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Mittwoch, 21. April 2021

Der Westgote auf dem St. Galler Grabstein

Ein Gedanke

Grabstele von Gottfried Bion (1804-1876) vor der Kirche St. Mangen in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Das Wesentliche des Romantischen ist Ungewissheit." Oscar Wilde

Ein Bibelvers - Psalm 64,3+4

"Versteck mich vor der Truppe der Bösen, vor dem schlimmen Treiben der Übeltäter. Die haben ihre Zunge wie ein Schwert geschärft. Der Pfeil auf ihrem Bogen ist ein giftiges Wort."

Eine Anregung

Ich bin kein Kunstexperte. So kann ich die Darstellung auf dem Grabstein von Gottlieb Bion nicht sicher einordnen. Mir ist die Stele vor der Kirche St. Mangen in St. Gallen aufgefallen, weil sie so skurril ist. Der behelmte Typ könnte einem Computergame entsprungen sein. Er sieht wie ein Westgote aus dem Asterix-Comic aus; oder ist es ein Bildnis von Gottlieb Bion, Lehrer, Landschaftsmaler und Mitgründer des Kunstvereins? Ähnlichkeiten sind schon auszumachen mit dem Portrait von ihm auf https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlieb_Bion.

Pinsel und Palette unten an der Stele sind leicht als Attribute des Malers zu deuten. Der Sinnspruch "Kunst bringt Gunst" mag sich reimen, aber einen tieferen Sinn scheint er mir nicht zu entfalten. 

Eichenlaubkranz und Helm könnten eine militärische Anspielung sein. Die Zunge ist einem Schwert nachempfunden. Mit etwas Fantasie dringt das Schwert bis zum Parierbügel in den Schädel ein und durch den Mund wieder aus. Und was soll das Gewächs, da wo die Ohren wären? Es bildet riesige Hörmuscheln. Könnte es sein, dass so ein hellwacher Zeitgenosse dargestellt wird, der zu seinem malerischen Talent auch eine scharfe Zunge führte?

Hättest du anhand des Grabsteins darauf geschlossen, dass Gottfried Bion in einem Pfarrhaus aufgewachsen ist? Also ich wäre nicht darauf gekommen. Jedenfalls seine Bilder sind ganz der Romantik verpflichtet. Auch darauf wäre ich - vor dem Grabstein - nie gekommen.

Und was wird dein Grabstein von dir erzählen, dereinst in 150 Jahren?

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika


Sonntag, 4. April 2021

Der steinige Weg und die Auferstehung

Ein Gedanke

Grabsteine bilden eine Brücke zu einer Kapelle bei Fulenbach
Foto © Jörg Niederer
Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ein Bibelvers - Markus 16,1-3

"Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf. Unterwegs fragten sie sich: 'Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?'"

Eine Anregung

Heute um 10.30 Uhr kann man per Youtube der Osterpredigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen folgen: https://youtu.be/e-TtFB23DcM
Bei der Auferstehung von Christus wird immer wieder auf den weggewälzten Stein vor dem Grab verwiesen. Ein Beweis für die Auferstehung ist das jedoch noch nicht. Und es ist nur der letzte von vielen Steinen auf dem Weg von Jesus. Wir folgen dieser Spur der Steinen auf Jesu Weg.

Ebenfalls eine Möglichkeit, sich mit diesen Gedanken zu beschäftigen, bietet am Fernseher oder im Internet der Gottesdienst um 10.00 Uhr auf Musig24.tv: https://www.musig24.tv/

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 16. September 2020

Die Leidenschaft der Verstorbenen

Ein Gedanke

Friedhof von Rüeggisberg
Foto © Jörg Niederer
"Von meinem Erdenleben / Soll nichts mehr bleiben als ein Jubelton, / Der im Sonnengold verschwimmt / Und dessen Widerhall / Die Herzen der Erdenpilger / Zu Dank und Andacht stimmt!" Rudolf von Tavel (1866-1934)

Ein Bibelvers - Johannes 5,28+29

Jesus: "Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts."

Eine Anregung

Auf dem Leuenberg bei Rüeggisberg befindet sich eine kleine Gedenkstätte für den Berner Mundartautor und Journalisten Otto Friedrich Rudolf von Tavel. Unten im Dorf auf dem Friedhof stehen sauber geordnet die Grabstelen der "gewöhnlichen" Menschen. Im Bestattungs- und Friedhofreglement der Gemeinde Rüeggisberg lese ich: "Die Gräber sind obligatorisch mit einem stehenden Grabmal oder einer liegenden Grabplatte zu versehen... Grabmäler haben den Anforderungen des Grabmalhandwerks zu entsprechen und dürfen die Harmonie der Umgebung und die Würde des Friedhofs nicht stören." 

Der Mensch vergeht, die Reglemente bleiben ewig. 

Auf dem Friedhof in Rüeggisberg fallen mir etliche Grabsteine auf, die vom Hobby oder Beruf der Verstorbenen erzählen. Unschwer erkennen lässt sich der einstige Golfer, der Zugführer, die Gärtnerin, der Springreiter, der Motorradfahrer oder der Bauer.

Auf meinen Grabstein käme vielleicht ein Wanderschuh oder ein "Pfaffenhütchen" (Schweizer Gebäck mit anklang an meinen Beruf, den ich meist "hutfrei" ausübe). Andere würden sich vermutlich einen Gedenkstein in Form eines Computers aufrichten lassen, falls dies nicht "die Harmonie der Umgebung und Würde des Friedhofs" stört.

Mir gefallen diese Steinmetzarbeiten, die das Leben der Verstorbenen über Namen und Jahrzahl hinaus zusätzlich charakterisieren.


Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika