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Mittwoch, 17. März 2021

Selbstkasteiung in den Sozialen Medien

Ein Gedanke

Trinkende Schafe
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch ist gut! Wenn er noch besser wäre, / wär er zu gut für die bescheidne Welt. / Auch die Moral hat ihr Gesetz der Schwere: / Der schlechte Kerl kommt hoch - der Gute fällt." Aus Erich Kästners Gedicht: Der Mensch ist gut - https://www.deutschelyrik.de/der-mensch-ist-gut.html

Ein Bibelvers - Römer 3,22

"Es ist der Glaube an Jesus Christus, der uns die Gerechtigkeit Gottes zugänglich macht. Der Weg zu ihr steht allen Glaubenden offen."

Eine Anregung

Manchmal überkommt mich ein masochistischer Zug, und dann versuche ich in den sozialen Medien in einer Diskussion meine Meinung zu vertreten. Ich gebe mir Mühe, sachlich zu bleiben. Immer dann, wenn ich eine abweichende Meinung äussere, bekomme ich das deutlich zu spüren. Dann wird mir etwa vorgeworfen, ich erzähle Schwachsinn und glaube selbst noch daran, stelle unhaltbare Behauptungen in den Raum, würde mit der Kirche zusammen Verbrechen unterstützen (weil ich die Covid-19-Massnahmen verteidige). Mir wird gesagt, ich hätte komplett den Verstand verloren und drehe vollkommen durch, ja solle mit dem Scheiss aufhören. Einer hat ein wiederkäuendes Schaf gepostet, um zu sagen, was er von mir hält.

Ich weiss, das sind immer noch moderate Beschimpfungen.

Was bringt Menschen dazu, sich so abgründig zu outen?  Könnte Paulus recht haben, wenn er schreibt: "Alle sind schuldig geworden und haben keinen Anteil mehr an der Herrlichkeit Gottes." (Römer 3,23).

Nun, mein Menschenbild ist nach solchen Beschimpfungen etwas angekratzt, aber ich kenne zugleich viele andere, die mir in meinem Alltag gut tun oder gut getan haben. Und dann ist da ja auch noch das, was Paulus im selben Zusammenhang auch schreiben konnte, und das gibt mir Hoffnung - für meine Gesprächspartner und für mich: "Denn in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied: Alle sind schuldig geworden und haben keinen Anteil mehr an der Herrlichkeit Gottes. Sie verdanken es also allein seiner Gnade, dass sie von Gott als gerecht angenommen werden. Er schenkt es ihnen aufgrund der Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist." (Römer 3,22c-24)

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 1. Juli 2016

Religion und Social Media

Religion and Social Media
In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle tiefer. Man getraut sich Dinge zu sagen oder zu zeigen, die man sonst verborgen hält. So ist man in der Anonymität des Internets auch schneller bereit, Christliches, Islamisches, Buddhistisches von sich zu geben. Manche dieser "Zeugnisse" sind banal, andere nachdenkenswert.

Wie im Alltag will auch in den sozialen Medien niemand missioniert werden. Anders als im Alltag wollen aber viele in den sozialen Medien missionieren. Folglich reden alle, und niemand hört wirklich zu. Der Glaube im Internet ergibt kein Bild, sondern ein religiöses Pixelrauschen.

Untersuchungen legen nahe, dass Personen, welche die sozialen Medien verwenden, sich eher eine individuelle Religion basteln. Das ist erklärbar. Schliesslich sind die sozialen Medien ein Selbstbedienungsladen. Liken oder vergessen. Warum soll ich das nicht auch bei den religiösen Erkenntnissen der Internetsociety tun? Fragt sich jetzt nur: Ist das denn wirklich so schlimm? Was meinen Sie?

Ich beobachte es immer wieder. Menschen beginnen beglückt zu lächeln, während sie auf ihr Mobiltelefon schauen. Social Media als Glücksbringer. Noch eine andere Art von Religiosität. Evangelium. Gute Nachricht.

Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2016