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Samstag, 3. April 2021

Leidens-Distanz

Ein Gedanke

Beterinnen in der Kirche Santa Maria Neudorf, St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Wir haben an uns gedacht. Das ist gut. Unmöglich ist es an alle zu denken. An alle in allen Ländern, auf der ganzen Welt. All das Leiden, die Verluste, die Toten, die Angst. Unmöglich. Und doch verbinden wir uns mit all diesen. Mit den Menschen. Mit der Welt." Hansruedi Felix am Kreuzweg der Gegenwart 2021 in St. Gallen

Ein Bibelvers - Matthäus 26,38

"Da sagte Jesus zu ihnen: 'Ich bin verzweifelt und voller Todesangst. Wartet hier und wacht mit mir.'"

Eine Anregung

An Karfreitag fand zum 17. Mal der Kreuzweg der Gegenwart in St. Gallen statt. In diesem Jahr wurden - bedingt durch die Pandemie - die Stationen auf einen Ort konzentriert, in der Kirche Santa Maria Neudorf. Die sieben Themen orientierten sich denn auch alle an den Auswirkungen und dem Leiden an den aktuellen Lebensumständen. Hier der Text zur Station "um-armt":

"Liebevolle Umarmung bedeutet: Heilsame, tragende Nähe. Die Rückkehr aus der Einsamkeit. Das vermisse ich.
Uns umschleicht die Angst vor der Ansteckung. Als würde uns Judas umarmen, küssen, verraten, verkaufen.
So halten wir Distanz, berühren nicht einmal fremde Hände. 
Wir sichern uns ab, flüchten uns ins Virtuelle, suchen die Ablenkungen. Was bleibt ist die Vorstellung einer Umarmung.
Auch Gottes Umarmungen bleiben körperlos und distanziert. Zwar sind da schöne Worte der Psalmbeterinnen und Psalmbeter: 'Hinten und vorne hältst du Gott mich umschlossen, und deine Hand hast du auf mich gelegt. Zu wunderbar ist es für mich, dies zu erkennen, zu hoch, ich kann es nicht fassen' (Psalm 139). Es ist so: Ich kann es nicht fassen, weil niemand mich umfasst."

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 1. Juli 2015

Palliative Care

Palliative Care - Wie ein leiser SonnenuntergangVon Ursula Brunner. Palliativ Care hat etwas mit mir persönlich und mit der Gesellschaft zu tun, da das Sterben unwiderruflich zum Leben gehört.
Vor längerer Zeit ist mir zu diesem Thema das Buch mit dem Titel: „Den letzten Mantel mache ich selbst“, über Möglichkeiten und Grenzen von Palliative Care begegnet. Geschrieben wurde es von den Autorinnen Susan Porchet-Munro, Verena Stolba und Eva Waldmann. Ich habe es mit viel Interesse gelesen und finde es auch heute noch topaktuell, auch wenn es vor zehn Jahren geschrieben wurde.
In der ganzen Diskussion rund um Freitod und Selbstbestimmungsrecht ist es den Autorinnen gelungen aufzuzeigen, dass es auch bei einer unheilbaren Krankheit eine umfassende Form der Begleitung (eben Palliative Care) gibt. Die Würde des Menschen, seine Autonomie und eine möglichst hohe Lebensqualität stehen dabei im Vordergrund.
So habe ich es als Berufsfrau erlebt und so wünsche ich es mir für meine betagten Eltern, für meine Familienmitglieder – oder ganz einfach gesagt für dich und mich. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft, dass es uns immer wieder oder wieder mehr gelingt, den Tod als zum Alltag gehörend zu betrachten und damit den Schwerkranken und den Leidenden einen Platz im Leben zu geben.
Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2015
Ursula Brunner ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika