Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Mittwoch, 1. April 2020

Osterbrief-Aktion

Ein Gedanke
Märzschnee hält nicht lange. Und das ist kein 1. Aprilscherz, sondern Erfahrung. Auch die folgenden Worte sind kein Scherz sondern süsse, hoffnungsvolle Wahrheit. 


Ein Bibelvers - 2. Korinther 3,3
Ihr seid erkennbar als ein Brief Christi, von uns verfasst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern auf andere Tafeln: in Herzen aus Fleisch.

Eine Anregung
Für die Osterzeit gibt es eine EMK-Aktion. Möglichst viele von uns sollen einen geschriebenen Ostergruss erhalten - und ihn auch schreiben. Ich mache mit. Und du? https://emk-schweiz.ch/covid-19-aktuelle-informationen/osteraktion-2020/

Ein Kaddisch in der Gaskammer

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/peter89ba-3561877/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3671389">Peter Tóth</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3671389">Pixabay</a>
Mein Grossvater mütterlicherseits war in den dunklen Jahren zwischen 1933 und 1945 in Deutschland aktives Mitglied der SA (Sturmabteilung der NSDAP) und überzeugter Antisemit. Darüber reden konnte man mit ihm zeitlebens nicht. Erst auf seinem Sterbebett soll es eine Aussprache mit dem Pfarrer gegeben haben, wusste meine Mutter. Meine Mutter hatte an diesem Erbe zeitlebens schwer getragen und engagierte sich gegen das Vergessen dieses Schreckens im örtlichen «Jüdischen Verein».
Für mich ist das Erbe ebenfalls eine Verpflichtung.
Im Rahmen meines Studiums habe ich mich mit verschiedenen Facetten des Themas beschäftigt. 
Das Judentum als aktive Religion interessiert mich sehr, und ich will von meinen älteren Geschwistern im Glauben lernen. Gerne besuche ich den Synagogengottesdienst. 
Ich habe begonnen, mich mit der Theodizee auseinanderzusetzen, also der Frage, wie ein allmächtiger und gütiger Gott alles schlimme Leid auf der Welt einfach geschehen lassen konnte. 
Ich habe viel Autobiografisches gelesen, in denen Überlebende von den Grauen der Vernichtungsmaschinerie erzählt haben. Vor allem das Buch «Die Nacht zu begraben Elisha» von Eli Wiesel hat mich sehr erschüttert. Dort schreibt er angesichts des Schrecklichen was er in Auschwitz erleben musste, «Nie werde ich diese Augenblicke vergessen, die meinen Gott töteten und meine Seele und meine Träume zu Staub werden ließen.»

Ich habe das Vernichtungslager Auschwitz nahe der polnischen Stadt Krakau besucht. Vieles was ich dort gesehen habe, hat sich als Bild in mir eingebrannt: Die Überlebenden, die mit «Häftlingskleidung» Auschwitz besuchten, und der Mann mit der Kippa der vor der grossen «Erschiessungsmauer» betete, an der tausende Menschen umgebracht wurden, oder das Meer von Kerzen bei einer Gedenkfeier in einer der wenigen erhaltenen Gaskammern. Hier feierte eine grosse Gruppe israelischer Jugendlicher das Totengedenken mit dem «Kaddisch», dem Totengebet. Im Kaddisch wird die Heiligkeit Gottes besonders herausgestellt. Hinter all die Erfahrungen kann ich nicht mehr zurück.

Ich muss und ich will nicht aufhören, mich mit der Shoa auseinanderzusetzen.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 4/2020

Dienstag, 24. März 2020

Kunst und Isolation

Ein Gedanke
Von Isolation wird gerade oft gesprochen. Doris Schnell nimmt Isolationsmaterial (Porenbeton), und macht daraus Kunst. "Vermittler" heisst dieses Werk."

Doris Schnell: Vermittler - Bild im Eigentum von Jörg Niederer









Ein Bibelvers - Hebräer 13,5bc
Begnügt euch mit dem, was da ist. Denn Gott selbst hat gesagt: Ich werde dich niemals preisgeben und dich niemals verlassen.

Eine Anregung
Werde kreativ. Mach etwas Schönes und sende ein Foto aus deiner Isolation in die Welt hinaus!

Dienstag, 10. März 2020

Das Fest beginnt...

International
...bei der Vorbereitung. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe trifft sich als Organisationskomitee: eine Brasilianerin und eine Rumänin aus dem Deutschkurs, zwei Mitglieder der eritreischen Gemeinde und einige «Einheimische», die bisher den Anlass vorbereitet haben. Gemeinsam fragen wir uns: «Wie könnte unser Sommerfest aussehen?» Ideen werden ausgetauscht, Aufgaben vergeben. Zum Schluss wird in vier Sprachen gebetet.

Am Festtag sind schon alle Mitarbeiterinnen früh da, auch einige Männer. Tische werden liebevoll gedeckt, Dekoration aufgehängt. Das eritreische Couscous macht sich prächtig neben dem Schweizer «Hörndlisalat». Und ebenso multikulti ist das Dessert. Zahlreich finden sich die Gäste ein, füllen Bänke, rücken zusammen. Fröhlich wird geplaudert. Eine Tochter aus der Nachbarschaft spielt schwungvoll mit ihrem Akkordeon portugiesische Volksweisen. Die Eritreer tragen in ihrer eigentümlichen Tonalität zwei Lieder vor.

Lange bleiben wir zusammen. Mit reichen Begegnungen beschenkt gehen wir heim – und freuen uns schon aufs nächste Mal.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 3/2020

Donnerstag, 9. Januar 2020

Zensurgesetz? - Abstimmung über Referendum zur erweiterten Rassismus-Strafnorm

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/Kurious-679098/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=650612">Kurious</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=650612">Pixabay</a>
[Hören Sie dazu auch die Diskussionssendung im Radio Live Channel mit Jörg Niederer, Mitglied im Ausschuss Kirche + Gesellschaft]

Die vorgeschlagene Gesetzesänderung, die die Rassismus-Strafnorm erweitert zu einem Gesetz gegen «Diskriminierung und Aufruf zu Hass», wird in einem Referendum, «Nein zum Zensurgesetz» kritisiert. Am 9. Februar 2020 dürfen Schweizer Stimmbürgerinnen und -Bürger über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm abstimmen.

Wer das Argumentarium zum Referendum gegen die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm liest kann leicht den Eindruck bekommen, die Argumente wären nachvollziehbar. Das gilt, so lange die Lesende die Grundannahmen akzeptiert: 

  • Menschen, die anders als heterosexuell empfinden, hätten keine Probleme in der schweizerischen Gesellschaft. (Die Stellungnahme aus der LGBTQ Gemeinschaft, https://jazumschutz.ch/ zeigt ein deutlich anderes Bild!)
  • Jede Form von Intoleranz sei in der schweizerischen Gesellschaft sowieso schon unzulässig. 
  • «Diskriminierung» sei eigentlich im Allgemeinen gar nichts anderes als «unterscheiden» und meine nicht eine Benachteiligung oder Herabsetzung von Menschengruppen.

Wer diese Grundannahmen nicht oder nur teilweise teilt, wird das gesamte Argumentarium in Frage stellen.

Einklagbar?
Soll man Hass und Diskriminierung einklagbar machen? Dagegen kann man als Christ kaum etwas haben, im Gegenteil, dafür müssen wir uns einsetzen. 
Nur: bei der Handhabung des entsprechenden Gesetzesartikels und bei der juristischen Interpretation und Urteilsfindung besteht immer ein Spielraum. Und hier setzen Ängste ein: Wie steht es mit der Meinungsäusserungsfreiheit, wenn jemand sich kritisch zu Formen gelebter Sexualität äussert?

Abwägen!
Ist diese Angst gerechtfertigt? Wir meinen: Nein. Auch wer eine kritische Haltung zu homosexueller Praxis einnimmt, kann dies unter Artikel 261bis StGB weiterhin in respektvoller Weise äussern.

Als Christ und Stimmbürger müssen wir abwägen, was schwerer wiegt: eine in Einzelfällen mögliche übertriebene Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit oder die grundsätzliche Anerkennung und Wahrung der Integrität und des Schutzes der Persönlichkeit unserer Mitmenschen. Uns scheint die Integrität und der Schutz der Persönlichkeit unserer Mitmenschen ein höheres Gut zu sein. Aus diesem Grund lehnen wir das Referendum ab.


Anhang 1: Der neue Wortlaut der Rassismus-Strafnorm
Im Strafgesetzbuch, Art. 261bis (Diskriminierung und Aufruf zu Hass), sowie im Militärstrafgesetz, Art. 171c Abs. 1 (Diskriminierung und Aufruf zu Hass) wird die folgende Veränderung eingeführt:

Wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung zu Hass oder zu Diskriminierung aufruft,
wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung dieser Personen oder Personengruppen gerichtet sind,
wer mit dem gleichen Ziel Propagandaaktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt,
wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert oder aus einem dieser Gründe Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen sucht,
wer eine von ihm angebotene Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einer Person oder einer Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung verweigert,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Anhang 2: Gutachten der Schweizerischen Evangelischen Allianz
Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA liess zur Revision des Artikels 261 bis StGB ein juristisches Gutachten erstellen. 
(http://www.each.ch/wp-content/uploads/2019/03/190322_Rassismus-Strafnorm-Gutachten.pdf)

Daraus geht hervor, dass die Segnung einer Heirat (für alle) nicht unter den Begriff «Leistung, die für die Öffentlichkeit gedacht ist» fallen würde. Eine aus Glaubens- und Gewissensgründen abgelehnte Trauung wäre demzufolge nicht einklagbar.
Weiter fragt die Allianz, ob eine «in der Verkündigung … geäusserte kritische Einschätzung zu Homosexualität oder Bisexualität» noch weiterhin geäussert werden dürfte. Auch wenn das Gutachten sich hierzu eher skeptisch äussert, wird doch die Einschätzung des Juristen und Nationalrats Daniel Jositsch wiedergegeben, dass die auf den Aufruf zu Hass aufgrund der Rasse  bisher anwendbare Rechtsprechung sehr restriktiv ist: Nur öffentliche Äusserungen sind strafbar, das Strafgesetz ist nur auf Äusserungen anwendbar, die derart schwer wiegen, dass sie den Kern der Menschenwürde berühren. 
Zur Frage, ob «christliche Organisationen Personen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung von bestimmten Ämtern ausschliessen dürfen», wird zweierlei festgehalten: «Die anwendbaren Rechtsbestimmungen sind verschieden, je nachdem ob man vom Ausschluss von einem kirchlichen Dienst oder von einem Dienst im Rahmen eines Arbeitsvertrages spricht.» Vor einer Anstellung könnten vereinsrechtliche Statuten einer Kirche die Zustimmung zu einem bestimmten Verständnis  von Ehe und Familie vorsehen. Bei einer bestehenden Anstellung würde hingegen das Arbeitsrecht eine Kündigung aufgrund einer homosexuellen Orientierung verbieten.
Obwohl das Rechtsgutachten also die grossen Befürchtungen von «Nein zum Zensurgesetz» damit sehr relativiert, unterstützt die SEA weiterhin diese Kampagne gegen die Gesetzesreform.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Konflikt braucht Auseinandersetzung

KonfliktWie unbequem es auch sein mag: Wir geraten – auch in christlichen Gemeinden – in Konflikte mit anderen Menschen. Solche Konflikte betreffen nicht nur bestimmte Parteien und Personen. Die ganze Gemeinschaft ist betroffen und spielt eine Rolle.

Wenn wir aber bei den Problemen stehenbleiben, verpassen wir die Gelegenheit der nützlichen Auseinandersetzung. Denn Konflikte sind wie Finger, die auf etwas zeigen, das Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung braucht.

Menschen, die von Konflikten hören und über sie weiterreden, werden Zeugen der Unversöhntheit. Verstehen sie jedoch, wie hinter der erzählten Unversöhntheit ein Wunsch nach Versöhnung und Veränderung steht, könnten sie Zeugen der Versöhnung werden.

Mehr als Menschen, die über Gottes Versöhnung reden, wünsche ich mir deshalb Menschen in unserer Kirche, die ihr Vertrauen auf Gottes Versöhnung setzen. Das tun sie, wenn sie fest damit rechnen, dass Jesus Christus in für uns unvorhergesehener Weise versöhnt. Diese Zeugen der Versöhnung helfen dann den Menschen, die im Konflikt miteinander stehen, sich der Situation zu stellen. «Versöhnung als Kampfsport!» Auch dafür sind Regeln wichtig.

Vielleicht können wir, wenn es wieder «kracht», statt wegzuschauen, lieber genau hinschauen, wie Gott sich in den Blitzen und Einschlägen zeigt.

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 1/2020

Montag, 2. Dezember 2019

Traust du dich?

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/geralt-9301/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=4610699">Gerd Altmann</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=4610699">Pixabay</a>
«Schon ein bisschen naiv, so etwas zu glauben.»

«Jaja, immer ihr Jungen mit euren grossen Träumen...»

Diese Worte höre ich für einmal nicht von anderen Menschen oder lese sie in Facebook-Kommentaren, sondern sie kommen aus meinem eigenen Kopf. Sie unterbrechen meine Gedanken, als ich mich darauf konzentriere, wie ich mir denn eine Welt voll Gerechtigkeit vorstelle. Sie hindern mich daran, meine Kreativität voll freizusetzen, und schränken meine Träume ein. Was wir uns nicht vorstellen können, können wir unmöglich wahrmachen. Wir brauchen es erst gar nicht zu probieren. Brauchen wir also manchmal die oben genannten Statements vielleicht als Ausrede, gar nicht erst aktiv zu werden? Sind sie zu meiner Ausrede geworden, weil ich in meinem persönlichen Streben nach Gerechtigkeit schon zu oft versagt habe?

So einfach will ich nicht aufgeben und versuche erneut, mir eine Welt voll Gerechtigkeit vorzustellen - unabhängig davon, ob sie für Menschen unmöglich scheint. Langsam nimmt diese Welt in meinem Kopf Gestalt an.

Traust du dich mitzugestalten?

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 12/2019