Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Posts mit dem Label Sterben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sterben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 8. August 2020

Wahre Schönheit und was bleibt

Ein Gedanke
Rolf Brem: "Das Mädchen und der Tod" - Stans
Foto © Jörg Niederer
"Wahre Schönheit bringt zum Ausdruck, was für ein Mensch man ist und woran man glaubt." - Ellen DeGeneres, US-amerikanische Schauspielerin, Moderatorin, Komikerin

Ein Bibelvers - 1. Mose 12,14+15
"Als nun Abram nach Ägypten kam, sahen die Ägypter, dass die Frau (Sarai, die Frau Abrams) sehr schön war (Sarah war damals wohl schon über 70 Jahre alt). Auch die Hofbeamten des Pharao sahen sie und rühmten sie vor dem Pharao, und die Frau wurde in den Palast des Pharao geholt (in sein Harem)."

Eine Anregung
Die auf dem Foto abgebildete Plastik steht seit dem 1. April 1976 in Stans, wenige Meter vom Winkelried-Denkmal entfernt. Es handelt sich um die von Rolf Brem gestaltete Bronzearbeit "Das Mädchen und der Tod"
Etwa drei Stunden später sah ich das männliche Pendant dazu an der Kapelle St. Anton in Halten (Siehe https://www.totentanz-schweiz.ch/totentanz/kerns-ow-st-anton-der-halten ). Auch dort wird ein in der Blüte seines Lebens stehender junger Mann von einem aller Fleischlichkeit entkleideten Skelett an den Zerfall und die Vergänglichkeit erinnert. Das Skelett beklagt sich: "Ich war gar schön und freudenrich...". Doch nach dem Tod sieht es ganz anders aus: "wer ist, der mich jetzt kennen kann, ob ich seig en wib odr man...".
Beide Werke gehören ins Genre der Totentänze. Und sie stehen bewusst in Kirchennähe oder sind so an Kapellen angebracht, dass man sie beim Eintreten sehen muss. In diesen beiden Versionen steht die Kurzlebigkeit der Schönheit im Zentrum. Darüber sollen wir Menschen ins Sinnieren kommen:
Wie wichtig ist dir Schönheit? Und wie gehst du mit schwindender Schönheit um?

Passend dazu wird heute Samstag um 18.30 in Radio SRF 1 (Zwischenhalt - https://www.srf.ch/sendungen/zwischenhalt/eingemauerte-totenschaedel-erzaehlen-auch-geschichten-vom-leben) und am Sonntag um 08.08 Uhr auf Radio SRF 2 (Blickpunkt Religion - https://www.srf.ch/sendungen/blickpunkt-religion/knochen-er-zaehlen-besuch-im-beinhaus-vrin-2) ein Interview ausgestrahlt mit zwei ausgewiesenen KennerInnen der Symbolik von in Kirchen und Kapellen eingemauerten Gebeinen, und was sie vom Leben erzählen.

Dienstag, 28. Juli 2020

Das Singen der Vögel und die Ewigkeit

Ein Gedanke
Der tröstliche Waldfriedhof in Zell ZH
Foto © Jörg Niederer
"Gäbe es den Tod nicht, müsste man ihn erfinden, um nicht ein unsterblich langweiliges Leben zu führen, das darin besteht, das Leben endlos aufzuschieben." Wilhelm Schmid, Philosoph mit Schwerpunkt bei der Lebenskunst

Ein Bibelvers -
1. Mose 25,7-10
"Und dies ist die Zeit der Lebensjahre Abrahams, die er gelebt hat: hundertfünfundsiebzig Jahre. Und Abraham verschied und starb in schönem Alter, alt und lebenssatt, und wurde mit seinen Vorfahren vereint. Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle Machpela auf dem Feld des Hetiters Efron, des Sohns Zohars, das gegenüber Mamre liegt, auf dem Feld, das Abraham von den Hetitern gekauft hatte. Dort wurden Abraham und seine Frau Sara begraben."

Eine Anregung
Das Zitat über die Unsterblichkeit von Wilhelm Schmied fand ich bei Dave Jäggi auf seiner Facebook-Seite. Ein paar Gedanken dazu.
Von Gott sagt man, dass er ewig sei. Bedeutet dies nun, dass er oder sie "ein unsterblich langweiliges Leben führt, das darin besteht das Leben endlos aufzuschieben"?
Aktuell übersteigen meine Projekte meine Lebenszeit bei weitem. Sehr gerne würde ich den Tod noch ein paar Jahre aufschieben.
Allerdings wäre es dann auch gut, die Gelenke und Beweglichkeit eins Zwanzigjährigen auch noch im Alter von 80 oder 100 zu besitzen.
Auf dem Waldfriedhof in Zell ZH stehen auf vielen Grabsteinen kleine Vögelchen. Vielleich weil Singvögel mit ihrem Gesang am frühen Morgen und wenn es einnachtet tröstlich die Dunkelheit eingrenzen.
Vögel singen, als gäbe es kein Morgen, und Vögel singen, als gäbe es nur Morgen.


Freitag, 1. November 2019

Abschiede


Abschiede drängen sich auf, oder treten plötzlich und unvermittelt ein. Wir nehmen Abschied von Orten, von Ferien, von Arbeitsstellen, von Eltern, von Nachbarn, von Freundinnen, von Lebensabschnitten und von Verstorbenen. 

Persönlich nehme ich seit meinem 30. Geburtstag Abschied von meinen Zwanzigerjahren, obwohl ich schon auf 40 zugehe. Ich komme in ein Alter, in dem Freunde und Kolleginnen längst über 50 sind. So verschieben sich Wahrnehmungs- und Bewertungsgrenzen von dem, was alt oder jung ist. Dabei fällt mir in verminderter Form auf, was mir auch in Trauergesprächen und Beerdigungsritualen begegnet. Abschiednehmen hat nicht zuerst mit loslassen, sondern mit neu einordnen zu tun: Verbindungen zu geliebten Zeiten, Orten und vor allem zu Menschen kann ich nicht einfach loslassen, sie sind Teil von dem, was und wer ich heute bin. Der manchmal gut gemeinte Rat «Du musst jetzt halt loslassen» greift zu kurz. In einem Praktikum im ambulanten Hospiz entdeckte ich, dass einige Modelle der Trauerarbeit, - und ich meine, alle Abschiede tragen Teile davon in sich, - davon ausgehen, die Beziehung zu Verstorbenen auf andere Weise zu leben. Vielleicht ein Zimmer entsprechend einzurichten, oder etwas persönliches mit sich herumzutragen. So wird deutlich was wertvoll ist und mich weiter begleitet, aber auch, was ich vielleicht noch nicht loslassen, aber mit jemandem teilen möchte um es neu einzuordnen.
Ich meine, dass Kirche den Auftrag hat Räume für Abschiede zu schaffen und ich freue mich darüber, dass in der Evangelisch-methodistischen Kirche viel Bewusstsein da ist, den Menschen in Abschiedssituationen nah zu sein.
Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 11/2019

Montag, 31. Oktober 2016

Freund Hein*

Friedhof Kardamena, Kos, GriechenlandMit leisen, sachten Schritten zieht
Freund Hein übers schneeverwehte
Land; du spürst ein Zittern und zärtlich
seine Hand und hörst ihn sagen - 
komm, von nun an bist du mein.

Du hältst den Atem an, fühlst dich,
faltergleich, mit dem Lichte 
fortgetragen und warm und weich
strömt es in dich hinein.

Um dich Stille, Ruh, doch aus
unbekannten Fernen erklingen
märchenhafte Weisen, führen dich zu
den Sternen hin.

Mit sachten, leisen Flügelschwingen
ziehst du sterbend gegen den Himmel
zu; fühlst dich befreit und leicht und
merkst vielleicht, wie schön das Leben
war.

* Freund, Bruder oder Gevatter Hein ist eine im Deutschen seit 1650 belegbare umschreibende Bezeichnung für den Tod

Erschienen in "Kirche und Welt" 11/2016

Mittwoch, 1. Juli 2015

Palliative Care

Palliative Care - Wie ein leiser SonnenuntergangVon Ursula Brunner. Palliativ Care hat etwas mit mir persönlich und mit der Gesellschaft zu tun, da das Sterben unwiderruflich zum Leben gehört.
Vor längerer Zeit ist mir zu diesem Thema das Buch mit dem Titel: „Den letzten Mantel mache ich selbst“, über Möglichkeiten und Grenzen von Palliative Care begegnet. Geschrieben wurde es von den Autorinnen Susan Porchet-Munro, Verena Stolba und Eva Waldmann. Ich habe es mit viel Interesse gelesen und finde es auch heute noch topaktuell, auch wenn es vor zehn Jahren geschrieben wurde.
In der ganzen Diskussion rund um Freitod und Selbstbestimmungsrecht ist es den Autorinnen gelungen aufzuzeigen, dass es auch bei einer unheilbaren Krankheit eine umfassende Form der Begleitung (eben Palliative Care) gibt. Die Würde des Menschen, seine Autonomie und eine möglichst hohe Lebensqualität stehen dabei im Vordergrund.
So habe ich es als Berufsfrau erlebt und so wünsche ich es mir für meine betagten Eltern, für meine Familienmitglieder – oder ganz einfach gesagt für dich und mich. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft, dass es uns immer wieder oder wieder mehr gelingt, den Tod als zum Alltag gehörend zu betrachten und damit den Schwerkranken und den Leidenden einen Platz im Leben zu geben.
Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2015
Ursula Brunner ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 24. Mai 2013

Ein-Wurf von Heiner Studer


Altenpflege - Ehre Vater und Mutter
Als wir als Familie in den oberen Teil meines Elternhauses zogen, konnten unsere Töchter auch mit Grosseltern aufwachsen. Dies war eine Bereicherung für alle. Meiner Frau und mir war bewusst, dass die Zeit kommen kann, in der wir für meine Eltern mehr Mitverantwortung zu tragen haben.
Eines Tages lasen meine Eltern nach dem Frühstück miteinander den Tagestext des Abreisskalenders der EMK. Anschliessend auf dem Weg an eine Beerdigung starb mein Vater unvermittelt und ohne Schmerzen. Er starb so, wie er es wünschte: plötzlich und niemandem zur Last fallen zu müssen.
Meine Mutter erkrankte an Alzheimer. Schwierig war die längere Zeit des Übergangs von der Vergesslichkeit bis zum Tag, an dem sie in ein Pflegeheim eintreten musste. Wir besuchten sie jeden Sonntagnachmittag. Diese Besuche waren kein Muss, sondern es geschah aus Dankbarkeit. 
Die Beziehung über die Generationen hinweg ist ein Geben und Nehmen. Je nach Situation kann dies entlastend oder auch belastend sein. Dabei ist immer wieder die Frage zu bedenken, wieviel die ältere Generation von der jüngeren und wieviel die jüngere Generation von der älteren erwarten darf. 
Wesentlich darf für uns Christen sein, dass auch diese Beziehungen aus der Freiheit heraus geschehen dürfen und keine Pflichtübung sein sollen.

Erschienen in "Kirche und Welt", 5/2013 - Heiner Studer ist Mitglied im 
Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich