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Samstag, 8. Mai 2021

Die Kunst in Zeiten der Pandemie

Ein Gedanke

Tanja Baumberger - Bildschirmfoto aus dem DOK-Film Yentl
Foto ©  Tanja Baumberger
"Warum glauben Menschen, die auf der Suche nach Wahrheit sind, dieser Wahrheit nicht, wenn sie sie hören?" Barbara Streisand in "Yentl"

Ein Bibelvers - Sprüche 17,22

"Ein fröhliches Herz fördert die Gesundheit, ein bedrücktes Gemüt raubt den Gliedern die Kraft."

Eine Anregung

Ich war als Pfarrer bei ihrer Trauung und bei Taufen dabei und kenne Tanja Baumberger und ihre Familie schon lange. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Sängerin, Stimmbildnerin, Schauspielerin und steht oft auf der Bühne. Auch schon an der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche ist sie aufgetreten. Doch wie bei allen Künstler*innen ist die Pandemie auch für sie existenzbedrohend und seit mehr als einem Jahr sehr herausfordernd.

Mit weiteren Musiker*innen hat sie nun Videos aufgenommen, in denen die Schwierigkeiten veranschaulicht und in Musik, Text und Interviews angesprochen werden. "Yendl, eine musikalische Inszenierung" wird wohl erst wieder im Oktober 2021 aufgeführt, wenn es dann möglich sein sollte.

Der eine der beiden DOK-Filme zeigt die Musiker*innen beim Üben von Yentl. Bekannte Melodien und Szenen werden heraufbeschworen. Es lohnt sich, hineinzuhören. Schönes und Nachdenkliches verbinden sich darin.

Und wer will, kann auch gerne spenden. Videos und Spendenbutton sind alle auf der folgenden Webseite zu finden: http://www.fe-mail-musik.ch/dok-filme-und-song-clips.html

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 24. April 2021

Fromm ohne Kirche

Ein Gedanke

Leert Corona die Kirchen?
Foto © Jörg Niederer
"Der Vogel ist nicht nur mit äusserlich ihm angehängten Flügeln ausgestattet, sondern sein ganzer körperlicher Bau ist darauf angelegt, sich von den Flügeln durch die Luft tragen zu lassen. (…) Ganz ebenso verhält es sich mit dem Menschen. (…) Der Mensch ist seiner Natur nach auf das Leben in Gemeinschaft angelegt." Oswald von Nell-Breuning (1890-1991), aus "Baugesetze der Gesellschaft – Solidarität und Subsidiarität"

Ein Bibelvers - Jeremia 15,17+18

"Nie sass ich mit anderen froh zusammen, nie konnte ich fröhlich sein. Von deiner Hand [Gott] niedergedrückt, saß ich einsam da. Du hattest mich mit Missmut erfüllt. Warum nimmt mein Leiden kein Ende? Warum ist meine Wunde so tief, dass sie nicht heilen kann? Eine Täuschung bist du für mich. Du bist wie Wasser, von dem man nicht weiß, ob es da ist oder nicht."

Eine Anregung

In den vergangenen Wochen wurden verschiedene Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche unter anderem gefragt, "...inwiefern das (Selbst-)Bild von Kirche und Glaube sich durch die Pandemie verändert."

Dazu habe ich mir folgende Gedanken gemacht. Wie schon bei früheren Seuchen besteht die Gefahr, dass religiöse Gemeinschaften weiter aufgesplittet werden. Durch die Corona-Massnahmen werden die sozialen Aktivitäten und die religiösen Bedürfnisse separiert. Was sich konsumieren lässt an der Kirche, findet problemlos online und privat statt. Der Kirchenbesuch wird damit stark auf das Soziale zurückgebunden. Der Kirchenkaffee dagegen als Begegnungsplatz kann nicht so leicht ersetzt werden. Wer diesen Begegnungsort sucht, wird auch in Zukunft in die Gottesdienste und Kirchen gehen. Wer diesen nicht braucht, weil das Private genug soziale Begegnung bietet, wird wohl in Zukunft weniger oder nicht mehr in die Kirche gehen, und sich religiös auf andere Weise versorgen. Das wiederum wir die Kirche zunehmend zu einem Ort der Einsamen, Unbeholfenen, der Randgruppen machen. Diese haben nebst den sozialen Kontakten oft gar kein oder ein nur kleines religiöses Bedürfnis.

Vielleicht kann man plakativ sagen: 'In die Kirche werden nicht die gehen, die Glauben suchen, sondern sozialen Kontakt. Wer spirituelle Erfahrungen sucht, findet sie überall, nur nicht in der Kirche.'

Das wiederum bedeutet für die Kirchen, dass sie nicht mehr zurück können hinter eine starke Online-Präsenz und zugleich eine starke Vor-Ort-Präsenz. Die kirchliche Arbeit wird irreversibel anspruchsvoller als vor der Pandemie.

Hier kann man lesen, was Pfarrerinnen und Pfarrer aus Basel, Bregenz, Schwarzenburg und Solothurn dazu meinen: https://emk-schweiz.ch/2021/04/17/die-pandemie-ein-gericht-gottes

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 5. März 2021

Begeisternde Vielfalt

Ein Gedanke

Der Guirakuckuck (östliches Südamerika) zieht seine Jungen in Gemeinschaftsnestern auf, oder legt Eier in fremde Nester ab. (Zoo Zürich)
Foto © Jörg Niederer
"Die größten Kulturen sind aus Vielfalt entstanden und an Einfalt zugrunde gegangen." Torsten Marold (geb. 1962), deutscher Spieleautor

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,17+18

"Wenn der ganze Körper ein Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruchssinn? Nun hat Gott aber jedem einzelnen Körperteil seinen Platz am Körper zugewiesen, so wie er es wollte."

Eine Anregung

Zuerst: Heute gedenken wir der über 9000 Toten und vielen weiteren Betroffenen der Pandemie in der Schweiz:
11.59 Uhr Schweige- und Gebetsminute
12.00 Uhr Glockengeläut während 9 Minuten

Ab heute ist die 6. Unterbrechung der methodistischen Arbeitsgruppe "Kirche und Gesellschaft" im Web.

Marietjie Odendaal weiss, wovon sie spricht, wenn sie das Separieren thematisiert. Die Rassentrennung in Südafrika hat sie selbst miterlebt. In ihrer Unterbrechung plädiert sie für die Vielfalt und fröhliche Durchmischung als lebensschaffende und geistgewirkte göttliche Ordnung. Die Vielfalt und Verschiedenheit ist, so Odendaal, durch das Beispiel in der Natur bestens legitimiert. Und auch theologisch betrachtet gibt es dazu gute Gründe. 

Der vierminütige Beitrag kann hier angeschaut werden: https://youtu.be/K8omT1H9FAQ

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Dienstag, 15. Dezember 2020

Von Engeln und weiteren Adventserfahrungen

Ein Gedanke

Ausschnitt aus einem Adventsfenster
Foto © Jörg Niederer
"Jetzt wird gesagt, man könnte an Weihnachten mit 10 Leuten ohne Probleme feiern. Aber wer kennt schon 10 Leute ohne Probleme?" Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Lukas 1,68-69

"Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sich seines Volkes angenommen und ihm Erlösung verschafft und uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause Davids, seines Knechtes..."

Eine Anregung

Ich lade euch heute ein, ein historisches Adventslied aus Bayern anzuhören. "Staad, staad, heit is Advent": https://youtu.be/Pyec_UDaQmQ

Eine weitere Textversion findet sich hier: http://gsberner.musin.de/HS_Lieder/-StaadStaadJetzIsAdvent.pdf

Die nächsten fünf Vorschläge für die Adventszeit:
71. Lukas 1,5-25 lesen und einen Tag lang nicht sprechen.
72. Mit dem Fotoapparat auf "Weihnachtsengel-Jagd" gehen.
73. Jeden Tag etwas kochen, bei dem es Zimt oder Mandarinen braucht.
74. Der Hoffnung eine Chance geben.
75. Einem Kind schonend beibringen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 17. Mai 2020

Die Welt "rebooten"

Ein Gedanke
Nach dem Regen
Ein Zitat aus meiner heutigen Predigt zur Sintflut-Geschichte: "Mit Noahs Familie rebootet Gott die Menschheit, fängt neu an. Das Ende ist der Anfang. Und er weiss natürlich schon, dass dieser Neuanfang nicht alles besser macht."

Ein Bibelvers - 1. Mose 7,23b
"Übrig blieb nur Noah und was mit ihm in der Arche war."

Eine Anregung
Am Ende der Sintflutgeschichte steht ein neuer Anfang, leuchtet der Regenbogen am Himmel. Und dazu passt ganz gut der Sofia Gospel Chor mit einem Online-Auftritt der besonderen Art: https://www.youtube.com/watch?v=sZlTiMRSoGI

Heute um 11 Uhr sind alle eingeladen zur Livestream-Meditation. Diesmal geht es bei Noahs Geschichte und die tödlichste aller Pandemien, es geht um die Bosheit: https://youtu.be/TNkgXJBzArs

Mittwoch, 13. Mai 2020

Werden wir danach klüger sein?

Ein Gedanke
Bischof Heinrich Bolleter in seiner aktiven Zeit
Heute feiert Bischof im Ruhestand Heinrich Bolleter Geburtstag. In seinem jüngsten Blog fragt er: "Liegt in dieser Krise auch eine Chance, dass wir in der Gesellschaft neue Wege gehen werden? Neue Wege, welche aus dem egoistischen Wettlauf nach Glück und Reichtum zu einem neuen Miteinander Teilen und Aufeinander Achten führen?"

Ein Bibelvers - Johannes 6:68+69
"Simon Petrus antwortete Jesus: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens, und wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt, dass du der Heilige Gottes bist."

Eine Anregung
Heinrich Bolleter gibt uns heute die Anregungen zum Weiterdenken: "Durch die Pandemie sind auch einige Fragen in Kirche und Gesellschaft in den Hintergrund geraten: Armut, Arbeitslosigkeit, Populismus, Fremdenfeindlichkeit, Migration... Wo werden wir da die Prioritäten setzen?
Jeder und jede soll sich selber fragen: 'Was will ich nach der Corona Krise für mich persönlich, für die Gemeinde und für mein Dorf, für meine Stadt positiv verändern und neu wagen?'"
Hier geht es zu Bolleters Blog: https://www.heinrich-bolleter.net/blogs/