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Freitag, 11. September 2020

Toleranz oder Verfolgung - Was beflügelt den Glauben mehr?

Ein Gedanke

Blick von Burg Crest auf die gleichnamige französische Stadt
Foto © Jörg Niederer

Es ist die Toleranz, die dem Glauben zu schaffen macht, nicht die Verfolgung. Was nicht verteidigt werden muss, verliert an Anziehungskraft.

Ein Bibelvers - 2. Korinther 12,10

Paulus: "Darum freue ich mich über alle Schwachheit, über Misshandlung, Not, Verfolgung und Bedrängnis, um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark."

Eine Anregung

Robert Louis Stevenson denkt in seinem Bericht "Reise mit dem Esel durch die Cévennen" (Moers 2017, 3. Auflage, Seite 116) nach über die Glaubenskriege, die in den Cévennen 170 Jahre früher zwischen Katholiken und Protestanten tobten, und kommt zu einem interessanten Schluss: "Ich dachte mit einem Lächeln an den Intendanten de Bâville (der katholische königliche Oberaufseher des Languedoc) und seine Dragoner und wie man ein Jahrhundert lang eine Religion (die ansässigen Protestanten) rücksichtlos zertrampeln kann, um sie gerade wegen der Misshandlungen um so erstärkter fortleben zu sehen. Irland ist noch immer katholisch, die Cévennen noch immer protestantisch. Weder Verordnungen körbeweise noch die Hufe und Pistolenknäufe eines Reiterregiments können eines Ackermanns Ansichten auch nur ein Tüttelchen ändern. Im Freien lebende Landleute, haben nicht viele Ideen, aber wenn sie welche haben, dann sind das widerstandsfähige Pflanzen, die unter der Verfolgung prächtig gedeihen."

Auf dem Foto sieht man von der Burg Crest auf die gleichnamige französische Stadt (Département Drôme) hinunter. Im mit 52 Metern höchsten Burgturm Frankreichs waren viele Hugenotten in der Zeit der Verfolgung (1685 - ca. 1760) eingekerkert.

Wen Verfolgung die Glaubensansichten verfestigt, was geschieht dann mit dem Glauben in einer liberalen Gesellschaft?


Am kommenden Sonntag geht es in der Predigt um die royale Bildsprache in der Anbetung Gottes. Was bedeutet es, wenn Gott und Jesus als König der Könige und Herr der Herren bezeichnet werden? Die Predigt kann ab 10.30 Uhr via Youtube verfolgt werden unter: https://youtu.be/ejk0bqMowXY


Freitag, 24. Juli 2020

Der Sonne entgegen, der Sonne nach

Ein Gedanke
Sonnenuntergang bei Niederwil TG
Foto © Jörg Niederer
Wer im Osten arbeitet und im Westen wohnt hat auf dem Arbeits- und Heimweg immer die Sonne und ihr tröstlich warmes Licht vor Augen.

Ein Bibelvers - Prediger 1,4+5
"Ein Geschlecht geht, und ein Geschlecht kommt, und die Erde bleibt ewig bestehen. Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter und strebt nach dem Ort, wo sie aufgeht."

Eine Anregung
"Die blaue Finsternis lag lange auf der Lichtung, wo ich so süss geschlummert hatte, doch bald zeigte sich entlang der Bergkette des Vivarais ein breiter Streifen von Orange, der in Gold zerfloss. Eitel Freude überkam mich bei diesem allmählichen und lieblichen Herannahmen des Tages. Voller Wonne hörte ich das Bächlein rieseln. Suchend blickte ich mich um nach einem schönen und unerwarteten Wesen, aber die stillen, schwarzen Kiefern, die Mulde der Lichtung, der mampfende Esel, alles blieb unverändert. Allein das Licht hatte sich gewandelt, und es goss in der Tat einen Geist von Leben und atmendem Frieden über alles und versetzte mich in eine sonderbare Heiterkeit.
... Während ich so herumtrödelte, fiel ein fester Windstoss, so lang wie ein tiefer Seufzer, genau aus dem Quadranten des Morgens ein. Er war kalt und liess mich niesen. Die Bäume in der Runde schüttelten ihre schwarzen Mähnen unter der Wucht, und ich konnte die schlanken Spitzen der Kiefern am fernen Hügelrande sehen, wie sie sich vor dem goldenen Osten hin- und herwiegten. Zehn Minuten darauf sprengte der Sonnenschein, Schatten und Funken streuend, im Galopp über den Hügelhang, und der Tag war vollends gekommen."
(Aus Robert Louis Stevenson: Reise mit dem Esel durch die Cévennen, Moers, 3. Auflage 2017, S. 89)

Und jetzt stelle dir vor, dass es Abend wird, und der Himmel wieder aufleuchtet, gerade so wie auf dem Foto. Wie würdest du den Sonnenuntergang beschreiben? So könnte die Beschreibung enden: "...und der Tag war vollends gegangen."