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Sonntag, 18. Oktober 2020

Wenn die Wölfe den Sonntag einheulen

Ein Gedanke

Katholische Kirche in Blauen
Foto © Jörg Niederer
"Wenn man für jeden Donner und Blitz, / Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz, / Die Glocken müßt läuten im Land umher, / Es wär bald kein Meßner zu finden mehr." Friedrich von Schiller (1759 - 1805), aus: Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Lager, 1798. 8. Auftritt, Kapuziner

Ein Bibelvers - Psalm 145,18

"Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn wahrhaft anrufen."

Eine Anregung

Der Tierpark Goldau veröffentlicht regelmässig Informationen über die verschiedenen Tiere, die man in diesem Alpenraum-Zoo besuchen kann. In einem aktuellen Video erzählt die Betreuerin der Wölfe von deren Verhalten. So würden die Wölfe je nach Musik mitsingen beziehungsweise mitheulen. Und fast immer stimmten sie in das Glockengeläut der nahen Kirche mit ein, als wollten sie, wie die Kirchglocken, die Menschen zur Besinnung, zum Gebet rufen.

Das kurze Video zu den Wölfen ist hier zu finden: https://youtu.be/QvQKPOYQNxg

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 17. Oktober 2020

Andauerndes Warten

Ein Gedanke

Flechte auf Kieselstein
Foto © Jörg Niederer
„Nirgendwo habe ich mehr Ruhe gefunden als in Wäldern und in Büchern.“ (Thomas von Kempen, Augustiner-Chorherr und geistlicher Schriftsteller, um 1380–1471 - Siehe https://www.einfachbewusst.de/2019/03/zitate-langsamkeit/)

Ein Bibelvers - 2. Petrus 3,18

"Wachst vielmehr in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Ihm sei Ehre, jetzt und bis zum jüngsten Tag. Amen."

Eine Anregung

Flechten wachsen langsam. Krustenflechten manchmal nur wenige Zehntelsmillimeter pro Jahr. Es dauert also. Und nun dauert es mit dem Corona-Virus auch. Länger als vermutet, und statt dass es besser wird, wird es wieder schlimmer. Diesen Blog begann ich zu schreiben, um als Pfarrer in der Zeit des Lockdowns mit den Gemeindegliedern der Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Die darin geäusserten Gedanken sollen Anregungen sein, über den christlichen Glauben nachzudenken - darum ein Bibelzitat - das in irgend einer Weise in Beziehung steht zu dem, was da sonst noch niedergeschrieben ist, und natürlich zum Foto. Nicht immer sind diese Zusammenhänge auf den ersten Blick ersichtlich. Meist dabei ist auch eine Anregung, um etwas zu tun, oder sich für etwas weiter zu interessieren.

Dies ist das 213. Mal, dass ich einen solchen kurzen Blog-Text schreibe. Ich gebe es zu. Die Beiträge sind nicht immer tiefgründig oder originell. Gerade jetzt, in meinen Ferien, nehme ich was kommt. Und da frage ich mich, in einer Zeit, in der die meisten Fachleute wieder von Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen sprechen, von Isolation und Abstand halten, von Homeoffice usw., ob mir für weitere 213 Blogbeiträge eine Idee kommen wird.

Was es mir gebracht hat in dieser zurückliegenden Zeit? Ich habe wieder bewusster die Bibel gelesen und sie in einen Alltagsbezug setzten können. Und wie ist es dir gegangen in dieser andauernden Zeit der Lebenskonzentration?

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 16. Oktober 2020

Alles Ding währt seine Zeit - von der Schlehe

Ein Gedanke

Beeren des Schwarzdorns (Schlehen)
Foto © Jörg Niederer
"Versprochene Beeren füllen die Körbe nicht." Sprichwort

Ein Bibelvers - 3. Mose 19,10

"Auch in deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten, und die abgefallenen Beeren deines Weinbergs sollst du nicht einsammeln. Dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen. Ich bin der Herr, euer Gott."

Eine Anregung

Gestern sammelte ich Schlehen, die Beeren des Schwarzdorns, der bei uns in Hecken und an Waldrändern wächst. Sie sind mir nun Basis für Saft, Konfitüre und Likör.

Die Beeren brauchen den Frost, damit sie für Menschen bekömmlicher, süsser werden. In meinem Fall wanderten sie für eine Nacht ins Eiskühlfach.

Auch interessant: Die Kerne enthalten Blausäure. Diese wird aber nur freigegeben, wenn man die Kerne zertrümmert. Dann entwickelt sich das Marzipanaroma. Das sollte man aber nicht bei mehr als zwei Kernen tun auf einen Liter Saft.

Ich bin gespannt, wie sich der Likör entwickelt. Vier bis acht Wochen heisst es nun warten. Der Saft wird aber schon in vier Tagen soweit sein. "Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Liebe in Ewigkeit."

Und hier geht es zu einem Video über die Schlehe: https://youtu.be/TNt9553JtJE

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Wenn die Vögel ziehen, erscheinen die Pilze

Ein Gedanke

Pilz von oben betrachtet
Foto © Jörg Niederer
"Erfahrungen sammelt man wie Pilze: einzeln und mit dem Gefühl, dass die Sache nicht ganz geheuer ist."
Erskine Caldwell (1903 - 1987), ein US-amerikanischer Schriftsteller 

Mehr Pilzzitate hier: https://www.entoloma.de/?view=article&id=355:sprueche-und-weisheiten-mit-pilzen&catid=108

Ein Bibelvers - Haggai 2,17

"Ich habe euch, das ganze Werk eurer Hände, mit Getreidebrand geschlagen und mit Mehltau und mit Hagel, euch aber hat das nicht zu mir getrieben. Spruch des Herrn."

Eine Anregung

Pilze sind schön und hässlich. Pilze sind giftig und essbar und ungeniessbar. Pilze hat es im Käse und im Mehl. Manche Pilze leuchten. Und andere Stinken.

Pilzen begegne ich gerade wieder täglich auf meinen Wanderungen und Spaziergängen. Selbst im Zerfall entfalten sie mitunter Schönheit.

In der Bibel werden nur an zwei Stellen Pilze erwähnt. Beide Male sind es unerwünschte Sorten, die das Getreide verderben. Mehr dazu unter https://hochschul.net/biblische-pilze-oktober-2016/

Wo begegnen dir Pilze im Alltag? Und an wie vielen verschiedenen Sorten Pilzen gehst du beim nächsten Spaziergang vorbei?

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Ein Orthodoxes Kloster inmitten des Schweizer Juras

Ein Gedanke

Das Kloster Beinwil im Solothurner Jura
Foto © Jörg Niederer
"Gebet ist das Ablegen von Gedanken." Wüstenvater Evagrios Ponticus, (345-399)

Ein Bibelvers - Matthäus 11,2+3

"Als Johannes (der Täufer) nun im Gefängnis von den Taten des Christus hörte, sandte er seine Jünger zu ihm und liess ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?"

Eine Anregung

Gestern besuchte ich das Kloster Beinwil. Dabei wurden Erinnerungen wach an Zeiten, als ich Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche Rothrist war. Im Kloster Beinwil erstanden wir damals den Abendmahlskelch, und dort verbrachten wir eine Retraite als Leitungsteam.

Das einstige katholische Kloster hat sein Bild bewahrt und ist dennoch im digitalen Zeitalter angekommen. Auf dem Bauernhof neben dem Kloster gibt es Produkte direkt ab Hof zu kaufen, und alles lässt sich jetzt bequem per TWINT bezahlen.

Heute lebt im Kloster eine orthodoxe Gemeinschaft von Männern und Frauen, und bieten es für Gruppen und Einzelpersonen als Ort der Einkehr an. Auf https://www.airbnb.ch/rooms/33728697?source_impression_id=p3_1602654922_xtBSc7wdWps7rVkk ist es als Superhost geführt. Das ist ein Ort, an dem die Gastgeber alles geben für ihre Gäste. Solches wurde mir gestern auch von einem Ansässigen bestätigt. Es sei Leben ins Kloster zurückgekehrt: "Die Brüder machen das gut!"

Von diesen Brüdern erfährt man im folgenden Bericht mehr; ein Interview mit Abt und Äbtissin: https://www.kirche-heute.ch/blog/im-griechischen-kloster-fand-ich-was-ich-suchte/

Nun überlege ich mir, ob ich nicht wieder einmal im Kloster einen Zwischenhalt einlege. Zeit für Ruhe, kombiniert mit Wanderausflügen auf die zweite Jurakette.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Dienstag, 13. Oktober 2020

Staudamm in Turmform

Ein Gedanke

Energy Vault Turm
Foto © Jörg Niederer
"Die Idee ist gut, die Blöcke sind gebaut, heben und senken sich schon in Arbedo-Castione. Womöglich tun sie das schon bald auf der ganzen Welt." falcomeyer.ch in Transhelvetica #61, Seite 51

Ein Bibelvers - Lukas 14,28

Jesus: "Wer von euch wird sich, wenn er einen Turm bauen will, nicht zuerst hinsetzen und die Kosten berechnen, ob er auch genug habe zur Ausführung."

Eine Anregung

Dieser 120 Meter hoher Turm mit seinen speichenförmig angeordneten sechs Armen ist laut der Zeitschrift Transhelvetica ein "Staudamm in Turmform". Gestern wanderte ich in Arbedo-Castione am 8-9 Millionen Franken teuren Prototypen von Engergy Vault https://energyvault.com/ vorbei. Bei dem Turm handelt es sich um ein Hubspeicherkraftwerk. In Zeiten, in denen viel Energie anfällt, werden mit dieser überschüssigen Energie 35 Tonnen schwere Verbundsteinblöcke an den Armen in die Höhe gezogen. In Zeiten, in denen diese Energie benötigt wird, treiben sie durch die Schwerkraft Generatoren an, welche bis 35 MWh Strom erzeugen. Damit können 2000 bis 3000 Wohnungen acht Stunden lang mit Energie versorgt werden.

Vor allem unregelmässig anfallende, erneuerbare Energie kann auf diese Weise weitgehend risikoarm und mit einem 80-prozentigen Energieeffizienzgrad zwischengespeichert werden.

Nun habe ich das Wunderding mit eigenen Augen gesehen. Die Nachfrage sei aussergewöhnlich hoch. Hier eine Drohnenaufnahme vom August 2020 - https://energyvault.com/cdu-drone-footage/

Und dank der sehr lesenswerten Transhelvetica https://transhelvetica.ch/ bin ich über den Sinn dieser Technologie auch im Bilde.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Montag, 12. Oktober 2020

Mit Victory-Zeichen und vollem Drall

Ein Gedanke

Zackelschaf auf einer Weide bei Gachnang
Foto © Jörg Niederer
"Schafe besitzen die beeindruckende Fähigkeit, sich die Gesichter von Menschen und bis zu 50 anderen Schafen über einen Zeitraum von zwei Jahren zu merken." https://www.peta.de/faszinierende-schafe

Ein Bibelvers - 2. Samuel 22,3
"Gott, mein Hort, bei dem ich Zuflucht suche, mein Schild und das Horn meines Heils, meine Burg und meine Zuflucht, mein Helfer, aus Gewalt rettest du mich."

Eine Anregung

So wie auf dem Foto sahen die ungarischen Schafe früher alle aus, also so ab 1600 nach Christus. Heute haben andere Rassen sie verdrängt. Das Zackelschaf stammt direkt vom Urschaf Urial ab, und ist geschützt. Die v-förmige abstehenden gedrillten Hörner entwickelten sich im Verlauf einer 700-jährigen Haltung und Domestizierung. Vier solche Zackelschafe, die schwarzen sind seltener als die weissen, beobachtete ich gestern, wie sie mit zwei Heideschafen bei einem Bauernhof weideten. Von den Wildschafen haben sie die Aufmerksamkeit und das Misstrauen behalten. Eine Katze die aussen am Gatter vorbeistrich, wurde sofort entdeckt und nicht mehr aus den Augen gelassen. Fettes Futter vertragen die Tiere nicht. Das erklärte mir der Bauer, der mindestens so faszinierend aussah wie die beiden Schafe.

Was mir auch aufgefallen ist. Die Tiere gehen achtsam miteinander um und schaffen es, trotz langer Hörner, nahe beieinander zu bleiben und sich dabei gegenseitig nicht zu verletzen.

Das schaffen Menschen - selbst ohne Hörner - nicht immer.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika