Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Posts mit dem Label Barmherzigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Barmherzigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 3. Januar 2021

Erbarmungslose Barmherzigkeit

Ein Gedanke

Der barmherzige Gott (Kirche Gähwil)
Foto © Jörg Niederer
"Nie soll das Geld König sein, sondern die Barmherzigkeit." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Jakobus 2,12+13

"Denn das Gericht (Gottes?) kennt kein Erbarmen mit dem, der nicht Barmherzigkeit übt. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht."

Eine Anregung

Es gibt zwei Herleitungen für das deutsche Wort "Barmherzigkeit"

Die althochdeutsche Entsprechung "armherzi" von Lateinischen "misericors" (lateinisch miser "arm, elend" und cor beziehungsweise cordis "Herz") wurde ab dem 8. Jahrhundert auch als "barmherzig" ausgesprochen.

Andererseits stand im Althochdeutschen das Wort "barm" für "Schoss" oder "Busen" und hatte auch eine juristische Bedeutung im Sinn von "Unterhalt, Pflege".

Ein Herz für Arme oder die Bereitschaft, für jemanden aufzukommen: Wie leben wir heute die Barmherzigkeit? Mehr dazu in einer Predigt, die per Livestream um 10.30 Uhr übertragen wird. Darin gehen wir auch der von biblischen Sprachen geprägten Bedeutung von Barmherzigkeit nach. 

Ausgangspunkt sind die Jahreslosung über Lukas 6,36 und deren künstlerischen Gestaltung von manuminor. Mehr unter https://youtu.be/F40KhZt6gbM

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 1. Januar 2021

Werdet barmherzig - aber wie?

"Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." (Lukas 6,36)

Christus, die Barmherzigkeit Gottes in der Kirche Gähwil
Foto © Jörg Niederer
Wir bekommen im neuen Jahr sicher viele Einladungen, barmherzig zu werden, wie Gott es ist, wie ein Vater und wie eine Mutter. Barmherzigkeit, die mehr beinhaltet als Verbundenheit und das emotionale Einlassen auf Menschen. Das zeigt uns der Kontext im Lukas-Evangelium. Unsere Barmherzigkeit soll sich auch darin zeigen, wie wir urteilen.

Welch eine Herausforderung! Uns einzulassen auf Menschen und ihre Schicksale, aber auch unseren Sinn für das, was stimmt, in Frage stellen zu lassen. Unseren Rahmen, der unseren Blick auf die Welt bestimmt, verändern zu lassen.

Wie werde ich barmherzig im Hinblick auf

• Geflüchtete, die im Mittelmeer sterben oder in Lagern auf europäischem Boden gefangen bleiben?
• Palästinenser, die unaufhaltsam und völkerrechtswidrig von ihrem Grund und Boden vertrieben werden?
 Journalisten, die zensiert und bedroht werden, ohne dass es Kolleginnen stört?
 Meere, die mit Plastik zugemüllt, und Lebewesen, die ausgelöscht werden?
 kritische Fragen und angebotene Alternativen, die ignoriert in der Schublade "Verschwörungstheorie" verschwinden?

Ich weiss nicht, ob ich mich freue oder davor fürchte, dass Gott mich weiterhin zur Barmherzigkeit einlädt.

Donnerstag, 1. November 2018

In «seinem» Namen

Gebeine von Kriegsgefallenen in einem Ossarium in IltalienVor gut 400 Jahren begann der 30-jährige Krieg.

So wie der Krieg selbst ein riesiges Durcheinander war, so waren auch die Ursachen vielfältig. Es ging um Macht, um Einfluss, um Politik – und um Religion. Bilder von Galgenbäumen und Zeugnisse von Überlebenden mahnen uns zur Erinnerung. Was aber sollen wir zu all dem sagen mit 400 Jahren Abstand?

Manchmal findet man in der säkularen Welt die passendsten Antworten. Ich erinnere mich verschwommen an eine Folge der gelben Comicfamilie «die Simpsons». Gegen Ende dieser Folge tritt der junge Bart sehr pathetisch für Gnade, Barmherzigkeit und Versöhnung ein. Happyend, möchte man meinen!

Doch dann macht die Sendung einen Zeitsprung von einigen hundert Jahren in die Zukunft und zeigt zwei Heere, die sich gegenüber stehen. Beide tragen sie die Symbole des Bart, also seine Stachelfrisur. Die einen schreien: «Er hat uns Gnade gelehrt.» Die anderen schreien: «Nein, er hat uns Barmherzigkeit gebracht.» Und so gehen sie aufeinander los …
Für einen Krieg wird der Mensch wohl immer wieder einen Grund finden – sei es Macht, Einfluss, Politik oder Religion. Schade eigentlich.
Erschienen in "Kirche und Welt", 11/2018

Samstag, 1. November 2014

Bestechung und Korruption

Die Sozialen Grundsätze über Korruption
Korruption kann man als Machtmissbrauch aus Eigennutz verstehen. Diese Definition ist einfach, und die Bibel verurteilt sie. Jesaja beschreibt eine gerechte Person als eine, deren Leben durch Wahrhaftigkeit geprägt ist und die nicht nur Korruption ablehnt, sondern sich auch weigert, in Vorhaben involviert zu werden, welche andere Menschen missbrauchen könnten (Jesaja 33,15). Jedoch in bestimmten Fällen wird es schwieriger. Wann wird aus einem Geschenk ein Bestechungsmittel? Wo wird aus der Unterstützung der Familie Nepotismus? Wann wird aus einer Spende an eine politische Kampagne ein illegitimer Einfluss auf das politische System? Wann wird aus dem Schutz der rechtmässigen Vertraulichkeit eines Bankkunden die Teilhabe an Betrug? John Wesley brauchte eine einfache Formel um solche Praktiken zu beurteilen: "Entsprechen sie der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und der Wahrheit? Wenn wir unsere Macht gebrauchen, gebrauchen wir sie, um Gerechtigkeit zu erwirken - besonders für die, die machtlos und ausgeschlossen sind? Gebrauchen wir unsere Macht im Dienst der Barmherzigkeit, welche das Gute jener befördern möchte, die leiden, und nicht zum Nutzen der Wohlhabenden? Stimmt unser Machtausübung mit der Wahrheit überein oder dient sie dem Betrug?"


Erschienen in "Kirche und Welt", 11/2014