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Mittwoch, 1. Januar 2020

Konflikt braucht Auseinandersetzung

KonfliktWie unbequem es auch sein mag: Wir geraten – auch in christlichen Gemeinden – in Konflikte mit anderen Menschen. Solche Konflikte betreffen nicht nur bestimmte Parteien und Personen. Die ganze Gemeinschaft ist betroffen und spielt eine Rolle.

Wenn wir aber bei den Problemen stehenbleiben, verpassen wir die Gelegenheit der nützlichen Auseinandersetzung. Denn Konflikte sind wie Finger, die auf etwas zeigen, das Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung braucht.

Menschen, die von Konflikten hören und über sie weiterreden, werden Zeugen der Unversöhntheit. Verstehen sie jedoch, wie hinter der erzählten Unversöhntheit ein Wunsch nach Versöhnung und Veränderung steht, könnten sie Zeugen der Versöhnung werden.

Mehr als Menschen, die über Gottes Versöhnung reden, wünsche ich mir deshalb Menschen in unserer Kirche, die ihr Vertrauen auf Gottes Versöhnung setzen. Das tun sie, wenn sie fest damit rechnen, dass Jesus Christus in für uns unvorhergesehener Weise versöhnt. Diese Zeugen der Versöhnung helfen dann den Menschen, die im Konflikt miteinander stehen, sich der Situation zu stellen. «Versöhnung als Kampfsport!» Auch dafür sind Regeln wichtig.

Vielleicht können wir, wenn es wieder «kracht», statt wegzuschauen, lieber genau hinschauen, wie Gott sich in den Blitzen und Einschlägen zeigt.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 1/2020

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Krieg, Frieden und Religion

Kriege und militärische Einsätze werden nie mit ihren wirklichen Zielen begründet: Rohstoffe, Energiequellen, Boden, Bodenschätzen und natürlich die zu erwartenden Gewinne für Waffenproduzenten und -händler. Würden diese Ziele offen angeführt, würden die Mütter und Väter dieser Welt sich vielleicht schneller und einträchtiger weigern, den Tod ihrer Kinder für solche Ziele in Kauf zu nehmen. Also werden in der Öffentlichkeit andere Ziele propagiert: Demokratie, Freiheit und Frieden! Und in diese Reihe lässt Religion sich auch gut einfügen.
Ich frage mich, wie unsere Welt aussehen würde, wenn verschiedene Religionen gemeinsam versuchen, Kriegslügen zu durchschauen und zu entlarven. 
Ich frage mich, welche Entscheidungen fallen würden, wenn die Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, andere Religionen und Kulturen einladen gemeinsam für den Frieden einzustehen, anstatt sich damit abzufinden, dass die anderen Religionen entweder Kriegstreiber oder Kriegsopfer sind. Vielleicht gibt es dann öfters einen „Weihnachtsfrieden“, wie im Dezember 1914 an der Westfront, mitten im Ersten Weltkrieg.
Ich frage mich, was aus uns werden könnte, wenn wir den Mut finden, uns mit Gott den Frieden vorzustellen, anstatt Kriege für „gerecht“ zu erklären.


Erschienen in "Kirche und Welt", 10/2015