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Freitag, 5. März 2021

Begeisternde Vielfalt

Ein Gedanke

Der Guirakuckuck (östliches Südamerika) zieht seine Jungen in Gemeinschaftsnestern auf, oder legt Eier in fremde Nester ab. (Zoo Zürich)
Foto © Jörg Niederer
"Die größten Kulturen sind aus Vielfalt entstanden und an Einfalt zugrunde gegangen." Torsten Marold (geb. 1962), deutscher Spieleautor

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,17+18

"Wenn der ganze Körper ein Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruchssinn? Nun hat Gott aber jedem einzelnen Körperteil seinen Platz am Körper zugewiesen, so wie er es wollte."

Eine Anregung

Zuerst: Heute gedenken wir der über 9000 Toten und vielen weiteren Betroffenen der Pandemie in der Schweiz:
11.59 Uhr Schweige- und Gebetsminute
12.00 Uhr Glockengeläut während 9 Minuten

Ab heute ist die 6. Unterbrechung der methodistischen Arbeitsgruppe "Kirche und Gesellschaft" im Web.

Marietjie Odendaal weiss, wovon sie spricht, wenn sie das Separieren thematisiert. Die Rassentrennung in Südafrika hat sie selbst miterlebt. In ihrer Unterbrechung plädiert sie für die Vielfalt und fröhliche Durchmischung als lebensschaffende und geistgewirkte göttliche Ordnung. Die Vielfalt und Verschiedenheit ist, so Odendaal, durch das Beispiel in der Natur bestens legitimiert. Und auch theologisch betrachtet gibt es dazu gute Gründe. 

Der vierminütige Beitrag kann hier angeschaut werden: https://youtu.be/K8omT1H9FAQ

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 30. Mai 2020

Alles in Bewegung, alles in Harmonie?

Ein Gedanke
Blumenwiese in Herdern
Gottes Geist lässt die Vielfalt nicht nur zu, er bewirkt Fülle und Verschiedenheit ohne die negativen Auswirkungen der Abgrenzung und Distanz.

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,4+5
"Die uns zugeteilten Gaben sind verschieden, der Geist jedoch ist derselbe. Die Dienste sind verschieden, der Herr aber ist derselbe."

Eine AnregungStefan Zürcher zitiert im Kabinettsbrief aus einem Lied von Hartmut Handt: "Erwecke und belebe uns, du Geist der Freiheit. Erleuchte und bewege uns, du Heiliger Geist."

Stefan Zürcher:
"Erwecke uns – rüttle uns wach, begegne und berühre uns, öffne unsere Sinne, sprich uns an, lass uns nicht mehr los.
Belebe uns – schenke uns Lebensfreude, Antrieb, Inspiration, Motivation, Lebendigkeit, als Christin und Christ unterwegs zu sein und das Leben aktiv zu gestalten.
Erleuchte uns – erhelle unsere Sinne, befähige uns mit den Gaben, die wir brauchen, statte uns durch dein Licht aus mit Weisheit und Sensibilität – nicht, dass blinder Aktionismus uns treibt.
Bewege uns – setze uns in Bewegung, denn nur wer sich bewegt, kann etwas bewegen, kann handeln, auf andere zugehen, mutig etwas in Angriff nehmen, mit Freude eine Arbeit tun, nicht ausweichen, Verantwortung übernehmen."

Was ist bei dir gerade am Wichtigsten?

In der Live-Videomeditation vom Pfingstsonntag um 11 Uhr geht es um das souveräne Wirken von Gottes Geistkraft. Alles kommt durch sie in Bewegung?: Siehe: https://youtu.be/i828cIqIdpI

Montag, 1. Oktober 2018

Diversität und Innovation

Innovation und Diversität
Kürzlich habe ich gelesen, dass die Geschäftswelt etwas entdeckt hat, was Paulus und Ezechiel schon längst wussten und was Jesus praktizierte: eine bunte Mischung fördert Lebendigkeit oder Innovation. Gottes erneuernde und belebende Geistkraft fügt unterschiedliche Glieder zu einem funktionsfähigen und lebendigen Körper zusammen. Die Unterschiede zwischen den Gliedern sind die Voraussetzung für ihre Gemeinschaft.
Wir Menschen müssen uns immer wieder zu dieser Wahrheit durchringen. Es scheint naheliegender, dass es homogen besser ginge: "nur wir Israeliten", "nur wir jüdische Christen", "nur wir Weissen", "nur wir Rechtgläubigen", "nur wir Männer" oder "nur wir Heterosexuellen". 
Dieser Weg führt immer in eine Sackgasse und oft zu Gewalt. Er verneint Erfahrungen, die zeigen, wie lebendig und zukunftsfähig buntgemischte Kulturen sind, die starre Strukturen neu aufmischen.
Lassen wir uns doch ein auf die Geistesvernunft, die bunt mischt und belebt. Lassen wir uns ein auf die sinnvolle und sinnstiftende Herausforderung, lebendiger Körper Christi zu sein.


Erschienen in "Kirche und Welt", 10/2018

Dienstag, 14. August 2018

Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung (Teil 5)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Die nachfolgenden Bemerkungen von André Töngi beziehen sich auf den
Abschnitt «The Nurturing Community» (Die menschliche Gemeinschaft).

«Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen! Unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein!
Herrschen sollen sie über die Fische im Meer und über die Vögel in der Luft! Sie sollen Macht haben über das Vieh und über die ganze Erde. Und sie sollen über alles gebieten, was sich am Boden bewegt.
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er sie.» (1. Mose 1, 26-27)

Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
So beginnt der zweite Teil der überarbeiteten Sozialen Grundsätze (Social Principles) und befasst sich dabei mit dem Thema der «Menschlichen Gemeinschaft». In diesem einen Vers sehen wir, warum und wozu wir als Menschen bestimmt sind. Gott hat uns geschaffen, damit er eine Beziehung mit uns haben kann – und damit wir Beziehung miteinander und dieser Schöpfung haben können. Gemeinsam, als Mann und Frau, Mensch und Mit-Mensch, sind wir beauftragt, über alles zu gebieten, was sich am Boden bewegt. Damit wird uns eine Macht zuteil, die es sorgfältig und überlegt zu gebrauchen gilt. Denn, wie heisst es so schön: «Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung». Auf diese Macht und die damit einhergehende Verantwortung, die uns Gott in der Schöpfung zuteil lassen hat, antworten die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche. In diesem Unterkapitel geht es besonders darum, wie wir uns als Menschen untereinander verhalten.

Wir sind eine vielfältige Kirche, die in ihrer Zugehörigkeit zu Gott ihre Einheit findet. In dieser Vielfalt wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Menschheit wieder zueinander finden kann. Diese fruchtbare Spannung zwischen Vielfalt und Einheit wird in verschiedenen Bereichen in diesem Unterkapitel dargestellt: im Abschnitt über die «Familie» lesen wir, dass Familie die grundlegende Gemeinschaft eines jeden ist, die von gegensätzlicher Liebe, Verantwortlichkeit füreinander und gegenseitiges Füreinander-Sorgen geprägt ist. In welcher Form sich diese Familie zeigt, kann in unseren Kontexten und Kulturen sehr unterschiedlich sein. Eines aber soll ihnen gemeinsam sein: Unsere Familien hier auf der Erde sollen ein Abbild jener Familie sein, die Gott für uns alle schafft.

Die Sozialen Grundsätze betonen, dass es keine Diskriminierung in unserer Gemeinschaft geben darf, da es diese auch von Gott nicht gibt: wir diskriminieren keine Singles oder alleinstehende Elternteile, keine Personen mit Behinderungen, wir diskriminieren nicht aufgrund von Geschlecht und setzen uns über die Kirche hinaus in der Gesellschaft gegen solche Diskriminierungen ein. Dies kann im kleineren Rahmen geschehen, wie beispielsweise, dass wir gegen Mobbing einstehen, oder auch da, wo Diskriminierung längst schon zum System geworden ist, wie zum Beispiel im Falle der sexuellen Ausbeutung. 

In all diesen Abschnitten wird vor allem eines betont: Menschliches Leben und Miteinander erlaubt nicht immer eine klare Linie und somit auch keine strikte Regelhaftigkeit, aber es erlaubt (und Gott gebietet) ein würde-volles Miteinander, das von Vergebung anderen und sich selbst gegenüber geprägt ist. Besonders gelungen finde ich in dieser Hinsicht den neu formulierten Abschnitt über «Ehe und Ehescheidung» - empfehlenswert für die eigene Lektüre und zum weiter drüber Nachdenken: als Singles, Partner und Gemeinschaft. Aber auch die anderen Abschnitte, von denen ich in diesem Text nur einige ansprechen konnte, sollen helfen, uns erneut darüber Gedanken zu machen, welche Werte in unserer Gemeinschaft miteinander und mit Gott wichtig sind.

Ein Abschnitt in diesem Unterkapitel bleibt nun noch offen, nämlich derjenige über die menschliche Sexualität. Hier wird es an der kommenden, speziell einberufenen Generalkonferenz zu Gesprächen darüber kommen, wie mit der Vielfalt und Einheit unserer Kirche und den Menschen in unserer Kirche umgegangen wird. Dies wird ein herausfordernder Prozess für uns als Kirche und Gemeinschaft. Lasst uns also im Gebet, Gespräch und Handeln darüber bleiben, wie wir Gottes Wunsch auf Beziehung auch in unseren Beziehungen untereinander leben können.


The Nurturing Community in der Version von 2017-2020: http://www.umc.org/what-we-believe/the-nurturing-community

Die Sozialen Grundsätze (deutsch) in der Version 2017-2020: http://www.soziale-grundsaetze.ch