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Freitag, 25. Juli 2014

Präimplantationsdiagnostik: Menschliches Leben nicht als lebensunwert beurteilen

Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika hat sich an der Tagung der Jährlichen Konferenz (Synode) vom 18.-22. Juni 2014 in Frauenfeld mit grosser Mehrheit gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen.

PräimplantationsdiagnostikVorbereitet und beantragt wurde die Resolution durch den Ausschusses "Kirche und Gesellschaft". Für die ethische Beurteilung wird in der Resolution auf biblische Texte verwiesen, aber auch auf die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistische Kirche.
So halten die Sozialen Grundsätze unter III. Die soziale Gemeinschaft, O) Gentechnologie fest: "Die Verantwortung der Menschen für Gottes Schöpfung fordert von uns, sorgfältig mit den Möglichkeiten genetischer Forschung und Technik umzugehen und diese gewissenhaft und verantwortungsvoll zu prüfen…
Wir lehnen gentechnologische Maßnahmen mit eugenischer Ausrichtung ab, und solche, die zur Produktion überzähliger Embryonen führen."

Zusammenfassend heisst es in der Resolution: "Auch wenn wir den Wunsch von Eltern nach gesunden Kindern verstehen, halten wir es für sehr bedenklich, dass es durch eine Einführung der PID zwingend wird, über Wert bzw. Unwert menschlichen Lebens entscheiden zu müssen. Aus diesem und weiteren, oben angefügten Gründen lehnt die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika die Einführung der Präimplantationsdiagnostik ab."

2015 werden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik abstimmen. Diese Verfassungsänderung würde es erlauben, dass bei einer künstlichen Befruchtung Embryonen genetisch untersucht werden, bevor sie in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Der ganze Wortlaut der Resolution: "Keine Urteile über lebensunwertes menschliches Leben zulassen" ist auf der Webseite des Ausschusses "Kirche und Gesellschaft" zu finden.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Methodism and Social Engagement - Methodismus und Soziales Engagement

John Wesley, Gründer des Methodismus(Deutschsprachige Übersetzung unten) From the time of the Wesley’s Methodists have been active in addressing social and political issues. John Wesley provided education for the illiterate, healthcare for the sick, and employment for the poor; he opposed slavery, criticised colonial exploitation and supported prison reform and made concrete political proposals to end poverty in England. This social engagement flows out of the heart of Wesley’s understanding of what it meant to be a Christian and why God had called Methodism into being.

For Wesley to be a Christian is to be forgiven by God so that we can become holy, that is to be transformed by God so that we love God and our neighbours. He believed that God had given Methodism the mission of spreading holiness across the land.

Holiness has two dimensions – an inner dimension and an outer dimension. The inner dimension is a change in our fundamental attitudes towards God and our neighbours. The outer is that we express these attitudes in all our relationships with others. Wesley often summarised this with three words – justice, mercy and truth. These three relate to all aspects of our life, personal, communal and political. The inner and the outer dimensions are inseparably related to each other. Inner holiness is expressed in outer holiness, at the same time concrete acts of love lead to the development of loving attitudes. Outer holiness leads to growth in inner holiness and if there is no outer holiness then there is no inner holiness.

In a Wesleyan perspective social engagement is thus an inseparable part of what it means to be holy, to be a Methodist, and more fundamentally to be a Christian.




Seit den Tagen John Wesleys waren Methodisten bei der Bewältigung sozialer und politischer Fragen aktiv. Wesley förderte die Bildung für Analphabeten, das Gesundheitswesen für die Kranken, Arbeit für die Armen; er setzte sich gegen die Sklaverei ein, kritisierte die koloniale Ausbeutung, unterstützte die Gefängnisreform und machte konkrete Vorschläge zur Überwindung der Armut in England. Dieses soziale Engagement entsprang dem Herzensanliegen von Wesley; dem christlichen Selbstverständnis, und warum Gott den Methodismus ins Leben gerufen hat.
Für Wesley bedeutete Christsein, ein Mensch zu sein, dem von Gott vergeben wurde, und der darum voranschreiten kann in der Heiligung, was wiederum bedeutet durch Gott verändert Gott und unsere Mitmenschen immer mehr zu lieben. Er war überzeugt davon, dass Gott den Methodisten den Auftrag gegeben hat, Heiligung über das Land zu verbreiten.
Heiligung hat zwei Dimensionen – eine innere und eine äussere. Die innere Dimension ist eine Änderung unserer Grundhaltungen gegenüber Gott und unseren Mitmenschen. Die äussere Dimension bedeutet, dass wir diese innere Grundhaltung in allen Beziehungen zum Ausdruck bringen. Wesley fasste dies oft mit drei Worten zusammen – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit. Diese drei beziehen sich auf alle Aspekte unseres Lebens, sowohl in persönlicher, gemeinschaftlicher und politischer Hinsicht. Die innere und die äussere Dimension sind untrennbar auf einander bezogen. Innere Heiligung drückt sich in äusserer Heiligung aus. Konkret Taten der Liebe führen zugleich zur Entwicklung eines liebevollen Verhaltens. Äussere Heiligung führt zu einem Wachstum in innerer Heiligung. Wenn es nicht sichtbare äussere Heiligung gibt, dann ist da auch keine innere Heiligung vorhanden.
Nach wesleyanischem Verständnis ist das soziale Engagement ein untrennbarer Teil von dem, was mit „heilig sein“, Methodist sein und – noch fundamentaler – Christ sein gemeint ist.


Freitag, 2. Mai 2014

Waffen geben keine Sicherheit

Nein zum Kampfflugzeug GripenIn diesen Tagen wird das Schweizer Stimmvolk über die Beschaffung von 22 neuen Kampfflugzeugen Gripen entscheiden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 10 Milliarden Dollar.
Im Jahr 2005 gab es weltweit 1,4 Milliarden extrem arme Menschen, die weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hatten. Eines der UN-Milleniumsziele sieht bis 2015 vor, diese Zahl zu halbieren. Im Moment geht der Trend in die andere Richtung.
Darf sich eine Schweiz angesichts dieser weltweiten Not 22 Kampfflugzeuge leisten? Ich meine Nein!

In den Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche unter „165 C Krieg und Frieden“ steht:
„Wir glauben, dass für die Regierungen bei der Festlegung ihrer Prioritäten menschliche Werte schwerer wiegen müssen als militärische Forderungen: die Militarisierung der Gesellschaft muss hinterfragt und beendet werden; Herstellung, Verkauf und Verteilung von Waffen müssen eingeschränkt und kontrolliert werden…“
Quelle: www.soziale-grundsaetze.ch

Waffen erhöhen nicht die Sicherheit. Sie erhöhen die Unsicherheit. 22 neue Kampfflugzeuge können eine Schweiz nicht sichern. Aber sie werden die Schweiz viel Geld kosten.

Weitere Gründe sprechen gegen neuen Kampfflugzeuge:

  • Angesichts der begrenzten Mittel des Bundes sind auch bei der Armee Prioritäten zu setzen. Die Beschaffungen sind auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen auszurichten.
  • Die heutige Luftwaffe reicht für die Erfüllung der notwendigen Aufgaben. Wir benötigen keine neuen Kampffähigkeiten.
  • Die Weiterentwicklung der Armee ist ein Reformprojekt, welches wesentliche Auswirkungen haben wird. In diesem Zusammenhang sind Strategie und Aufgaben der Luftwaffe neu zu definieren.
  • Auf allen Ebenen sind finanzpolitische Prioritäten zu setzen. Mit dem Kauf würden Milliarden von Steuerfranken gebunden. Darunter würden Bereiche wie Bildung, öffentlicher Verkehr, Sozialwerke, Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit leiden. Umfangreiche Sparpakete wären die wahrscheinliche Folge.
Siehe dazu auch unter http://stop-gripen.ch/


Ich bin schon bereit zu sparen. Aber nicht für 22 neue Kampfflugzeuge. Sparen möchte ich, damit die Mittel dazu verwendet werden können, um die UN-Milleniumsziele umzusetzen. Denn weniger Armut in der Welt führt effizient zu grösserer Sicherheit.

Letztlich geht es um die alte Frage: Will ich Waffen vertrauen? Als Christ setze ich mein Vertrauen in den Gott der Liebe.


Donnerstag, 1. Mai 2014

Eine reiche Schweiz ohne Working Poor anstreben

Ja zum Lohnschutz - Ja zum MindestlohnHeute, am 1. Mai 2014, erinnert mich eine E-Mail aus den USA daran, dass auch in den Vereinigten Staaten der Mindestlohn ein Thema ist, etwa bei den Staatsangestellten, die oft weniger als 10 Dollar die Stunde verdienen.

Methodisten setzen sich auf der ganzen Welt schon sehr lange für existenzsichernde Löhne ein.

Bereits im allerersten methodistischen Sozialen Bekenntnis von 1908 steht:
„Die Bischöfliche Methodistenkirche tritt ein…
- für einen zum Lebensunterhalt ausreichenden Lohn in allen Industriezweigen.
- für einen dem jeweiligen Industriezweig höchstmöglichen Lohn…“

In den Sozialen Grundsätzen (www.soziale-grundsaetze.ch) der Evangelisch-methodistischen Kirche unter „163 C Arbeit und Freizeit“ kann man weiter lesen: „Jede Person hat das Recht auf Arbeit zu einem existenzsichernden Lohn.“
Unter „163 E Armut“ steht weiter: „Da niedrige Löhne oft eine Ursache der Armut sind, sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Arbeitskräften einen Lohn zahlen, der diese nicht von staatlicher Unterstützung wie zum Beispiel Vergünstigungen für Lebensmittel oder Sozialhilfe zur Sicherung ihres Lebensunterhalts abhängig macht.“

Nun gehört die Schweiz nicht zu den armen Ländern. Und einen Mindestlohn von CHF 4000.-/Monat mag astronomisch hoch erscheinen angesichts von vielen Millionen Menschen, die nicht einmal einen Dollar pro Tag verdienen.

Ich selbst habe immer mehr verdient als der gesetzliche Mindestlohn. Das ist auch jetzt so. Und doch erhalte ich bis heute staatliche Unterstützung in Form von Krankenkassenrückerstattung. Zeitweise überstieg diese Rückerstattung sogar die jährlich zu entrichtenden Steuern.
Ich kann mir daher nicht vorstellen, wie eine Verdienende oder ein Verdienender mit unter CHF 4000.- Lohn pro Monat davon im Hochpreisland Schweiz eine mehr als drei Personen umfassende Familie ernähren kann. Alleinstehende mögen wohl mit weniger zurechtkommen. Paare ohne Kinder sind als Doppelverdiener meist auch nicht betroffen. Familienväter oder Familienmütter aber brauchen mindestens CHF 4000.- im Monat.

Ich glaube, die Schweiz ist insgesamt zu reich, als dass sie sich Working Poor leisten darf und kann. Da ist nicht nur der Staat gefordert, sondern auch die Privatwirtschaft. Und darum empfehle ich, bei der Mindeslohninitiative (http://www.mindestlohn-initiative.ch/) ein Ja einzulegen.


Mittwoch, 16. April 2014

Ostermarsch 2014 in Bern

"Mit Bildung und Gesundheit statt Waffen" lautet das Thema des diesjährigen Ostermarsches in Bern.
Aufgabe des Staates sei es, für die Sicherheit seiner Bevölkerung zu sorgen. Eine sichere Gesellschaft baue dabei auf Bildung und Gesundheit für alle. Stattdessen wolle die Schweiz neue Kampfjets anschaffen und mehr Waffen exportieren. So wird argumentiert auf der Webseite des Ostermarsches unter http://ostermarschbern.ch/. Und weiter steht da:
"Waffen schaffen aber keine Sicherheit. Sie verbreiten Angst, zerstören und töten. Und sie dienen vor allem der militärischen Geschäftemacherei.
Deshalb sagen wir:
  • Ja zur Förderung von Aufgaben, die wahre Sicherheit bringen: Bildung, Gesundheit, Arbeit im Dienst des Gemeinwohls
  • Nein zur Anschaffung neuer Kampfjets
  • Nein zu Kriegsmaterialexporten"
Der Berner Ostermarsch findet am 21.04.2014 statt, beginnt um 13:00 Uhr beim Eicholz an der Aare und führt entlang der Aare. Um 14:30 Uhr findet die Schlusskundgebung auf der Münsterplattform mit Claudia Haydt.


 

Montag, 14. April 2014

Die Sozialen Grundsätze liegen neu in einer autorisierten Übersetzung vor.

Alle vier Jahre werden die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche durch die Generalkonferenz überarbeitet. 2012 war es wieder so weit. Nun ist auch die offizielle deutschsprachige Übersetzung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa aktualisiert und verfügbar. Ganz neu dazu gekommen sind die Themen Nahrungsmittelgerechtigkeit, Sexuelle Übergriffe, Psychische Gesundheit, Finanzwesen, Bestechung und Korruption sowie Staatsverschuldung.
Sie können diesen kirchlich wichtigen Text lesen und herunterladen unter soziale-grundsaetze.ch.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika und war mit im Übersetzerteam der Sozialen Grundsätzen

Dienstag, 18. Februar 2014

Was prägt meine Entscheidungen bei Wahlen?

WahlcouvertWas prägt meine Entscheidungen im gesellschaftlichen Leben?
Wie äussert sich das bei Abstimmungen?
Worauf achte ich, wenn ich Volksvertreter wählen kann?

Geht es mir als Christin in erster Linie um mich und um meine Nation - meine liebe Schweiz?
Ist mein oberstes Ziel Wohlstandssicherung?
Bin ich beeinflusst von „rechts“ oder von „links“?
Ja, wo liegt meine Priorität?

Was hilft mir, in der Vielfalt widersprüchlicher Meinungen und Überzeugungen die Grundaussagen der Bibel zu übersetzen auf die aktuellen Fragen unserer Gesellschaft?
Mit diesen Fragen im Kopf und im Zusammenhang meiner Mitarbeit in der Arbeitsgruppe „Kirche und Gesellschaft“ beachtete ich kürzlich wieder mal die „Sozialen Grundsätzen“ der EMK (http://soziale-grundsaetze.ch).
Die klaren und motivierenden Aussagen haben mich beinahe ein bisschen begeistert! Warum? Schon im Vorwort wird deutlich: Da haben Menschen intensiv gebetet und in der Bibel nachgeforscht mit dem Anliegen: Wie kann das neue Leben, das Jesus Christus uns geschenkt hat, unser gesellschaftliches Leben prägen?
Im Hören auf Gottes Wort haben sie Grundsätze formuliert, die uns unterstützen, Salz und Licht zu sein in unserem Umfeld: Nicht Angst ums Eigene oder nationaler Egoismus sollen prägend sein, sondern Christus soll im konkreten Leben sichtbar werden!
Ein Beispiel: Bereits die ersten Methodistinnen und Methodisten haben ihrer Ablehnung des Sklavenhandels, des Schmuggels und der grausamen Behandlung von Gefangenen Ausdruck verliehen.
Das taten sie in einer Zeit, da all dies noch als „ganz normal“ empfunden wurde. Gegen massiven Widerstand haben sie mit Offenheit und Mut auf diese Ungerechtigkeiten hingewiesen und mit ihren Möglichkeiten dagegen gewirkt.

Ich frage mich: Hätte ich dies damals auch als Ungerechtigkeit erkannt? Hätte ich den Mut gehabt, Stellung zu beziehen? Oder hätte ich mich vornehm zurückgehalten, um keinen Ärger auszulösen?

Und die noch wichtigere Frage: Bin ich sensibel hörend und offen, damit mir Gott im Gebet, beim Bibellesen und in der Predigt Missstände meiner Zeit aufdecken und mich zum Handeln bewegen kann?
Ich bin dankbar für alle, die mich ermutigen, mich von Jesus Christus und seinen radikal anderen Massstäben leiten zu lassen.