Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Posts mit dem Label Religion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Religion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. Mai 2021

Ist Fussball Religion?

Ein Gedanke

Fussball-Ampeln in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Der Fußball und v.a. die Beziehung der Fans zum Verein und ihr daraus resultierendes Verhalten weisen, darin sind sich viele Autoren einig, eine Reihe formaler Ähnlichkeiten zu Religionen und religiösem Handeln auf." Mike S. Schäfer & Mathias Schäfer in "Abseits-Religion. Fußball als Religionsersatz?"

Ein Bibelvers - Jesaja 22,17+18a

"Du hältst dich für stark, aber du wirst sehen: Der Herr wird dich kräftig durchschütteln. Er wird dich packen und wie Wolle zusammenknüllen. Dann schleudert er dich wie einen Ball in ein riesiges Land." [Der vielleicht einzige Hinweis auf einen Ball in der Bibel]

Eine Anregung

Die Fussballclubs von St. Gallen und Luzern spielen heute im Cupfinal um den Meistertitel. Dazu wurden selbst die Ampelmännchen in der Gallusstadt angepasst. Von 14:30 - 17:30 Uhr überträgt SRF2 den Sportanlass.

Brot und Spiele waren im alten Rom Wahlgeschenke. Stark verbilligt oder kostenlos abgegebenes Getreide sowie gesponserte Zirkusspiele sollten die Machthaber vor Aufstände der Armen bewahren und die Bevölkerung bei Laune halten.

Das ist in Luzern und St. Gallen heute anders als im Rom der Cäsaren. Dagegen haben Brot und Spiele durchaus immer noch rituellen oder ersatzreligiösen Charakter.

Das Gipfeli zum Kaffee am Morgen, das Pariserbrot, ohne das in Frankreich kein Tag beginnen kann, das Bürli zur St. Galler Bratwurst, die Hostie zur Eucharistie.

Beim Fussballspiel fallen besonders die Schlachtgesänge auf, die kollektive Verehrung von Spielern und Trainern, das Vokabular (Fussballgott, Heiliger Rasen, Hand Gottes) der feierliche Einzug der Akteur*innen, die liturgische Fankleidung, das Kreuzzeichen mancher Spieler, der Kniefall nach einem Tor oder Sieg.

Mike S. Schäfer und Mathias Schäfer kommen in ihrer Untersuchung: "Abseits-Religion. Fußball als Religionsersatz?" zu folgender Erkenntnis:

"Die Ergebnisse weisen also darauf hin, dass sich Fußball und Religion sehr wohl in einer, der sozialen Funktion überschneiden und hinsichtlich dieses Aspekts auch in einem Konkurrenzverhältnis stehen. Wenn man nun, etwa mit Hitzlers (1994) These des 'Sinnbastelns' erwartet, dass Menschen die Befriedigung verschiedener Bedürfnisse in der Moderne nicht mehr gebündelt bei einer Institution, etwa einer Glaubensgemeinschaft, suchen, sondern für jede Aufgabe den ihrer Meinung nach jeweils besten ‚Anbieter‘ wählen, dann ist vorstellbar, dass Fußball und Religion die herausgearbeiteten Funktionen untereinander aufteilen. Der Entscheidung für ein solches Angebot könnte dann eine bewusste oder unbewusste Kosten-Nutzen-Abwägung des Einzelnen zugrunde liegen. Wird das Bedürfnis nach Integration beispielsweise besser im Fußball bedient, sinkt die Notwendigkeit für Gemeinschaftserlebnisse in der Kirche. Sind religiöse Lehren geeigneter, die eigene Existenz in einen größeren Sinnzusammenhang einzuordnen, so muss nicht im Fußball nach übergreifenden Werten gesucht werden. Fußball und Religion haben zweifellos ihre je eigenen Potenzen, können in Teilbereichen, etwa in der Gemeinschaftsdimension, in Konkurrenz zueinander stehen, unterscheiden sich in ihrer konkreten Ausrichtung und ihrem Geltungsanspruch aber ausreichend voneinander, um sich als Gesamtphänomene nicht gegenseitig auszuschließen." Siehe https://www.uzh.ch/cmsssl/ikmz/dam/jcr:de90cf56-188b-4301-beea-8fd36525d6a2/4_13.pdf

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 12. Mai 2021

Kreuzzeichen in Landschaft und Garten

Ein Gedanke

Wegkreuz am Inneren Seegraben im Bannriet Altstätten SG
Foto © Jörg Niederer
"Bis heute markieren Wegkreuze sozusagen 'katholisches Hoheitsgebiet'. Gleichzeitig sind sie Zeichen einer territorial verankerten, gelebten Frömmigkeit." Natalie Fritz

Ein Bibelvers - 1. Korinther 1,22+23

"Die Juden wollen Zeichen sehen. Die Griechen streben nach Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus, den Gekreuzigten: Das erregt bei den Juden Anstoß und für die anderen Völker ist es reine Dummheit."

Eine Anregung

Wegkreuze und Bildstöcke sind von Bedeutung. Unter dem Überthema "Back to Faith - Unsere Wiederentdeckung des Katholizismus" schreibt Natalie Fritz auf kath.ch darüber. Auch für Nichtkatholik*innen ist der Artikel lesenswert, und schafft Verständnis für Umgang und Brauchtum, Geschichte und auch die damit verbundenen Provokationen. Anregend: https://www.kath.ch/newsd/back-to-faith-3-unsere-wiederentdeckung-des-katholizismus/
Das abgebildete Wegkreuz mit der recht untypischen Jesusfigur (Gesichtszüge) steht am Inneren Seegraben im Bannriet Altstätten SG.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika


Sonntag, 21. März 2021

Wir subjektiv sind religiöse Erfahrungen?

Ein Gedanke

Morgenrot in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Erfahrungen sammelt man wie Pilze: einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist." Erskine Caldwell (1903-1987) Schriftsteller

Ein Bibelvers - Psalm 34,9

"Schmeckt und seht, wie gut der Herr ist! Glücklich ist, wer bei ihm Zuflucht sucht."

Eine Anregung

Erfahrungen entstehen aus sinnlichen Wahrnehmungen und sind verknüpft mit Emotionen und Gefühlen. Das gilt auch bei religiösen Erfahrungen. Wie objektiv oder subjektiv sind diese? Wie sehr kann ich mich darauf verlassen?

Heute ab 09.30 Uhr handelt die Predigt von Jörg Niederer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen genau davon. Hineinhören ist möglich: https://youtu.be/Z4Z5kaIqss4

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 10. März 2021

Glaube oder Naturwissenschaft, wie es dir gerade gefällt

Ein Gedanke

Wegkreuz mit Fuck-you-Schmiererei
Foto © Jörg Niederer
"Die Leute sagen, über das Wasser zu gehen sei ein Wunder. Aber für mich ist es ein wahres Wunder, voller Frieden über die Erde zu wandeln."  Thich Nhat Hanh

Ein Bibelvers - Psalm 67,2

"Der Herr schaut vom Himmel herab und prüft die Menschenkinder. Er möchte sehen, ob jemand da ist, der Verstand hat und nach Gott fragt."

Eine Anregung

Es ist ein Kreuz mit Glauben und Wissenschaft. Menschen misstrauen der Religion, weil sie keine naturwissenschaftliche Basis hat. Und Menschen misstrauen der Wissenschaft, weil die Konsequenzen aus deren Erkenntnis Anfragen an einen ausufernden Lebensstil stellen. Einmal sind Menschen aus Glaubensgründen gegen Schutzmasken, dann wieder rational begründet gegen die religiöse Verhüllung. Die Empirie wird gegen Urvertrauen ins Feld geführt und der Gottglauben gegen eine sich selbst erklärende Welt. Opportunistisch tendierten wir einmal zum einen, dann wieder zum andern, wie es gerade den eigenen Zielen entspricht.

Beide, Naturwissenschaft und Religion haben ein Legitimationsproblem. Umso erfrischender, wenn einer, der gut reden und erklären kann, ein Naturwissenschaftler, ohne die Widersprüche der Systeme zu beheben, der Wissenschaft und dem Glauben das Wort redet. Harald Lesch nimmt sich in einem kurzen Beitrag der Frage an, ob es Gott aus wissenschaftlicher Sicht geben kann. Und landet ganz überraschend beim Papst und der Wirkung von Religion und Wissenschaft. Man könnte fast meinen, dass beides, Glaube und Naturwissenschaft, das Potential von Hoffnung in sich tragen. Ob da wohl Gott die Hand im Spiel hat?

Hier geht es zum Youtube-Video: https://youtu.be/6fziMlDCjRE

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Montag, 15. Februar 2021

Zur Volksinitiative "Ja zum Verhüllungsverbot"

Ein Gedanke

Musliminnen in London
Foto © Jörg Niederer
"Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit." Marie von Ebner-Eschenbach

Ein Bibelvers - 1. Korinther 11,5

"Eine Frau entehrt ihr Haupt, wenn sie bei Gebet oder prophetischer Rede ihren Kopf nicht bedeckt. Denn das ist genauso, als ob sie kahl geschoren wäre."

Eine Anregung

Heute möchte ich dazu anregen, sich eine eigene Meinung zu einer Volksinitiative zu bilden. Am 7. März dürfen Schweizerinnen und Schweizer mitbestimmen, wie das Zusammenleben in diesem Land aussehen soll. Dazu schlägt die Volksinitiative "Ja zum Verhüllungsverbot" vor, dass niemand in der Öffentlichkeit das Gesicht (ganz) verdecken darf. Das, beteuern die Initianten, würde die Rechte von unterdrückten Frauen schützen oder stärken und Kriminalität vorbeugen.

Die Regierung sieht es anders. Sie schlägt in einem Gegenvorschlag vor, dass Verhüllte bei Bedarf den Behörden ihr Gesicht zeigen müssen. Frauenrechte sollen auf andere Weise gestärkt werden. Ausserdem soll die kantonale Hoheit respektiert werden. Siehe: https://www.ejpd.admin.ch/ejpd/de/home/themen/abstimmungen/verhuellungsverbot.html

In kirchlichen Kreisen wurde mehrheitlich gegen diese Initiative Stellung genommen oder Stimmfreigabe beschlossen (EVP).

Argumente dafür und dagegen gibt es viele:

Dafür:
- Frauenrechte werden gestärkt von den Frauen, die (aus religiösen Gründen) gezwungen werden, sich zu verhüllen.
- So können wir Werte und Kultur unserer Gesellschaft einfordern.
- Gewalttätige Demonstrierende oder Hooligans können sich nicht hinter einer Maske verstecken.
- Eine einheitliche Lösung der Verhüllungsfrage durch den Bund ist überfällig.

Dagegen
- Kleidervorschriften sind wenig hilfreich für die Stärkung der Frauenrechte.
- Kleidervorschriften gehören nicht in die Bundesverfassung.
- Die Religionsfreiheit wird durch dieses Gesetz unangemessen eingeschränkt.
- Es ist ein antiislamisches Gesetz, das seinen Ursprung in fremdenfeindlichen Tendenzen hat.
- Für Ausschreitungen bei Demonstrationen und Sportanlässe gibt es in vielen Kantonen schon geeignete Gesetze.
- In den Kantonen Tessin und St. Gallen, die schon ein Verhüllungsverbot kennen, gibt es kaum Probleme mit verhüllten Personen. In St. Gallen kam es noch zu keiner einzigen Anzeige.
- Das Gesetz betrifft gerade einmal 30 Musliminnen, die in der Schweiz die Vollverschleierung praktizieren. Und sonst sind nur noch Touristinnen davon tangiert.
- Weitaus frauenfeindlicher sind sexistische Bilder von Frauen in unserer westlichen Gesellschaft.

Wie stehst du zu diesem politischen Anliegen. Mitdiskutieren kannst du hier im Kommentarbereich! 

Christliche und religiöse Kreise haben verschiedentlich Stellung bezogen:

Evangelische Kirche der Schweiz

Rat der Religionen

Evangelische Volkpartei

Katholischer Mediendienst

Jörg Niederer und Marietjie Odendaal sind Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 19. September 2020

Vom Islam, Christentum und der Religionslandschaft in Europa

Ein Gedanke

Kathedrale in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Die Liebe hat die Macht, das Tor zum ewigen Leben zu öffnen." Hazrat Inayat Khan

Ein Bibelvers - 2. Könige 5,15.18+19

"Dann aber kehrte er (der geheilte Aramäer Naaman) zurück zum Gottesmann (Elisa), er und sein ganzes Gefolge. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Sieh doch, ich habe erkannt, dass es nirgendwo sonst auf der Erde einen Gott gibt als allein in Israel... Nur dies möge der Herr deinem Diener vergeben: Wenn mein Herr (der aramäische König) in das Haus des (Gottes) Rimmon kommt, um sich dort niederzuwerfen, und er stützt sich dabei auf meine Hand, dann muss auch ich mich niederwerfen im Haus des Rimmon - wenn ich mich dann niederwerfe im Haus des Rimmon, möge der Herr dies deinem Diener vergeben. Da sprach er (Elisa) zu ihm: Geh in Frieden!"

Eine Anregung

In manchen Kreisen in der Schweiz ist die Angst vor andern Religionen, im Speziellen vor dem Islam gross. Der Kabarettist, Autor und Fernsehmoderator Jürgen Becker etwa meint: "Entweder es gelingt uns, den Islam zu europäisieren oder Europa wird islamisiert. Mitte des Jahrhunderts, also in 44 Jahren, haben die Moslems in Europa über 50 Prozent der Bevölkerung. Ende des Jahrhunderts singt der Papst vorm Minarett." Doch stimmt dieses Bild. Forscher der Universität Luzern haben eine Datenbank zur Religionszugehörigkeit in 50 europäischen Ländern entwickelt.

Ref.ch schrieb dazu am 28. Februar 2018:

"Mit Erstaunen stellten die Forscher fest: Die religiöse Landschaft Europas ist stabiler als gedacht. In 70 Prozent der Länder sei die historisch vorherrschende Konfession in der Bevölkerung nach wie vor dominant...

Dennoch blieb nicht überall die Kirche im Dorf. 'In einigen Ländern gab es einen starken Säkularisierungsprozess', sagt Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion. Das sei vor allem in Tschechien, Estland, Grossbritannien und Frankreich der Fall – etwas abgeschwächt unter anderem auch in Deutschland und in den Niederlanden.

Überraschende Unterschiede bemerkten die Forscher zwischen Ost- und Westeuropa: Sie driften auseinander. 'In westeuropäischen Ländern, vor allem im protestantischen Norden zeichne sich eine Durchmischung unterschiedlicher Religionen ab', sagt Liedhegener. Im Osten hingegen stellten die Forscher eine Tendenz zur Homogenisierung fest." https://www.ref.ch/news/so-entwickelt-sich-das-religioese-europa/

Aus dieser Datensammlung wird ersichtlich, dass in der Schweiz der Katholizismus am stärksten vertreten ist, es grundsätzlich aber eine pluralistische Religionslandschaft gibt. Weiter kann man anhand der "Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe" unter https://www.smre-data.ch/en/ feststellen, dass der Islam in der Schweiz im Jahr 2015 5% ausmachte. Katholisch waren 2016 38% und reformiert 27% der Bevölkerung. Die Christen machen in der Schweiz nach wie vor 71% aus. Dank Zuwanderung aus orthodoxen und katholischen Ländern wird sich das wohl nicht so schnell ändern.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 12. Juli 2020

Wie fromm ist die Schweiz

Ein Gedanke
Nationalfeiertag auf dem Gotthard
Foto © Jörg Niederer
"Da, wo der Alpenkreis nicht dich zu schützen weiss, wall dir von Gott, stehn wir den Felsen gleich, nie vor Gefahren bleich, froh noch im Todesstreich, schmerz uns ein Spott." 
(2. Strophe der alten Schweizer Nationalhymne "Rufst du mein Vaterland...". Der kriegerisch-blutige Text war bis 1961 in Gebrauch und wurde nach der britischen Königshymne gesungen: https://youtu.be/Fgk9nlqH-A0. 
Hymnentext: https://de.wikipedia.org/wiki/Rufst_du,_mein_Vaterland)

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 5,29
"Petrus aber und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Eine Anregung
Die Nationalhymne der Schweiz wurde vom Zisterziensermönch Alberich Zwyssig komponiert. Er verwendete einen leicht abgeänderten Text vom Dichter Leonhard Widmer aus dem Jahr 1840. Widmer war ein Liberaler, der sich unter anderem auch für die Auflösung der Klöster stark gemacht hatte. Und trotzdem ist sein Schweizerpsalm aus heutiger Sicht sehr religiös und beschwört Gott und Frömmigkeit.
Hier findet man den Schweizerpsalm in allen vier Landessprachen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerpsalm
Und hier findet sich eine neue Strophe, die den Wettbewerb der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft gewonnen hat. Sie stammt von Werner Widmer und baut auf der Präambel der Bundesverfassung auf: https://www.sgg-ssup.ch/de/der-hymne-text.html
Kannst du die Nationalhymne auswendig singen?

Heuten Sonntag ab 10.30 Uhr wir die Predigt aus dem Gottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen ins Internet übertragen. Ausgangpunkt ist der Schweizerpsalm. Zur Verabschiedung von Pfarrer Jeongsoo Lee denken wir nach über das Christliche in der Gesellschaft. Wie stark prägt es ein Land? Befindet sich der christliche Glauben an die Liebe Gottes in einem Rückzugsgefecht? Hier erfährst du es: https://youtu.be/3jRBF-6dJJo

Freitag, 1. Juli 2016

Religion und Social Media

Religion and Social Media
In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle tiefer. Man getraut sich Dinge zu sagen oder zu zeigen, die man sonst verborgen hält. So ist man in der Anonymität des Internets auch schneller bereit, Christliches, Islamisches, Buddhistisches von sich zu geben. Manche dieser "Zeugnisse" sind banal, andere nachdenkenswert.

Wie im Alltag will auch in den sozialen Medien niemand missioniert werden. Anders als im Alltag wollen aber viele in den sozialen Medien missionieren. Folglich reden alle, und niemand hört wirklich zu. Der Glaube im Internet ergibt kein Bild, sondern ein religiöses Pixelrauschen.

Untersuchungen legen nahe, dass Personen, welche die sozialen Medien verwenden, sich eher eine individuelle Religion basteln. Das ist erklärbar. Schliesslich sind die sozialen Medien ein Selbstbedienungsladen. Liken oder vergessen. Warum soll ich das nicht auch bei den religiösen Erkenntnissen der Internetsociety tun? Fragt sich jetzt nur: Ist das denn wirklich so schlimm? Was meinen Sie?

Ich beobachte es immer wieder. Menschen beginnen beglückt zu lächeln, während sie auf ihr Mobiltelefon schauen. Social Media als Glücksbringer. Noch eine andere Art von Religiosität. Evangelium. Gute Nachricht.

Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2016

Mittwoch, 16. Dezember 2015

The Islam that I know

Susan Henry-CroweWhen I accepted the position as General Secretary, it was to affirm the positive role that religion plays in peace-building by young people from all faith traditions. With over 22 years in a university setting I was privileged to oversee and mentor the spiritual identity and life of students, faculty and staff. Thirty groups of Jewish, Christian, Muslim and other religions were represented in the Inter-religious Council.
The Methodist-founded University’s extraordinary religious diversity is both indebted to the distinctive U.S. Constitutional and democratic values and Wesleyan commitment to ecumenism and inter-faith relationship. This diversity engendered opportunities for learning about and engaging difference rather than fostering and creating fear. For these young people, the beauty, the wonder, the astonishing possibilities and commitment to inter-religious engagement was formative and life-giving.
   
Following September 11, 2001 minority communities, particularly Muslims, were stigmatized and profiled. These young students and faculty members were often stereotyped, profiled, questioned and detained. They were detained in airports, profiled and stereotyped in grocery and department stores, and stopped by police while driving through Atlanta neighborhoods. Young women were shamed and penalized socially for wearing hijab.  Parents lived in anguish and called over and over to be assured that their children were safe in the university. These devoted parents wanted nothing more than for their children to be educated and become contributing citizens.

Many students I know well, and with whom I remain friends, asked me for letters of reference for admission into graduate schools, programs civil and secular, and religious positions upon their graduation which I gladly supplied. It was my honor to testify to their character, moral life, intellectual acumen and ability and desire to succeed.  After 20 years, I have seen these alumni work hard to become outstanding attorneys, academics, public servants, physicians, teachers, artists, musicians, entrepreneurs and business people improving peoples’ lives and the welfare of society.

Today, the world is faced with men and women who are choosing a desperate life in extremist communities in the Middle East, some countries of Africa, the US, and Europe. These actions are deplorable. The terror that is perpetrated must be stopped.

Islam and its Muslim adherents are not the problem. Like Judaism and Christianity, Islam is not an extremist religion. It is one of the monotheistic Abrahamic traditions that teaches the wonder and mystery of God, the sacredness of humanity, the mandate to pray and to serve humankind by seeking and promoting peace.
  
As Christians, we must not be persuaded by hate-filled rhetoric borne out of fear and ignorance. We must not fall prey to desperation, fear and anxiety.  With the exception of Native Peoples and tribal nations inside the United States who had a prior claim, most of us are the children and grandchildren of immigrants who sought freedom, education, jobs, and a life that was better than our forebears had known. We can do better than to stigmatize, shame, and fear our neighbors. We are one human family created in the image of God to love our neighbors as compassionately and lovingly as God loves us. 

Susan Henry-Crowe - General Secretary

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Krieg, Frieden und Religion

Kriege und militärische Einsätze werden nie mit ihren wirklichen Zielen begründet: Rohstoffe, Energiequellen, Boden, Bodenschätzen und natürlich die zu erwartenden Gewinne für Waffenproduzenten und -händler. Würden diese Ziele offen angeführt, würden die Mütter und Väter dieser Welt sich vielleicht schneller und einträchtiger weigern, den Tod ihrer Kinder für solche Ziele in Kauf zu nehmen. Also werden in der Öffentlichkeit andere Ziele propagiert: Demokratie, Freiheit und Frieden! Und in diese Reihe lässt Religion sich auch gut einfügen.
Ich frage mich, wie unsere Welt aussehen würde, wenn verschiedene Religionen gemeinsam versuchen, Kriegslügen zu durchschauen und zu entlarven. 
Ich frage mich, welche Entscheidungen fallen würden, wenn die Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, andere Religionen und Kulturen einladen gemeinsam für den Frieden einzustehen, anstatt sich damit abzufinden, dass die anderen Religionen entweder Kriegstreiber oder Kriegsopfer sind. Vielleicht gibt es dann öfters einen „Weihnachtsfrieden“, wie im Dezember 1914 an der Westfront, mitten im Ersten Weltkrieg.
Ich frage mich, was aus uns werden könnte, wenn wir den Mut finden, uns mit Gott den Frieden vorzustellen, anstatt Kriege für „gerecht“ zu erklären.


Erschienen in "Kirche und Welt", 10/2015