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Mittwoch, 30. November 2016

Wohltuend und beruhigend

Weihnachten auf der Polstergruppe
Rituale und Bräuche haben etwas Beruhigendes und Verbindendes für mich. Sie vermitteln mir Sicherheit und Geborgenheit. Nicht zuletzt stärken sie den Zusammenhalt in der Gemeinschaft oder in der Familie.
Persönliche Erfahrungen zum Thema Bräuche und Rituale rund um Weihnachten habe ich viele. Manche nahm ich aus meiner Ursprungsfamilie in meine eigene Familie mit. Zum Beispiel, dass wir Advent mit belegten Brötchen und Weihnachtsguetzli feiern, die auf dem Sofa gegessen werden und nicht etwa wie üblich am Tisch. Dazu gehört auch, dass wir immer die gleiche Schallplatte, respektive die immer gleiche CD hör(t)en: früher die Zeller-Weihnacht, heute Andrew Bond. Was auf den ersten Blick fantasielos erscheint, ist beim genaueren Hinschauen wohltuend und beruhigend.
Viele andere liebgewonnene Rituale und Bräuche kommen mir in den Sinn. Ich erinnere mich, dass wir uns einmal in einem Hauskreis vor Weihnachten über unsere persönlichen Bräuche rund um die Weihnachtszeit ausgetauscht haben. Es war ein sehr vergnüglicher und interessanter Abend.
Was sind wohl Deine/Ihre persönlichen Rituale in dieser Zeit? Vielleicht bietet sich auch Dir/Ihnen die Gelegenheit, mit anderen Menschen darüber auszutauschen. Ich kann es jedenfalls wärmstens empfehlen.

Erschienen in "Kirche und Welt", 12/2016
Ursula Brunner ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 2. November 2016

Ein Ohr für die Schöpfung

Frosch im Teich
Die ökumenische Schöpfungszeit geht zu Ende. Dieses Jahr wurden wir eingeladen, unser Ohr für die Schöpfung zu öffnen, uns für den Klang der Schöpfung bereitzuhalten.
Ich habe mich gefragt, was solch ein geöffnetes Ohr denn bewirkt. Meine Antwort lautet: Staunen. Ich weiss nicht schon alles, sondern bin Neuem begegnet und habe Neues wahrgenommen.

Ich erinnere mich, wie ich im Sommer an einem Teich einen Glockenton hörte, der über das Wasser herüber klang. Woher stammte er? Was für ein Wesen, welches Instrument, brachte dieses klingende, bassige bum-bum hervor? 
Meine Frage veranlasste mich, die Bäume und Sträucher um den Teich herum abzusuchen, bis ich die Quelle des Klangs entdeckte: im Wasser, an einem Stückchen Zweig hängend, ein knallgelbes Fröschlein, dessen Backen zu kleinen Luftballons aufgeblasen waren, um sein Revier anzukündigen.
Wie schön überraschend! Wie herrlich unpassend! Ein Ohr für das, was ich nicht kannte und nicht gleich einordnen konnte, hat mir diese Entdeckung und dieses Staunen gebracht.

Vor kurzem war ich an einem nassen, nebeligen Herbsttag unterwegs. Und meine Schritte wurden aufgehalten, als ich die einsame Stimme einer Meise hörte. Wo war sie? Ich bin stehen geblieben, bis ich sie sah. Noch ein paar Mal habe ich die hellen Töne durch das Grau um mich herum gehört. Ich bin weiter gegangen, heiterer, aufgehellt und beschenkt.

Diese Momente stärken in mir das Dankbarwerden, das Anerkennen und eine Offenheit für das, was ich noch nicht kenne und vielleicht nie erwartet habe. Sie stupsen mich immer wieder Richtung Staunen, das zuletzt auch ein Staunen über Gott den Schöpfer wird.

Montag, 31. Oktober 2016

Freund Hein*

Friedhof Kardamena, Kos, GriechenlandMit leisen, sachten Schritten zieht
Freund Hein übers schneeverwehte
Land; du spürst ein Zittern und zärtlich
seine Hand und hörst ihn sagen - 
komm, von nun an bist du mein.

Du hältst den Atem an, fühlst dich,
faltergleich, mit dem Lichte 
fortgetragen und warm und weich
strömt es in dich hinein.

Um dich Stille, Ruh, doch aus
unbekannten Fernen erklingen
märchenhafte Weisen, führen dich zu
den Sternen hin.

Mit sachten, leisen Flügelschwingen
ziehst du sterbend gegen den Himmel
zu; fühlst dich befreit und leicht und
merkst vielleicht, wie schön das Leben
war.

* Freund, Bruder oder Gevatter Hein ist eine im Deutschen seit 1650 belegbare umschreibende Bezeichnung für den Tod

Erschienen in "Kirche und Welt" 11/2016

Dienstag, 13. September 2016

Fleisch- und Schokoladenhunger


Was geschieht, wenn man in einer Stadt gefüllte Einkaufswagen herumstehen lässt?

Die Welt im EinkaufswagenIn Winterthur geschah Folgendes an der Ausstellung "Die Welt im Einkaufswagen" von der Organisation Public Eye: Obwohl alle ausgestellten Lebensmittel Imitate waren, und obwohl alle Einkaufswagen mit einer Plexiglasscheibe zusätzlich gesichert wurden, versuchten Personen an deren Inhalt zu kommen.

Besonders angetan hatten es den Leuten die beiden Wägelchen mit Schokolade und Fleisch. Bei der Schokolade verschwanden viele der in Schokoladepapier eingepackten Holztafeln. Sie wurden zwischen den Gitterstäben herausgeklaubt. Und beim Wägelchen mit den Fleischimitaten wurde gar die Plexiglasscheibe eingeschlagen und der Inhalt gestohlen.

Fleisch und Schokolade. Schweizer wissen, was gut ist. Dass Kakaobäuerinnen und -bauern einen Durchschnittslohn haben, der viermal tiefer ist als die 2 Dollar pro Tag, welche die Armutsgrenze markieren, wird meist ausgeblendet.
Und dass man mit dem Wasserverbrauch für ein Kilo Rindfleisch 486 mal Duschen könnte (für ein Kilo Getreide reicht es für 42 mal Duschen), ist einem auch wenig bewusst.

Fleisch und Schokolade lassen viele Menschen hungrig und durstig zurück, wie die geklauten Imitate aus den Einkaufswagen in Winterthur.


Zur Aktion "Die Welt im Einkaufswagen" siehe https://www.publiceye.ch/de/events/die_welt_im_einkaufswagen/



Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 10/2016

Mittwoch, 10. August 2016

"Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben" - Eine Stellungnahme zur Initiative "Grüne Wirtschaft"

(c) 2016 - Jörg Niederer - Durch Unwetter unterspühlte Strasse bei Schindellegi
Ausschuss "Kirche und Gesellschaft", André Töngi

Eindrücklich zeigt die Schöpfungsgeschichte im ersten Kapitel der Bibel die Liebe Gottes zu uns Menschen, aber auch zu unserer Mitwelt. Immer wieder wird der Text unterbrochen durch ein "und Gott sah, dass es gut war". Als Gott sein Werk vollendet hat, findet er das Ganze sogar sehr gut.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns die Verantwortung über die Schöpfung übertragen hat. Leider hat der Mensch dieses "macht euch die Erde untertan" völlig missverstanden. Vor allem der Westen lebt über seine Verhältnisse auf Kosten anderer. Wenn alle Menschen auf der Welt den gleichen Lebensstil wie die Schweizer Bevölkerung hätten, bräuchte es drei Planeten, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Die  vielen Naturkatastrophen  in den letzten Jahren sind ein Zeichen, dass die Welt  aus den Fugen gerät. Wir sind aufgefordert, sie wieder ins Lot zu bringen. 

Am 25. September stimmt das Schweizer Volk über die Initiative für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft) ab. Verlangt wird, dass der ökologische Fussabdruck bis zum Jahre 2050 auf eine Erde reduziert wird. Erreicht werden soll dieses ehrgeizige Ziel über eine Förderung der Forschung, Innovation und Vermarktung von wirtschaftlich nachhaltigen Projekten und Aktivitäten. Daneben sollen mit finanziellen Anreizen und Steuerungsmassnahmen nachhaltige Projekte gefördert werden. 

Der Ausschuss "Kirche und Gesellschaft" unterstützt diese Volksinitiative. In den Sozialen Grundsätzen bekennt sich die EMK zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen. (Soziale Grundsätze 160. I. Die natürliche Welt)
Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige, grüne Wirtschaft neue Arbeitsplätze schafft. Es braucht Fabriken, die Solarpanels fabrizieren; Baufirmen erhalten für die Isolierung von alten Gebäuden viele neue Aufträge. Eine biologische Landwirtschaft schont die Natur. Bauern erhalten dafür ein existenzsicherndes Einkommen. Der Erfinderreichtum, der die Schweiz in den letzten Jahrhunderten auszeichnete, erhält neuen Auftrieb.

Nicht diese Initiative schränkt unseren Alltag ein, wie von den Gegnern behauptet wird. Es sind die durch Menschen verursachten Naturkatastrophen, die ganze Dörfer verwüsten und unermessliches Leid verursachen und immense wirtschaftliche Schäden verursachen.


Freitag, 1. Juli 2016

Religion und Social Media

Religion and Social Media
In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle tiefer. Man getraut sich Dinge zu sagen oder zu zeigen, die man sonst verborgen hält. So ist man in der Anonymität des Internets auch schneller bereit, Christliches, Islamisches, Buddhistisches von sich zu geben. Manche dieser "Zeugnisse" sind banal, andere nachdenkenswert.

Wie im Alltag will auch in den sozialen Medien niemand missioniert werden. Anders als im Alltag wollen aber viele in den sozialen Medien missionieren. Folglich reden alle, und niemand hört wirklich zu. Der Glaube im Internet ergibt kein Bild, sondern ein religiöses Pixelrauschen.

Untersuchungen legen nahe, dass Personen, welche die sozialen Medien verwenden, sich eher eine individuelle Religion basteln. Das ist erklärbar. Schliesslich sind die sozialen Medien ein Selbstbedienungsladen. Liken oder vergessen. Warum soll ich das nicht auch bei den religiösen Erkenntnissen der Internetsociety tun? Fragt sich jetzt nur: Ist das denn wirklich so schlimm? Was meinen Sie?

Ich beobachte es immer wieder. Menschen beginnen beglückt zu lächeln, während sie auf ihr Mobiltelefon schauen. Social Media als Glücksbringer. Noch eine andere Art von Religiosität. Evangelium. Gute Nachricht.

Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2016

Mittwoch, 1. Juni 2016

La base inconditionnelle

Rekord Genf - Bedingungsloses Grundeinkommen
La question de la base inconditionnelle c’est en même temps la question de comment on veut vivre et une question des valeurs. Dans la discussion de la base inconditionnelle on doit se poser la question pourquoi on vit. Est-ce que on vit justement pour travailler ou est-ce que la vie est plus que le travail et l’argent ?

Moi, je pense que la vie ne consiste pas uniquement dans le travail et l’argent. Au contraire l’argent c’est nul. On ne peut ni le manger, ni le boire. En fait on peut dire que la seule chose qu’on peut faire avec l’argent c’est l’utiliser comme papier cul. Mais aujourd’hui l’argent a une valeur imaginaire immense. Pour presque tout le monde l’argent est la chose la plus importante. Mais en vérité l’argent est juste un moyen pour obtenir des choses. Pour être plus exact un moyen pour devenir heureux.

Mais comment est-ce que la base inconditionnelle peut aider à devenir heureux ? En donnant aux gens l’argent pour survivre, pour combler les besoins élémentaires. N’est-ce pas le devoir principal d’un état d’offrir la satisfaction à toute la population ? Et c’est possible avec la base inconditionnelle même de façon responsable parce que les gens décident ce qu’ils veulent faire avec l’argent ou s’ils ont besoin de plus. La base inconditionnelle est une réclamation extrêmement libérale. Ça donne de la liberté et aussi de la responsabilité. À cause de ça c’est même une proposition du siècle des lumières.

Et ça n’était pas le seul avantage il y en a plusieurs. Par exemple on peut fermer beaucoup d’institutions comme l’AVS ou la caisse de chômage. En faisant ça on peut économiser beaucoup dans l’administration et utiliser l’argent pour les hommes.

Mais je dois admettre qu’une base inconditionnelle crée des problèmes quand même. Le problème le plus sévère c’est que personne ne sait si un état peut fonctionner avec une base inconditionnelle. Est-ce que les gens travailleraient quand même s’ils ont 2500 francs sans travailler ? Et là la question de début fait son apparition : Est-ce que les gens travaillent justement pour l’argent ? Non, ils travaillent pour l’argent parce qu’ils en ont besoin. Mais s’ils ont l’argent ils travaillent quand même mais plus motivés parce que ils travaillent pour faire quelque chose, pour créer quelque chose.

Un autre problème c’est le problème du financement. Comment on peut payer toutes ces bases ? Qui les paye ? À mon avis l’idée d’une redistribution du revenu peut fonctionner pour l’argent qui n’est pas couvert par l’argent des caisses sociales. Ça veut dire qu’on a un revenu non taxé de – disons 8000 francs. Si quelqu’un à un revenu plus bas, il obtient une taxe négative – alors il obtient un peu d’argent. Si quelqu’un a plus du revenu il doit payer une taxe pour financer la taxe négative. Parce que la satisfaction d’une personne s’aplatit le plus haut le revenu est ça produit le maximum de la satisfaction.

Mais qu’est-ce qui se passe si les gens avec un revenu très haut ne veulent pas payer pour un système comme ça ? Alors un état est une association d’hommes qui veulent travailler ensemble pour le bien de tout – pour citer les mousquetaires (et la devise officielle de la Suisse) : « Un pour tous, tous pour un. » Alors si quelqu’un veut exploiter l’état et ne redonne rien il peut, non il doit partir. Dans un état trop d’égoïstes détruisent l’état.

Pour finir je veux dire que la base inconditionnelle est une utopie et aucune utopie n’a eu de succès aussitôt. Mais elles sont quand même importantes même s’elles ne sont pas réalisées parce qu’on doit réfléchir à ça condition du moment.

Ramun Niederer besucht die Pädagogische Maturitätsschule und politisiert bei den Jungen Grünen.