Rituale und Bräuche haben etwas Beruhigendes und Verbindendes für mich. Sie vermitteln mir Sicherheit und Geborgenheit. Nicht zuletzt stärken sie den Zusammenhalt in der Gemeinschaft oder in der Familie.
Persönliche Erfahrungen zum Thema Bräuche und Rituale rund um Weihnachten habe ich viele. Manche nahm ich aus meiner Ursprungsfamilie in meine eigene Familie mit. Zum Beispiel, dass wir Advent mit belegten Brötchen und Weihnachtsguetzli feiern, die auf dem Sofa gegessen werden und nicht etwa wie üblich am Tisch. Dazu gehört auch, dass wir immer die gleiche Schallplatte, respektive die immer gleiche CD hör(t)en: früher die Zeller-Weihnacht, heute Andrew Bond. Was auf den ersten Blick fantasielos erscheint, ist beim genaueren Hinschauen wohltuend und beruhigend.
Viele andere liebgewonnene Rituale und Bräuche kommen mir in den Sinn. Ich erinnere mich, dass wir uns einmal in einem Hauskreis vor Weihnachten über unsere persönlichen Bräuche rund um die Weihnachtszeit ausgetauscht haben. Es war ein sehr vergnüglicher und interessanter Abend.
Was sind wohl Deine/Ihre persönlichen Rituale in dieser Zeit? Vielleicht bietet sich auch Dir/Ihnen die Gelegenheit, mit anderen Menschen darüber auszutauschen. Ich kann es jedenfalls wärmstens empfehlen.
Ich bin in einer katholischen Gegend aufgewachsen. Das Jahr war unterteilt durch die kirchlichen Feiertage. Vor der langen Fastenzeit wurde noch ausgelassen gefeiert, an Ostern die Auferstehung Christi zelebriert und der Frühling eingeläutet. Das Pfingstfeuer symbolisiert die Kraft des Sommers, im Herbst wurde gedankt und mit dem geschenkten Batzen die Herbstmesse besucht. Wunderschön der Abschluss mit den Adventskerzen, der bewegenden Weihnachtsfeier und unsere alte Stube, die sich märchenhaft verwandelte.
Selbst die Woche bewegte sich in einem Rhythmus. So war Freitag vegetarisch angesagt, Samstagabend um sechs Uhr läuteten die Glocken den Sonntag ein. Brav besuchte man dann die Kirche.
Der moderne Mensch kann mit diesem Brimbramborium nichts mehr anfangen. Lieber stürzt er sich in die 24-Stunden Aktivitäten. An Ostern versteckt man noch schnell die Eier, über Pfingsten geht’s nach Mallorca und Weihnachten wird zum Fondue-Chinoise-Dauerstress.
Gebt uns die Rituale zurück, füllt sie mit Sinn. Feiern wir immer wieder das Leben, es ist es wert!