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Samstag, 13. Februar 2021

Was kommt als Nächstes?

Ein Gedanke

Wohin?
Foto © Jörg Niederer
"Unser aller Ziel ist die Rückkehr zur Quelle, zum Ursprung des lebendigen Wassers, zu unserem Schöpfer, Erhalter und Vollender." Christian Hagen (1977-2021) aus: Kleiner Tropfen, BoD Norderstedt 2020 

Ein Bibelvers - Psalm 43,3

"Sende dein Licht und deine Wahrheit! Sie sollen mich sicher führen. Sie sollen mich zu dem Berg bringen, wo dein Heiligtum ist – deine Wohnung."

Eine Anregung

Bei Canon Schweiz hatte ich vor drei Wochen Druckerpatronen bestellt. Dann wurde ich so dreimal pro Tag informiert, wie es mit dem Versand voranging. Eine erste Irritation war, als am Zoll offensichtlich nicht alle Papiere vorlagen. Dann hiess es, die Sendung müsse wieder zurückgenommen werden. Und dann kam aus Holland auf holländisch die Meldung, die Patronen seien wieder im Lager von Canon eingetroffen. Zugleich erhielt ich von Canon den Hinweis, dass die Ware nun beim Empfänger, also  bei mir, angekommen sei. 

Ich habe reklamiert.

Eine Woche später teilte man mir mit, dass die Sendung leider nicht habe zugestellt werden können, und man nun die Rücksendung organisiere. Ich wunderte mich. Und noch mehr wunderte ich mich, als gestern tatsächlich ein Kurier die nicht zugestellten Druckerpatronen im Auftrag von Canon bei mir abholen wollte.

Was kommt als Nächstes? Ich bin gespannt.

Was kommt als Nächstes? Was wird mir mein Leben noch bringen? Wo werde ich erwartet? Und werde ich dort auch wirklich ankommen? Wer holt mich zurück? Und wer bringt mich hin?


Kontext ist wichtig, wenn ein Gespräch sein Ziel erreichen soll. Wir sprechen anders mit Kinder als mit Erwachsenen. Paulus passte sich an sein Gegenüber an. Das auch, als er mit dem jüdischen König über Christus diskutierte. Worauf hat er bei diesem Gespräch geachtet? Dazu mehr in der  Methodistenkirche St. Gallen. Morgen Sonntag ab 10.30 Uhr kann man unter folgendem Link mit dabei sein: https://youtu.be/0gKEOm-RojA

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Donnerstag, 6. August 2020

Beirut und der Totentanz

Ein Gedanke
Totentanz in der Heiligkreuz-Kapelle Emmetten
Foto © Jörg Niederer
"Was fliecht und kriecht und schwäbt und läbt
Wird vom Todt wäggrissen
Das vergis nie, wo, wan und wie
Kan leyder kein Mensch wissen"
Aus dem Totentanz in der Heiligkreuz-Kapelle Emmetten

Ein Bibelvers - Markus 15,33+34
"Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, eloi, lema sabachtani!, das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!"

Eine Anregung
Welch ein Elend ist da über die Menschen in Beirut hereingebrochen. Mein tiefstes Beileid. In einem kurzen Moment ist aus Leben Tod, aus Freude Schmerz, aus Lachen Schreien, aus Hoffnung Verzweiflung geworden. Möge Gott und wir alle den Menschen dort gnädig sein. Auch materiell braucht Beirut und der Libanon jetzt Hilfe.
Der Tod ist ungerecht - und gerecht. Er trifft jeden Menschen. Dem einen wird er zur Erlösung, dem andern nimmt er den Lebenssinn.
Davon erzählt der Totentanz in Emmetten. Den Papst macht er dem Bettler gleich. Kaiserin und Kaiser geht es nicht besser als dem Melker und dem Mäher.
Gegen den Tod gibt es nur eines: Das Leben als Geschenk nehmen. Nein, anders: Das Leben als unverdientes Geschenk nehmen.
Ach ja, an seinem früheren Standort im Beinhaus der alten Pfarrkirche von Emmetten löste der Totentanz wohl weit tiefgründigere, knochenharte Gedanken aus.
Hat der Tod für dich eine tröstliche Seite?

Dienstag, 28. Juli 2020

Das Singen der Vögel und die Ewigkeit

Ein Gedanke
Der tröstliche Waldfriedhof in Zell ZH
Foto © Jörg Niederer
"Gäbe es den Tod nicht, müsste man ihn erfinden, um nicht ein unsterblich langweiliges Leben zu führen, das darin besteht, das Leben endlos aufzuschieben." Wilhelm Schmid, Philosoph mit Schwerpunkt bei der Lebenskunst

Ein Bibelvers -
1. Mose 25,7-10
"Und dies ist die Zeit der Lebensjahre Abrahams, die er gelebt hat: hundertfünfundsiebzig Jahre. Und Abraham verschied und starb in schönem Alter, alt und lebenssatt, und wurde mit seinen Vorfahren vereint. Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle Machpela auf dem Feld des Hetiters Efron, des Sohns Zohars, das gegenüber Mamre liegt, auf dem Feld, das Abraham von den Hetitern gekauft hatte. Dort wurden Abraham und seine Frau Sara begraben."

Eine Anregung
Das Zitat über die Unsterblichkeit von Wilhelm Schmied fand ich bei Dave Jäggi auf seiner Facebook-Seite. Ein paar Gedanken dazu.
Von Gott sagt man, dass er ewig sei. Bedeutet dies nun, dass er oder sie "ein unsterblich langweiliges Leben führt, das darin besteht das Leben endlos aufzuschieben"?
Aktuell übersteigen meine Projekte meine Lebenszeit bei weitem. Sehr gerne würde ich den Tod noch ein paar Jahre aufschieben.
Allerdings wäre es dann auch gut, die Gelenke und Beweglichkeit eins Zwanzigjährigen auch noch im Alter von 80 oder 100 zu besitzen.
Auf dem Waldfriedhof in Zell ZH stehen auf vielen Grabsteinen kleine Vögelchen. Vielleich weil Singvögel mit ihrem Gesang am frühen Morgen und wenn es einnachtet tröstlich die Dunkelheit eingrenzen.
Vögel singen, als gäbe es kein Morgen, und Vögel singen, als gäbe es nur Morgen.


Samstag, 11. April 2020

Weisses Kleid mit Stacheln

Schlehdorn
Ein Gedanke
Der Schlehdorn ist ein stacheliger Busch. Im Frühjahr erblüht er und kleidet sich in ein weisses Auferstehungsgewand.

Ein Bibelvers - Markus 15,46
Und Josef von Arimathäa kaufte ein Leinentuch und nahm Jesus ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

Eine Anregung
In St. Gallen kann man bis zum 17. April den Kreuzweg der Frauen begehen. Für Menschen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, ist der Besuch (mit der nötigen Vorsicht) eine lohnende Sache: https://www.heiligkreuz.kathsg.ch/DE/3/Impressionen.htm?idimp=1547

An Ostern gibt es wieder Gedanken zur Auferstehung von Jesus Christus via Livestream: https://www.youtube.com/watch?v=mL0T5b6M5bU


Freitag, 1. November 2019

Abschiede


Abschiede drängen sich auf, oder treten plötzlich und unvermittelt ein. Wir nehmen Abschied von Orten, von Ferien, von Arbeitsstellen, von Eltern, von Nachbarn, von Freundinnen, von Lebensabschnitten und von Verstorbenen. 

Persönlich nehme ich seit meinem 30. Geburtstag Abschied von meinen Zwanzigerjahren, obwohl ich schon auf 40 zugehe. Ich komme in ein Alter, in dem Freunde und Kolleginnen längst über 50 sind. So verschieben sich Wahrnehmungs- und Bewertungsgrenzen von dem, was alt oder jung ist. Dabei fällt mir in verminderter Form auf, was mir auch in Trauergesprächen und Beerdigungsritualen begegnet. Abschiednehmen hat nicht zuerst mit loslassen, sondern mit neu einordnen zu tun: Verbindungen zu geliebten Zeiten, Orten und vor allem zu Menschen kann ich nicht einfach loslassen, sie sind Teil von dem, was und wer ich heute bin. Der manchmal gut gemeinte Rat «Du musst jetzt halt loslassen» greift zu kurz. In einem Praktikum im ambulanten Hospiz entdeckte ich, dass einige Modelle der Trauerarbeit, - und ich meine, alle Abschiede tragen Teile davon in sich, - davon ausgehen, die Beziehung zu Verstorbenen auf andere Weise zu leben. Vielleicht ein Zimmer entsprechend einzurichten, oder etwas persönliches mit sich herumzutragen. So wird deutlich was wertvoll ist und mich weiter begleitet, aber auch, was ich vielleicht noch nicht loslassen, aber mit jemandem teilen möchte um es neu einzuordnen.
Ich meine, dass Kirche den Auftrag hat Räume für Abschiede zu schaffen und ich freue mich darüber, dass in der Evangelisch-methodistischen Kirche viel Bewusstsein da ist, den Menschen in Abschiedssituationen nah zu sein.
Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 11/2019

Montag, 31. Oktober 2016

Freund Hein*

Friedhof Kardamena, Kos, GriechenlandMit leisen, sachten Schritten zieht
Freund Hein übers schneeverwehte
Land; du spürst ein Zittern und zärtlich
seine Hand und hörst ihn sagen - 
komm, von nun an bist du mein.

Du hältst den Atem an, fühlst dich,
faltergleich, mit dem Lichte 
fortgetragen und warm und weich
strömt es in dich hinein.

Um dich Stille, Ruh, doch aus
unbekannten Fernen erklingen
märchenhafte Weisen, führen dich zu
den Sternen hin.

Mit sachten, leisen Flügelschwingen
ziehst du sterbend gegen den Himmel
zu; fühlst dich befreit und leicht und
merkst vielleicht, wie schön das Leben
war.

* Freund, Bruder oder Gevatter Hein ist eine im Deutschen seit 1650 belegbare umschreibende Bezeichnung für den Tod

Erschienen in "Kirche und Welt" 11/2016

Mittwoch, 1. Juli 2015

Palliative Care

Palliative Care - Wie ein leiser SonnenuntergangVon Ursula Brunner. Palliativ Care hat etwas mit mir persönlich und mit der Gesellschaft zu tun, da das Sterben unwiderruflich zum Leben gehört.
Vor längerer Zeit ist mir zu diesem Thema das Buch mit dem Titel: „Den letzten Mantel mache ich selbst“, über Möglichkeiten und Grenzen von Palliative Care begegnet. Geschrieben wurde es von den Autorinnen Susan Porchet-Munro, Verena Stolba und Eva Waldmann. Ich habe es mit viel Interesse gelesen und finde es auch heute noch topaktuell, auch wenn es vor zehn Jahren geschrieben wurde.
In der ganzen Diskussion rund um Freitod und Selbstbestimmungsrecht ist es den Autorinnen gelungen aufzuzeigen, dass es auch bei einer unheilbaren Krankheit eine umfassende Form der Begleitung (eben Palliative Care) gibt. Die Würde des Menschen, seine Autonomie und eine möglichst hohe Lebensqualität stehen dabei im Vordergrund.
So habe ich es als Berufsfrau erlebt und so wünsche ich es mir für meine betagten Eltern, für meine Familienmitglieder – oder ganz einfach gesagt für dich und mich. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft, dass es uns immer wieder oder wieder mehr gelingt, den Tod als zum Alltag gehörend zu betrachten und damit den Schwerkranken und den Leidenden einen Platz im Leben zu geben.
Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2015
Ursula Brunner ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika