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Sonntag, 23. Mai 2021

Vor allem sing geistlich!

Ein Gedanke

Griechische Musik und Gesang in der Kirche
Foto © Jörg Niederer
"Bei manchen Völkern wird der Reichtum eines Menschen daran bemessen, wieviele Lieder er im Herzen trägt." Autor unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 63,4+5

"Ja, deine Güte bedeutet mir mehr als das Leben. Meine Lippen sollen dich loben. So will ich dich preisen mein Leben lang. Mit deinem Namen auf den Lippen erhebe ich meine Hände zum Gebet."

Eine Anregung

Erstmals nach meinen Ferien und nach einer langen Zeit, in der Singen im Gottesdienst nicht erlaubt war, werde ich diesen Sonntag im Gottesdienst selbst wieder singen dürfen. Ich freue mich darauf, und erinnere mich dabei zugleich an die Singanregungen von John Wesley, Mitbegründer der methodistischen Bewegung. Im Methodist Hymn Book von 1933 finden sich seine Tipps. Sie lauten kurz und knapp so: "Sing die Melodien wie sie gedruckt vorliegend! Sing alle Lieder! Sing frisch und mutig! Sing zurückhaltend und brülle nicht! Sing im Takt! Vor allem singe geistlich!"

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Heute wird der Abendmahls-Pfingstgottesdienst aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen ist auf Youtube jetzt verfügbar: https://youtu.be/cvYtg9semD0

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 19. Mai 2021

Zoom-Anlass über eine spezielle Pilgerreise nach London

Ein Gedanke

Katzenskulptur an der Themse in London
Foto © Jörg Niederer
"In Dartford fällt mir ein Busstopp namens 'Pilgrims Way' an der gleichnamigen Strasse auf. Ich bin also voll und ganz auf dem richtigen Weg." Aus meinem Buch 

Ein Bibelvers - Römer 15,23b+24

Paulus: "Seit vielen Jahren ist es mein sehnlicher Wunsch, zu euch zu kommen. Das könnte ich tun, wenn ich nach Spanien reise. Ich hoffe also, euch auf der Durchreise zu treffen. Und ich erwarte auch, bei euch für die Weiterreise ausgerüstet zu werden. Aber vorher möchte ich gerne eine Weile die Gemeinschaft mit euch genießen."

Eine Anregung

Seit mehr als einem Jahr musste ich mehrere meiner Lesungen und Vorträge über meine Fussreise von Frauenfeld (Schweiz) nach London absagen. So auch zwei Anläufe in Freiburg in Breisgau. Dort konnte ich damals auf der Wanderung einen Gottesdienst besuchte und bei einer netten Dame in der 8. Etage eines Hochhauses übernachten.

Nun findet morgen dieser Anlass statt, allerdings nicht vor Ort, sondern per Zoom. Natürlich hätte ich mich gefreut, die Reisebekanntschaften im wirklichen Leben wieder zu treffen. Doch Zoom hat auch Vorteile. So ist es möglich, von überall her daran teilzunehmen.

Alle, die sich für eine solche Pilgerreise, es ging zum Grab des Gründers der methodistischen Bewegung, zum anglikanischen Pfarrer John Wesley (1703-1791), interessieren, oder auch einfach hören möchten, wie eine Weitwanderung durch vier europäische Länder ablaufen kann, sind herzlich eingeladen, sich einzuloggen. Am Donnerstag, 20.05.2021 um 19.30 Uhr geht es via Link auf der folgenden Webseite los: https://www.atlas.emk.de/emk-freiburg/aktuell/ 

Zu sehen sind viele Bilder von der zweimonatigen Wanderung, dazu lese ich Auszüge aus meinem Buch und erzähle von Begegnungen und Erfahrungen. Natürlich beantworte ich auch Fragen.

Wer weiss, vielleicht sehen wir uns morgen per Zoom.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 19. August 2020

Dunkle Flecken christlichen Handelns

Ein Gedanke
Statue von John Wesley vor der Wesley-Chapel in London
Foto © Jörg Niederer
"Wenn du Gott darum bittest, Berge zu versetzten, gibt er dir vielleicht eine Schaufel." Shane Claiborne

Ein Bibelvers - Johannes 8,31.32.34-36
"Da sagte Jesus zu den Juden, die ihm Vertrauen geschenkt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen... Amen, amen, ich sage euch: Jeder, der tut, was die Sünde will, ist ein Sklave der Sünde. Der Sklave aber bleibt nicht auf ewig im Haus, der Sohn bleibt auf ewig. Wenn also der Sohn (Gottes) euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein."

Eine Anregung
Wenn heute Menschen argumentieren, dass die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen - etwa von vielen TextilarbeiterInnen und Erntehelfern - zwar bedauerlich, aber leider in einer globalisierten Wirtschaft unumgänglich seien, dann ist das kein neues Argument. So sahen in der Zeit der Entstehung der Methodistenkirchen in den USA viele die Sklaverei - als ein notwendiges Übel.
Dabei darf nicht vergessen gehen, dass die ersten Methodistinnen und Methodisten die Sklaverei ablehnt und klare Worte gegen sie gefunden haben. Pfarrer William B. Lawrence fasst die Fakten unter https://www.umnews.org/en/news/slavery-and-the-founders-of-methodism gut zusammen. Hier das Wichtigste daraus:
1774 veröffentlichte John Wesley seine Haltung zur Sklaverei, die "Thoughts Upon Slavery". Darin beschreibt er das Elend der Sklaven in allen Details. Nur schon die Duldung eines Systems der Sklaverei bezeichnete er als Übel, und jede Person in einem solchen System mache sich daran schuldig. https://docsouth.unc.edu/church/wesley/wesley.html
1780 wurden die amerikanischen Methodistenprediger in den Staaten dazu angehalten, gegen die Sklaverei zu predigen. Sklaven sollten von ihren Besitzern unverzüglich freigelassen werden. Alles andere stehe im Widerspruch zum Gesetz Gottes. Die Methodisten in North Carolina und Virginia hielten dies auch schriftlich verbindlich fest.
In der ersten methodistischen Kirchenordnung von 1785 wird festgehalten, dass wer Slaven kaufe oder verkaufe, sofort aus der Mitgliedschaft der Kirche zu entlassen sei, es sei denn, der Kauf geschehe, um Slaven zu befreien.
Im Jahr 1800 veröffentlichte die Generalkonferenz der Methodisten einen Hirtenbrief, unterzeichnet von Thomas Coke, Francis Asbury und Richard Whatcoat, in dem die Versklavung von Schwarzen "das grösste nationale Übel" genannt wird. Das ganze Neue Testament spreche in klarster Weise gegen die Sklaverei. Die Jährlichen Konferenzen (Synoden) wurden angewiesen, die Gesetzgeber in ihren jeweiligen Staaten aufzufordern, die Sklaverei abzuschaffen. Weltweit solle diese "schreienden Sünde" ausgerottet werden.
55 Jahre später kam es dann jedoch zu einer Kirchenspaltung. Methodisten in den US-Staaten, welche die Sklaverei weiterhin guthiessen, bildeten eine eigene Kirche, in der die Sklaverei erlaubt war. Die staatlichen Rahmenbedingungen bestimmten also die Haltung und Ethik der Kirche in der Sklavenfrage.
Im Rückblick kann ich diese vorübergehende Rechtfertigung der Sklaverei nur schwer verstehen angesichts des Menschenbilds von Jesus und der klaren Haltung der Gründerinnen und Gründer der Methodistenkirchen. Es scheint mir ausser Frage zu stehen, dass Menschen andere Menschen nicht besitzen und in Abhängigkeit halten, sie verstümmeln oder töten dürfen.
Zugleich hoffe ich, dass man nicht auch über Bereichen meines Denkens und Handelns dereinst den Stab brechen wird, und sich fragt, wie man als Christ nur eine solche Haltung und Lebensgestaltung vertreten konnte.

Dienstag, 21. Juli 2020

John Wesley zwischen Gartenzwerg und Herz Jesu

Ein Gedanke
John Wesley in Porzellan
Foto © Jörg Niederer
"Kitsch ist das tückischste aller Gefängnisse. Die Gitterstäbe sind mit dem Gold vereinfachter, unwirklicher Gefühle verkleidet, so dass man sie für die Säulen eines Palastes hält."
Pascal Mercier in "Nachtzug nach Lissabon"

Ein Bibelvers - Offenbarung 9,13-14
"Und der sechste Engel blies die Posaune: Da hörte ich eine Stimme von den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott steht, 14 die sagte zum sechsten Engel, der die Posaune hatte: Binde los die vier Engel, die am grossen Fluss Euphrat gefesselt sind."

Eine Anregung
Auf dem Foto: John Wesley, prägende Gründergestalt der Methodisten, in Porzellan, ausgestellt in einer Vitrine einer amerikanischen Methodistenkirche. Ist das jetzt Kitsch? Was ist denn Kitsch?
Wikipedia sagt: "Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters minderwertigen Gefühlsausdruck. In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig...
Folgende Kriterien lassen sich für Kitsch anführen:
Im Gegensatz zum Kunstwerk, das Spielraum für Interpretation zulässt (und Interpretation sogar fordert), ist Kitsch nicht auslegbar.
Stereotype und Klischees: Kitsch wiederholt, was dem Betrachter bereits geläufig ist. Vom Kunstwerk wird Originalität erwartet (Innovationszwang der Kunst).
Leichte Reproduzierbarkeit (Massenware)."
https://de.wikipedia.org/wiki/Kitsch

Die reformierte Pfarrerin Muriel Koch hält die Bibel für eine fast kitschfreie Zone. Diese Erkenntnis, die ich teile, hat mir die Auswahl des heutigen Bibelverses deutlich erschwert. https://reformiert.info/de/schwerpunkt/lkitsch-kommt-ohne-deutung-ausr-18509.html

Ein Nachtrag zum Beitrag über Esel vom vergangenen Samstag: Bis noch 18. August kann man unter https://www.srf.ch/play/tv/redirect/detail/79658f48-43bd-42af-a0bc-7e4ed44aedec einen eindrücklichen Film sehen über die Fähigkeiten der Esel. Dieser Film ist nun echt bemerkenswert und kein Kitsch! (Danke Claudia für den Hinweis.)

Donnerstag, 9. Juli 2020

Diebische Mönche

Ein Gedanke
Klosterruine Mariazell am Beerenberg
Foto © Jörg Niederer
Heute wird es geschichtlich: Hier die Stationen und Persönlichkeiten: Klosterruine Mariazell am Beerenberg - Steigerherren - Abtei Schuttern im Schwarzwald - Windesheimer Kongregation - Thomas von Kempen - John Wesley - Frauenfeld-London

Ein Bibelvers - Prediger 3,1.3-5
"Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel:
... Zeit zum Einreissen und Zeit zum Aufbauen, Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen, ... Zeit, Steine zu werfen, und Zeit, Steine zu sammeln, Zeit, sich zu umarmen, und Zeit, sich aus der Umarmung zu lösen..."

Eine Anregung
Im Juli 2015 sties ich bei der Umwanderung der Stadt Winterthur zufällig auf die Klosterruine Mariazell am Beerenberg, eine franziskanische Gründung aus dem Jahr 1355. Gestern lass ich wieder über diese Fundstelle. https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Beerenberg

127 Jahre später, und zu den Steigerherren gehörend, einem Teil der Augustiner Chorherren, stand es nicht mehr zum Besten um das Kloster Beerenberg. Bei der Auflösung des Ordens 1482 versuchten sich die dortigen Konventsbrüder mit Geld, Reliquien und Kirchenschätzen ins Ausland abzusetzen. https://de.wikipedia.org/wiki/Steigerherren

Vielleicht wollten sie in die Abtei Schuttern bei Lahr im Schwarzwald fliehen, ein anderes Kloster der Steigerherren. Dort bin ich zufällig genau heute vor drei Jahren vorbeigewandert. https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Schuttern

In der Folge wurde Beerenberg zu der Windesheimer Kongregation geschlagen, ebenfalls Augustiner Chorherren. Diese gehen auf eine niederländischen Laiengründung zurück, benannt nach dem Kloster Windesheim in Zwolle (eingeweiht 1387). https://de.wikipedia.org/wiki/Windesheimer_Chorherren 

Die Windesheimer Kongregation orientierte sich an einer Spiritualität, "Devotio Moderna" genannt, welche von Thomas von Kempen (1380-1471) zur vollen Blüte gebracht wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Kempen
John Wesley (1703-1791), Gründergestalt des Methodismus in England, war ein grosser Fan von einem Werk des Thomas von Kempen, von der "Nachfolge Christi". https://de.wikipedia.org/wiki/John_Wesley_%28Prediger%29

Als ich genau vor drei Jahren in Schuttern vorbei kam, war ich auf meiner Pilgerreise von Frauenfeld nach London zum Grab von John Wesley, und wusste von diesen geschichtlichen Verbindungen, denen ich zufällig gestern auf die Spur gekommen bin, noch nichts. Und Auslöser waren Erinnerungen an die Klosterruine Mariazell am Beerenberg.
Was so ein Trümmerhaufen alles bewirken kann!


Donnerstag, 11. Juni 2020

"Im Frieden vorangehen, Schritt für Schritt"

Ein Gedanke
Einsamer Kämpfer am UNO-Friedensmarsch 2018 in St. Gallen
Manfred Marquardt über John Wesley in der Zeitschrift "Unterwegs": "Noch als über Achtzigjähriger ist er – auch bei schlechtem Wetter – in London von Haus zu Haus gegangen und hat für französische Kriegsgefangene Geld gesammelt, damit sie Decken bekamen. Wesley geht hin und sammelt für die Feinde Englands! Dieser Mann, seine Überzeugung und sein Handeln, haben mich fasziniert. In ihm erkannte ich den Geist Jesu!"

Ein Bibelvers - Johannes 14,27
Jesus Christus spricht: "Frieden lasse ich euch zurück, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!"

Eine Anregung
Rosemarie Wenner über den 2019 mit dem Friedenspreis des Methodistischen Weltrats ausgezeichneten methodistische Pastor James T. Laney: "Er war 1947 als Soldat in Korea, kehrte 1959 als Missionar wieder dorthin zurück und war in den 1990er-Jahren als US-Botschafter in Südkorea Brückenbauer, als Konflikte über Atomwaffen zu eskalieren drohten. James Laney sagte bei der Preisverleihung: 'Frieden ist nicht möglich, solange wir die andere Seite verteufeln. Frieden können wir am besten in persönlichen Gesprächen erreichen. Und wir müssen im Frieden vorangehen, Schritt für Schritt.'"
Gehe doch heute bewusst einen Friedens-Schritt auf einen Menschen zu, den du sonst meidest!

Am Sonntag um 11.oo Uhr laden ich euch zu einer Abendmahlsfeier zu Hause und Unterwegs ein. Von Vorteil ist es, wenn ihr Traubensaft bzw. Wein und Brot zu Hause bereitstehen habt. Hier geht es zur Abendmahlsfeier: https://youtu.be/n36Ca-LTwQs

Dienstag, 3. Oktober 2017

Ging die Reformation weit genug?

John Wesley in der Methodist Central Hall
In England zur Zeit John Wesleys (1703-1791) diskutierten Kirchenführer, ob die Reformation in Europa und England stark genug durchgesetzt wurde. Manche Menschen schauten auf die Zeit nach dem englischen Bürgerkrieg zurück, als die Puritaner versucht hatten, die Gesellschaft und die Kirche so zu reformieren, dass sie das widerspiegelte, was ihrer Meinung nach von der Bibel verlangt wird. Wesley selbst war der Ansicht, dass die Reformation nicht stark genug durchgesetzt wurde. Wie die Puritaner damals, wollte er sehen, dass sich die Gesellschaft verändert. Seine Lösung war jedoch eine andere. Für Wesley wäre das Problem nicht durch neue Gesetzgebungen für Kirche und Gesellschaft gelöst worden. Das wäre zu oberflächlich. Nötig waren Menschen, deren Motive und Begehren von der Kraft des Heiligen Geistes so reformiert wurden, dass sie Gott und ihre Mitmenschen lieben. Solche Menschen würden die Gesellschaft verändern.


Samstag, 1. Juli 2017

Sperrige Vorbilder

Mary Vazeille Wesley
Pioniere sind oft sperrige Persönlichkeiten. Zum einen genial, zum andern überraschend unvollkommen. Beispiele gibt es genug. Moses, der Zauderer und Mörder; Jakob, der Täuscher seines Bruders; David, ein Ehebrecher.

In diesem Sommer bin ich zu Fuss unterwegs zum methodistischen Glaubenspionier schlechthin. Ich will das Grab von John Wesley in London besuchen. Mit unwahrscheinlichem Einsatz an Zeit und Kraft hat er Kirche und Gesellschaft über England hinaus erneuert, und unzähligen Menschen die Liebe Gottes nahegebracht. Darüber kann ich nur stauen.

Aber John Wesley war nicht vollkommen. Ein "Frauenversteher" war er wirklich nicht. Seine späte Ehe mit der Witwe Mary Vazeille zerbrach nach kurzer Zeit und endete in wüsten Worten, Tätlichkeiten und einer lebenslangen Trennung. 

Auch dieser Seite von John Wesley will ich mich stellen. Und darum werde ich auf meiner Pilgerreise die St. Giles Kirche in London besuchen, in der die Trauerrede für die unglückliche Mary Vazeille Wesley gehalten wurde. John Wesley war bei deren Abdankung übrigens nicht dabei. Er erfuhr erst 4 Tage später von ihrem Tod.

Fazit: Makellosigkeit ist keine Voraussetzung für Gottes Wirken durch uns Men-schen. Das hat auch irgendwie etwas Tröstliches.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 7/2017

Mittwoch, 10. Mai 2017

1090 Kilometer pilgern für Flüchtlingen

Jörg Niederer aus der Schweiz wird bald nach London pilgernNoch 50 Tage, und ich werde mich von Frauenfeld (Schweiz) aus zu Fuss auf den Weg nach London (England) machen. Ziel dieser Pilger- und Sponsoringreise ist das Grab von John Wesley. Ohne den anglikanischen Geistlichen des 18. Jahrhundert wäre ich wohl heute nicht Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche. Seine Reformbestrebungen in der Kirche von England haben zu einer Vielzahl methodistischer Kirchen geführt, zu denen sich in 133 Ländern 80 Millionen Menschen zählen.
Einer davon bin ich. Besonders fasziniert hat mich an Wesley immer, dass er von Anfang an die Menschen nicht nur anpredigte, sondern ihnen half, so gut es ging. Seine soziale Ader und sein integratives Verständnis von Kirche halte ich heute für besonders wichtig.
Ich darf Pilgern. Andere müssen Reisen, sind auf der Flucht vor Krieg und Elend. Für sie will ich Schritt für Schritt den Weg durch die vier europäischen Länder Schweiz, Deutschland, Frankreich und England gehen. Pro 50'000 Schritte auf diesem Weg kann man eine finanzielle Zusage machen zugunsten der Migrationsarbeit von Connexio in den Herkunfts- Transit- und Ankunftsländern der Migrantinnen und Migranten.
Wenn ich England erreiche, dann werde ich 30 bis 40 mal 50'000 Schritte zurückgelegt haben. Aus jedem versprochenen Franken sind dann 30 bis 40 Franken geworden. Die Chance besteht, dass am 1. Juli – am Tag meines Aufbruchs – jeder Schritt einem Rappen entspricht für die Flüchtlinge und Heimatlosen.
Während der Reise berichte ich regelmässig über das Erlebte unter https://docs.com/user887611/1613/pilgern-zu-wesley oder in meinem Facebookprofil https://www.facebook.com/joerg.niederer. Und Spendenzusagen kann man mit einer E-Mail an joerg.niederer@emk-schweiz.ch machen. Mehr dazu unter https://docs.com/user887611/9073/20170102-sponsoring-pilgern-zu-wesley-du.
Herzlichen Dank euch allen, die ihr bereit seid, Menschen auf der Flucht zu unterstützen.



Freitag, 1. Mai 2015

Sozial Engagement und das Heil

John Wesley Statue, Asbury Seminary Washington DC
Was ist Heil? Eine Bekehrungserfahren, die Vergebung der Sünden, oder die Versicherung, in den Himmel zu gelangen?

Für John Wesley gehört dies alles dazu, ohne zentral zu sein. Das Zentrum des Heils ist die persönliche Veränderung. Ein Mensch, der Gottes Liebe durch den Glauben an Christus erfährt, beginnt durch Gottes Geist einen Prozess der Veränderung, sodass er Gott und seine Nachbarn (Freunde, Fremde sowie Feinde) mehr und mehr liebt. Wenn diese Veränderung echt ist, wird sie durch konkrete Taten der Gerechtigkeit und des Mitgefühls ausgedrückt. Wesley fügte zudem hinzu, dass diese Taten Gnadenmittel sind – Gott benutzt sie um unseren Charakter zu ändern, sodass wir liebevoller werden.

Das Verlangen, die Bedürfnisse Anderer zu stillen ist also ein wichtiger Teil von Wesleys Verständnis des Heils. Man folgt nicht einer Liste von Regeln sondern sucht nach kreativen Antworten auf die verschiedenen Bedürfnisse der Mitmenschen. Das kann sich äussern in persönlicher Hilfe, diakonischen Projekten und politischem Engagement. Auf diese Weise arbeiten wir mit an einer gerechten und  mitfühlenden Gesellschaft.

Erschienen in "Kirche und Welt", 5/2015


Donnerstag, 24. Juli 2014

Methodism and Social Engagement - Methodismus und Soziales Engagement

John Wesley, Gründer des Methodismus(Deutschsprachige Übersetzung unten) From the time of the Wesley’s Methodists have been active in addressing social and political issues. John Wesley provided education for the illiterate, healthcare for the sick, and employment for the poor; he opposed slavery, criticised colonial exploitation and supported prison reform and made concrete political proposals to end poverty in England. This social engagement flows out of the heart of Wesley’s understanding of what it meant to be a Christian and why God had called Methodism into being.

For Wesley to be a Christian is to be forgiven by God so that we can become holy, that is to be transformed by God so that we love God and our neighbours. He believed that God had given Methodism the mission of spreading holiness across the land.

Holiness has two dimensions – an inner dimension and an outer dimension. The inner dimension is a change in our fundamental attitudes towards God and our neighbours. The outer is that we express these attitudes in all our relationships with others. Wesley often summarised this with three words – justice, mercy and truth. These three relate to all aspects of our life, personal, communal and political. The inner and the outer dimensions are inseparably related to each other. Inner holiness is expressed in outer holiness, at the same time concrete acts of love lead to the development of loving attitudes. Outer holiness leads to growth in inner holiness and if there is no outer holiness then there is no inner holiness.

In a Wesleyan perspective social engagement is thus an inseparable part of what it means to be holy, to be a Methodist, and more fundamentally to be a Christian.




Seit den Tagen John Wesleys waren Methodisten bei der Bewältigung sozialer und politischer Fragen aktiv. Wesley förderte die Bildung für Analphabeten, das Gesundheitswesen für die Kranken, Arbeit für die Armen; er setzte sich gegen die Sklaverei ein, kritisierte die koloniale Ausbeutung, unterstützte die Gefängnisreform und machte konkrete Vorschläge zur Überwindung der Armut in England. Dieses soziale Engagement entsprang dem Herzensanliegen von Wesley; dem christlichen Selbstverständnis, und warum Gott den Methodismus ins Leben gerufen hat.
Für Wesley bedeutete Christsein, ein Mensch zu sein, dem von Gott vergeben wurde, und der darum voranschreiten kann in der Heiligung, was wiederum bedeutet durch Gott verändert Gott und unsere Mitmenschen immer mehr zu lieben. Er war überzeugt davon, dass Gott den Methodisten den Auftrag gegeben hat, Heiligung über das Land zu verbreiten.
Heiligung hat zwei Dimensionen – eine innere und eine äussere. Die innere Dimension ist eine Änderung unserer Grundhaltungen gegenüber Gott und unseren Mitmenschen. Die äussere Dimension bedeutet, dass wir diese innere Grundhaltung in allen Beziehungen zum Ausdruck bringen. Wesley fasste dies oft mit drei Worten zusammen – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit. Diese drei beziehen sich auf alle Aspekte unseres Lebens, sowohl in persönlicher, gemeinschaftlicher und politischer Hinsicht. Die innere und die äussere Dimension sind untrennbar auf einander bezogen. Innere Heiligung drückt sich in äusserer Heiligung aus. Konkret Taten der Liebe führen zugleich zur Entwicklung eines liebevollen Verhaltens. Äussere Heiligung führt zu einem Wachstum in innerer Heiligung. Wenn es nicht sichtbare äussere Heiligung gibt, dann ist da auch keine innere Heiligung vorhanden.
Nach wesleyanischem Verständnis ist das soziale Engagement ein untrennbarer Teil von dem, was mit „heilig sein“, Methodist sein und – noch fundamentaler – Christ sein gemeint ist.