Von Ursula Brunner. Palliativ Care hat etwas mit mir persönlich und mit der Gesellschaft zu tun, da das Sterben unwiderruflich zum Leben gehört.
Vor längerer Zeit ist mir zu diesem Thema das Buch mit dem Titel: „Den letzten Mantel mache ich selbst“, über Möglichkeiten und Grenzen von Palliative Care begegnet. Geschrieben wurde es von den Autorinnen Susan Porchet-Munro, Verena Stolba und Eva Waldmann. Ich habe es mit viel Interesse gelesen und finde es auch heute noch topaktuell, auch wenn es vor zehn Jahren geschrieben wurde.
In der ganzen Diskussion rund um Freitod und Selbstbestimmungsrecht ist es den Autorinnen gelungen aufzuzeigen, dass es auch bei einer unheilbaren Krankheit eine umfassende Form der Begleitung (eben Palliative Care) gibt. Die Würde des Menschen, seine Autonomie und eine möglichst hohe Lebensqualität stehen dabei im Vordergrund.
So habe ich es als Berufsfrau erlebt und so wünsche ich es mir für meine betagten Eltern, für meine Familienmitglieder – oder ganz einfach gesagt für dich und mich. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft, dass es uns immer wieder oder wieder mehr gelingt, den Tod als zum Alltag gehörend zu betrachten und damit den Schwerkranken und den Leidenden einen Platz im Leben zu geben.
Was ist Heil? Eine Bekehrungserfahren, die Vergebung der Sünden, oder die Versicherung, in den Himmel zu gelangen?
Für John Wesley gehört dies alles dazu, ohne zentral zu sein. Das Zentrum des Heils ist die persönliche Veränderung. Ein Mensch, der Gottes Liebe durch den Glauben an Christus erfährt, beginnt durch Gottes Geist einen Prozess der Veränderung, sodass er Gott und seine Nachbarn (Freunde, Fremde sowie Feinde) mehr und mehr liebt. Wenn diese Veränderung echt ist, wird sie durch konkrete Taten der Gerechtigkeit und des Mitgefühls ausgedrückt. Wesley fügte zudem hinzu, dass diese Taten Gnadenmittel sind – Gott benutzt sie um unseren Charakter zu ändern, sodass wir liebevoller werden.
Das Verlangen, die Bedürfnisse Anderer zu stillen ist also ein wichtiger Teil von Wesleys Verständnis des Heils. Man folgt nicht einer Liste von Regeln sondern sucht nach kreativen Antworten auf die verschiedenen Bedürfnisse der Mitmenschen. Das kann sich äussern in persönlicher Hilfe, diakonischen Projekten und politischem Engagement. Auf diese Weise arbeiten wir mit an einer gerechten und mitfühlenden Gesellschaft.
Bonhoeffer lebte sein Leben als "Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet", so steht es im Titel einer Biographie. Was auf den ersten Blick kaum zusammen zu passen scheint, muss unter dem Blickwinkel der Zeit, in der er lebte, verstanden werden. Es brauchte Gottvertrauen, einen klaren Blick und Zivilcourage, um die Ideologie des Bösen dieser Zeit zu durchschauen.
In einem Brief von 1943 äusserte er sich konkret über Zivilcourage. Er fragte sich, warum sie dem deutschen Volke abhanden kommen konnte. Dabei schloss er sich nicht aus. Er sah die Geschichte des deutschen Volkes, in der es eine Notwendigkeit war, die Kraft des Gehorsams zu lernen. Bonhoeffer schreibt 1943 in einem Brief aus seiner Haft unter anderem: Der Deutsche habe "nicht damit gerechnet, dass seine Bereitschaft zur Unterordnung und zum Lebenseinsatz für den Auftrag missbraucht werden könnte zum Bösen. ... Es musste sich herausstellen, dass eine entscheidende Grunderkenntnis dem Deutschen noch fehlte: die von der Notwendigkeit der freien, verantwortlichen Tat auch gegen Beruf und Auftrag." (Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge. Gütersloh 1985.5. 12f.)
Vielleicht ist es so, dass mir diese Grunderkenntnis heute als freie Schweizerin nicht mehr fehlt - ob ich es jedoch schaffe, diese "freie, verantwortliche Tat" in meinem Alltag umzusetzen? Gelegenheiten dazu bieten sich mir jedenfalls viele.
Von Jörg Niederer:
Wenn schon kein Kind auf natürlichem Weg, dann soll es wenigstens gesund sein. Diese Logik ist bestechend. Am 14. Juni soll die Verfassung per Volksabstimmung so geändert werden, dass die Gesundheit von künstlich gezeugten Embryos getestet werden darf. Verbunden damit soll es möglich sein, mehr Embryos auf einmal künstlich zu erzeugen und aufzubewahren.
Immer mehr ältere Menschen wünschen sich Kinder. Doch je älter Menschen sind, desto weniger fruchtbar sind sie und desto grösser werden die Risiken, ein krankes Kind zu zeugen. Die künstliche Befruchtung ist eine mögliche Antwort. Besonders gilt dies für Personen mit Erbkrankheiten. Mit der so genannten Präimplantationsdiagnostik können diese das Risiko von kranken Nachkommen deutlich senken. Zugleich stellen sich einmal mehr Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens: Wie qualitativ hochwertig muss ein Mensch sein, damit er gezeugt werden darf? Was ist mit Eltern, die diese Qualitätskontrolle bei ihren künstlich befruchteten Embryos nicht anwenden wollen? Wird die Gesellschaft dies tolerieren und mittragen, auch wenn dadurch ein behindertes Kind gezeugt wird? Schwierige Fragen. Wir müssen sie bald schon an der Stimmurne beantworten.
Siehe dazu auch
Nein zur Präimplantationsdiagnostik
Stellungnahme der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika 2014!
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| Pat Watkins |
Von Marietjie Odendaal:
Vom 2. bis 11. Dezember, 2014 durfte ich als Mitglied des neugegründeten Creation Care Teams der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Peru sein. Creation Care bedeutet: Verantwortung für die Schöpfung tragen.
Diese Tage beinhalteten für mich Begegnungen auf drei Ebenen: mit den anderen Mitgliedern des Teams, mit Methodisten und Methodistinnen in Peru und mit der Kultur und Landschaft von Peru.
Obwohl das dritte natürlich seinen Reiz hatte, sehr eindrücklich war und auch den Rahmen für die anderen intensiven Begegnungen schaffte, werde ich mich auf die ersten zwei Arten von Begegnungen konzentrieren.
Das General Board of Global Ministries (GBGM) hat 2014 Pat Watkins als Missionar für die Schöpfung berufen. Pat Watkins war einige Jahre Missionar in Nigeria. Danach war er Pfarrer in Virginia, USA. Dort hat er in der Konferenz ein Creation Care Team gegründet. Nun soll er seine Erkenntnisse und Erfahrung auf die Gesamtkirche anwenden. Weil er dies nicht alleine schaffen kann, hat er ein Team mit Gliedern aus verschiedenen Erdteilen zusammengerufen.
In Peru trafen wir uns zum ersten Mal zu fünft.
Susan Mullin ist Pfarrerin in Minnesota und ausgebildete Geologin. Sie setzt sich in der Kirche dafür ein, keine Erdölgeschäfte mehr zu unterstützen. In ihrer Gegend ist die Erdölindustrie sehr präsent, gerade mit dem Schürfen nach Öl, und verursacht soziale Belastungen und Umweltbelastungen, auf welche die Kirche reagieren muss.
Sotico Pagulayan, gebürtiger Filipino und studierter Pflanzen-Pathologe, arbeitet für eine Nicht-Regierungs-Organisation in Kambodscha. Diese Organisation unterstützt Menschen beim Lebensunterhalt.
Anahí Alberti d'Amato ist Bio-Chemikerin. In der argentinischen methodistischen Kirche nimmt sie Teil an Versuchen, die Umweltzerstörung und die Effekte des Klimawandels, vor allem in der Chaqa-Region in Argentinien, kennenzulernen und anzusprechen.
Zwei Mitglieder konnten nicht dabei sein, Cliff Bird aus Fiji und Jefferson Knight aus Liberia, der wegen Ebola nicht ausreisen durfte.
In Peru haben wir zusammen geträumt. Wir wollen dazu beitragen, dass es in der Kirche für selbstverständlich gehalten wird, dass unser Auftrag als Christen und Christinnen die Sorge und die Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung einschliesst. Wie unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu der Nachfolge Jesu Christi einfach dazugehört, gehört auch unsere Beziehung zu der Erde und allen Geschöpfen „einfach dazu“. Die methodistische Tradition weiss sehr gut, dass die zuerst genannte Selbstverständlichkeit in der Christenheit oft nicht selbstverständlich war und ist. Unsere Tradition hält aber daran fest. Nun können wir diese Selbstverständlichkeit erweitern.
Wer diese Aufgabe auf sich nimmt, muss sich zuerst das Wissen aneignen, was falsch gelaufen ist und was gelingt. Weil wir Kirche sind, wollen wir dies vor Gott bringen im Schuldbekenntnis, in der Fürbitte und in Lob und Danksagung.
Wir hatten eindrückliche Begegnungen mit Methodisten und Methodistinnen in Peru. Wir fuhren auf der Anden-Hochebene zu zwei kleinen Ortschaften, in denen wir uns mit Mitgliedern methodistischen Gemeinden trafen. Die Begegnungen waren ganz verschieden und hinterliessen auch sehr vielfältige Eindrücke bei uns. Gemeinsam stehen die Gemeinschaften vor den Herausforderungen, den Klimawandel zu bewältigen, der für sie vor allem Wassermangel bedeutet. Ausserdem müssen sie sich in der globalen Wirtschaft zurechtfinden und ihr kulturelles Erbe verwalten.
Wir konnten uns auch mit dem Bischof der Iglesia Metodistika del Perú, Samuel Aguilar, und Mitgliedern einer von ihm gegründeten Gruppe, die sich verpflichten, die Schöpfung zu bewahren, treffen. Der Bischof erzählte, wie er in seinem neuen Amt die Gemeinden in Peru besuchte. Ihm ist klar geworden, dass die Kirche ihre Mitglieder nicht unterstützen und dienen kann, ohne die existenziellen Nöte anzusprechen, die aus dem Klimawandel und dem ungerechten Umgang mit dem Boden und Bodenrechten fliessen. Denn aus diesen Gründen verlieren sie ihren Lebensunterhalt, und ihre Rechte werden verletzt.
Wir wurden die ganze Zeit liebevoll und umsichtig begleitet und geführt von Anni Solis, die auch ein Mitglied in der vom peruanischen Bischof gegründeten Gruppe ist und bis vor kurzem als missionarische Praktikantin der GBGM in Genf tätig war.
Von dieser Begegnung und als Mitglied des Creation Care Teams komme ich mit dem Auftrag, das Thema in der EMK-Gemeinde und in unserem kirchlichen Kontext (Jährliche Konferenz) zu traktandieren. Ich sehe meine ersten Schritte als eine Entdeckungsreise, um Verbündete in der EMK Schweiz, Frankreich und Nordafrika zu finden. Als EMK sind wir in der Schweiz und auch in Europa nicht alleine unterwegs. Wir haben eindrückliche Vorbilder in unseren Nachbarländern und in ökumenischen Strukturen, die schon Erfahrung in dieser Richtung gesammelt haben, die uns inspirieren können.
Siehe auch Blog vom 12. Dezember 2014
Von Heiner Studer
Als Evangelisch-methodistische Kirche nehmen wir in der kirchlichen Landschaft der Schweiz eine Scharnierfunktion wahr. Wir gehören seit der Gründung im Jahr 1920 als eine der Freikirchen dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund an. Wir fühlen uns folglich mit den Reformierten Landeskirchen stark verbunden. Gleichzeitig arbeiten wir mit den evangelischen Freikirchen und in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen auch mit der Römisch-katholischen und der Christkatholischen Kirche zusammen.
Entscheidend ist für mich, dass wir das Verbindende betonen und leben: Jesus, als der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14, 6). In Baden zum Beispiel feiern wir jeweils an Auffahrt mit der Evangelisch-reformierten, der Römisch-katholischen und der Christkatholischen Gemeinde gemeinsam und gleichberechtigt das Abendmahl. Ich bin dankbar, dass dies möglich ist.
Als Kirchen haben wir sinnvollerweise unterschiedliche Ausprägungen. Dies zeigt sich besonders bei der unterschiedlichen Art der Gottesdienste. Dies gibt Farbe. Seit John Wesley nehmen Methodisten jeweils eine ausgeprägte soziale Verantwortung wahr. Diese gesellschaftliche Mitverantwortung soll weiterhin eines unserer Markenzeichen sein. Entscheidend ist Glaubwürdigkeit.
Darum nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes. (Römer 15,7)
Paulus ruft dazu auf, nicht nur gedankliche und geistige Unterschiede und Gegensätze, vielleicht sogar Auseinandersetzungen zu ertragen. Zu Gottes Ehre, sagt er, räumt denen, die euch über den Weg laufen, einen Platz ganz nahe bei euch ein, praktisch und konkret.
Betrifft dieses Platzeinräumen nur Gleichgesinnte, mit erkennbarer Sprache und Kultur und gesellschaftlicher Anerkennung? Oder geht es um „einander in der Gemeinde“?
Paulus definiert genauer: „wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes“. „Wie Christus“ bedeutet, dass wir die, die nicht dazugehören, die nicht mit uns einer Meinung sind, annehmen, um Gott „einmütig und einstimmig“ zu loben (Röm. 15,6). Weil Christus uns angenommen hat, als wir für Gott fremd waren, nehmen wir Menschen an, die nicht unserer Meinung oder kulturfremd sind, nehmen wir Menschen auf, die von der anderen Seite der Grenze kommen.
Wozu ruft Paulus uns 2015? Einfach weitermachen wie bisher, wenn wir abstimmen und einkaufen gehen, wenn wir über Menschen reden, wenn wir unsere Ferien planen? Oder lädt Christus uns ein, zu Gottes Ehre, etwas Neues zu wagen?
Hier finden sie die Jahreslosung 2015, gestaltet von Doris Schnell, Bregenz