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Sonntag, 1. November 2020

Ein unheiliger Heiliger zu Allerheiligen

Ein Gedanke

Von Heiligen überschattet in der Kirche St. Niklausen
Foto © Jörg Niederer
"Christus ist der einzige Vermittler zwischen Gott und den Menschen, es braucht keine Heiligen als Nothelfer; die Heiligenverehrung verstelle den Blick dafür, dass nur einer allein Zuflucht und Trost ist." Huldrych Zwingli, Reformator

Ein Bibelvers - Matthäus 16,25

Jesus: "Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden."

Eine Anregung

Heute, an Allerheiligen, stehen Heilige im Mittelpunkt. Der unheilige "Heilige", den ich in meiner Predigt portraitieren werde, hat Folgendes gesagt: "Das Leben ist Verschwendung. Und das finde ich aber gut, also positiv. Und weil es das ist, muss man immer wieder – und je älter dass man wird – sich überlegen, für was verschwendet man jetzt seine Ressourcen. Ich finde Verschwendung aber viel sympathischer als Geizkrägen. Und wenn ich mir etwas vornehme, dann ist es das: verschwenderisch zu sein mit dem, was ich habe." Sein Name: Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern.

Die Predigt dazu aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wird um 10.30 Uhr live übertragen: https://youtu.be/vwTI6p4R20s

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 1. Juli 2017

Sperrige Vorbilder

Mary Vazeille Wesley
Pioniere sind oft sperrige Persönlichkeiten. Zum einen genial, zum andern überraschend unvollkommen. Beispiele gibt es genug. Moses, der Zauderer und Mörder; Jakob, der Täuscher seines Bruders; David, ein Ehebrecher.

In diesem Sommer bin ich zu Fuss unterwegs zum methodistischen Glaubenspionier schlechthin. Ich will das Grab von John Wesley in London besuchen. Mit unwahrscheinlichem Einsatz an Zeit und Kraft hat er Kirche und Gesellschaft über England hinaus erneuert, und unzähligen Menschen die Liebe Gottes nahegebracht. Darüber kann ich nur stauen.

Aber John Wesley war nicht vollkommen. Ein "Frauenversteher" war er wirklich nicht. Seine späte Ehe mit der Witwe Mary Vazeille zerbrach nach kurzer Zeit und endete in wüsten Worten, Tätlichkeiten und einer lebenslangen Trennung. 

Auch dieser Seite von John Wesley will ich mich stellen. Und darum werde ich auf meiner Pilgerreise die St. Giles Kirche in London besuchen, in der die Trauerrede für die unglückliche Mary Vazeille Wesley gehalten wurde. John Wesley war bei deren Abdankung übrigens nicht dabei. Er erfuhr erst 4 Tage später von ihrem Tod.

Fazit: Makellosigkeit ist keine Voraussetzung für Gottes Wirken durch uns Men-schen. Das hat auch irgendwie etwas Tröstliches.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 7/2017