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Freitag, 18. September 2020

Maria im Gefängnis und St. Jakob auf dem Schafott

Ein Gedanke

Deckengemälde in der Kapelle Sankt Jakob in Tavers
Foto © Jörg Niederer
"Die Jugend ist ein Rosenkranz, das Alter ist ein Dornenkranz." Talmud

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 7,57+58

"Sie aber überschrien Stephanus, hielten sich die Ohren zu und stürzten sich vereint auf ihn. Sie stiessen ihn aus der Stadt hinaus und steinigten ihn."

Eine Anregung

Mir scheint, katholische Kirchen wollen keine Wohlfühloasen sein. Nebst viel Schönem wird in den Sakralräumen auch Gewalt explizit dargestellt. So lässt sich an der Decke in der Kapelle Sankt Jakob in Tavers die Enthauptung des heiligen Jakobus betrachten. Weiter ist die Erhängung eines Pilgers abgebildet. 

Natürlich steckt auch viel Gewalt in den Bildern des Kreuzwegs, und wo das Jüngste Gericht ersichtlich ist, finden sich da auch Teufel, Dämonen und Folterszenen.

Religion ist keine Flucht in eine heile Welt. Das ganze Leben findet in der Kirche einen Widerhall.

Jedoch gehen Gewaltdarstellungen am eigentlichen christlichen Zeugnis vorbei, wenn sie die Gläubigen in Furcht und Abhängigkeit von der Kirche führen wollen.

Zum Schluss ein Erlebnis. Wir diskutierten über Maria und ihre Bedeutung in den verschiedenen kirchlichen Traditionen. Eine Teilnehmerin ist via Videokonferenz von zu Hause zugeschaltet. Im Hintergrund spielen ihre Kinder. Doch offensichtlich hören sie auch aufmerksam beim Gespräch der Erwachsenen zu, und als die Rede auf "Maria Empfängnis" zu sprechen kommt, hört man plötzlich eines der Kinder die Mutter fragen: "Worom esch d'Maria em Pfängnis?" (Warum ist Maria im Gefängnis?).

Auch eine Maria im Gefängnis ist eine denkbare christliche Vorstellung.


Donnerstag, 21. Mai 2020

Ein Kränzchen zum Himmelfahrtskommando

Ein Gedanke
RotkleeEs gibt Pfingstrosen, Osterglocken und Weihnachtssterne. Gibt es auch Himmelfahrts-Blumen? 
Hier das Ergebnis meiner Recherche:
Als wirkungsvolles Mittel gegen Blitzschlag galt das "Himmelfahrtskränzchen", gebunden aus wildwachsenden Blumen. Dafür mussten morgens schweigend Blumen gepflückt werden. Katzenpfötchen, Rotklee, Ackerstiefmütterchen, Braunelle, Engelwurz, Gundermann, Kuckucksklee, Christophskraut und Ehrenpreis wurden zu einen Kranz geflochten, der an das Haus oder den Stall gehängt wurde.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 1,10+11
"Und während die Apostel Jesus unverwandt nachschauten, wie er in den Himmel auffuhr, da standen auf einmal zwei Männer in weissen Kleidern bei ihnen, die sagten: Ihr Leute aus Galiläa, was steht ihr da und schaut hinauf zum Himmel?"

Eine Anregung
Zu Himmelfahrt: Der Himmel bewegt. Am Himmel bewegt sich viel. Schau dir diesen himmlischen Clip zum Aufatmen an: https://youtu.be/ruEl9G7_RWE

Heute Donnerstag gibt es einen "BibleTrack Special"! Ausgelöst durch die vielen Fragen zum Thema Gewalt im 1. Samuelbuch, kommen Vera (BibleTrack Moderatorin) und Sarah (Expertin) ins Gespräch mit Dr. Jörg Barthel, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Reutlingen. Sie können ihm viele eingereichte Fragen stellen und ihr bekommt selbst wieder die Möglichkeit, eure Fragen live einzusenden und Dr. Barthel zu stellen: Heute Donnerstag, 21. Mai ab 19.30 Uhr auf dem YouTube Kanal von EMK Young unter: https://www.youtube.com/channel/UCuNV3gTQEskPJwh6pC6Px6Q

Mittwoch, 1. Juni 2016

Zu Themen von Kirche und Gesellschaft an der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Bei den Arbeitsbereichen von Kirche und Gesellschaft gibt es viele Überschneidung. Wir müssen uns oft mit den scheinbar gleichen Fragen auseinandersetzen. Dabei gibt es aber auch neue Nuancen zu entdecken. Wie in Beziehungen zu anderen Menschen müssen wir auch beim Nachdenken über Kirche und Gesellschaft unsere christliche Verpflichtung für Frieden und Gerechtigkeit immer wieder bejahen.

Ein solcher „Dauerbrenner“, den der Ausschuss für Kirche und Gesellschaft an der Tagung der Jährlichen Konferenz thematisieren will, ist das Thema Migration. Die Stellungnahme, die der Tagung vorliegen wird, betont die Herausforderung, die aktuelle Lage genau anzuschauen und differenziert zu verstehen. Das sollte die Grundlage sein für unser Handeln. Die Herausforderung ist gross, denn es gibt viele konkurrierende Lagebeschreibungen und Verständnisse, die uns vereinnahmen wollen. Darum bleibt es wichtig, uns an der guten Nachricht, die wir aus dem Leben Jesu hören, und an der methodistischen Tradition zu orientieren.

Ein anderes altes Thema, zu dem wir uns wieder bekennen müssten, hat Gerhard Schöne in den 80er Jahren so ausgedrückt:
"Wohl denen, die da wagen ein 'Nein' zu rechter Zeit,
nicht 'Ja' und 'Amen' sagen zu Bombensicherheit."
(Aus: Gerhard Schöne, „Wohl denen, die da wagen“, S. 213 in Himmelweit: das junge liederbuch. 2008. Jugendwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche, Gerth Medien GmbH.)
Heute würden wir vielleicht eher von "Drohnen-" oder "Grenzzaunsicherheit" sprechen. Aber was gleich bleibt, ist die Frage, wie wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu Christi  Nein oder Ja sagen, wenn erst der Militärhaushalt aufgestockt wird und am nächsten Tag Gelder, die andeutungsweise zu Solidarität und Gerechtigkeit beitragen, gestrichen werden. Dieses Thema liegt allerdings der Tagung der Jährlichen Konferenz nicht zur Verhandlung vor.

Als Kirche in einer konkreten Gesellschaft müssen wir unser Ja und Nein zu verschiedenen Themen finden. Das tun wir immer mit der Anerkennung, dass wir in einer Welt leben, welche die uns sichtbaren, bestimmbaren Grenzen übersteigt. Und wir tun es mit Demut, weil wir nie das Gute tun, sondern immer vorläufig das Beste, das wir erkennen. Die Ergebnisse vertrauen wir Gott an.

Erschienen in "Kirche und Welt", 6/2016

Mittwoch, 20. Januar 2016

Durchsetzungsinitiative: Schweizer treten nicht!

Nein zur Durchsetzungsinitiative
Nein, das bin ich nicht.
Nein, das bin ich nicht. Dieses weisse SVP-Schaf, das auf der Grafik zur Durchsetzungsinitiative ein schwarzes Schaf tritt, bin ich nicht. Ich bin nicht gewalttätig. Ich will das auch nicht sein. Gegen keinen Menschen.
Meine Schweizer Eltern haben mich gelehrt, dass man anderen Menschen absichtlich keine Schmerzen zufügt.
So wie sie es von ihren Schweizer Eltern gelernt haben. Meine Grosseltern waren dieser Überzeugung, gerade auch weil sie zwei Weltkriege miterlebt haben.
Als Christ steh ich zudem auf der Seite des Geschlagenen am Kreuz, und nicht auf Seiten der Schläger. Schon gar nicht, wenn diese Zutretenden nationalistische Verachtung in Gesetzten verankern wollen. Lieber lasse ich, wie der gute Hirte in einer Geschichte von Jesus (Lukas 15), 99 anständige, blöckende Schafe allein, und gehe dem einen, schwarzen Schaf nach – und nicht um es zu treten. Bestimmt nicht.
Ob schwarz, ob weiss auf roten Grund – ich bin nie auf der Seite der Tretenden. Auch nicht der demokratisch Zutretenden. Auch nicht der moralisch Zutretenden. Ich bin immer auf der Seite der Getretenen; ob schwarz, ob weiss auf rotem Grund...
Das weisse, zutretende Schaf ist ein trauriges Bild für die Schweizer Bevölkerung. Es verletzt mich in meinem Stolz für dieses schöne, freie, friedliche, christlich geprägte Land.
Nein, das bin ich nicht. Basta.

Siehe auch die Stellungsnahme des Ausschusses Kirche und Gesellschaft zur Durchsetzungsinitiative!