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Dienstag, 1. Dezember 2015

Wegzeichen

Ich bin in einer katholischen Gegend aufgewachsen. Das Jahr war unterteilt durch die kirchlichen Feiertage. Vor der langen Fastenzeit wurde noch ausgelassen gefeiert, an Ostern die Auferstehung Christi zelebriert und der Frühling eingeläutet.  Das Pfingstfeuer symbolisiert die Kraft des Sommers, im Herbst wurde gedankt und mit dem geschenkten Batzen die Herbstmesse besucht. Wunderschön der Abschluss mit den Adventskerzen, der bewegenden Weihnachtsfeier und unsere alte Stube, die sich märchenhaft verwandelte. 
Selbst die Woche bewegte sich in einem Rhythmus. So war Freitag vegetarisch angesagt, Samstagabend um sechs Uhr läuteten die Glocken den Sonntag ein. Brav besuchte man dann die Kirche. 
Der moderne Mensch kann mit diesem Brimbramborium nichts mehr anfangen. Lieber stürzt er sich in die 24-Stunden Aktivitäten. An Ostern versteckt man noch schnell die Eier, über Pfingsten geht’s nach Mallorca und Weihnachten wird zum Fondue-Chinoise-Dauerstress. 
Gebt uns die Rituale zurück, füllt sie mit Sinn. Feiern wir immer wieder das Leben, es ist es wert!

Erschienen in "Kirche und Welt", 11/2015

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