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Mittwoch, 6. Januar 2021

Ein ganzes Jahr lang Dreikönigskuchen

Ein Gedanke

Huldigung de Weisen. Kirche Romanshorn
Foto © Jörg Niederer
"Jeder Mensch sei König in seinem Gewerbe!" Sprichwort

Ein Bibelvers - Matthäus 2,1+2

"Als Jesus in Betlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes zur Welt gekommen war, da kamen Sterndeuter aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihm zu huldigen."

Eine Anregung

Seit wann gibt es den Dreikönigskuchen?

Sein Vorbild hatte er wohl im Brauch des Bohnenkönigs des Römischen Reichs. Am Festtag, der dem Ackergott Saturn geweiht war, wurde zu dessen Ehren ein Kuchen gegessen, in den eine Bohne eingebacken war. Wer sie fand, wurde Bohnenkönig.

Erste literarische Belege, dass dieser Brauch ins Christentum gelangt war und am Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias bzw. 6. Januar) gefeiert wurde, datieren in den Jahren 1561 und 1572. Doch schon vor der Reformation war dieser Brauch bekannt. Ursprünglich ein Honigkuchen ist es heute ein Hefegebäck oder eine andere Sorte Kuchen. Bei allen regional unterschiedlichen Rezepten gibt es eine Gemeinsamkeiten. In allen Dreikönigskuchen wird entweder eine Bohne, eine Mandel, eine Münze oder eine kleine Figur eingebacken. Die meist runde Form der Kuchen passt zur Krone. Frankreich kennt gleich zwei verschiedene Ausführungen. In Mexiko sind im Kuchen mehrere Porzellan- oder Keramikfigürchen versteckt. Wer nun unter den Figürchen das Porzelankindchen findet, muss am 2. Februar die Leute zu einem weiteren Kuchenessen einladen.

Man kann wohl ein ganzes Jahr lang Dreikönigskuchen aus verschiedensten Ländern und in verschiedensten Ausführungen backen. Soweit ich sehe, ist noch keine Sammlung von Dreikönigskuchenrezepten in einem Kochbuch erschienen. Betty Bossi ist da also noch gefordert. Aber bei Wikipedia findet man Anregung in grosser Zahl: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreik%C3%B6nigskuchen

(PS: Ich melde mich gerne als Kuchentester!)

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Dienstag, 5. Januar 2021

Jeder Zweite (miss-)traut der Pfarrperson

Ein Gedanke

Geistliche an einer Ordination in Polen
Foto © Jörg Niederer
"Heirate, und du bist wohlauf für eine Woche! Schlachte ein Schwein, und du bist wohlauf für einen Monat! Werde Priester, und du bist versorgt fürs ganze Leben." Sprichwort

Ein Bibelvers - 1. Timotheus 5,17

"Die Ältesten, die ihr Amt gut versehen, seien doppelter Anerkennung wert, besonders die, die in Verkündigung und Lehre ihr Bestes geben."

Eine Anregung

Wie viel Vertrauen geniessen die Pfarrerinnen und Pfarrer? Regelmässig nehmen Comedians die Geistlichkeit auf die Schippe. In der Literatur finden sich viele wenig schmeichelhafte Charakterisierungen von Kirchendienern, so etwa auch in Sarah Perrys Roman "Die Schlange von Essex". Dort äussert sich der Arzt Luke Garret über den Pfarrer und vermeintlichen Nebenbuhler Charles Ambrose: Er sei einer, "der sich selber durch einen Pfaffenkragen strangulierte und obendrein von geringem Verstand war".

Im Ranking der GfK-Studie "Trust in Professions 2016" kommen die Pfarrer und Priester durchschnittlich bis schlecht weg. In der Schweiz schneiden sie nur knapp über der Hälfte möglicher Prozentpunkte ab. Während Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Krankenschwestern obenaus schwingen, ja selbst Buschauffeure und Zugsführer sehr grosses Vertrauen geniessen, landen Geistliche im Umfeld von FernsehansagerInnen, SchauspielerInnen, Markt- und Meinungsforschern und Bankern. Journalisten, Werbefachleute und PolitikerInnen wird aber noch einmal deutlich weniger vertraut.

Es gibt also noch Steigerungspotential für die professionell Glaubenden.

Kennst du Pfarrerinnen und Pfarrer? Vertraust du ihnen? Lässt du dich seelsorglich beraten? Betest du für Pfarrpersonen?

Die GFK-Studie zu den vertrauenswürdigen Berufsgruppe kann man sich hier herunterladen: https://www.nim.org/sites/default/files/medien/135/dokumente/trust_in_professions_2016.pdf

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Montag, 4. Januar 2021

Kirche als Gemischtwarenladen oder Kuriositätenkabinett

Ein Gedanke

In der Kirche Saint-Maurice in Lille
Foto © Jörg Niederer
"Die edelste Kunst ist, andere glücklich zu machen." Phineas Taylor Barnum (1810-1891)

Ein Bibelvers - Psalm 27,4

"Eines nur habe ich vom Herrn erbeten, dies eine begehre ich: zu wohnen im Hause des Herrn alle meine Tage, zu schauen die Freundlichkeit des Herrn und nachzusinnen in seinem Tempel."

Eine Anregung

Phineas Taylor Barnum war ein US-amerikanischer Zirkusgründer. Sein Kuriositätenkabinett betrieb er nach dem Grundsatz: "Da ist für jeden ein bisschen dabei".

Nach Barnum ist ein Effekt benannt, der durch die Psychologie bei Horoskopen und in der Graphologie beobachtet wird. Dabei werden Formulierungen und Beschreibungen so allgemein gehalten, dass sich fast jede Person in den Aussagen finden kann. Folglich wird ein Horoskop fast immer als auf die eigene Person zutreffend empfunden.

Von allem ein Bisschen gibt es in vielen Gottesdiensten verschiedenster Kirchen: Ein Gemischtwarenladen gefälliger Elemente. Ein bisschen Lobpreis, ein bisschen Prophetie, ein bisschen Gefühl, ein bisschen Humor, ein bisschen Philosophie, ein bisschen Mitwirkung, ein bisschen Zuspruch, ein bisschen Hokuspokus, ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kunst, ein bisschen Pomp, ein bisschen Armut, ein bisschen Technik, ein bisschen Kerzenlicht, ein bisschen Tradition, ein bisschen Traditionsbruch, ein bisschen Wasser, ein bisschen Wein, ein bisschen Liturgie, ein bisschen freies Gebet, ein bisschen Talar, ein bisschen T-Shirt.

Laut Studien glauben nur gerade 2 Prozent der westlichen Bevölkerung mit Überzeugung an die Astrologie. Aber ein weitaus grösserer Teil der Menschen empfinden Horoskop-Texte als für sie zutreffend. Doch dazu müssen sie nicht zur Astrologin gehen. Ihnen reicht die Illustrierte.

Wie viele Menschen glauben so sehr an die Kraft von Gottesdiensten, dass sie diese unbedingt besuchen? Ich vermute, dass es auch nicht mehr sind als etwa 2 Prozent. Von den andern finden viele die Gottesdienste nicht schlecht, sind manchmal bei seltenen Besuchen auch ganz angetan davon. Aber weil darin von allem ein bisschen steckt, ist das Meiste davon für die Meisten nicht relevant. Der Gottesdienst wird auf die Dauer als langweilig empfunden. Es sei denn, man macht daraus ein Kuriositätenkabinett voller Wunder, eine religiöse Unterhaltungsshow.

Ich frage mich ernsthaft: Wie muss Kirche sein, so dass sie nicht wie der Zirkus von Barnum für alle ein bisschen bietet? Wie muss Kirche sein, dass sie den Leuten nicht nach dem Mund redet, und dennoch mit ihrer Botschaft den Nerv der Zeit trifft. Wie muss Kirche sein, damit sich die Botschaft von Jesus Christus durch kirchliche Form und Sprache nicht abnutzt und verblasst?

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 3. Januar 2021

Erbarmungslose Barmherzigkeit

Ein Gedanke

Der barmherzige Gott (Kirche Gähwil)
Foto © Jörg Niederer
"Nie soll das Geld König sein, sondern die Barmherzigkeit." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Jakobus 2,12+13

"Denn das Gericht (Gottes?) kennt kein Erbarmen mit dem, der nicht Barmherzigkeit übt. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht."

Eine Anregung

Es gibt zwei Herleitungen für das deutsche Wort "Barmherzigkeit"

Die althochdeutsche Entsprechung "armherzi" von Lateinischen "misericors" (lateinisch miser "arm, elend" und cor beziehungsweise cordis "Herz") wurde ab dem 8. Jahrhundert auch als "barmherzig" ausgesprochen.

Andererseits stand im Althochdeutschen das Wort "barm" für "Schoss" oder "Busen" und hatte auch eine juristische Bedeutung im Sinn von "Unterhalt, Pflege".

Ein Herz für Arme oder die Bereitschaft, für jemanden aufzukommen: Wie leben wir heute die Barmherzigkeit? Mehr dazu in einer Predigt, die per Livestream um 10.30 Uhr übertragen wird. Darin gehen wir auch der von biblischen Sprachen geprägten Bedeutung von Barmherzigkeit nach. 

Ausgangspunkt sind die Jahreslosung über Lukas 6,36 und deren künstlerischen Gestaltung von manuminor. Mehr unter https://youtu.be/F40KhZt6gbM

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 2. Januar 2021

Weihnachtsbaum Adieu

Ein Gedanke

"Vor einem strahlenden Tannenbaum werden alle Zweifel stumm." Hans Fallada (1893-1947), Schriftsteller

Ein Bibelvers - Psalm 92,13+14

Weihnachtsbaum in Prag
Foto © Jörg Niederer
"Der Gerechte sprosst wie die Palme, er wächst wie die Zeder auf dem Libanon. Gepflanzt im Haus des Herrn, blühen sie auf in den Vorhöfen unseres Gottes."

Eine Anregung

Christbäume haben schon bald ausgedient. Ihre Entsorgung ist von Region zu Region anders organisiert. Was aber geschieht mit den alten Bäumen?

Sehr viele landen in der Kehrichtsverbrennung. Auch das Kompostieren ist möglich. Da muss aber gewährleistet sein, dass keine schädlichen Chemikalien und auch kein Plastik in den Boden gelangen. Wieder andere Bäume, vor allem die, welche geerntet und nicht verkauft wurden, werden an Zoos abgegeben, und dienen als willkommene Abwechslung beim Tierfutter. Wieder andere Tannen versenkt man in Seen, um den Fischen Versteck und Laichmöglichkeiten zu bieten. Da und dort gibt es auch als Zwischenschritt ein Weihnachtsbaum-Wettwerfen. Und selbst Spanblatten werden aus alten Christbäumen produziert.

Noch ist es aber nicht ganz so weit, feiern doch viele orthodoxe Christen ihre Weihnachten am 6. Januar. So kann man sich also doch noch einmal das Lied vom Weihnachtsbaum anhören: https://youtu.be/9lIHKyYmWGU 

Die Livestream-Predigt vom Sonntag orientiert sich an der Jahreslosung und an deren künstlerischen Gestaltung von manuminor. Barmherzigkeit steht im Zentrum von Lukas 6,36. Zu entdecken gibt es starke mütterliche und väterliche Vorbilder. Mehr ab Sonntag, 10.30 Uhr unter https://youtu.be/F40KhZt6gbM 

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Freitag, 1. Januar 2021

Vom Glück und den kleinen Dingen

Ein Gedanke

Wald-Sauerklee im Winter
Foto © Jörg Niederer
"Du wurdest erschaffen, um in Gott glücklich zu sein." John Wesley (1703-1791)

Ein Bibelvers - Lukas 6,36

"Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!"

Eine Anregung

Um ein vierblättriges Kleeblatt zu finden braucht es Glück, da es deutlich seltener ist als die dreiblättrigen.

Der Legende nach soll Eva ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies mitgenommen habe. Darum sagt man, dass die, welche ein vierblättriges Kleeblatt besitzen, ein Stück Paradies mit sich tragen.

Wenn es nur so einfach wäre mit dem Glück.

Jesus dagegen ortet das Glück an unerwarteter Stelle: "Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten" (Matthäus 5,5). Daran halte ich mich. Und wenn ich ein vierblättriges Kleeblatt finde, dann lasse ich es stehen. So hat das Kleeblatt Glück, und darf noch weiter gedeihen.

Den Wald-Sauerklee habe ich mitten im Winter fotografiert. Suche doch auf einem Spaziergang danach, und wenn du ihn findest, nimm eines seiner drei Blättchen in den Mund und spüre die Würze.

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Werdet barmherzig - aber wie?

"Werdet barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." (Lukas 6,36)

Christus, die Barmherzigkeit Gottes in der Kirche Gähwil
Foto © Jörg Niederer
Wir bekommen im neuen Jahr sicher viele Einladungen, barmherzig zu werden, wie Gott es ist, wie ein Vater und wie eine Mutter. Barmherzigkeit, die mehr beinhaltet als Verbundenheit und das emotionale Einlassen auf Menschen. Das zeigt uns der Kontext im Lukas-Evangelium. Unsere Barmherzigkeit soll sich auch darin zeigen, wie wir urteilen.

Welch eine Herausforderung! Uns einzulassen auf Menschen und ihre Schicksale, aber auch unseren Sinn für das, was stimmt, in Frage stellen zu lassen. Unseren Rahmen, der unseren Blick auf die Welt bestimmt, verändern zu lassen.

Wie werde ich barmherzig im Hinblick auf

• Geflüchtete, die im Mittelmeer sterben oder in Lagern auf europäischem Boden gefangen bleiben?
• Palästinenser, die unaufhaltsam und völkerrechtswidrig von ihrem Grund und Boden vertrieben werden?
 Journalisten, die zensiert und bedroht werden, ohne dass es Kolleginnen stört?
 Meere, die mit Plastik zugemüllt, und Lebewesen, die ausgelöscht werden?
 kritische Fragen und angebotene Alternativen, die ignoriert in der Schublade "Verschwörungstheorie" verschwinden?

Ich weiss nicht, ob ich mich freue oder davor fürchte, dass Gott mich weiterhin zur Barmherzigkeit einlädt.