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Montag, 1. März 2021

Ein Stück vom Kuchen

Vielfalt an Menschen und Lebensmodellen
Foto © Jörg Niederer
Wer kennt sie nicht, diese Episode am Familientisch? Bevor der Vater das Messer am frischen Brot ansetzt, schreit das erste Kind: "Der andere hat mehr!" Doch mit der Zuversicht, dass es für alle reicht, schneidet der Vater Scheibe um Scheibe. – Wir schmunzeln und wissen: die erste Person hat nicht weniger auf dem Teller, nur weil dann auch die anderen ihr Stück bekommen. 

"Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie." Dieser denkwürdige Satz im 1. Kapitel der Bibel kann als Teil einer Schöpfungsordnung gelesen werden. Und richtig: der jüngere Schöpfungsbericht preist das schaffende und ordnende Wort Gottes. Da klingen die Grundmuster der Gestirne, der Pflanzen und Tiere – und schliesslich der Mensch als Beziehungswesen – wie eine grossartige Komposition. Und wer will da ausschliessen, dass es Variationen im Muster gibt, welche das Musikstück erst spannend machen!  

Und was ist mit den Singles, wurde ich zu Recht gefragt in der Gemeinde. Auch sie sind Abbild Gottes in ihrem Bedürfnis und ihrer Fähigkeit nach Beziehung. Ob das mit "Mann und Frau" hier nicht einfach als Beispiel für alle anderen Beziehungsformen zu verstehen ist? – Warum sollte Mann und Frau etwas genommen sein, wenn auch andere in einer treuen Beziehung etwas von der Genialität des Schöpfers spiegeln?

Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 02/2021

Mittwoch, 4. April 2018

Eigenbrötler in der Kirche

Eigenbrötler in der Kirche
Eigenbrötler darf es in der heutigen Zeit nicht geben. Zusammenarbeit ist in der Arbeitswelt zwingend. Teamfähigkeit macht sich in jedem Bewerbungsschreiben gut.
Aber es gibt sie noch, die einsamen Wölfe im sozialen Geflimmer der realen Zivilisation. Der Störgärtner, der sich allein über Blumenrabatten beugt. Der Bäcker in der nächtlichen Backstube. Die Putzfrau in den menschenleeren Büros.
Wieviel Platz ist in den Kirchen für die, die am liebsten für sich selbst sind? Ich habe die Unbeholfenheit der Gemeinden mit den Unverheirateten, den Ruhigen, den Unauffälligen erlebt. Im erträglichen Fall waren die "Alleinstehenden" unsichtbar. Oft aber misstraute man ihnen. "Mit dem stimmt doch etwas nicht. Warum findet er keine Frau, sie keinen Mann?"
Allein leben wollen, das ist unverständlich für Menschen, die nicht allein leben können, die andere brauchen, damit es ihnen gut geht.
Meine Fragen dazu: Haben Eigenbrötler Platz in unseren Gemeinden? Und was unterscheidet diese Einzelgänger von Solochristen? Und sind die Gemeinschaftschristen vielleicht eher an der Gemeinschaft als an Christus interessiert?