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Freitag, 5. Oktober 2018

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft ist gegen die Änderung des Zivildienstgesetzes

In seiner Vernehmlassung zur vorgeschlagenen Änderung des Zivildienstgesetzes vom 20. Juni 2018 schreibt der Ausschuss Kirche und Gesellschaft:

"Als Kirche sehen wir keine Veranlassung, an der heutigen Praxis etwas zu ändern. Der Zivildienst in seiner heutigen Form funktioniert gut. Er ist wirkungsvoll, effizient und sinnvoll. 
Die vorgeschlagene Änderung richtet sich gegen den geltenden Zivildienst. Statt den Militärdienst zu verbessern, soll der Zivildienst weniger attraktiv ausgestaltet werden ... 
Als Kirche sind wir überzeugt, dass man Zivildienst und Armee nicht gegeneinander ausspielen darf. Beide nehmen wichtige Aufgaben zugunsten der Zivilgesellschaft wahr. Ziel muss sein, beide Institutionen je aus sich heraus so zu gestalten, dass die spezifischen Aufgaben erfüllt werden können. Wird der Zivildienst in seiner Attraktivität verschlechtert, erhöht man damit noch nicht die Attraktivität der Armee. Wir befürchten, dass eine solche 'systemische Manipulation' letztlich der Armee und dem Zivildienst schadet.   
Aus diesem Grund lehnt der Ausschuss 'Kirche und Gesellschaft' der Evangelisch-methodistischen Kirche die Änderung des Zivildienstgesetzes ab. Keine der sieben Massnahmen findet unsere Zustimmung."

Hier finden Sie den vollständigen Vernehmlassungstext!

Montag, 1. Oktober 2018

Diversität und Innovation

Innovation und Diversität
Kürzlich habe ich gelesen, dass die Geschäftswelt etwas entdeckt hat, was Paulus und Ezechiel schon längst wussten und was Jesus praktizierte: eine bunte Mischung fördert Lebendigkeit oder Innovation. Gottes erneuernde und belebende Geistkraft fügt unterschiedliche Glieder zu einem funktionsfähigen und lebendigen Körper zusammen. Die Unterschiede zwischen den Gliedern sind die Voraussetzung für ihre Gemeinschaft.
Wir Menschen müssen uns immer wieder zu dieser Wahrheit durchringen. Es scheint naheliegender, dass es homogen besser ginge: "nur wir Israeliten", "nur wir jüdische Christen", "nur wir Weissen", "nur wir Rechtgläubigen", "nur wir Männer" oder "nur wir Heterosexuellen". 
Dieser Weg führt immer in eine Sackgasse und oft zu Gewalt. Er verneint Erfahrungen, die zeigen, wie lebendig und zukunftsfähig buntgemischte Kulturen sind, die starre Strukturen neu aufmischen.
Lassen wir uns doch ein auf die Geistesvernunft, die bunt mischt und belebt. Lassen wir uns ein auf die sinnvolle und sinnstiftende Herausforderung, lebendiger Körper Christi zu sein.


Erschienen in "Kirche und Welt", 10/2018

Dienstag, 18. September 2018

Wirtschaften nach dem Schalom Gottes (Teil 6)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von Markus Nagel beziehen sich auf den
Abschnitt «The Economic Community» (Die wirtschaftliche Gemeinschaft).


Armut und Reichtum
Wenn ChristInnen Stellung beziehen in Fragen nach dem guten wirtschaftlichen Handeln, zur Frage nach dem Reichtum und der Arbeit, gibt es und gab es sehr verschiedene Meinungen. 
Hier einige kurze Streiflichter:
Die protestantische Erwerbsethik von Max Weber, dem bekannten Ökonomen am Anfang des 19. Jahrhunderts, berief sich auf den Reformator Johannes Calvin, für den Protestantismus und Kapitalismus dasselbe war: Nur der Erwählte ist beruflich erfolgreich und kann durch harte Arbeit Gottes Ruhm vermehren. Gelungene Arbeit galt als ein Zeichen für Gnadensgewissheit, wonach der religiöse Mensch sein Leben lang strebt. 

Diese Grundüberzeugung nahmen die evangelikalen Christen aus den USA und Nordeuropa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf und machten daraus ihr «Wohlstandsevangelium». In einem Satz gesagt bedeutet das: «Gott will deinen Wohlstand und dein körperliches und seelisches Wohlbefinden».  

Im 20. Jahrhundert breitete sich in vielen Teilen der Welt grosse Armut aus. Den vielen Armen im Globalen Süden stand eine kleine Minderheit gebildeter Schicht der Reichen und Etablierten gegenüber. Aus den Reihen der Kirchen, vornehmlich der katholischen Kirche erwuchs Widerstand. Die Option für die Armen, als wichtiges Thema wurde laut, es kam vereinzelt sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen. 

Innerhalb der protestantischen Kirche entstand, ausgehend von Protesten zum Vietnamkrieg und zur Apartheid in den USA, eine Theologie, die sich für den Ausgleich zwischen Arm und Reich einsetzte. Von Seiten der verfassten Kirchlichkeit musste sich diese Theologische Richtung immer wieder den Marxismus-Vorwurf gefallen lassen, bis heute. 

Die Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) bezieht in den «Sozialen Grundsätzen» Stellung zu aktuellen wirtschaftlichen Themen:
Die Verfasser der sozialen Grundsätze sind sich sicher, dass jeder Einzelne verpflichtet ist, sorgsam mit dem Eigentum und den Ressourcen der Welt umzugehen. Die Gesellschaft muss umgestaltet werden. Es wird als christlicher Auftrag formuliert, dass die Gesellschaft nicht den Wohlstand der wenigen vermehrt, sondern allen dient. Das Schalom Gottes soll im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, in der wir leben. Das Schalom Gottes soll aber auch für die grosse weite Welt gelten und sich als Gegenkraft entfalten zu einer Globalisierung die immer weiter um sich greift und die Lebensgrundlagen jedes Einzelnen gestaltet und verändert: Die AutorInnen beziehen Stellung zur Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der menschlichen Arbeit und zur Umweltverschmutzung. Deutlich wird betont, dass die internationalen Finanzströme, welche während der Finanzkrise 2008 viele Menschen in Armut stürzten und der vielfach aggressive Freihandel nur auf den Profit von Grosskonzernen ausgerichtet ist und der kleinräumigen und nachhaltigen Landwirtschaft schwer zusetzt und auf ihre Zerstörung aus ist. 

Schmerzliche Realität ist auch, dass viele Menschen ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Bildung, Gesundheitsversorgung und andere Notwendigkeiten nicht oder nur unzureichend befriedigen können. Dazu kann man in den «Sozialen Grundsätzen» einiges Spannendes und Herausforderndes lesen.
Abgeschlossen wird der Abschnitt mit den besonders schrecklichen Praktiken des Menschenhandels, der modernen Sklaverei. 
Wenn auch das Dokument in einer abgeklärten Sprache verfasst ist, benennt es doch die Missstände gerade im Wirtschaftsleben mit klaren Worten. Für die VerfasserInnen muss alles Wirtschaften auf das grosse Schalom Gottes ausgerichtet sein, wie es Maria im Lobgesang besingt und fordert: 


Meine Seele preist die Größe des Herrn, / und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. / Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. / Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. / Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. / Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; / er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. / Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. / Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, / das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. (Das Magnificat – Lukas 1,46b-55)

The Economic Community in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/economic-community

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch


Samstag, 1. September 2018

«Wo warst du, als ich die Erde gründete?»

Aussicht vom Brisen, SchweizDer Monolog Gottes in Ijob 38-41 ist eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Gott zählt Ijob gegenüber auf, was er alles an dieser Erde getan hat, und antwortet somit auf all die Anschuldigungen, die Ijob ihm entgegengeworfen hat. Oder besser gesagt, er antwortet nicht auf die Anschuldigungen, sondern er setzt diese in Perspektive.

Warum aber gibt Gott Ijob diese Antwort und nicht eine andere? Gott könnte auch antworten mit: «Schau, ich habe alles in der Hand. Ich weiss schon, was ich tue. Du musst mir einfach vertrauen». Ich glaube, dass Gottes Antwort viel einleuchtender und nachhaltiger ist für Ijob, als wenn er ihm einfach sagen würde, dass er vertrauen soll. Gott gibt Ijob in dieser Antwort die Chance, sich selbst zu demütigen. Sich selbst in Demut zu üben gegenüber einem Gott, der diese Welt geschaffen hat. Es geht darum, dass er Gott wieder als Gott erkennen und anerkennen darf.

Vielleicht dürfen auch wir durch die Natur, die Gott geschaffen hat, wieder neu demütig werden. Wir kommen nicht umhin zu erkennen, dass wir Menschen in der heutigen Zeit immer mehr Macht haben, in die Natur einzugreifen – wie können wir also demütig mit dieser Macht umgehen?


Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 9/2018

Dienstag, 14. August 2018

Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung (Teil 5)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Nurturing Community» (Die menschliche Gemeinschaft).

«Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen! Unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein!
Herrschen sollen sie über die Fische im Meer und über die Vögel in der Luft! Sie sollen Macht haben über das Vieh und über die ganze Erde. Und sie sollen über alles gebieten, was sich am Boden bewegt.
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er sie.» (1. Mose 1, 26-27)

Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
So beginnt der zweite Teil der überarbeiteten Sozialen Grundsätze (Social Principles) und befasst sich dabei mit dem Thema der «Menschlichen Gemeinschaft». In diesem einen Vers sehen wir, warum und wozu wir als Menschen bestimmt sind. Gott hat uns geschaffen, damit er eine Beziehung mit uns haben kann – und damit wir Beziehung miteinander und dieser Schöpfung haben können. Gemeinsam, als Mann und Frau, Mensch und Mit-Mensch, sind wir beauftragt, über alles zu gebieten, was sich am Boden bewegt. Damit wird uns eine Macht zuteil, die es sorgfältig und überlegt zu gebrauchen gilt. Denn, wie heisst es so schön: «Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung». Auf diese Macht und die damit einhergehende Verantwortung, die uns Gott in der Schöpfung zuteil lassen hat, antworten die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche. In diesem Unterkapitel geht es besonders darum, wie wir uns als Menschen untereinander verhalten.

Wir sind eine vielfältige Kirche, die in ihrer Zugehörigkeit zu Gott ihre Einheit findet. In dieser Vielfalt wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Menschheit wieder zueinander finden kann. Diese fruchtbare Spannung zwischen Vielfalt und Einheit wird in verschiedenen Bereichen in diesem Unterkapitel dargestellt: im Abschnitt über die «Familie» lesen wir, dass Familie die grundlegende Gemeinschaft eines jeden ist, die von gegensätzlicher Liebe, Verantwortlichkeit füreinander und gegenseitiges Füreinander-Sorgen geprägt ist. In welcher Form sich diese Familie zeigt, kann in unseren Kontexten und Kulturen sehr unterschiedlich sein. Eines aber soll ihnen gemeinsam sein: Unsere Familien hier auf der Erde sollen ein Abbild jener Familie sein, die Gott für uns alle schafft.

Die Sozialen Grundsätze betonen, dass es keine Diskriminierung in unserer Gemeinschaft geben darf, da es diese auch von Gott nicht gibt: wir diskriminieren keine Singles oder alleinstehende Elternteile, keine Personen mit Behinderungen, wir diskriminieren nicht aufgrund von Geschlecht und setzen uns über die Kirche hinaus in der Gesellschaft gegen solche Diskriminierungen ein. Dies kann im kleineren Rahmen geschehen, wie beispielsweise, dass wir gegen Mobbing einstehen, oder auch da, wo Diskriminierung längst schon zum System geworden ist, wie zum Beispiel im Falle der sexuellen Ausbeutung. 

In all diesen Abschnitten wird vor allem eines betont: Menschliches Leben und Miteinander erlaubt nicht immer eine klare Linie und somit auch keine strikte Regelhaftigkeit, aber es erlaubt (und Gott gebietet) ein würde-volles Miteinander, das von Vergebung anderen und sich selbst gegenüber geprägt ist. Besonders gelungen finde ich in dieser Hinsicht den neu formulierten Abschnitt über «Ehe und Ehescheidung» - empfehlenswert für die eigene Lektüre und zum weiter drüber Nachdenken: als Singles, Partner und Gemeinschaft. Aber auch die anderen Abschnitte, von denen ich in diesem Text nur einige ansprechen konnte, sollen helfen, uns erneut darüber Gedanken zu machen, welche Werte in unserer Gemeinschaft miteinander und mit Gott wichtig sind.

Ein Abschnitt in diesem Unterkapitel bleibt nun noch offen, nämlich derjenige über die menschliche Sexualität. Hier wird es an der kommenden, speziell einberufenen Generalkonferenz zu Gesprächen darüber kommen, wie mit der Vielfalt und Einheit unserer Kirche und den Menschen in unserer Kirche umgegangen wird. Dies wird ein herausfordernder Prozess für uns als Kirche und Gemeinschaft. Lasst uns also im Gebet, Gespräch und Handeln darüber bleiben, wie wir Gottes Wunsch auf Beziehung auch in unseren Beziehungen untereinander leben können.


The Nurturing Community in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-nurturing-community

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch


Dienstag, 7. August 2018

Wir sind ein Teil des Gewebes (Teil 4)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Community of all Ceation» (Die Gemeinschaft alles Erschaffenen).


Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
In seiner berühmten Rede des Häuptlings Seattle an den amerikanischen Präsidenten Franklin Pierce erklärt er, wie die Indianer die Welt verstehen:
«Der Mensch kann kein Gewebe erschaffen, sondern er ist nur wie eine Faser im Gewebe. Jegliche Störung an der Erde wird eine Störung an Euch selbst sein.»

Was hat ein Indianerspruch auf einem christlichen Blog zu suchen? Sehr viel, wenn man die überarbeiteten Sozialen Grundsätze liest. Im Kapitel «C) Wisdom, Science and Technology» aus dem Hauptbereich «The Community of all Creation» steht: «Mensch sind nicht der Mittelpunkt; vielmehr sind wir alle Teile am Netzes des Lebens.»

Die Sozialen Grundsätze, Richtschnur des methodistischen Glaubens, sind einem dynamischen Prozess unterworfen. Immer wieder werden sie der Zeit angepasst und biedern sich trotzdem nicht irgendwelchem Zeitgeist an. Da wird um jedes einzelne Wort gerungen. Die kulturelle und politische Vielfalt, die unsere Kirche prägt, macht es nicht immer einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden. 

Am Anfang der Sozialen Grundsätze steht die Schöpfung, auf Englisch «Creation». Diese beiden Begriffe bringen den Kerngehalt der Urgeschichte recht deutlich zum Ausdruck: Gott schafft mit seinem schöpferischen, kreativen Geist aus dem Chaos eine lebendige Welt.

Die Erde ist bedroht: Waren es früher Naturgewalten wie Dürre und Überschwemmungen, so steht der Mensch immer mehr im Fokus. Zu nennen sind grausamen Kriegen, die bis heute viele Millionen Opfer fordern. Spätestens seit der Aufklärung wird die Natur ausgebeutet. Der Mensch macht sich die Erde untertan – ob das Gott so gewollt hätte – wohl kaum.

In den sozialen Grundsätzen steht: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn, und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen.

Dieser Hitzesommer mit den vielen verheerenden Waldbränden in ganz Europa zeigt deutlich, dass die Welt aus dem Lot geraten ist. Riesige Urwälder werden abgeholzt, damit wir im reichen Westen billiges Holz, Palmöl, Kaffee und Schokolade kaufen können. Wir schaffen so nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge. Immer mehr Menschen müssen ihr Zuhause verlassen; weil es wegen Umweltgefahren unwirtlich geworden ist.
   
Erstmals tauchen in den Sozialen Grundsätzen die indigenen Völker als gleichwertige Partner auf. Es sind nicht mehr die Völker, die man mit aller Gewalt bekehren muss, um in den christlichen Himmel zu kommen. Es heisst: Wir respektieren die Weisheit und die Art und Weise des Wissens, die von indigenen Völkern praktiziert wird…. In einem weiteren Abschnitt wird indigenes Wissen in Bezug auf die Natur anerkennt und indigene Rituale, Traditionen und Lebensweisen respektiert. 

Mit Sorge werden in diesen Grundsätzen die indigenen Völker als erste Opfer unseres Klimawandels betrachtet. Gefordert wird ein Schutz aller Ureinwohner vor einer zu aggressiven Entwicklung.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Papier nicht zum Papiertiger verkommt. Gerade die obersten Gremien der weltweiten United Methodist Church sollten sich diese Sozialen Grundsätze vermehrt zu Herzen nehmen. Immer wieder laden sie weltweit zu einem zwei- oder dreitägigen Meeting nach Amerika ein. Meetings, die man oft auch über Skype abwickeln könnte. Unsere Zentralkonferenz versucht wenigstens mit einem Beitrag an den Klimarappen das Ganze etwas abzufedern. Im letzten Jahr wurde dadurch eine Heizung in Serbien saniert, ein kleiner aber wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Lassen wir zum Schluss noch einmal Häuptling Seattle zu Wort kommen: 

«Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys – und des Menschen – sie alle gehören zur gleichen Familie.»

The Natural World in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-natural-world

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch


Dienstag, 31. Juli 2018

Gerechtigkeit und Frieden der Weltgemeinschaft (Teil 3)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von Marietjie Odendaal beziehen sich auf den
Abschnitt «The World Community» (Die Weltgemeinschaft).

Ich freue mich sehr, dass ich in einem Text der Kirche viele von meinen Anliegen wiederfinde. Da spüre ich, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin, die am gleichen Strick zieht. Wenn ich die Neufassung der sozialen Grundsätze lese, begrüsse ich besonders die folgenden Aussagen:

    Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
  • Regierungen werden verantwortlich gemacht für das Wohlergehen aller BewohnerInnen (Abschnitt B).
  • Die globale Dominanz von ökonomisch mächtigen Nationen wird als Problem für schwächere Nationen anerkannt (Abschnitt C).
  • Krieg steht in Widerspruch zur Nachfolge Christi (Abschnitt E).
  • Zu Recht wird der dringend nötige Einsatz für Frieden (auf der Basis von Gerechtigkeit) beteuert (Abschnitt F).
  • Migration ist eine globale Frage, die Staaten und Regionen ganz unterschiedlich herausfordert. Die Kirche ist immer mittendrin, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht. Ich würde die weltweite Migration (Abschnitt I) jedoch in dem Abschnitt C (National Power and Responsibility) integrieren.
  • Der neu hinzugekommene Abschnitt zur Kommunikation ist erfreulich aktuell (Abschnitt J).

In diesen Aussagen höre ich, dass wir Teil einer Weltgemeinschaft, und dass unsere Schicksale miteinander verbunden sind. Darum ist es wichtig, dass wir dort, wo wir sind, auf Gottes neue Welt für alle hinarbeiten.
In einigen Themenbereichen wünsche ich mir noch mehr Klarheit, und dass die Kirche als eine andere Stimme hörbar wird als die, welche uns sonst schon überall begegnen. So vermisse ich in diesem Entwurf folgendes:

Im Abschnitt D (Justice and Law) fehlt der Auftrag, Verstösse gegen Recht und Gerechtigkeit zu bezeugen. Damit das geschehen kann, muss sich jeder einzelne Mensch und im Besonderen die Kirche entsprechend informieren.

Zu Abschnitt E (War and Peace) fällt die theologische Begründung mager aus. Zu ergänzen wären:

  • Das Töten widerspricht Gottes Erlösungshandeln und der Einladung zur Umkehr. 
  • Jesus ruft zur Feindesliebe auf (vgl. die aktuelle Version der Sozialen Grundsätze www.soziale-grundsaetze.ch). 
  • Die frühe Kirche erachtete den Krieg als Widerspruch zur christlichen Nachfolge. Diese Klarheit ging im Laufe der konstantinischen Wende verloren, als die Kirche sich immer stärker dem Staat verpflichtete. Ist der Staat wichtiger als Gottes Reich?
  • Abrüstung müsste von grösseren Investitionen in die zivilen technischen Entwicklungen begleitet werden.

Weiter frage ich mich, ob das Thema der globalen Gesundheit (Global Health – Abschnitt G) nicht zu Abschnitt A (Human Dignity, Rights and Responsibilities) gehört? Das Thema ist jedenfalls aktuell und brisant. Ergänzt werden sollte, dass Gesundheit keine Ware ist und medizinische Versorgung nicht dem ökonomischen Profit geopfert werden darf.

Zu Religious Freedom (Religionsfreiheit – Abschnitt H) stellt der letzte Satz im zweiten Abschnitt eine steile Behauptung auf, die ich so nicht teile: dass die freiwillige und erzwungene Migration von Menschen Staaten vermehrt dazu führe, die Religionsfreiheit einzuschränken. Vielleicht reagieren Regierungen so, aber diese Reaktion ist nicht zwangsläufig und kann auf andere Weise einleuchtender begründet werden.
Es irritiert mich auch, dass die Lausanner Verpflichtung (im dritten Abschnitt) im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit erwähnt wird. Hinter der Verpflichtung steht ja, gemäss eigenem Selbstverständnis, eine christlich-evangelikale Missionsbewegung.

Im Abschnitt J über Global Communication (Weltweite Kommunikation) fehlt ein kritischer Hinweis auf die flächendeckende Überwachung der Kommunikation und den daraus folgende Verlust an Privatsphäre.

Letztlich freue ich mich, dass dieses Gespräch über die neuen Sozialen Grundsätze öffentlich erfolgt, so dass ich mich daran beteiligen kann.

The World Community in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-world-community
Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch