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Freitag, 30. Oktober 2020

Frosch-Spekulationen

Ein Gedanke

Teichfrosch
Foto © Jörg Niederer
"Die Arbeit ist kein Frosch. Sie hüpft nicht davon." Aus einem Arbeiterlied

Ein Bibelvers - Offenbarung 13,16

"Und ich sah aus dem Schlund des Drachen und aus dem Maul des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister fahren - wie Frösche."

Eine Anregung

Der Name von Christoph Froschauer (um 1490-1564) bezieht sich wohl auf die von Fröschen belebten Auen. Aber was ist mit dem Frosch reitenden Baby gemeint, das auf dem Froschauerbrunnen in Zürich zu sehen ist? Es gibt verschiedene Erklärungen.

Eine erste Erklärung: Frösche sind in der Bibel negativ bewertet. Sie gehörten zu den 10 ägyptischen Plagen. In der Offenbarung steigen Frösche aus dem Maul falscher Propheten. Damit werden wohl Geschwätzigkeit und Alternative Facts dargestellt. Nun gilt: Wer ein Tier reiten will, muss es beherrschen. Falls also mit dem Baby Christoph Froschauer selbst symbolisiert wird (das Kind hält eine Fahne mit dessen Initialen in den Händen), dann könnte mit diesem Druckerzeichen - darum handelt es sich beim Baby auf dem Frosch - ausgedrückt werden, dass der Buchdrucker Froschauer sich nicht von Lügen und Gerüchten bestimmen lässt; im Gegenteil: Froschauer verstand sich der Wahrheit und Seriosität verpflichtet.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass Froschauer auf seinen Namenspatron und Christusträger Christophorus anspielte. Er, Froschauer, in Gestalt eines Frosches, trüge dann Christus durch den Sumpf katholischer Heiligenverehrung.

Darüber hinaus gibt es vom Basler Buchdrucker Adam Petri (1454-1527) aus dem Jahr 1523 im Nachdruck der Lutherbibel ein Druckerzeichen, bei dem ein fahnentragendes Baby auf einem Löwen reitet. Auf der Fahne findet sich das Monogramm von Jesus Christus und die Initialen Petris. Vielleicht war Froschauers Druckerzeichen ein ironischer Gegenentwurf zu Petris Signet.

Auf der folgenden Webseite kann man sich selbst einen illustrierten Eindruck über all diese Frosch-Spekulationen machen: http://www.symbolforschung.ch/buchdruckerzeichen.html


Am kommenden Sonntag, es ist zugleich Allerheiligen und Reformationssonntag, sollen Heilige im Mittelpunkt stehen. Mit dem "Heiligen", den ich portraitieren werde, beziehungsweise von dem ich lernen möchte, wie man leichter und überzeugender an Gott glauben kann, rechnet bestimmt niemand. Also  lasst dich überraschen. Die Predigt dazu aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wird um 10.30 Uhr live übertragen: https://youtu.be/vwTI6p4R20s

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Von einem Baby, einem Frosch, einigen Würsten und geduldigem Papier

Ein Gedanke

Froschauerbrunnen in Zürich
Foto © Jörg Niederer
"Diese meine Arbeit widme ich dir, geliebter Gevatter Froschauer, bewogen durch meine Liebe zu dir und wegen deines feurigen Eifers für die Sache des Evangeliums, welche du auf jede Weise zu befördern strebst." Heinrich Bullinger im Vorwort des Kommentars zum Markusevangeliums, 1541 von Christoph Froschauer herausgegeben.

Ein Bibelvers - Jesaja 30,8

Gott zu Jesaja: "Nun komm, schreib es auf eine Tafel bei ihnen, und verzeichne es in einem Buch, damit es an einem künftigen Tag Zeuge ist für alle Zeiten."

Eine Anregung

Der Brunnen bei der Predigerkirche gleich mit seinen Verzierungen und der skurrilen Figur zuoberst auf der runden Stele einem Totempfahl. Jetzt im Herbst spuken die vier Gesichter coronakonform nichts in den steinernen, achteckigen Trog.

Es geschah 13 Jahre vor seinem Pesttod 1564, da erstand der Buchdrucker Christoffel Froschauer das ehemalige Frauenkloster St. Verena an der Kleinen Brunngasse in Zürich. Am Ende dieser Gasse stand der Züblibrunnen. Diesem Brunnen nun setzte der zu dieser Zeit längst schon weltberühmte Froschauer die Krone in Form seines Druckerzeichens auf. Ein grosser Frosch, auf dem ein Kleinkind mit Fähnchen reitet.

Froschauer, geboren um 1490 im oberbayrischen Kastl, war der erste Buchdrucker in der Stadt Zürich. Seine Druckerzeugnisse, darunter die Zürcher Bibel von Reformator Huldrich Zwingli aus dem Jahr 1530, verhalfen der Reformation so richtig Fahrt aufzunehmen.

Die Druckerei baute er ab 1515 zusammen mit Hans Rüegger auf. Nach dessen Tod 1517 heiratete er die Witwe und führte die Druckerei in Eigenregie weiter. 1519, also schon vier Jahre nach seiner Ankunft in Zürich, wurde ihm das Stadtbürgerrecht verliehen.

Die Buchdruckerei von Christoph Froschauer war auch ein Debattierclub für die Gelehrten seiner Zeit. Wohl bei solchen Gesprächen entschied man sich zum berühmt gewordenen "Froschauer-Wurstesssen" das am 9. März 1522 dort stattfand. Mitten in der Fastenzeit verstiessen hochgestellte Stadtzürcher unter Beisein mehrerer Geistlicher - auch Zwingli war da, aber ohne mitzuessen - provokativ gegen das Abstinenzgebot. Dieser Anlass in Zürich hatte für die Reformation in der Schweiz etwa die selbe Wirkung wie der Wittenberger Thesenanschlag in Deutschland.

Und was hat es nun auf sich mit dem Frosch reitenden Kleinkind. Darüber schreibe ich morgen mehr.


Am kommenden Sonntag, es ist zugleich Allerheiligen und der Reformationssonntag, sollen Heilige im Mittelpunkt stehen. Mit dem "Heiligen", den ich portraitieren werde, beziehungsweise von dem ich lernen möchte, wie man leichter und überzeugender an Gott glauben kann, rechnet bestimmt niemand. Also  lasst dich überraschen. Die Predigt dazu aus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wird um 10.30 Uhr live übertragen: https://youtu.be/vwTI6p4R20s

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Grossstadtblüte neben Höllentor

Ein Gedanke

Tastende Lichter von Pipilotti Rist
Foto © Jörg Niederer
Blüten wachsen an den unmöglichsten Orten aus dem Asphalt. Schillernd widerstehen sie.

Ein Bibelvers - Jesaja 9,1

"Das Volk, das in der Finsternis geht, hat ein grosses Licht gesehen, die im Land tiefsten Dunkels leben, über ihnen ist ein Licht aufgestrahlt."

Eine Anregung

"Chilbi, Überwachungskamera, UFO" fragt der Tagesanzeiger ob dieser farbigen, scheinwerferbestückten, 17 Meter hohen Grossstadtblume. Sie steht auf dem Heimplatz in Zürich zwischen Kunsthaus, Erweiterungsbau und Schauspielhaus. An diesem Ort muss es etwas mit Kunst zu tun haben und wohl weniger mit einer etwas allzufröhlich geratenen Überwachungsanlage. So ist es denn auch. Pipilotti Rist lässt mit einer Erweiterung des vor ein paar Jahren begonnenen Werks "Tastende Lichter" nachts farbige Punkte verbindend über die drei Institutionen wandern. 

Im Grau des Heimplatzes mit seinem überbordenden Verkehr ist diese Asphaltblüte ein echter Eyecatcher. Aus dem Gespinst der Tramfahrleitungen strebt das Gebilde der Sonne entgegen. Mal schauen, was für Brummer von Hummeln und Bienen damit angezogen werden. Kritiker sind jedenfalls schon im Anflug.

Mir gefällt ja am Heimplatz am besten, dass ich da nicht lange Zeit verweilen muss. Und dann gefällt mir auch der Gegensatz von Auguste Rodins schwarzem, düsterem Höllentor (siehe https://www.zuerich.com/de/besuchen/sehenswuerdigkeiten/hoellentor-auguste-rodin ) und der lebensfreudigen, bunten Lichtskulptur von Pipilotti Rist.

Zu Pipilotti Rist gibt es gerade eine Aktuelle Ausstellung: https://pipilotti.kunsthaus.ch/

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika