Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Freitag, 16. Juli 2021

Vielklang

Was passiert, wenn man ein Klavierkonzert von Béla Bartók in seine einzelnen Stimmen zerlegt und diese mit unterschiedlichen Klangfarben wiedergibt? Ein solches Erlebnis wurde mir zuteil an einem Kammermusikkonzert in Hondrich, nachdem solche Events im kleinen Rahmen wieder möglich sind. 

Fünf junge Musikschaffende, vereint in der Formation «Blattwerk», gaben mit grosser Spielfreude einen faszinierenden Vielklang zum Besten. Facettenreich und unglaublich dynamisch erklang das «Klavierkonzert» aus Klarinette und Saxophon, Fagott, Bassklarinette und Oboe. 

Der Vielklang dieser Schöpfung wurde sinnlich wahrnehmbar vor Ohren geführt. Ist das nicht ein akustisches Gleichnis für den Vielklang der Kulturen, der unterschiedlichen Menschen, ja der ganzen geschöpflichen Mitwelt? In unverwechselbaren eigenen Klangfarben folgen sie einer geheimnisreichen Partitur, welche sie in wunderbarem Spiel und dynamischer Spannung zusammenfügt. 

Also: Ohren und Herzen auf! Denn wer Ohren hat, zu hören… 

Ernst Hug

Mittwoch, 30. Juni 2021

«Ich hebe meine Augen zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?»

Vor kurzem las ich wieder Spannendes über die Erde. Ich hörte, welche
Auswirkungen unser ständiger Gebrauch des Internets haben kann und
bemerkte, dass dies auch unsere Sorgfalt und Haushaltspflicht der Erde und all
unseren Mitgeschöpfen gegenüber betrifft (https://theshiftproject.org). Gerade
sah es noch so aus, als ob wir wegkommen von unnötigem Papier und
überflüssigen Reisen. Das Internet versprach die Rettung – alles schön
papierlos und dazu noch viel schneller. Aber auch die digitale Kommunikation
verbraucht sehr viele Ressourcen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich zu einer Idee Abstand gewinnen muss, die
ich mich der Umwelt zuliebe erworben habe. Genau so geht es auch, wenn ich
darüber nachdenke, was es bedeutet gesund zu leben. Wenn ich einen
Ratschlag angenommen habe, folgt fast sofort das «Aber…».
Das könnte mich frustrieren. Doch merke ich, dass darin auch die Würze liegt,
immer weiter auf dem Weg zu bleiben. Ich entdecke mit Erleichterung immer
wieder das dies oder das doch nicht die Rettung ist. Der Mangel an
Vollkommenheit bleibt. Ich bleibe unvollendet, werdend. Meine Verantwortung
bleibt weiter bestehen, Entscheidungen zu wagen und Gottes rettender Hand
anzuvertrauen.

Marietjie Odendaal

Dienstag, 1. Juni 2021

Auf Wiedersehen!

Liebe Leser*innen

Jörg Niederer
Foto © Jörg Niederer
Mit meinem Ausscheiden aus dem Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche verabschiede ich mich auch hier aus dem Blog.

Es mag zwar in Zukunft immer auch wieder Gastbeiträge von mir geben, aber meine täglichen Gedanken werden nicht mehr hier gepostet. Sie ziehen weiter und können neu in folgendem Blog gefunden, gelesen und bezogen werden: https://emkstgallen.blogspot.com/

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs von Kirche und Gesellschaft wünsche ich alles Gute und die Bereitschaft und Kraft, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung weiter einzusetzen.


Gott segne und behüte euch!

Jörg Niederer, Pfarrer   

Ausstellung über Jakob und Elisabeth Künzler, Retter*innen armenischer Christen

Ein Gedanke

Die Kirche in Hundwil
Foto © Jörg Niederer
"Je mehr Verfolgung, umso offensichtlicher wird die Wahrheit." Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1828-1910)

Ein Bibelvers - Matthäus 5,44

Jesus: "Ich sage euch aber: Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!"

Eine Anregung

Jakob Künzler wurde am 18. März 1871 in Hundwil geboren. In ärmlichen Verhältnissen in Appenzell Ausserroden aufgewachsen, liess er sich 1893 im Diakonenhaus der Basler Mission zum evangelischen Diakon in Krankenpflege ausbilden. 1899 reiste er mit der Christlichen Orientmission, einem armenischen Hilfswerk, das von Johannes Lepsius mitgegründet wurde, nach Urfa im Südosten des Osmanischen Reichs. 1905 heiratete er Elisabeth Bender, eine Tochter eines deutschen Chrischona-Missionars und Enkelin einer äthiopischen Prinzessin, mit der er fünf eigene Kinder hatte. Während eines Urlaubs in der Schweiz 1919 absolvierte er noch die Fähigkeitsprüfung zum Arzt an der Universität Basel mit Auszeichnung.

Während der Zeit in Urfa wurde er zum Zeitzeugen des Völkermords an den Armeniern, Aramäern und Assyrern im Osmanischen Reich. Zugleich retteten er und seine Frau tausende armenische Waisen und Witwen. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_K%C3%BCnzler

Bis zum 30. September 2021 wird in der Kirche Hundwil eine interessante Ausstellung zu diesem bemerkenswerten Mann gezeigt. Ein Besucht lohnt sich. Dort kann man zum Beispiel lesen: "Jakob Künzler ist im Juni 1915 kaum aus einer schweren Typhuserkrankung genesen, als das Unheil unübersehbar wird. Züge von Deportierten aus dem Norden treffen in Urfa ein. Nur Frauen und Kinder. Die Männer sind schon getötet. Bald lässt sich die Erkenntnis nicht unterdrücken: Es handelt sich nicht um spontane Massaker. Die moderne Technik macht ein systematisches Morden möglich... Alle nichttürkischen Volksgruppen werden 'entfernt': zuerst die armenischen, später die syrischen und griechischen Christen, und zuletzt auch die Kurden.
Künzler sammelt Berichte, informiert den deutschen Konsul in Aleppo, notiert die eigenen Beobachtungen und konstatiert, dass er kaum etwas gegen das grauenvolle Unrecht zu tun vermag. Am 10. Oktober 1915 bricht der Widerstand des armenischen Quartiers in Urfa zusammen. Künzlers Freund Leslie nimmt sich verzweifelt das Leben. Mit kühlem Mut gelingt es, die Klinik offen zu halten und einige wenige Menschen zu retten. Ihre zahlreichen Verbindungen in die Frauenwelt Urfas bietet Elisabeth Künzler die Möglichkeit, Kinder und Frauen nach Aleppo zu schleusen..."

Ab Oktober 1922 läuft eine zweite Rettungswelle für Christ*innen in der Türkei an. "Auf dramatische Weise gelingt es etwas 8000 Waisenkinder über den Euphrat in Syrien und im Libanon in Sicherheit zu bringen. Für etwa 1400 von ihnen übernimmt das Ehepaar Künzler die Leitung eines Waisenhauses."

Hier geht es zu den Hinweisen über die Ausstellung: https://kirchehundwil.ch/?page_id=4029

Jörg Niederer war Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Montag, 31. Mai 2021

Pfarrpersonen auf Auf- und Abwegen

Ein Gedanke

Bergwirtschaft auf der Hundwiler Höhe
Foto © Jörg Niederer
"Hunde beissen mich nicht. Es sind die Menschen." Marilyn Monroe

Ein Bibelvers - 2. Mose 19,20

"So stieg der Herr auf den Berg Sinai herab, auf den Gipfel des Berges. Als er Mose zu sich rief, stieg Mose auf den Gipfel des Berges."

Eine Anregung

Heute geht es mit der Pfarrkleingruppe über die Hundwiler Höhe. Als ich vor Jahren schon einmal hinauf wanderte, begegnete ich zwar bei einem Haus unzähligen Katzen, aber auf dem ganzen Weg nur gerade einem Hund. Sollte es also besser Katzwiler Höhe heissen?

Ordsnamen.ch klärt wieder einmal auf: Hundwil hat nichts mit Hunden zu tun, sondern ist hergeleitet vom althochdeutschen Personennamen Hundo/Hunto. Hundwil bedeutete also "beim Gehöft des Hundo". Mit Hunden muss folglich nicht mehr als andern Orts gerechnet werden. Das ist bestimmt mindestens für eine der Pfarrpersonen, die dabei sein werden, beruhigend.

Auf Lateinisch heisst unser Wanderhöhepunkt wohl so ähnlich wie: Huntwillare altitudo.

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Sonntag, 30. Mai 2021

Ernsthafte Gespräche - im Podcast und in der Kirche

Ein Gedanke

Lastenausgleich
Foto © Jörg Niederer
"Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann." Jeremias Gotthelf (1797 - 1854)

Ein Bibelvers - Matthäus 11,30

Jesus: "... mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last."

Eine Anregung

Ernst Field bin ich auch schon begegnet. Es war die Zeit, in der seine Mutter, bevor sie Münsterpfarrerin in Basel wurde, die Evangelisch-methodistischen Kirche in Winterthur leitete. Mit seinem Vater David Field arbeitete ich bis vor kurzem im Ausschuss Kirche und Gesellschaft zusammen.

Ernst Field führt heute als Podcaster "Ernsthafte Gespräche". Unter diesem Label sind schon 14 Episoden erschienen. Mir gefallen die lebendige Gesprächsführung und die teils überraschende Fragestellung. Hört doch einmal rein, zum Beispiel in die Episode #9 mit Salome Lang, Spitzenhochspringerin und einstige HSG-Studentin in St. Gallen: https://anchor.fm/ernsthafte-gespraeche

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Samstag, 29. Mai 2021

Vielseitig und Überraschend - Portrait von Methodistenpfarrer Stefan Moll

Ein Gedanke

Stefan Moll bei Aufnahmen von Musig24.tv
Foto © Jörg Niederer
"Zuletzt hatte er im Regionalanzeiger Limmatwelle eine Kolumne geschrieben, in der er «Gott» als 'G*tt' schrieb, als Allusion auf das Gendersternchen, das in der Debatte um geschlechtergerechte Sprache immer wieder für Aufruhr sorgt." Robin Adrien Schwarz im Beitrag über Methodistenpfarrer Stefan Moll

Ein Bibelvers - Matthäus 5,38+39

Jesus: "Ihr wisst, dass gesagt worden ist: 'Auge für Auge und Zahn für Zahn!'. Ich sage euch aber: Wehrt euch nicht gegen Menschen, die euch etwas Böses antun! Sondern wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch deine andere Backe hin!"

Eine Anregung

Robin Adrian Schwarz, Redaktor bei der Regionalzeitung Limmatwelle, interessiert sich für Philosophie, Literatur, Journalismus, Musik und Digitales. In diesen Tagen ist er bei einem "Artverwandten" gelandet. Stefan Moll, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche, Radioprediger, Schlagerpfarrer, Literaturjunkie und immer gut für überraschende Gedanken, wurde von Robin Adrian Schwarz in einem Beitrag portraitiert. Herausgekommen ist ein überaus lesenswertes Portrait, fern von Klischees und Banalitäten. Also die ideale Samstagslektüre: https://robinadrienschwarz.medium.com/mit-formeln-brechen-die-nicht-mehr-zeitgem%C3%A4ss-sind-ffdd978bc140

Nun ist der Beitrag über den Methodistenpfarrer Stefan Moll im Blog des Journalisten eingerahmt vom Beiträgen zum Oltner Schreiberling Pedro Lenz und dem Frauenfelder Schriftsteller Usama Al Shahmani. Allein das ist schon fast ein Ritterschlag. 

Jörg Niederer ist Mitglied im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika