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Dienstag, 2. Februar 2021

Der Weg aus der Kälte

Ein Gedanke

Das Trauma eines Apfelbaums im Winter
Foto © Jörg Niederer
"Die ersten bewegenden Dichtungen fand ich in der Synagoge in den Bibelgeschichten. Die machten mir Gänsehaut." Leonard Cohen, Sänger und Dichter (1934-2016)

Ein Bibelvers - Matthäus 11,28-30 (BasisBibel)

Jesus: "Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Dann werden eure Seelen Ruhe finden. Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last."

Eine Anregung

Susan Henry-Crowe ist seit 6 Jahren Generalsekretärin des General Board of Church and Society der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche. Regelmässig äussert sie sich "vom Schreibtisch aus" zu verschiedensten ethischen Fragen. So auch am vergangenen Freitag, und thematisierte dabei Traumatisierendes, das mit dem Sturm auf das Kapitol aufgebrochen ist. Hier Auszüge aus ihrem Text:

"Die Gewalt vom 6. Januar war auf jeder Ebene traumatisierend - persönlich, spirituell, gemeinschaftlich, politisch... Der aufgehetzte Mob verunstaltete die Symbole der Demokratie. Diese Gewalt stach, trampelte, zertrümmerte, stahl, schändete und verängstigte diese Demokratie. Das Vertrauen war ebenso zerbrochen wie die Fenster und Büros.

Rassistische Taten und Gewalt traumatisieren.
Die globale Pandemie traumatisiert.
Der Tod ohne Familie und Beisetzungsfeier traumatisiert.
Armut traumatisiert.
Lügen traumatisieren.
Unrecht traumatisiert.
Und so lässt sich diese Aufzählung immer weiter fortsetzen.

Der Winter ist eine Jahreszeit der Härte, der Kälte, des Hungers, der Krankheit, der Sehnsucht, der Traurigkeit und oft auch des Todes. Aber dieser Winter steht noch für anderes. 'Was der Sommer verbirgt, enthüllt der Winter.' (Quelle unbekannt) Der Winter ist auch eine Jahreszeit der Ruhe, der Zartheit, der Wärme, für Suppen, um aufzuatmen oder stillzusitzen, der Spaziergänge, der Behaglichkeit.
Wie gelangen wir, die Glaubenden, vom Trauma zur Heilung? 

... Mögen wir in diesem rauen, kalten, einsamen, kränkenden Winter Trost, Führung, Zuversicht und Hoffnung bei Jesu Christi finden. Wir hören die Worte des Evangeliums: 'Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.'
Von Leonard Cohen gibt es ein wunderschönes Lied, das uns beim Heilungsprozess helfen kann: 'Come Healing'."

Hier kann der Song angehört werden: https://youtu.be/fgao40f03Hw

Ein kurzes Portrait von Susan Henry-Crowe findet sich hier: https://www.umcjustice.org/who-we-are/meet-the-staff/general-secretary-susan-henry-crowe

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Mittwoch, 20. Januar 2021

Auf dem Capitol Hill

Ein Gedanke

The United Methodist Building in Washington D.C.
Foto © Jörg Niederer
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Mass unserer Menschlichkeit." Martin Luther King Jr. (1929-1968)

Ein Bibelvers - Micha 6,8

"Er hat dir kundgetan, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Einsicht mit deinem Gott zu gehen."

Eine Anregung

Heute finde die Amtseinführung von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika statt. Traditionell erfolgt dies auf dem Capitol Hill in Washington, D.C. Dort neben dem U.S. Capitol und dem Supreme Court steht seit 1923 ein markantes Gebäude aus Indiana-Kalkstein im Stil der italienischen Renaissance: Das United Methodist Building. Es ist das einzige Nichtregierungsgebäude im weiten Umkreis und beherbergt nebst den Büros der Mitarbeitenden des General Boards of Church & Society noch etliche weitere kirchliche und religiöse Organisationen und eine kleine Kapelle. Auch Bischöfe der Evangelisch-methodistischen Kirche haben hier ihren Sitz. In einem 1931 erbauten zweiten Haus befinden sich 50 Wohnungen, und erweitern die sozialen, kirchlichen und politischen Möglichkeiten.

Ob an diesem Tag bei der weiträumigen militärischen Absperrung anlässlich des Präsidentenwechsels viele der Mitarbeitenden in diesem Haus sein können, bleibt offen. Doch das Haus selbst hat schon manchen historischen Moment erlebt. So wurden in diesen Räumen durch Dr. Martin Luther King Jr. und weitere Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler der Marsch auf Washington vom März 1963 geplant. Auch der Widerstand gegen den Vietnamkrieg von 1968 formierte sich hier, und 1978 wurden die Ureinwohner Amerikas am Ziel ihres Längste Marsches von Sacramento nach Washington D.C. empfangen. Auch Obama Care fand hier bis heute breite, von vielen kirchlichen Behörden mitgetragene Unterstützung.

An diesem Tag wird wohl auf der grossen Schriftentafel vor dem Haupteingang des United Methodist Buildings dem neuen Präsidenten Joe Biden Gottes Segen gewünscht für seine herausfordernde Aufgabe.

Einblick in die methodistische Arbeit auf dem Capitol Hill gibt es hier: https://www.umcjustice.org/

Das Gebäude wird hier vorgestellt: https://www.umcjustice.org/who-we-are/the-united-methodist-building

Jörg Niederer ist Mitglied  im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Dienstag, 17. Juli 2018

Auf dem Weg zu neuen Sozialen Grundsätzen (Teil 1)

Der Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika kommentiert an dieser Stelle in mehreren Blogbeiträgen den Entwurf der vollständig neu überarbeiteten Sozialen Grundsätze. Siehe http://www.umcjustice.org/sp2020!

Soziale Grundsätze der EMK 2020
Die aktuellen Sozialen Grundsätze gehen auf einen immer wieder überarbeiteten Text der weltweit organisierten Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK - englisch: The United Methodist Church) aus dem Jahr 1972 zurück. Das Dokument hat verschiedene Vorläufer. Der älteste ist das Soziale Bekenntnis der Bischöflichen Methodistenkirche aus dem Jahr 1908. Obwohl Teil der Kirchenordnung, sind die Sozialen Grundsätze nicht Kirchenrecht. Vielmehr wollen sie Richtschnur sein bei ethischen und sozialen Fragen.

Besonders in Europa wurden die Sozialen Grundsätze als zu stark auf die USA bezogen kritisiert und vielfach adaptiert. Eine Konsultation in Wien äusserte im Jahr 2006 einerseits den Willen, keine Adaptionen mehr an den Sozialen Grundsätzen vorzunehmen, andererseits sollten die Aussagen stärker an der methodistischen Theologie ausgerichtet und biblisch begründet sein. Weiter wünschte man sich deutlich präzisere Formulierungen, die dem weltweiten Charakter des Textes Rechnung tragen.

Seit etwa 8 Jahren enthält die offizielle deutschsprachige Übersetzung (www.soziale-grundsaetze.ch) keine lokalen Anpassungen mehr, mit Ausnahme einer für die EMK in Deutschland gültigen Abweichung bei den Aussagen zur Homosexualität.

Es dauerte einige Zeit, bis die Generalkonferenz 2012 beschloss, die vollständige Überarbeitung der Sozialen Grundsätze zu beginnen. Ab 2013 folgten dazu Hearings auf der ganzen Welt. Dabei wurde deutlich, dass die Sozialen Grundsätze sehr geschätzt werden, und dass man bei einer Überarbeitung keine inhaltlichen Verwässerungen von Aussagen wünscht.

Ab 2016 folgte unter der Leitung des General Board Church and Society (GBCS – https://www.umcjustice.org/) die Neubearbeitung der Sozialen Grundsätze. Sechs paritätisch zusammengesetzte Internationale Teams wurden beauftragt, den Text so zu überarbeiten, dass die Aussagen 1. präziser formuliert, 2. besser biblisch und methodistisch begründet und 3. von globaler Relevanz sind. Die inhaltliche Stossrichtung wurden nicht verändert.

Weitere Bearbeitungen vorwiegend zur sprachlichen und stilistischen Einheitlichkeit rundeten den Entwurf ab.

Seit Mitte April 2018 liegt dieser Entwurf in den Sprachen Englisch, Französisch, Portugiesisch und Suaheli öffentlich auf. Unter http://www.umcjustice.org/sp2020 kann er heruntergeladen und kommentiert werden. Es ist erwünscht, dass sich möglichst viele Arbeitsgruppen und Einzelpersonen an der Vernehmlassung beteiligen. Alle Rückmeldungen an das GBCS werden in eine erneute Weiterbearbeitung einfliessen.

In diesen Tagen und Wochen finden zudem Hearings und Interviews mit Fachpersonen aus der ganzen Welt statt.

Der Abschnitt zur menschlichen Sexualität ist noch nicht im neuen Entwurf enthalten. Er soll nach der zu dieser Thematik stattfindenden ausserordentlichen Generalkonferenz von Februar 2019 (http://www.umc.org/topics/general-conference-2019-special-session) nachgeführt werden. Die dortigen Beschlüsse werden berücksichtigt.

Der fertige Entwurf der Sozialen Grundsätze wird schlussendlich der Generalkonferenz 2020 (http://www.umc.org/events/detail/2020-general-conference) zur Annahme vorgelegt. Die Generalkonferenz kann weitere Änderungen am Text beschliessen, oder ihn auch ablehnen. In letzterem Fall würde die aktuelle Version in Kraft bleiben.