibeln üblicherweise von Adlern geschrieben steht, sind oft Geier gemeint. Ihr majestätischer Flug konnte zu einem Bild für Gott werden.)

Eine Anregung
Bartgeier waren bei uns einst als gefährliche Jäger verschrien. Dabei fressen die mit 2,9 Metern Flügelspannweite grössten Vögel der Schweiz nur Knochen von toten Tieren. Ein Beispiel dafür, dass Vorurteile und falsche Gerüchte töten können.
Heute will ich darum über zwei Fragen nachdenken: Wo bin ich voreingenommen, und mache andern mit meinen falschen Vorstellungen das Leben schwer? Und wie kann ich dazu beitragen, dass ein gutes Zusammenleben in Vielfalt möglich wird? 

Nebenbei: Die deutsche Band "Geier Sturzflug" hatte mit dem Song "Bruttosozialprodukt" 1983 einen Tophit: https://youtu.be/RUdyqJuJOAs

Mittwoch, 1. Januar 2020

Konflikt braucht Auseinandersetzung

KonfliktWie unbequem es auch sein mag: Wir geraten – auch in christlichen Gemeinden – in Konflikte mit anderen Menschen. Solche Konflikte betreffen nicht nur bestimmte Parteien und Personen. Die ganze Gemeinschaft ist betroffen und spielt eine Rolle.

Wenn wir aber bei den Problemen stehenbleiben, verpassen wir die Gelegenheit der nützlichen Auseinandersetzung. Denn Konflikte sind wie Finger, die auf etwas zeigen, das Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung braucht.

Menschen, die von Konflikten hören und über sie weiterreden, werden Zeugen der Unversöhntheit. Verstehen sie jedoch, wie hinter der erzählten Unversöhntheit ein Wunsch nach Versöhnung und Veränderung steht, könnten sie Zeugen der Versöhnung werden.

Mehr als Menschen, die über Gottes Versöhnung reden, wünsche ich mir deshalb Menschen in unserer Kirche, die ihr Vertrauen auf Gottes Versöhnung setzen. Das tun sie, wenn sie fest damit rechnen, dass Jesus Christus in für uns unvorhergesehener Weise versöhnt. Diese Zeugen der Versöhnung helfen dann den Menschen, die im Konflikt miteinander stehen, sich der Situation zu stellen. «Versöhnung als Kampfsport!» Auch dafür sind Regeln wichtig.

Vielleicht können wir, wenn es wieder «kracht», statt wegzuschauen, lieber genau hinschauen, wie Gott sich in den Blitzen und Einschlägen zeigt.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 1/2020

Dienstag, 12. September 2017

Gott, der Kreative

Raupe auf dem Weg.
Welch ein gewaltiges Bild zeigt uns bereits der erste Abschnitt in der Bibel: Gott schafft aus dem Chaos mit seinem kreativen Geist eine fruchtbare Welt; in die Nacht hängt er funkelnde Sterne, Gott lässt es wachsen und gedeihen, er bietet Gastfreundschaft uns Menschen, seinem Ebenbild.

Es ist diese Erzählung unserer Urväter, die mich immer wieder motiviert, einzutreten für die Bewahrung der Schöpfung. Diese Liebe, die uns von Anfang begleitet, soll nicht mit Füssen getreten werden und dem Mammon geopfert werden. Es darf uns nicht gleichgültig sein, wie wir mit seinem Werk umgehen.

Nein, wir müssen uns nicht mit Askese geisseln, es reicht schon, wenn wir bewusster leben. Es braucht manchmal gar nicht so viel, vielleicht einmal das Velo statt das Auto nehmen oder auf die Erdbeeren verzichten, wenn noch nicht Saison ist.

Warum sind die Bananen aus Südamerika billiger als unser Obst aus der Region? Beschäftigt Sie als Christ diese Frage nicht? Mich schon!


Erschienen in "Kirche und Welt" 9/2017