Ein Gedanke
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| Foto © Jörg Niederer |
"Weil Christ*innen an den gleichen Gott glauben, von dem die Bibel berichtet, suchen viele darin auch eine Relevanz für heute. Nicht jeder Text bietet das." Eveline Baumberger
Ein Bibelvers - Ruth 4,13.14.21+22
"So heiratete (der Israelit) Boas (die Moabiterin) Rut, und sie wurde seine Frau. Und er ging zu ihr, und der HERR liess sie schwanger werden, und sie gebar einen Sohn. Und die Frauen sprachen zu Noomi: Gelobt sei der HERR... Boas zeugte (mit Ruth) Obed, und Obed zeugte Isai, und Isai zeugte (den späteren König) David."
Eine Anregung
Wie umgehen mit schwierigen Bibelstellen? Etwa mit ethnischen Säuberungen? Eveline Baumberger, Blogerin bei RefLab, hat sich der Stellen im Esrabuch angenommen, in welchen Ehen von Juden mit nichtjüdischen Frauen getrennt und diese mit ihren Kindern fortgeschickt wurden.
In 5 Schritten führt Baumberger durch diese Bibelstelle hindurch. So wird es möglich, das damalige Vorgehen besser zu verstehen.
1. Erst mal in Ruhe nachlesen (In diesem Fall Esra 9+10)
2. Was steht da sonst noch?
3. Nachdenken und kombinieren
4. Ein Blick in die Sekundärliteratur (Bibelkommentare, Lexiken etc.)
5. Fazit: Jetzt ergibt es mehr Sinn
All das kann nachgelesen oder verkürzt als Videopodcast angehört werden unter https://youtu.be/w0CEKlqdUfw und https://www.reflab.ch/how-to-schwierige-bibelstellen/
Kritisch fügt Baumberger zum Schluss, an, dass wir zum Glück heute in einer anderen Zeit leben, in der z.B. Frauen nicht als Besitz ihrer Väter oder Ehemänner gelten. Und positiv könne man sich bei diesem Text fragen, wie viel Gemeinsamkeiten es in Beziehungen brauche.
Ich kann zwar nachvollziehen, warum diese Scheidungen interkultureller Ehen damals vollzogen wurden. Doch dass ich es verstehen kann, macht eine Handlung nicht gut oder moralisch akzeptabel. Auch wenn dieser Text in der Bibel steht, widerspricht er grundsätzlichen anderen Aussagen der Bibel (z.B. der von Jesus postulierten Unauflöslichkeit der Ehe) der Vernunft (Biblischer Rassismus ist nicht besser als Rassismus überhaupt), der Erfahrung (von kulturverschiedenen Ehen) und der Tradition (Ethnische Säuberungen in allerjüngster Zeit). Nur weil etwas in der Bibel steht, ist es noch nicht gut. Verstehen heisst noch nicht, dass etwas richtig ist.
Wie siehst du das?
Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!
Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Nurturing Community» (Die menschliche Gemeinschaft).
«Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen! Unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein!
Herrschen sollen sie über die Fische im Meer und über die Vögel in der Luft! Sie sollen Macht haben über das Vieh und über die ganze Erde. Und sie sollen über alles gebieten, was sich am Boden bewegt.
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er sie.» (1. Mose 1, 26-27)

So beginnt der zweite Teil der überarbeiteten Sozialen Grundsätze (Social Principles) und befasst sich dabei mit dem Thema der «Menschlichen Gemeinschaft». In diesem einen Vers sehen wir, warum und wozu wir als Menschen bestimmt sind. Gott hat uns geschaffen, damit er eine Beziehung mit uns haben kann – und damit wir Beziehung miteinander und dieser Schöpfung haben können. Gemeinsam, als Mann und Frau, Mensch und Mit-Mensch, sind wir beauftragt, über alles zu gebieten, was sich am Boden bewegt. Damit wird uns eine Macht zuteil, die es sorgfältig und überlegt zu gebrauchen gilt. Denn, wie heisst es so schön: «Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung». Auf diese Macht und die damit einhergehende Verantwortung, die uns Gott in der Schöpfung zuteil lassen hat, antworten die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche. In diesem Unterkapitel geht es besonders darum, wie wir uns als Menschen untereinander verhalten.
Wir sind eine vielfältige Kirche, die in ihrer Zugehörigkeit zu Gott ihre Einheit findet. In dieser Vielfalt wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Menschheit wieder zueinander finden kann. Diese fruchtbare Spannung zwischen Vielfalt und Einheit wird in verschiedenen Bereichen in diesem Unterkapitel dargestellt: im Abschnitt über die «Familie» lesen wir, dass Familie die grundlegende Gemeinschaft eines jeden ist, die von gegensätzlicher Liebe, Verantwortlichkeit füreinander und gegenseitiges Füreinander-Sorgen geprägt ist. In welcher Form sich diese Familie zeigt, kann in unseren Kontexten und Kulturen sehr unterschiedlich sein. Eines aber soll ihnen gemeinsam sein: Unsere Familien hier auf der Erde sollen ein Abbild jener Familie sein, die Gott für uns alle schafft.
Die Sozialen Grundsätze betonen, dass es keine Diskriminierung in unserer Gemeinschaft geben darf, da es diese auch von Gott nicht gibt: wir diskriminieren keine Singles oder alleinstehende Elternteile, keine Personen mit Behinderungen, wir diskriminieren nicht aufgrund von Geschlecht und setzen uns über die Kirche hinaus in der Gesellschaft gegen solche Diskriminierungen ein. Dies kann im kleineren Rahmen geschehen, wie beispielsweise, dass wir gegen Mobbing einstehen, oder auch da, wo Diskriminierung längst schon zum System geworden ist, wie zum Beispiel im Falle der sexuellen Ausbeutung.
In all diesen Abschnitten wird vor allem eines betont: Menschliches Leben und Miteinander erlaubt nicht immer eine klare Linie und somit auch keine strikte Regelhaftigkeit, aber es erlaubt (und Gott gebietet) ein würde-volles Miteinander, das von Vergebung anderen und sich selbst gegenüber geprägt ist. Besonders gelungen finde ich in dieser Hinsicht den neu formulierten Abschnitt über «Ehe und Ehescheidung» - empfehlenswert für die eigene Lektüre und zum weiter drüber Nachdenken: als Singles, Partner und Gemeinschaft. Aber auch die anderen Abschnitte, von denen ich in diesem Text nur einige ansprechen konnte, sollen helfen, uns erneut darüber Gedanken zu machen, welche Werte in unserer Gemeinschaft miteinander und mit Gott wichtig sind.
Ein Abschnitt in diesem Unterkapitel bleibt nun noch offen, nämlich derjenige über die menschliche Sexualität. Hier wird es an der kommenden, speziell einberufenen Generalkonferenz zu Gesprächen darüber kommen, wie mit der Vielfalt und Einheit unserer Kirche und den Menschen in unserer Kirche umgegangen wird. Dies wird ein herausfordernder Prozess für uns als Kirche und Gemeinschaft. Lasst uns also im Gebet, Gespräch und Handeln darüber bleiben, wie wir Gottes Wunsch auf Beziehung auch in unseren Beziehungen untereinander leben können.
The Nurturing Community in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-nurturing-community
Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch