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Sonntag, 1. März 2015

Die Qualität soll stimmen

Nein zur PräimplantationsdiagnostikVon Jörg Niederer:

Wenn schon kein Kind auf natürlichem Weg, dann soll es wenigstens gesund sein. Diese Logik ist bestechend. Am 14. Juni soll die Verfassung per Volksabstimmung so geändert werden, dass die Gesundheit von künstlich gezeugten Embryos getestet werden darf. Verbunden damit soll es möglich sein, mehr Embryos auf einmal künstlich zu erzeugen und aufzubewahren.
Immer mehr ältere Menschen wünschen sich Kinder. Doch je älter Menschen sind, desto weniger fruchtbar sind sie und desto grösser werden die Risiken, ein krankes Kind zu zeugen. Die künstliche Befruchtung ist eine mögliche Antwort. Besonders gilt dies für Personen mit Erbkrankheiten. Mit der so genannten Präimplantationsdiagnostik können diese das Risiko von kranken Nachkommen deutlich senken. Zugleich stellen sich einmal mehr Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens: Wie qualitativ hochwertig muss ein Mensch sein, damit er gezeugt werden darf? Was ist mit Eltern, die diese Qualitätskontrolle bei ihren künstlich befruchteten Embryos nicht anwenden wollen? Wird die Gesellschaft dies tolerieren und mittragen, auch wenn dadurch ein behindertes Kind gezeugt wird? Schwierige Fragen. Wir müssen sie bald schon an der Stimmurne beantworten.

Siehe dazu auch

Nein zur Präimplantationsdiagnostik

Stellungnahme der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika 2014!


Erschienen in "Kirche und Welt", 3/2015

Montag, 9. Februar 2015

Als weltweite Kirche sich Fragen zum Klimawandel und zur ökologischen Verantwortung stellen

Pat Watkins
Pat Watkins
Von Marietjie Odendaal:
Vom 2. bis 11. Dezember, 2014 durfte ich als Mitglied des neugegründeten Creation Care Teams der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Peru sein. Creation Care bedeutet: Verantwortung für die Schöpfung tragen.
Diese Tage beinhalteten für mich Begegnungen auf drei Ebenen: mit den anderen Mitgliedern des Teams, mit Methodisten und Methodistinnen in Peru und mit der Kultur und Landschaft von Peru.

Obwohl das dritte natürlich seinen Reiz hatte, sehr eindrücklich war und auch den Rahmen für die anderen intensiven Begegnungen schaffte, werde ich mich auf die ersten zwei Arten von Begegnungen konzentrieren.

Das General Board of Global Ministries (GBGM) hat 2014 Pat Watkins als Missionar für die Schöpfung berufen. Pat Watkins war einige Jahre Missionar in Nigeria. Danach war er Pfarrer in Virginia, USA. Dort hat er in der Konferenz ein Creation Care Team gegründet. Nun soll er seine Erkenntnisse und Erfahrung auf die Gesamtkirche anwenden. Weil er dies nicht alleine schaffen kann, hat er ein Team mit Gliedern aus verschiedenen Erdteilen zusammengerufen.
In Peru trafen wir uns zum ersten Mal zu fünft.

Susan Mullin ist Pfarrerin in Minnesota und ausgebildete Geologin. Sie setzt sich in der Kirche dafür ein, keine Erdölgeschäfte mehr zu unterstützen. In ihrer Gegend ist die Erdölindustrie sehr präsent, gerade mit dem Schürfen nach Öl, und verursacht soziale Belastungen und Umweltbelastungen, auf welche die Kirche reagieren muss.

Sotico Pagulayan, gebürtiger Filipino und studierter Pflanzen-Pathologe, arbeitet für eine Nicht-Regierungs-Organisation in Kambodscha. Diese Organisation unterstützt Menschen beim Lebensunterhalt.

Anahí Alberti d'Amato ist Bio-Chemikerin. In der argentinischen methodistischen Kirche nimmt sie Teil an Versuchen, die Umweltzerstörung und die Effekte des Klimawandels, vor allem in der Chaqa-Region in Argentinien, kennenzulernen und anzusprechen.

Zwei Mitglieder konnten nicht dabei sein, Cliff Bird aus Fiji und Jefferson Knight aus Liberia, der wegen Ebola nicht ausreisen durfte. 

In Peru haben wir zusammen geträumt. Wir wollen dazu beitragen, dass es in der Kirche für selbstverständlich gehalten wird, dass unser Auftrag als Christen und Christinnen die Sorge und die Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung einschliesst. Wie unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu der Nachfolge Jesu Christi einfach dazugehört, gehört auch unsere Beziehung zu der Erde und allen Geschöpfen „einfach dazu“. Die methodistische Tradition weiss sehr gut, dass die zuerst genannte Selbstverständlichkeit in der Christenheit oft nicht selbstverständlich war und ist. Unsere Tradition hält aber daran fest. Nun können wir diese Selbstverständlichkeit erweitern.

Wer diese Aufgabe auf sich nimmt, muss sich zuerst das Wissen aneignen, was falsch gelaufen ist und was gelingt. Weil wir Kirche sind, wollen wir dies vor Gott bringen im Schuldbekenntnis, in der Fürbitte und in Lob und Danksagung. 
Wir hatten eindrückliche Begegnungen mit Methodisten und Methodistinnen in Peru. Wir fuhren auf der Anden-Hochebene zu zwei kleinen Ortschaften, in denen wir uns mit Mitgliedern methodistischen Gemeinden trafen. Die Begegnungen waren ganz verschieden und hinterliessen auch sehr vielfältige Eindrücke bei uns. Gemeinsam stehen die Gemeinschaften vor den Herausforderungen, den Klimawandel zu bewältigen, der für sie vor allem Wassermangel bedeutet. Ausserdem müssen sie sich in der globalen Wirtschaft zurechtfinden und ihr kulturelles Erbe verwalten.

Wir konnten uns auch mit dem Bischof der Iglesia Metodistika del Perú, Samuel Aguilar, und Mitgliedern einer von ihm gegründeten Gruppe, die sich verpflichten, die Schöpfung zu bewahren, treffen. Der Bischof erzählte, wie er in seinem neuen Amt die Gemeinden in Peru besuchte. Ihm ist klar geworden, dass die Kirche ihre Mitglieder nicht unterstützen und dienen kann, ohne die existenziellen Nöte anzusprechen, die aus dem Klimawandel und dem ungerechten Umgang mit dem Boden und Bodenrechten fliessen. Denn aus diesen Gründen verlieren sie ihren Lebensunterhalt, und ihre Rechte werden verletzt.

Wir wurden die ganze Zeit liebevoll und umsichtig begleitet und geführt von Anni Solis, die auch ein Mitglied in der vom peruanischen Bischof gegründeten Gruppe ist und bis vor kurzem als missionarische Praktikantin der GBGM in Genf tätig war.

Von dieser Begegnung und als Mitglied des Creation Care Teams komme ich mit dem Auftrag, das Thema in der EMK-Gemeinde und in unserem kirchlichen Kontext (Jährliche Konferenz) zu traktandieren. Ich sehe meine ersten Schritte als eine Entdeckungsreise, um Verbündete in der EMK Schweiz, Frankreich und Nordafrika zu finden. Als EMK sind wir in der Schweiz und auch in Europa nicht alleine unterwegs. Wir haben eindrückliche Vorbilder in unseren Nachbarländern und in ökumenischen Strukturen, die schon Erfahrung in dieser Richtung gesammelt haben, die uns inspirieren können.

Siehe auch Blog vom 12. Dezember 2014

Sonntag, 1. Februar 2015

Scharnierfunktion wahrnehmen

Kelch und BrotVon Heiner Studer
Als Evangelisch-methodistische Kirche nehmen wir in der kirchlichen Landschaft der Schweiz eine Scharnierfunktion wahr. Wir gehören seit der Gründung im Jahr 1920 als eine der Freikirchen dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund an. Wir fühlen uns folglich mit den Reformierten Landeskirchen stark verbunden. Gleichzeitig arbeiten wir mit den evangelischen Freikirchen und in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen auch mit der Römisch-katholischen und der Christkatholischen Kirche zusammen. 
Entscheidend ist für mich, dass wir das Verbindende betonen und leben: Jesus, als der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14, 6). In Baden zum Beispiel feiern wir jeweils an Auffahrt mit der Evangelisch-reformierten, der Römisch-katholischen und der Christkatholischen Gemeinde gemeinsam und gleichberechtigt das Abendmahl. Ich bin dankbar, dass dies möglich ist. 
Als Kirchen haben wir sinnvollerweise unterschiedliche Ausprägungen. Dies zeigt sich besonders bei der unterschiedlichen Art der Gottesdienste. Dies gibt Farbe. Seit John Wesley nehmen Methodisten jeweils eine ausgeprägte soziale Verantwortung wahr. Diese gesellschaftliche Mitverantwortung soll weiterhin eines unserer Markenzeichen sein. Entscheidend ist Glaubwürdigkeit.

Erschienen in "Kirche und Welt", 2/2015
Heiner Studer ist Mitglied im 
Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Donnerstag, 1. Januar 2015

Die Unannehmbaren annehmen - Gedanken zur Jahreslosung 2015

Jahreslosung 2015 - Römer 15,7Darum nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes. (Römer 15,7)

Paulus ruft dazu auf, nicht nur gedankliche und geistige Unterschiede und Gegensätze, vielleicht sogar Auseinandersetzungen zu ertragen. Zu Gottes Ehre, sagt er, räumt denen, die euch über den Weg laufen, einen Platz ganz nahe bei euch ein, praktisch und konkret.

Betrifft dieses Platzeinräumen nur Gleichgesinnte, mit erkennbarer Sprache und Kultur und gesellschaftlicher Anerkennung? Oder geht es um „einander in der Gemeinde“?

Paulus definiert genauer: „wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes“. „Wie Christus“ bedeutet, dass wir die, die nicht dazugehören, die nicht mit uns einer Meinung sind, annehmen, um Gott „einmütig und einstimmig“ zu loben (Röm. 15,6). Weil Christus uns angenommen hat, als wir für Gott fremd waren, nehmen wir Menschen an, die nicht unserer Meinung oder kulturfremd sind, nehmen wir Menschen auf, die von der anderen Seite der Grenze kommen.

Wozu ruft Paulus uns 2015? Einfach weitermachen wie bisher, wenn wir abstimmen und einkaufen gehen, wenn wir über Menschen reden, wenn wir unsere Ferien planen? Oder lädt Christus uns ein, zu Gottes Ehre, etwas Neues zu wagen?

Hier finden sie die Jahreslosung 2015, gestaltet von Doris Schnell, Bregenz



Freitag, 12. Dezember 2014

Ein Missionar für die Schöpfung – mit einem Team in Peru den Opfern des Klimawandels begegnet

Ein Reisebericht von Marietjie Odendaal

Anahi Alberti D'Amato, Bischof Aguilar und Annie Solis
Das General Board of Global Ministries (GBGM) – das Missionsorgan der weltweit tätigen United Methodist Church – hat einen Missionar mit dem Auftrag berufen, sich für die Schöpfungsgerechtigkeit einzusetzen. Denn Christen stehen wir nicht nur in Beziehung zu Gott und zueinander, sondern zu allen Geschöpfen und zur ganzen Schöpfung. GBGM hat erkannt, dass es der christliche Auftrag ist, sich als Zeugen von Gottes Liebe mit leidenden Menschen überall auf der Welt zu verbünden, aber auch mit der Erde, die das Leben von allen bestimmt. In diesem Sinne ist Pat Watkins nun Missionar für die Schöpfung. Er hat ein sechsköpfiges Team aus verschiedenen Regionen und Kontinenten.

Dieses Team (ich bin die Delegierte aus Europa) trifft sich in diesen Tagen zum ersten Mal in Peru, zur selben Zeit in der der 20. UNO-Klimagipfel in Lima stattfindet. Das Programm besteht darin, einander kennenzulernen und unser Projekt miteinander abzusprechen. Wir treffen uns auch mit Mitgliedern der Methodistischen Kirche in Peru. Von diesen Besuchen möchte ich gerne einige Eindrücke teilen.

Zwei Drittel der Mitglieder der Methodistischen Kirche in Peru sind indigen und leben im Anden-Hochland. Wir haben zwei Gemeinschaften besucht und von ihnen gehört, wie sie klimatischen Veränderungen sich bei ihnen auswirken. Beide Gemeinschaften leiden unter Wassermangel. Ihre Ernte ist gefährdet, die Zukunft scheint sehr unsicher. Sind sie schuld daran? Das ist teilweise ihre Sorge. Eine dieser Gemeinschaften lebt unter dem Schatten eines globalen Konzerns, der Interesse hat an ihrem gemeinsames Land, um dort vorhandenen Bodenschätze abzubauen. Es ist nicht sicher, dass sie sich gegen  das Lobbying des Konzerns behaupten können.

Wir haben uns mit dem Bischof von Peru, Samuel Aguilar, getroffen. Auch er versteht den Auftrag der Kirche, Zeugen Jesu Christi zu sein und einander zu dienen, als unmittelbar verknüpft mit dem Auftrag, die Erde als Gottes Schöpfung zu schätzen und zu schützen. Deswegen leitet er eine Arbeitsgruppe, die sich der Bewahrung der Schöpfung widmet. Der Bischof reagiert damit auf die Nöte von Kirchenglieder, die ihren Lebensunterhalt verlieren und deren Rechte verletzt werden. Wie kann die Kirche helfen, und nicht jeder für sich alleine ums Überleben kämpfen muss? Wie kann die Kirche die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen? 

Ich frage mich, wie wir in Europa uns mit diesen Geschwistern in Peru, in Lima und auf der Hochebene, zusammenschliessen können. Ich frage mich, wie unser Leben in der Schweiz und in Frankreich die Not unserer Geschwister lindert oder vermehrt. Ich frage mich, welche Möglichkeiten wir haben, in unserem Alltag unserer „Verbundenheit über Kontinente hinweg“ gerecht zu werden. Ich frage mich, ob wir uns von der interreligiösen Kommission in Peru mit ihrem Spruch, „Die Zukunft des Planeten ist in unseren Händen“ ansprechen lassen. Ich frage mich, wie wir dazu beitragen, dass unsere Nachfolge Jesu Christi gerecht wird, dass das Wort Fleisch geworden ist, also Erde von unserer Erde.

Siehe auch:
Botschaft des GBGM-Generalsekretärs Thomas Kemper an die Beteiligten des Climate Summit in Lima/Peru 


Montag, 1. Dezember 2014

Vom Werden der Menschen

In der Adventszeit geht es auch um die Menschwerdung.
Heute leben über 7 Milliarden Menschen. Diese Menschen verbrauchen Ressourcen von eineinhalb Erden. Wir leben über unsere Verhältnisse. 2050 werden es 9 Milliarden Menschen sein.
Menschwerdung in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo
Menschwerdung in Kinshasa,
Demokratische Republik Kongo
Angesichts dieser Entwicklung, sollte man da nicht dankbar sein für jeden Menschen, der nicht geboren wird? 
Die Regulierung der Menschwerdung wurde verschiedentlich versucht, etwa in China mit der Einkind-Politik. Oft aber wollte man damit auch gleich den Lebenswert von Menschen definieren. Sterilisationen bei psychisch Kranken und Minderheiten (ent-)werteten deren Menschsein. Sätze wie „Diese Frau, dieser Mann dürfte eigentlich gar keine Kinder haben!“ höre ich gar nicht so selten. Welche Kriterien sollen das Recht auf Menschwerdung definieren?
Stichworte dazu: Vermeidung von behindertem Leben durch pränatale Diagnostik oder Präimplantantionsdiagnostik. Kondome für die Armen. Knaben statt Mädchen (Indien).
Ein Kriterium könnte auch der Resourcenverbrauch sein. Dann dürfte nur noch jeder 6. Kuwaiti Mensch werden (Verbrauch: 6 Erden); aber auch nur jeder 3. Schweizer (Verbrauch: 3 Erden). Dann hätte ich nur einen Sohn statt drei Söhne – aber welchen?


Erschienen in "Kirche und Welt", 12/2014

Mittwoch, 12. November 2014

Die Armut bekämpfen bedeutet auch die Umwelt schützen - Rückblick auf die StopArmut-Umweltkonferenz

(Elisabeth Roser) Die Armut bekämpfen bedeutet auch die Umwelt schützen - dies wurde sachlich und gleichzeitig  eindrücklich dargelegt an der StopArmut Umweltkonferenz in Biel vom 18.Oktober 2014. 
Im Hauptreferat erläuterte der Klimaethiker Dominic Roser in einfacher Weise die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Armut, und zeigte auf, dass es Lösungsansätze gibt. Unter http://www.stoparmut2015.ch/konferenz/videos-und-berichte/ findet sich nebst diesem Beitrag drei weiteren Referate des Konferenzvormittags aufgeschaltet. 
Dominic Roser an der StopArmut Umweltkonferenz

Es war ein Tag, der neue Einsichten vermittelte, Mut machte, sich den Herausforderungen zu stellen und mehr auf Lebensqualität als auf Lebensquantität bedacht zu sein. Etwas, das Christen nicht abschrecken sollte, denn in der Bibel entdeckt man, was das Leben wirklich „reich“ macht. 
Und doch: Haben wir nicht auch einen blinden Fleck, was unser Mitwirken und unsere Mitverantwortung an der globalen Ungerechtigkeit betrifft?

Aus persönlicher Sicht will ich nachfolgend zu ein paar Aussagen Stellung nehmen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer wieder erwähnt werden:

Man sagt: Klimawandel ist etwas ganz Natürliches. Die Klimaschwankungen gab es schon immer. 
Dagegen: Stimmt. Doch der Klimawandel, der jetzt unsere Welt ernsthaft bedroht, ist Menschengemacht. Darin sind  sich weltweit die Wissenschaftler einig (überdeutlich: 97% stimmen darin überein). Die natürlichen Schwankungen können „verdaut“ werden, aber wenn wir den vom Mensch verursachten Klimawandel jetzt nicht bremsen/stoppen, wird es schon für die nächste Generation zu einem Riesenproblem.

Man sagt: Klimawandel ist ein globales Problem. Ich als einzelner/einzelne kann nichts dagegen tun. 
Dagegen: Auch wenn uns diese Aussage einleuchtet, ist sie eine Illusion. Normalerweise reagieren wir, wenn wir die Folgen unserer Handlungen spüren. Doch beim Klimawandel verhält es sich so, dass wir an einem Punkt der Erde etwas tun, die Auswirkungen (z.B. Überschwemmungen, Dürren, vermehrte Wirbelstürme) zeigen sich jedoch oft an einem ganz anderen Ort auf der Welt. Die Herausforderungen, die jetzt auf uns zukommen, haben für uns weitgehend ungewohnte, neue Dimensionen.
Klimawandel ist ein globales Problem; wir haben nur diese eine Welt. Deshalb stehen wir auch alle miteinander in der Verantwortung für die ganze Welt. Weniger allgemein ausgedrückt: Unsere Generation ist für das verantwortlich, was die kommenden Generationen vorfinden. Darum gilt: Ich bin die Frau, die heute mit meinem Lebensstil den Klimawandel beeinflusst. Ich habe es in der Hand. Es ist in meiner Entscheidung, etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Man sagt: Zugegeben, unsere Industrialisierung hat als negative „Nebenwirkung“ Klimawandel zur Folge. Nun sollen aber die aufstrebenden Länder nicht den gleichen Fehler machen. Wir sind geneigt, mit dem Finger z.B. auf China zu zeigen, das so viel CO2 produziert, und wir sagen: Wenn wir reduzieren müssen, müssen sie das auch und sich ebenso beteiligen an den Kosten, die der Klimawandel verursacht. Aber diese Länder entgegnen: Ihr habt mit eurer Industrialisierung und mit eurer Energieverschwendung Wohlstand erarbeitet. Wir wollen das auch.  
Dagegen: Die Industrialisierung hat die westlichen Länder aus der Armut hinausgeführt (eindrücklich dargelegt im erwähnten Referat von Dominic Roser). Wir haben nicht das Recht, den von Armut betroffenen Ländern diese Entwicklung vorzuenthalten, die uns selber geholfen hat. Aber wir stehen in der Verpflichtung, mit grossem Engagement umweltverträgliche Technologien zu finden und zu entwickeln und diese den Entwicklungsländern zu fairen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Sie sollen den Fortschritt haben dürfen, aber mit sauberen Technologien. 
Dies ist möglich!

Noch ein letzter Gedanke:
Klimawandel/Klimaschutz ist global und hält sich nicht an Grenzen von Nationen oder Kontinente. Politiker, die immer nur auf das regionale oder nationale Wohl bedacht sind, sind kurzsichtig, oder noch deutlicher ausgedrückt, egoistisch. Ich werde nur noch Politiker unterstützen, die auch die grossen Dimensionen im Blick haben und sich deshalb auch für das weltweite, eben globale Wohl der Menschheit und für Gerechtigkeit für alle Menschen einsetzen. 
Dass dies sich vordergründig und kurzfristig ev. zu unserem „Nachteil“ auswirkt, soll mich nicht schrecken. Denn ohne Teilen gibt es keine Gerechtigkeit. Dies würde zu weiteren Überlegungen führen, wie „Wovon hängt meine Lebensqualität ab?“, „Brauchen wir immer noch mehr Wachstum?“

Die Konferenz hat mich zum Nach- und Weiterdenken angeregt. Mehr dazu unter http://www.stoparmut2015.ch/konferenz/videos-und-berichte/.

Elisabeth Roser war bis vor kurzem Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika